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Titel: Interpret: Label: VÖ: Titel: |
"Regenrhythmus" Marianne Rosenberg Edel 25. Februar 2011 1. Liebe tief erfunden |
Ich gebe zu, dass mir diverse Sachen von Marianne Rosenberg sehr gut gefallen. Dazu gehört z.B. das Album "Uns verbrennt die Nacht" aus dem Jahre 1989. Auch das '93er Werk "Set The Night On Fire" hat bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen. Es gibt also durchaus CDs von Marianne Rosenberg im Hause Reder. In den letzten Jahren verlor sich allerdings die Spur, ich habe den Weg der Sängerin nicht weiter verfolgt. Nun erreichte mich mit dem im Februar erschienenen Album "Regenrhythmus" ihr neuestes Werk und ich muss sagen, ich bin wirklich überrascht...
Überrascht allerdings nicht im positiven Sinne. Dieses 13 Titel umfassende Werk läßt mich die Marianne Rosenberg von einst nur noch schemenhaft wiedererkennen. Lediglich ihre außergewöhnliche Stimme ist hier und dort noch erkennbar. Umschreibungen wie "die Künstlerin hat sich weiterentwickelt" lasse ich hier als Ausrede jedenfalls nicht gelten! Musikalisch wandelt sie heute in Sphären, in die ich mich freiwillig niemals hinbegeben würde. Das Album startet mit dem Song "Liebe tief erfunden". "Erfunden" oder "empfunden"? Seltsame Wortspielerei... Hier hatte ich dann auch den ersten sich komisch anfühlenden Moment... Mit auf kindlich verstellter Stimme säuselt uns die Rosenberg zu Klängen wie ich sie zuletzt auf Madonnas "Ray Of Light"-Album im Jahre 1998 gehört habe (also längst überholt) einen schwer-verdaulichen Text ins Ohr. Einmal kurz geschüttelt und schnell zum nächsten Song. Hier erwartet uns mit "Verliebte Jungs" der nächste sonderbare Moment. Im Verlauf des Stücks frage ich mich, ob ich hier eingeschläfert werden soll. Sphärisch plätschert hier Computermusik dahin und Frau Rosenberg singt uns dazu etwas über - wie's der Titel schon verrät - verliebte Jungs. Mag sein, dass das demnächst eine der beliebtesten Gay-Hymnen für den "Darkroom" wird - auf mich wirkt der Song musikalisch äußerst befremdlich. Song Nr. 3 ist dann allerdings eine äußerst positive Überraschung. Im 80er-Retro-Stil wummert der Bass, knallt der Beat und die Rosenberg zeigt sich künstlerisch und gesanglich auf höchstem Niveau. Der Song "Rette mich durch die Nacht" ist ein absoluter Hit-Garant! So kenne ich Marianne Rosenberg, so möchte ich sie hören... Das positive Intermezzo wird jedoch schon beim nächsten Titel wieder zunichte gemacht. In "Film Noir" plätschert erneut eine computer-arrangierte Nummer dahin. Wieder diese verstellte oder verzerrte Stimme Marianne Rosenbergs, wie sie mich schon beim ersten Lied erschreckt hat. Das Aufzählen namhafter Darstellerinnen im Songtext (erinnerte mich stark an Holly Johnson's Lied "Legendary Children" von 1994, da funktionierte die Idee) wertet die Nummer auch nicht auf... Ein weiterer Schwachpunkt... In diesem Stile geht's weiter. "Julikuss" ist musikalisch genauso gestrickt wie Song 1 und 4. Bei "Genau entgegengesetzt" wird der computeranimierte Sound durch Orchester ergänzt. Die depressiv vor sich hin blubbernde Nummer ist mit einem Text versehen, bei dem ich mich jetzt noch am Kopf kratze. Was möchte uns die Künstlerin sagen? Diesem Song folgt nochmal ein Lichtblick, das Lied "Dämonen und Wunder" ist nach "Rette mich durch