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PUHDYS: "Live At Rockpalast 1996" (Album)

lp2024 20241125 1113555764VÖ: 25.10.2024; Label: MiG; Katalognummer: MIG90201 (LP), MIG90202 (CD/DVD); Musiker: Dieter "Maschine" Birr (Gesang, Gitarren), Dieter "Quaster" Hertrampf (Gitarren, Gesang), Peter "Eingehängt" Meyer (Keyboard), Harry Jeske (Bass, Gesang), Klaus Scharfschwerdt (Schlagzeug, Gesang); Bemerkung: Dieses Album ist auf CD mit DVD und als Schallplatte (ohne DVD) erhältlich. Das CD/DVD-Bundle steckt in einem 6-seitigen Digipak mit Booklet und Liner Notes des Journalisten und Autors Christian Hentschel;

Titel:
"Kühle Lady", "Wenn ein Mensch lebt", "Lebenszeit", "Was bleibt", "Ich will nicht vergessen", "Keine Ahnung", "Alt wie ein Baum", Rockerrente"


Rezension:


Ihr letztes Konzert gaben die Puhdys im Jahr 2016 nach 47 Jahren erfolgreicher Bandgeschichte. Bis heute sind einige Mitglieder solo unterwegs, am erfolgreichsten Sänger Dieter "Maschine" Birr, der das Cover dieser überraschenden Veröffentlichung ziert, die nach etlichen Jahren den Fans mal wieder unveröffentlichtes Material der Puhdys bietet. Es ist der Mitschnitt eines Auftritts von 1996 auf der traditionsreichen Berliner Waldbühne, der in der verdienstvollen Reihe der "Rockpalast"-Archivveröffentlichungen erscheint.

In manchen Fällen bietet die "Rockpalast"-Serie amtliche Konzertaufnahmen, die man in den Diskografien der jeweiligen Künstler bis dato schmerzlich vermisste. Eine solche zu schließende Lücke bestand bei den Puhdys allerdings nicht. Die Puhdys hatten 1996 mit "In flagranti" sogar ein offizielles Live-Album am Start und feierten nur wenige Jahre später auf der Waldbühne auch ihr 3000. Konzert mit einem Mitschnitt für DVD und Doppel-CD. Bei der aktuellen Neuerscheinung "Puhdys Live At Rockpalast 1996" handelt es sich um ein kompaktes Set von nur knapp 35 Minuten Länge, denn an diesem Abend standen im Rahmen eines kleinen Festivals verschiedene populäre Bands aus Ost und West auf der Bühne. Die Puhdys gingen als Vorletzte an den Start, unmittelbar vor den seinerzeit kommerziell noch erfolgreicheren "Prinzen". Allerdings entfachten sie im Publikum eine Begeisterung, die sicher nur schwer zu toppen war. Unter anderen Umständen wären sie niemals ohne Zugabe von der Bühne gegangen, doch der Programmablauf mit dem fixen Veranstaltungsende 23:00 Uhr erforderte eine Konzentration, der die Puhdys mit ihrer Setlist Rechnung trugen. Ihre größten Hits wie "Wenn ein Mensch lebt", "Alt wie ein Baum" und "Lebenszeit" durften nicht fehlen. Der damals neue Song "Kühle Lady" war schon ein potentieller Konzertfavorit und ein passender Opener für ein energiereiches Konzert. Relativ neu war damals auch die Comeback-Hymne "Was bleibt" (erschienen 1992) vom ersten Puhdys-Album seit der zeitweiligen Bandauflösung 1989. Auch dies ein Stück, das zu den Höhepunkten ihres Schaffens zählt.

Mir fallen mehrere relativ kurze Live-Alben in der Geschichte der Popmusik ein, die als Klassiker in den Diskografien der jeweiligen Künstler gelten. "All Killer No filler" gilt für Johnny Cashs beiden Gefängnisalben in ihrer Urform, für Bob Marleys "Live at Lyceum" oder auch für "Under a Blood Red Sky" von U2. Hätte der Waldbühnen-Auftritt der Puhdys das Zeug zum künftigen Live-Klassiker? Vom Repertoire-Wert sicher, doch wenn man die CD einlegt, merkt man doch, dass man es mit einem authentischen Tondokument zu tun hat, bei dem nachträglich nicht viel korrigiert wurde wie es bei offiziellen Live-Veröffentlichungen früher regelmäßig der Fall war. So ist Maschines Gesang beim ersten Einsatz zu leise. Auf Bild sieht man dann, wie er dem Tonmeister ein Signal gibt, worauf dieser zum Glück sofort aufdreht. Im Allgemeinen ist der Sound okay und man bekommt auch etwas von der Live-Stimmung mit. Bei "Alt wie ein Baum" überlassen die Puhdys große Teile dem Publikum. So sind viele Interpretationen natürlich alles andere als "definitive Versionen" der Hits, aber nichtsdestotrotz stimmungsvoll. "Rockerrente" gehört insbesondere textlich nicht gerade zu den anspruchsvollsten Songs, passt aber an diesem Abend zum Abschluss ganz gut, denn es halt vor allem "Party".

Die DVD liefert schöne Bilder dazu und sorgt für einen wunderbaren Gesamteindruck. Die Puhdys werden von Anfang bis Ende von einem enthusiastischen Publikum getragen, immer wieder fangen die Kameras begeisterte Gesichter ein. Auch die Akteure auf der Bühne sind gut eingefangen. Mit etwas Wehmut sieht man die inzwischen leider verstorbenen Harry Jeske und Klaus Scharfschwerdt bei der Arbeit. Als Bonus gibt es noch ein Interview mit den Rockpalast-Moderatoren, aufgenommen vor dem Brandenburger Tor. Ein schönes Zeitdokument.

Für Vinyl-Fans ist das Puhdys-Rockpalast-Album auf jeden Fall eine Veröffentlichung mit Alleinstellungsmerkmal - von daher sicher eine gute Idee, dass man außer der CD/DVD-Ausgabe auch eine LP auf den Markt brachte. Doch auch auf den anderen Formaten hat eine kompakte Aufnahme in klassischer LP-Länge einen nicht zu unterschätzenden Gebrauchswert. Wann hat man sonst wirklich Zeit, um sich ein ganzes ungekürztes abendfüllendes Konzert anzuhören? Da ist dieses aus lauter Highlights bestehende Werk auf jeden Fall ein Stimmungsgarant, der öfter zum Einsatz kommen kann. Von daher eine hochwillkommene späte Puhdys-Veröffentlichung, die uns in eine Zeit entführt, in der die Band bis auf den 1999 ausgestiegenen Harry Jeske knapp die halbe Zeit ihrer gemeinsamen Karriere noch vor sich hatte.
(Rainer Buck)





Seh- und Hör-Bar:







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