Patrick Baumbach: "Musik, die Brücken baut" (Buch)
VÖ: 26.03.2025; Verlag: BoD/Books on Demand; ISBN-13: 978-3769313680; Beschreibung: 500 Seiten, gebundene Ausgabe/Hardcover. "Eine Reise durch die Werke der Kultband Karat"; |
Rezension:
Brückenbauer schreibt KARAT-Buch
Als ich in den 2000er-Jahren die Homepage der Gruppe Karat als Webmaster mit Leben gefüllt habe, fiel mir ein Junge im Alter von 12 oder 13 Jahren auf - ein Fan der Gruppe, ein Fan der Musik, die viel älter war als er, die aus einer Zeit stammte, die er selbst gar nicht kannte. Patrick Baumbach hieß der Junge, der aus dem Harz kam und plötzlich vor den Bühnen der Band stand, deren Musik er innig liebte und schon damals versuchte, selbst zu reproduzieren. Ich fand das damals absolut faszinierend - waren die Leute, mit denen man sonst zu tun hatte, doch eigentlich auch schon teilweise älter als man selbst.
Ich behauptete damals von mir - eigentlich mehr aus Spaß als ernst gemeint -, der größte Karat-Fan aller Zeiten zu sein. Ich hatte ein umfangreiches Wissen über die Band, hatte jeden Ton, den sie je gespielt hatte, auf irgendeinem Tonträger im Schrank und das große Glück, meine lieb gewonnenen Musiker irgendwann auch einmal persönlich kennengelernt zu haben. Aber nein - es gibt keinen größeren Fan, niemanden, der so ein Fachwissen hat, und niemanden, der die Musik so in- und auswendig kennt wie Patrick Baumbach. Das muss man neidlos anerkennen. Und ich persönlich freue mich darüber, so einen Menschen zu kennen, der die gleiche Leidenschaft teilt und mit dem man zu diesem Thema sogar eigene Projekte anstoßen kann - so wie dies mit der eigenen Radioshow, dem sogenannten Karat-Archiv, und letzten Endes mit der Doppel-CD "Die legendären Konzerte 1975 & 1978" und den Rundfunkfundstücken geschehen ist. Nun ist Patrick Baumbach hergegangen und hat ein eigenes Buch veröffentlicht, in dem er uns an seinem Wissen teilhaben lässt.
Aber hat man nach Caroline Gerlachs Buch "Karat. Pop Nonstop" (1985), Wolfgang Schumanns "Karat. Über sieben Brücken …" (1995), Jens Fritzsches "Meine Jahre mit Karat" und Christine Dähns "Karat. Über sieben Brücken musst du gehen" (2010) nicht schon genug Material auf Papier zum Thema? Ist die Geschichte von Karat nicht schon mehrfach ausführlich erzählt worden, sodass ein weiteres Buch komplett überflüssig ist? Diese Frage hat sich der Autor sogar selbst gestellt, als er an seinem Werk "Musik, die Brücken baut" gearbeitet hat und es kurz vor der Veröffentlichung stand. Schon damals habe ich ihm die Frage nach dem Sinn oder Unsinn eines weiteren Buchs mit einem deutlichen "Nein" beantwortet: Nein, es gibt noch nicht genug - und so etwas schon gar nicht! Um die nächsten Selbstzweifel aus dem Weg zu räumen: Ja, die Gemeinde hat auf genau dieses Buch gewartet! Was es hier auf fast 500 Seiten zu lesen gibt, ist absolut vorbildlich - perfekt recherchiert und erstklassig formuliert. Im Rahmen einer Werkschau, bei der der Autor Patrick Baumbach jede Publikation der Band hergenommen und detailliert beschrieben hat, wird die Geschichte dieser Band nochmals ausführlich und mit vielen interessanten Details erzählt. Das hat es bisher noch nicht gegeben! In keinem der vorher genannten Werke wurde eine ähnliche Vollständigkeit mit Spannung kombiniert wie in diesem Buch - und das schreibe ich nicht als Freund des Autors, sondern weil es so ist.
Was Patrick Baumbach ebenfalls sehr gut gelingt, ist die völlig wertneutrale Beschreibung der Geschichte. Er urteilt nicht, er erhebt keine Vorwürfe und er leitet die Leser in keine spezielle Richtung. Es ist genau diese Neutralität, mit der er als Fan von Karat herangegangen ist, die das Buch so wertvoll macht. Als Karat-Fan ist man pauschal befangen - da kann man machen, was man will. Wer, wenn nicht ich, kann das so sagen? Mir fällt es absolut schwer, neutral zu sein im Hinblick auf das, was man in den letzten Jahren alles so erfahren hat und in welche Richtung sich das aktuell operierende Unternehmen namens Karat bewegt hat. Auch Patrick Baumbach ist sehr nah an der Band dran, kennt viele von den Musikern persönlich - und auch wenn er keinerlei künstlerischen Beitrag leistet, kann man ihn wohl oder übel zum Inner Circle zählen. Und das völlig zu Recht. Jede Band würde sich einen Chronisten wie ihn wünschen, der alles so detailliert festhält und am Ende in einem Buch zusammenfasst. Absolut vorbildlich!