die Nacht" der zweite gute Titel auf der CD. Eine herrlich-melancholische Ballade mit einem absolut gelungenen Text. Warum sind Songs mit dieser Qualität hier nur die Ausnahme? Schade! Finster geht's mit "Die Zeit und die Herzen" weiter. Das depressive Element rückt im Verlauf der Platte immer wieder in den Vordergrund. Munter wiederholt man sich hier jetzt nicht nur musikalisch, sondern auch textlich: Die Metapher mit dem "Zeiger verbiegen" hatte man gerade erst im vorherigen Song gehört. Pfiffiger wird sie durch die Wiederholung auch nicht... Diesem Song schließt sich das Lied an, dem das Album seinen Namen verdankt: "Im Regenrhythmus". Musikalisch hat man sowas bei 2raumwohnung schon wesentlich besser gehört! Die Botschaft im Refrain wird uns international serviert - neben "preisverdächtigen" Textzeilen wie "Liebe heißt Leben - was sonst" wird eine auf Englisch gesungene Botschaft gleich hinterher geschickt. Ohne Worte! "Und wenn ich sing" ist dann wieder einer dieser Momente, die man beim Hören dieser CD dankbar aufnimmt. Eine herrlich erfrischend produzierte Popnummer mit Elementen von New Order und Camouflage. Auch der Text passt hervorragend zum Lied und hat inhaltlich das gewisse Etwas. Überraschenderweise hält der nächste Titel das Niveau. In "Lauf Kleine" gibt's inhaltlich eine gehörige Breitseite gegen Castingshows und die selbsternannten Götter (Titanen) und Macher im Hintergrund, die junge Nachwuchstalente reihenweise verfeuern. Zwar schwächelt die Nummer musikalisch etwas, aber das ist bei der gelungenen Idee absolut entschuldbar. Dafür geht der Daumen nach oben! Mit "Vorbei ist es nie" und "Jetzt" geht die musikalische Reise durch den "Regenrhythmus" dann zu Ende. Erleichtert nimmt man den letzten Ton hin und freut sich, dass man es geschafft hat, die CD unfallfrei durchzuhören.
"Regenryhtmus" badet in einer großen Wanne Trübsinn und dunkler Gedanken. Man sollte eine Warnung auf der CD-Hülle platzieren, dass man um diese Scheibe einen großen Bogen machen möge, wenn es einem mental sowieso schon nicht so prall geht. Die Ausbeute von 3 1/2 guten Songs aus einer Auswahl von 13 ist ein wirklich schwaches Ergebnis. Hätte man mit Frau Rosenberg eine Maxi CD mit eben diesen Songs veröffentlicht, gäbe es hier jetzt eine erstklassige Bewertung. So leider nicht. Stellenweise war ich erschrocken, was die Heldin von einst heute für Musik macht. Mit einer Mischung aus traurigem Gefühl und Verwunderung stecke ich die CD zurück in die Hülle und bin mir sicher, dass davon in Zukunft höchstens noch die eben genannten drei Titel laufen werden. Es liegt mir absolut fern, die Produktion von Marianne Rosenberg platt zu schreiben, aber Leute, die sich an großartige Songs wie "Und mein Lächeln wird dir folgen", "Eins, zwei, drei" oder "C'est la vie (mein kleiner Prinz)" in Verbindung mit der Künstlerin erinnern, sollten vor dem Kauf unbedingt in die CD reinhören, bevor es eine ähnliche Enttäuschung gibt, wie sie mir hier widerfahren ist. Lobenswert ist das Artwork zu erwähnen. Zur CD gibt's ein dickes Booklet, in dem alle Songtexte abgedruckt sind. Verwundert nimmt man in den Credits zur Kenntnis, dass hier Rio Reiser als Antriebsfeder und Inspiration für Marianne Rosenbergs eigenes Texten fungierte und man ist erstaunt, wer sich heute so alles an Rio erinnert.
(Christian Reder)

