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Interview vom 15. April 2021



Seit einigen Monaten erobert ein Typ aus Freital in Sachsen die Herzen der kleinen und großen Musikhörer. Er nennt sich Whysker und stand auch schon mit seiner Band bei unserer Party zum 11-jährigen Bestehen von Deutsche Mugge in Berlin auf der Bühne. Nach dem Album "In der Ferne" erschien jüngst mit "Leuchtturm" sein zweites Studioalbum und es wurde nunmehr echt Zeit, ihn auch mal für ein Interview einzuladen.006 20210503 1510032058 Also hat es sich unsere Redaktion nicht nehmen lassen, neben der Veröffentlichung einer Albumrezension zu "Leuchtturm" (siehe HIER) auch eine Interview-Anfrage nach Sachsen zu verschicken, um dem Liedermacher etwas auf den Zahn zu fühlen und mehr über den Menschen, das Album und den Künstler an sich zu erfahren. Dies tat unsere Kollegin Lisa vor ein paar Tagen ...




Mit bürgerlichem Namen heißt du Willi Papperitz. Wie kam es zu dem Künstlernamen "WHYSKER"?
Viele sprechen meinen Künstlernamen als "Wisker" aus. Das ist auch völlig verständlich, aber eigentlich wird er "Weisker" gesprochen und genau in dieser Weise wurde auch mein Geburtsname geschrieben. Abgewandelt hatte ich das aus verschiedenen Gründen u. a, weil es besser in das geschwungene Logo passte. Viele verbinden es auch mit Whisky und das passt auch, da ich u. a. Irish Folk mache und auf einigen Whisky-Veranstaltungen spiele - obwohl ich gar keinen Alkohol trinke ;-)

Wie kommt es, dass ein Mensch wie du, der in Mitteldeutschland heimisch ist, so perfekt ein nordisches Lebensgefühl vermitteln kann?
Das ist eine gute Frage. Ich bin als Kind sehr häufig mit meinen Großeltern an der Nordsee gewesen und es hat mir dort schon immer sehr gefallen. Später war ich dann auch im Urlaub in Irland und Norwegen. Ich bin kein geborener Seemann, hab das Meer aber schon immer geliebt und würde eigentlich auch gern da wohnen. Ich liebe es dort zu sein und genieße es sehr. Daraus hat es sich wohl ergeben, dass ich zunächst Seefahrtsmusik und Mittelalterliches gehört und später in eigenen Liedern umgesetzt habe.

Deine musikalischen Anfänge hattest du mit der Band DIE FEIGEN BLÄTTER, zusammen mit Felix Großmann. Warum wurde die Zusammenarbeit beendet?
Die ist gar nicht wirklich beendet, uns gibt es auf dem Papier noch und hin und wieder spielen wir auch noch gemeinsam. Dieses Jahr sind wir 10 Jahre zusammen und wollten das eigentlich auch feiern. Daraus wird nun nichts, aber wir werden zumindest einen gemeinsamen Livestream machen, in dem wir auf die vergangenen Jahre zurückschauen. Felix und ich sind auch vor Corona schon nicht mehr viel zusammen unterwegs gewesen,002 20210503 1735807048 aber wir haben ab und zu trotzdem noch Dinge zusammen gemacht. Ich organisiere den kulturellen Teil der Whiskymesse in Dresden und dabei hat er mir beim technischen Teil geholfen. Das war im vorletzten Jahr und wir haben dort auch zusammen Musik gemacht. Darüber hinaus gab es noch ein paar weitere gemeinsame Auftritte.

Wie kam es, dass es drei Songs aus dieser Zeit mit Felix Großmann auf "Leuchtturm" geschafft haben?
"Rotkopf Görg" (2014), "Ein Dorf im Kampf" (2014) & "Schatzsuche auf hoher See" (2011) stammen aus dieser Zeit. Ich wollte die noch mal neu aufgreifen, denn ich spiele sie immer noch sehr gern und es hat sich gezeigt, dass die Leute diese Songs auch lieben. Unsere alten Aufnahmen besitzen nur wenige und sie waren qualitativ noch auf einem ganz anderen Stand. Ich wollte die Lieder einfach als neue Aufnahmen. Gerade bei "Ein Dorf im Kampf" hatten wir jetzt die Möglichkeit es richtig fett klingen zu lassen und endlich hat der Song auch einen Dudelsack.

