Meinschäfer & Baader: "Ring frei" (Album)
VÖ:09/2024; Label: Timezone Records; Katalognummer: 4260673696764; Musiker: Martin Meinschäfer (Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard), Stephan Baader (Bass, Gitarrre, Backing-Vocals); Gäste: Matthias Dörsam (Saxophon, Klarinette), Markus Setzer (Bass), Moritz Meinschäfer (Schlagzeug); Produzent: Meinschäfer & Baader; Bemerkung: Dieses Album ist ausschließlich auf CD erhältlich;Titel: "Sechzig ist das neue Vierzig", "Neue Helden", "Boxring", "Die Besten", "Kleine Lichter", "Reise ins Ich", "Kreuzfahrt 'til I Die", "Krieg der Sterne", "Lengerich", "Mehr Meer", "Du regst mich auf", "Alles nochmal neu" |
Rezension:
Martin Meinschäfer und Stephan Baader sind zwei Musikanten aus dem Sauerland, jenem Landstrich, in dem laut Aussage der Herren von ZOFF die Mädchen noch wilder als die Kühe sind. Der Sauerländer an sich ist auch bekannt für seinen feinen Humor und die besondere Sicht auf die Dinge des Lebens. Und so ist das auch bei diesem Duo hier, das sich auf dem neuen Album "Ring frei" mit allerlei dem fortgeschrittenen Alter entsprechenden Themen beschäftigt. Im Frühjahr 2024 zogen sie sich in die Megaphon Studios der sauerländischen Metropole Arnsberg zurück, und nahmen besagtes Album auf, das her schon eine Weile auf seine Rezension wartete …
Die vielen Neuerscheinungen, die von liedermachenden Duos hierher eingeschickt werden, bestechen überwiegend mit ein und demselben Merkmal: Sie fangen an, einen spätestens nach dem dritten Song abnorm zu langweilen. Da wird zur Wanderklampfe gegriffen und mit holperigen Gesangskünsten fingererhoben auf unser aller Fehler hingewiesen und gern auch mal moralisierend zum Umdenken bei verschiedenen Themen aufgefordert. Um es hier mal schnell zu machen: Das passiert auf "Ring frei" alles nicht.
Keine Wanderklampfen, keine Langeweile und keine Laubsägearbeiten in Sachen Gesang … Inhaltlich schwingt man hier die scharfe Klinge feinsten Humors, kokettiert mit dem fortgeschrittenen Alter und nimmt sich dabei erfrischend locker selbst auf die Schippe. Mal ironisch, mal gedankenverloren, mal witzig und manchmal auch richtig böse (oder eher kritisch) operiert sich das Ensemble auf seinem Album durch allerlei Themen des (Alt)Tages. Empfohlen werden hier ein offenes Ohr und größte Aufmerksamkeit über die gesamte Distanz. Man könnte sonst was verpassen, und das wäre schade.
Musikalisch haut das Tanzorchester hier ebenfalls ordentlich einen raus. Mit extrem gutem Sound und hochwertiger Produktion rocken und balladisieren die zwei Sauerländer fröhlich vor sich hin und liefern Abwechslung auf höchster Stufe. Der Opener "Sechzig ist das neue vierzig" groovt noch ganz entspannt dahin und lockt Dich nicht direkt auf die Tanzfläche, aber schon das zweite Stück "Neue Helden" lässt einen vom Rauchschwaden durchzogenen Bluestempel träumen und sich dabei selbst im Takt wiegend vor der Bühne zappeln sehen. Mit "Boxing" reiben uns die zwei Herren dann einen lupenreinen Reggae unter die Nase, während sie Dir mit "Kleine Lichter" einen waschechten Deutschrocker auf den (Platzten-)Teller legen. "Kreuzfahrt 'til I Die" wartet mit Bläsern und einer Bottleneck gespielten E-Gitarre auf, und dürfte einmal mehr in die Blues-Schublade einsortiert werden können, wo "Krieg der Sterne" hingegen ganz wundergar in einen Jazz-Keller passen könnte. Tja, und bei "Alles nochmal" lassen die Rolling Stones schön grüßen, und das nicht nur von der Machart des Songs her. Mehr wird hier aber noch nicht verraten. Selbst hören und erkunden bringt Frohsinn …
Wir halten fest: Wir haben tolle Texte, die weit weg von Langeweile und Morallin zu verorten sind, die uns vielmehr gut unterhalten und schöne Momente in den tristen Trott der Arbeitswoche zaubern, und obendrein eine ganze Menge Abwechslung in der Ummantelungen dieser Inhalte, die aus feinstem Garn und qualitativ hochwertiger Wolle gewebt wurden. Manchmal kann man doch noch auf Produktionen von liedermachenden Duos stoßen, die alles andere als mit rezeptpflichtigen Hypnotika zu vergleichen sind. "Ring frei" ist dagegen ein Muntermacher und Wachhalter, ein Aufputschmittel für Tanzmuffel und Quell der Freude für alle die, die gern von Inhalten überrascht und überzeugt werden wollen. Sehr geil!