Ja, worum geht es eigentlich in diesem Buch? Ist es eine weitere Aneinanderreihung von Informationen und Fakten? Ja und nein. Es ist die Art und Weise, wie dieses Buch geschrieben ist, was "Musik, die Brücken baut" von anderen Biografien unterscheidet: Du nimmst das Buch zur Hand, fängst an zu lesen - und kannst nicht mehr aufhören. Du willst wissen, wie es weitergeht, auch wenn du es eigentlich schon weißt. Aber du möchtest erfahren, wie jemand anderes - und das aus einer anderen Generation - das Geschehen und die Geschichte sieht. All das, was du nur aus der Entfernung kennst oder teilweise selbst miterlebt hast. Und wenn du es selbst miterlebt hast, möchtest du gerne eine andere Meinung - nämlich seine - lesen.
Wenn man dann noch bedenkt, dass der Autor Patrick Baumbach gerade mal etwas über 30 Jahre alt ist und die ganze Anfangszeit überhaupt nicht erleben konnte, ist es umso bemerkenswerter, wie lebendig er diese Zeit eingefangen hat und wie viele Details er zusammengetragen hat, um ein vollständiges und stimmiges Bild zu zeichnen. Ich werde an dieser Stelle nicht hergehen und die Geschichte von Karat nochmals aufwälzen. Das kann man a) jetzt ganz wunderbar über dieses Buch selbst tun, und b) weiß der Fan eigentlich, worüber wir hier reden. Aber meine Empfehlung, sich dieses Buch zuzulegen und diese wunderbare Geschichte der Band - auch wenn sie mich persönlich nur noch bis zum Jahr 2004 interessiert - in Ruhe einmal selbst durchzulesen, möchte ich hiermit hinterlegen. Man bekommt viele wichtige und auch unwichtige Details zu jedem einzelnen Album erzählt: Wer steckte dahinter? Wer hat alles mitgewirkt? Wie ist es entstanden? Diese und viele andere Fragen werden hier beantwortet - und auch solche, die man sich bisher vielleicht noch gar nicht gestellt hat. Selbst ich, der - wie schon erwähnt - immer der Meinung war, schon alles zu wissen, bekam durch dieses Buch tolle neue Informationen, die bisher noch nicht bekannt waren. Danke, Patrick Baumbach! Jetzt ist alles über Karat erzählt. Ab jetzt braucht man wirklich kein weiteres Buch mehr.
(Christian Reder)
Als ich in den 2000er-Jahren die Homepage der Gruppe Karat als Webmaster mit Leben gefüllt habe, fiel mir ein Junge im Alter von 12 oder 13 Jahren auf - ein Fan der Gruppe, ein Fan der Musik, die viel älter war als er, die aus einer Zeit stammte, die er selbst gar nicht kannte. Patrick Baumbach hieß der Junge, der aus dem Harz kam und plötzlich vor den Bühnen der Band stand, deren Musik er innig liebte und schon damals versuchte, selbst zu reproduzieren. Ich fand das damals absolut faszinierend - waren die Leute, mit denen man sonst zu tun hatte, doch eigentlich auch schon teilweise älter als man selbst.
Ich behauptete damals von mir - eigentlich mehr aus Spaß als ernst gemeint -, der größte Karat-Fan aller Zeiten zu sein. Ich hatte ein umfangreiches Wissen über die Band, hatte jeden Ton, den sie je gespielt hatte, auf irgendeinem Tonträger im Schrank und das große Glück, meine lieb gewonnenen Musiker irgendwann auch einmal persönlich kennengelernt zu haben. Aber nein - es gibt keinen größeren Fan, niemanden, der so ein Fachwissen hat, und niemanden, der die Musik so in- und auswendig kennt wie Patrick Baumbach. Das muss man neidlos anerkennen. Und ich persönlich freue mich darüber, so einen Menschen zu kennen, der die gleiche Leidenschaft teilt und mit dem man zu diesem Thema sogar eigene Projekte anstoßen kann - so wie dies mit der eigenen Radioshow, dem sogenannten Karat-Archiv, und letzten Endes mit der Doppel-CD "Die legendären Konzerte 1975 & 1978" und den Rundfunkfundstücken geschehen ist. Nun ist Patrick Baumbach hergegangen und hat ein eigenes Buch veröffentlicht, in dem er uns an seinem Wissen teilhaben lässt.