Wie lange hast du insgesamt an deinem neuen Album "Leuchtturm" gearbeitet?
Hmmm … das war so ein schleichender Prozess, etwa ein bis eineinhalb Jahre. Es ist etwas schwierig zu sagen. Das Einspielen der Songs lief durch Corona anders als geplant. Ludwig, der Produzent unseres Albums, und ich saßen alleine im Studio und ich habe die Gitarre und den Gesang zunächst alleine aufgenommen. Drums, Geige und andere Instrumente wurden dann ebenfalls alleine eingespielt. Wir waren nie alle zusammen, maximal zu dritt.

003 20210503 1795434889Hast du einen persönlichen Favoriten?
Musikalisch gesehen finde ich "Dein letztes Boot" am schönsten. Hinten raus wird es schon fast orchestral, aber das bedeutet auch, dass wir es in der Art wohl nie live spielen können, wenn wir nicht doch mal von einem kleinen Orchester begleitet werden. "Ein Dorf im Kampf" und "Leuchtturm" finde ich musikalisch auch sehr stark.

Wie kam es dazu, dass sich "Leuchtturm" größtenteils an der rauen See widerspiegelt?
Der ursprüngliche Gedanke war, ein reines Folk-Album zu machen, bei dem es nur um Stimmung und Spaß geht. Damit es von allen drei Facetten mal ein Album gibt - Liedermacher, Kinderlieder und Spaß/Stimmung. Beim Schreiben hat dann der Liedermacherpart doch wieder Raum gewonnen und so ist es nun eine schöne Mischung geworden. Für die See gab es aber kein spezielles Motiv. Das ist mit der Zeit entstanden und gewachsen.

Was ist deine Inspiration zum Texten und Komponieren?
Ich glaube zum Komponieren gibt es bei mir keine Inspiration, zum Texten sind es meist Dinge die mir im Leben geschehen und hin und wieder auch einfach mal eine ausgedachte Geschichte. Wie eben "Das Dorf im Kampf". Manche Texte schreibe ich alleine, aber viele entstehen auch zusammen mit Jörg Dahlbeck. Wir treffen uns jeden Montagmorgen zum gemeinsamen Texten per Videokonferenz.

004 20210503 1535985042Wenn du nicht gerade selbst Musik machst oder auf der Bühne stehst, was für Musik/Künstler/Bands hörst du Privat?
Das ist ganz verschieden, eigentlich fast alle Musikstile - Blues und Jazz, Mittelalterrockbands wie In Extremo, Subway to Sally, etc., die komplette Palette, aber auch Leute wie Gundermann, Stoppok, Georg auf Lieder oder Holly Loose. Alles was jetzt nicht Oberkommerz ist.

Gibt es Künstler mit denen du gerne einmal zusammenarbeiten wollen würdest?
Eric Fish - wäre schon cool mal was mit dem machen zu können, vielleicht ergibt sich so etwas mal. (lacht)

Du selbst bist sehr Facettenreich und bist nicht nur Musiker, sondern auch Sprecher, Moderator, Tontechniker und Organisator. Doch wofür brennst du am meisten?
Musik!

Neben deinem erwachsenen Bühnenprogramm, hast du auch ein Programm für Kinder mit dem du in Schulen, Kitas oder auch auf Stadtfesten auftrittst. Wenn du dich entscheiden müsstest, mit welchem Programm bist du lieber auf Tour?
Alles hat seinen Reiz. Es ist toll, wenn die Leute bei den Folk-Songs laut mitsingen, klatschen und tanzen. Aber es ist eben auch sehr schön, wenn man als Liedermacher Publikum vor sich hat, das aufmerksam zuhört und sich mit den Texten verbunden fühlt. Musik mit Kindern macht großen Spaß. Es gibt immer etwas zu lachen und ist jedes Mal ein großartiges Gefühl, wenn sie auf Veranstaltungen mit mir zusammen singen oder mir in den Kitas voller Stolz die Einrichtung zeigen oder erzählen, dass sie heute Mittagskind sind oder neue Schuhe haben. Ich kann mich nicht entscheiden, welches Programm ich am liebsten habe.

