© Deutsche Mugge (2007 - 2026)
hemesath 20130626 1269236803 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Rot, so rot"
Hemesath
EV
19. Juli 2013

1. Schwarzer Engel
2. Spinne
3. Feuer frei
4. Rot, so rot
5. Keine Angst





Zuerst mal ein paar Worte zur Kapelle HEMESATH. Die Band kommt aus Beckum (NRW) und besteht aus sechs Musikern, von denen drei jeweils Gitarre spielen. Der Pressetext zu ihrer neuen CD verrät, dass hier "Deutsche Texte und harter Gitarren-Rock den Stil der Band formen". Außerdem lässt uns der Pressetext wissen, dass eben erwähnte drei Gitarren "einen Druck erzeugen, der seinesgleichen sucht". Große Worte also. Das macht neugierig. Ich gebe zu, dass ich bisher von dieser Gruppe noch nichts gehört habe, wurde aber beim Namen des Produzenten hellhörig. Kein Geringerer als Victor Smolski (RAGE) hat an den Reglern gesessen, und den Feinschliff dieser fünf Titel umfassenden CD gemacht. Ein Blick ins Booklet verrät dann beim Foto auf der vorletzten Seite auch, dass Christopher Zumbült (Gesang), André Rasfeld (Gitarre), Mick Lück (Gitarre & Gesang), Wolle Broschk (Gitarre), Peter Bernhardt (Bass) und Frank 'Chopper' Schoppengerd (Schlagzeug) schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben. Hier ist also keine Nachwuchsband am Werk, sondern gestandene Herren.

"Schwarzer Engel" heißt die erste Nummer auf der CD. Sie startet mit einer dezent gespielten Gitarre, bis Sänger Christoph mit einem verdächtig rollenden "R" auf den Lippen beginnt zu singen. Till Lindemann lässt grüßen. Kurz darauf knallen einem dann auch die fetten Sounds von mehreren Gitarren um die Ohren, und die Rhythmus-Fraktion sorgt für den nötigen Beat und einen ordentlichen Wumms. Da hat der Beipackzettel zur CD nicht zuviel versprochen. Musikalisch hat das wirklich einen geilen Druck, da gibt es keine zwei Meinungen. Trotzdem hat das hier einen spürbaren und schmerzhaften Haken: Was ich hier höre klingt zwar vertraut, aber leider nicht im positiven Sinne. Es ist alles andere als einfallsreich und schon gar kein innovatives Stilmittel, wenn man bei neuen Hardrock- oder Metal-Produktionen unbedingt wie der Sänger von Rammstein klingen will. Das zusammen mit dem Text des Songs, versaut einem dann aber so richtig den Spaß an der Musik. Die kreativen Köpfe von HEMESATH haben sich beim Texten offenbar kräftig verhoben. Kostprobe gefällig? Bitte sehr: "Meine Macht ist / Eure Ohnmacht / Tiefer Schmerz / Der Euch verdirbt / Nur ein Mensch / Der sich vernichtet / Hat ein Herz, das / Niemals stirbt". Das ganze muss man sich im Stil von Rammsteins "Engel" gesungen vorstellen. Während das RRRRRRollende R beim Gesang nach dem ersten Song Gott sei Dank wieder verschwindet, zieht sich das Problem mit den Texten aber leider wie ein roter Faden durch die fünf Titel der CD.

Nach dem Prinzip "Reim dich oder ich krieg Dich" geht's auch im nächsten Song weiter. Der heißt "Spinne", und schon geht es wieder los... Wie schon erwähnt, fehlt mir auch hier der Zugang zum Inhalt. Zu Hören ist ein Aneinanderhängen von sich reimenden Zeilen ohne erkennbaren Zusammenhang. Bestes Beispiel ist allein der Widerspruch in folgenden Zeilen: "Wie schön Dein Haar sich kräuselt / Angst Dir sacht im Nacken säuselt / Ich will Dich laufen sehn / Wir werden zusammen geh'n". - oder der hier: "Bin stets auf großer Fahrt / das habe ich mir bewahrt / Ich will Dich tanzen sehn / Will mit Dir auf dem Himmel steh'n". Ne, Freunde... das ist weder Poesie noch sonst irgendwas Brauchbares. Das wirkt wie unter Hochdruck am Frühstückstisch zusammengeschraubt und anschließend vertont, weil der Abgabetermin im Kreuz drückte. Wenigstens macht die Musik Spaß, denn da gibt's nix zu meckern. Perfekt arrangiert und erstklassig produziert. Und so geht's eigentlich auch bis zum Schluss weiter: Musik klasse - Texte au weia! Höhepunkt der Peinlichkeiten ist das Stück "Feuer frei". Hier versucht die Band offenbar Kritik an der amerikanischen "Kriegsführung" und an Guantanamo zu üben. Wirkt ebenso unfreiwillig komisch wie die Texte vorher und danach, denn auch "Rot, so rot" und "Keine Angst" lassen es nicht zu, dass ich das hier ernstnehmen kann.

Fassen wir zusammen: "Rot, so rot" ist alles in allem ziemlich unausgegoren. Handwerklich kann man den Musikern wirklich nichts nachsagen. Die Musik überzeugt durch die druckvollen Gitarren und die wirklich interessanten Ideen bei den Arrangements. Hier hat der Pressetext nicht zu viel versprochen. Das liegt aber vielleicht auch ein großes Stück an der Arbeit von Victor Smolski und seinen Kollegen an den Reglern, denn die CD ist erstklassig gemischt und der Sound macht echt Laune. Absolut gar nicht gehen der Gesangsstil bei "Schwarzer Engel" und die Texte insgesamt. Auf der bandeigenen Homepage in der Vorstellung von Sänger Christopher ist die Rede von "herausragenden Texten". Nicht dabei steht, in welche "Richtung" diese herausragen. Ich weiß es jetzt aber...
Leute, die im Metal-Bereich auch gern über die Texte und nicht nur über die Musik von den Songs überzeugt werden möchten, werden von Anfang an keinen Spaß an "Rot, so rot" haben. Das Ganze hier ernst zu nehmen fällt mir persönlich wirklich äußerst schwer, völlig egal, wie das am Ende mit lauter PA und Feuerwerkeffekten live umgesetzt wird. Die Texte bleiben. Es reicht eben nicht, auf einem Bandfoto im Booklet böse zu gucken, Lederkluft zu tragen und die Gitarre mal kräftig aufschreien zu lassen. Es ist echt schade, dass die toll produzierte und gespielte Musik auf der CD nicht mit gutem Inhalt gefüllt werden konnten. HEMESATH sollte schleunigst zusehen, dass sie ihren eigenen Stil und einen guten Texter finden.
(Christian Reder)






Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

CookieHint and Consent by reDim GmbH (Öffnet in neuem Fenster)