Aber hat man nach Caroline Gerlachs Buch "Karat. Pop Nonstop" (1985), Wolfgang Schumanns "Karat. Über sieben Brücken …" (1995), Jens Fritzsches "Meine Jahre mit Karat" und Christine Dähns "Karat. Über sieben Brücken musst du gehen" (2010) nicht schon genug Material auf Papier zum Thema? Ist die Geschichte von Karat nicht schon mehrfach ausführlich erzählt worden, sodass ein weiteres Buch komplett überflüssig ist? Diese Frage hat sich der Autor sogar selbst gestellt, als er an seinem Werk "Musik, die Brücken baut" gearbeitet hat und es kurz vor der Veröffentlichung stand. Schon damals habe ich ihm die Frage nach dem Sinn oder Unsinn eines weiteren Buchs mit einem deutlichen "Nein" beantwortet: Nein, es gibt noch nicht genug - und so etwas schon gar nicht! Um die nächsten Selbstzweifel aus dem Weg zu räumen: Ja, die Gemeinde hat auf genau dieses Buch gewartet! Was es hier auf fast 500 Seiten zu lesen gibt, ist absolut vorbildlich - perfekt recherchiert und erstklassig formuliert. Im Rahmen einer Werkschau, bei der der Autor Patrick Baumbach jede Publikation der Band hergenommen und detailliert beschrieben hat, wird die Geschichte dieser Band nochmals ausführlich und mit vielen interessanten Details erzählt. Das hat es bisher noch nicht gegeben! In keinem der vorher genannten Werke wurde eine ähnliche Vollständigkeit mit Spannung kombiniert wie in diesem Buch - und das schreibe ich nicht als Freund des Autors, sondern weil es so ist.
Was Patrick Baumbach ebenfalls sehr gut gelingt, ist die völlig wertneutrale Beschreibung der Geschichte. Er urteilt nicht, er erhebt keine Vorwürfe und er leitet die Leser in keine spezielle Richtung. Es ist genau diese Neutralität, mit der er als Fan von Karat herangegangen ist, die das Buch so wertvoll macht. Als Karat-Fan ist man pauschal befangen - da kann man machen, was man will. Wer, wenn nicht ich, kann das so sagen? Mir fällt es absolut schwer, neutral zu sein im Hinblick auf das, was man in den letzten Jahren alles so erfahren hat und in welche Richtung sich das aktuell operierende Unternehmen namens Karat bewegt hat. Auch Patrick Baumbach ist sehr nah an der Band dran, kennt viele von den Musikern persönlich - und auch wenn er keinerlei künstlerischen Beitrag leistet, kann man ihn wohl oder übel zum Inner Circle zählen. Und das völlig zu Recht. Jede Band würde sich einen Chronisten wie ihn wünschen, der alles so detailliert festhält und am Ende in einem Buch zusammenfasst. Absolut vorbildlich!
Ja, worum geht es eigentlich in diesem Buch? Ist es eine weitere Aneinanderreihung von Informationen und Fakten? Ja und nein. Es ist die Art und Weise, wie dieses Buch geschrieben ist, was "Musik, die Brücken baut" von anderen Biografien unterscheidet: Du nimmst das Buch zur Hand, fängst an zu lesen - und kannst nicht mehr aufhören. Du willst wissen, wie es weitergeht, auch wenn du es eigentlich schon weißt. Aber du möchtest erfahren, wie jemand anderes - und das aus einer anderen Generation - das Geschehen und die Geschichte sieht. All das, was du nur aus der Entfernung kennst oder teilweise selbst miterlebt hast. Und wenn du es selbst miterlebt hast, möchtest du gerne eine andere Meinung - nämlich seine - lesen.
Wenn man dann noch bedenkt, dass der Autor Patrick Baumbach gerade mal etwas über 30 Jahre alt ist und die ganze Anfangszeit überhaupt nicht erleben konnte, ist es umso bemerkenswerter, wie lebendig er diese Zeit eingefangen hat und wie viele Details er zusammengetragen hat, um ein vollständiges und stimmiges Bild zu zeichnen. Ich werde an dieser Stelle nicht hergehen und die Geschichte von Karat nochmals aufwälzen. Das kann man a) jetzt ganz wunderbar über dieses Buch selbst tun, und b) weiß der Fan eigentlich, worüber wir hier reden. Aber meine Empfehlung, sich dieses Buch zuzulegen und diese wunderbare Geschichte der Band - auch wenn sie mich persönlich nur noch bis zum Jahr 2004 interessiert - in Ruhe einmal selbst durchzulesen, möchte ich hiermit hinterlegen. Man bekommt viele wichtige und auch unwichtige Details zu jedem einzelnen Album erzählt: Wer steckte dahinter? Wer hat alles mitgewirkt? Wie ist es entstanden? Diese und viele andere Fragen werden hier beantwortet - und auch solche, die man sich bisher vielleicht noch gar nicht gestellt hat. Selbst ich, der - wie schon erwähnt - immer der Meinung war, schon alles zu wissen, bekam durch dieses Buch tolle neue Informationen, die bisher noch nicht bekannt waren. Danke, Patrick Baumbach! Jetzt ist alles über Karat erzählt. Ab jetzt braucht man wirklich kein weiteres Buch mehr.
(Christian Reder)

VÖ: 26.03.2025; Verlag: BoD/Books on Demand; ISBN-13: 978-3769313680; Beschreibung: 500 Seiten, gebundene Ausgabe/Hardcover. "Eine Reise durch die Werke der Kultband Karat";