005 20210503 1485948756Du hast 2019 ein Kinderalbum veröffentlicht. Wie kamst du auf die Idee?
Mit den FEIGEN BLÄTTERN haben wir meist auf Privatveranstaltungen gespielt und dort waren oft auch Kinder, die mit großen Augen dicht vor uns saßen und zuhörten. Darum habe ich ab und zu auch mal ein Lied für die Kleinen gespielt, die dabei großen Spaß hatten. Durch die Geburt meiner eigenen Kinder ist es dann noch mehr gewachsen und die ersten Lieder sind wegen und für meine erste Tochter entstanden. Und schon war ich dann der "Pirat Willi".

Du warst die letzten Jahre größtenteils in Sachsen und Mitteldeutschland unterwegs. Absicht oder Zufall? Wo würdest du gerne mal auftreten?
Es ist einfach praktisch, denn ich hab mich hier noch nicht tot gespielt. Ich hab die Möglichkeit in so vielen unterschiedlichen Bereichen zu spielen, dass die Notwendigkeit bisher nicht da war. Ich muss aber trotzdem mal den Schritt gehen, auch weiter weg zu spielen und würde das auch sehr gerne machen. Ich habe hier so viele Anfragen, dass ich fast nie selbst bei Veranstaltern nach Auftritten fragen muss. Gerade nach dem ersten Lockdown, als alles wieder etwas gelockert wurde, habe ich - weil alles andere abgesagt wurde - Gartenkonzerte angeboten. Es gab so einen großen Zuspruch, dass ich wahnsinnig viel unterwegs war und in vielen privaten Gärten im direkten Umland gespielt habe.

007 20210503 1295894306Was würdest du dir für deine musikalische Zukunft wünschen? Kommerzieller Durchbruch oder doch lieber den eigenen Ansprüchen gerecht werden und in kleinen Clubs spielen?
Ich denke nicht, dass meine Musik dafür gemacht ist ein kommerzieller Durchbruch zu werden. Vermutlich wollen es wohl die meisten Musiker mal erleben, auf einer riesigen Bühne zu stehen, einfach mal das Gefühl mitnehmen. Und klar, das würde ich auch gerne mal machen. Sicher eine aufregende Erfahrung. Aber generell finde ich es sehr cool in kleinen Clubs oder auf Kleinkunstbühnen zu spielen. Dieser direkte Kontakt zum Publikum ist einfach sehr familiär und nicht so anonym. Das gefällt mir unheimlich gut. Ich kann danach noch mit den Leuten zusammen sitzen und quatschen. Natürlich würde ich mir schon wünschen noch bekannter zu werden, aber es müssen jetzt nicht 20.000 Leute in einer Halle sein. ;-)

2020/2021 haben in der Kulturszene tiefe Wunden hinterlassen. Was hat die Coronazeit mit dir als Musiker gemacht?
Es ist natürlich eine Haupteinnahmequelle verloren gegangen. In meiner Selbstständigkeit kann und konnte ich aber auch noch mit anderen Dingen mein Geld verdienen. Trotzdem fehlt mir die Livemusik. Gitarre zu Hause oder im Garten spielen ist schön, aber ich würde gern auch mal wieder über eine Anlage spielen und Leuten dabei in die Gesichter schauen. Meine Musik habe ich nun sehr viel online gemacht. In der Zeit des ersten Lockdowns habe ich eine Gute-Nacht-Sendung für Kinder ins Leben gerufen und fast jeden Abend die Kleinen live ins Bett gebracht. "Flaschenpost & Walgesang" nannte sich die Sendung. Da habe ich eine Geschichte vorgelesen und gesungen. Die Kinder haben mir Bilder und Sprachnachrichten zugeschickt, die ich in der folgenden Sendung gezeigt habe. Aber ich habe auch andere Livestreams gemacht und in letzter Zeit wieder regelmäßig Songs bei YouTube hochgeladen. Auch wenn es wohl noch etwas dauern wird, bis der Veranstaltungsbetrieb wieder richtig los geht, ich bereite mich weiter darauf vor. Wenn irgendwann jemand sagt, "Jetzt geht's wieder los!", dann spiele ich auch wieder.



Interview: Lisa Walther
Bearbeitung: cr
Fotos: Pressematerial Whysker, Redaktion





   
   
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