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Ein Beitrag von Ronald Toplak. Foto KI
generiert (Grundlage Pressebild der TELDEC)



Clowns, Helden und ich am Mischpult!
Es gibt Songs, bei denen ich als DJ auf Autopilot schalte. "Ich liebe dich" von Clowns & Helden ist so einer. Intro rein, Blick ins Publikum, drei, vier Takte, und die erste Reihe fängt an zu schunkeln, als hätte man einen Schalter umgelegt. Zugeständnis an die Mädels, sage ich mir dann immer. Selbst bei knallharten Rocknights.

Was kaum einer merkt: Ich spiele nur das Original. Die Vorab-Single. Die Version, in der eine Stimme zu Beginn sagt: "Wir haben '86..." Nicht '87, wie es die meisten kennen, die später eingestiegen sind. Kleiner Klugscheißer-Modus, ich weiß. Aber genau in dieser einen nachträglich eingesungenen Jahreszahl steckt die ganze Geschichte dieser Band.

Die Wurzeln liegen in Kirchgellersen bei Lüneburg, 1984, Vorgängerband namens Zulu, die in Jugendzentren spielte und gegen die Hafenerweiterung in Hamburg-Altenwerder anmusizierte. Solidaritätskonzerte, kein Glamour. Aus Zulu wurde Clowns & Helden, ein Bandname, der Carsten Papes Kopf entsprungen war - von Anfang an als Rocktheater gedacht, nicht als Chartmaschine.


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Dann passierte etwas, das sich kein Label-Manager hätte ausdenken dürfen: Der Song floppte zunächst so gründlich, wie nur ein Song floppen kann, der eigentlich alles richtig macht. Ende 1986 raus. Sofort wieder weg vom Fenster, als hätte ihn nie jemand gepresst. Kein Radio, keine Charts, nichts. Quasi im Trubel des Jahreswechsels untergegangen. Bis Jürgen von der Lippe die Band in "So isses" auftreten ließ. Und der Song sich in Bewegung setzte wie ein Komet, der nur ein paar Monate zu spät durchs Sonnensystem trudelt. Ein Sleeper-Hit im Zeitraffer: Im Januar 1987, kaum dass das neue Jahr richtig angefangen hatte, der Charteinstieg. Im Frühjahr die Krönung. Dreimal Platz eins in der ZDF-Hitparade, Platz vier der Top 75, Gold, 1,4 Millionen verkaufte Scheiben. Für eine Single, die eigentlich schon zu den Akten gelegt war.

Nur: Das Album war zu dem Zeitpunkt längst in Produktion, für 1986 geplant. Und ein Song, der mit "Wir haben '86..." anfängt, klingt im Frühjahr '87 auf einmal ziemlich alt. Also ab ins Studio, die Zeile neu eingesungen, "Wir haben '87..." - fertig war die aktualisierte Albumversion. Ein kleiner Etikettenschwindel fürs gute Timing, den bis heute kaum jemand bemerkt, weil kaum jemand beide Versionen nebeneinanderlegt. Ich schon. Deshalb der Klugscheißer-Modus.


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Die in der DDR erschienene AMIGA-Quartett-Single



Der Rest ist die übliche One-Hit-Wonder-Dramaturgie, nur mit Ansage. 1988 das zweite Album, ein Flop, wie er im Buche steht. 1989 die Auflösung. Aus Helden wurden wieder ganz normale Musiker. Carsten Pape blieb ohne den zweiten Hit. Vopá in den Neunzigern, später Roh, eng befreundet mit Lotto King Karl. Zusammen prägten sie über Jahre die HSV-Hymne „Hamburg, meine Perle“ im Volksparkstadion.

Rote Teppiche meidet er bis heute konsequent; seine Einladung zur einstigen Echo-Verleihung soll er einfach an wartende Fans verschenkt haben. Sein späterer Kommentar dazu, sinngemäß: Den Preis gibt's nicht mehr. Ihn schon. Wolfgang Jensen, der zweite Sänger, tourt bis heute mit seiner Band Toben durch norddeutsche Säle. Und ich? Ich stehe weiter am Pult, spiele konsequent die '86er-Version, sehe die Mädels tanzen und denke mir meinen Teil. Manche Songs brauchen zwei Anläufe, um zum Hit zu werden. Manche Bands brauchen zwei Jahreszahlen, um ehrlich zu bleiben. Und manche DJs brauchen einen Klugscheißer-Modus, um sich selbst bei Laune zu halten, ein Zugeständnis, das ich mir selbst mache. An die Wahrheit. Und ans Original.




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