(Christian Reder)
Die vielen Neuerscheinungen, die von liedermachenden Duos hierher eingeschickt werden, bestechen überwiegend mit ein und demselben Merkmal: Sie fangen an, einen spätestens nach dem dritten Song abnorm zu langweilen. Da wird zur Wanderklampfe gegriffen und mit holperigen Gesangskünsten fingererhoben auf unser aller Fehler hingewiesen und gern auch mal moralisierend zum Umdenken bei verschiedenen Themen aufgefordert. Um es hier mal schnell zu machen: Das passiert auf "Ring frei" alles nicht.
Keine Wanderklampfen, keine Langeweile und keine Laubsägearbeiten in Sachen Gesang … Inhaltlich schwingt man hier die scharfe Klinge feinsten Humors, kokettiert mit dem fortgeschrittenen Alter und nimmt sich dabei erfrischend locker selbst auf die Schippe. Mal ironisch, mal gedankenverloren, mal witzig und manchmal auch richtig böse (oder eher kritisch) operiert sich das Ensemble auf seinem Album durch allerlei Themen des (Alt)Tages. Empfohlen werden hier ein offenes Ohr und größte Aufmerksamkeit über die gesamte Distanz. Man könnte sonst was verpassen, und das wäre schade.
Musikalisch haut das Tanzorchester hier ebenfalls ordentlich einen raus. Mit extrem gutem Sound und hochwertiger Produktion rocken und balladisieren die zwei Sauerländer fröhlich vor sich hin und liefern Abwechslung auf höchster Stufe. Der Opener "Sechzig ist das neue vierzig" groovt noch ganz entspannt dahin und lockt Dich nicht direkt auf die Tanzfläche, aber schon das zweite Stück "Neue Helden" lässt einen vom Rauchschwaden durchzogenen Bluestempel träumen und sich dabei selbst im Takt wiegend vor der Bühne zappeln sehen. Mit "Boxing" reiben uns die zwei Herren dann einen lupenreinen Reggae unter die Nase, während sie Dir mit "Kleine Lichter" einen waschechten Deutschrocker auf den (Platzten-)Teller legen. "Kreuzfahrt 'til I Die" wartet mit Bläsern und einer Bottleneck gespielten E-Gitarre auf, und dürfte einmal mehr in die Blues-Schublade einsortiert werden können, wo "Krieg der Sterne" hingegen ganz wundergar in einen Jazz-Keller passen könnte. Tja, und bei "Alles nochmal" lassen die Rolling Stones schön grüßen, und das nicht nur von der Machart des Songs her. Mehr wird hier aber noch nicht verraten. Selbst hören und erkunden bringt Frohsinn …
Wir halten fest: Wir haben tolle Texte, die weit weg von Langeweile und Morallin zu verorten sind, die uns vielmehr gut unterhalten und schöne Momente in den tristen Trott der Arbeitswoche zaubern, und obendrein eine ganze Menge Abwechslung in der Ummantelungen dieser Inhalte, die aus feinstem Garn und qualitativ hochwertiger Wolle gewebt wurden. Manchmal kann man doch noch auf Produktionen von liedermachenden Duos stoßen, die alles andere als mit rezeptpflichtigen Hypnotika zu vergleichen sind. "Ring frei" ist dagegen ein Muntermacher und Wachhalter, ein Aufputschmittel für Tanzmuffel und Quell der Freude für alle die, die gern von Inhalten überrascht und überzeugt werden wollen. Sehr geil!
(Christian Reder)
Seh- und Hör-Bar:

VÖ:09/2024; Label: Timezone Records; Katalognummer: 4260673696764; Musiker: Martin Meinschäfer (Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard), Stephan Baader (Bass, Gitarrre, Backing-Vocals); Gäste: Matthias Dörsam (Saxophon, Klarinette), Markus Setzer (Bass), Moritz Meinschäfer (Schlagzeug); Produzent: Meinschäfer & Baader; Bemerkung: Dieses Album ist ausschließlich auf CD erhältlich;