Dietrich Kessler: "Kessler's Project" (Album)
VÖ: 14.09.2024; Label: DD Verlag Berlin; Katalognummer: ohne; Musiker: Dietrich Kessler (Saxofon, Trompete, Querflöte), Eberhard Klunker, Gisbert "Pitti" Piatkowski (beide Gitarre), Carsten Gerlitz, Ritchie Barton (beide Keyboards); Produzent: Dietrich Kessler; Bemerkung: Dieses Album ist ausschließlich auf CD erhältlich, und diese ist nicht fabrikgepresst sondern gebrannt. Ein Booklet gibt es nicht;Titel: "Orient X-press", "Locomotive Groove", "Face 2 Face", "Love Affairs", "Berlin Groove", "Midnight Groove", "Blue Sky", "Sunset in Saigon", "Time Machine", "Kingston Town" |
Rezension:
Zumindest für Fans des sogenannten Ostrock dürfte der Musiker Dietrich Kessler kein Unbekannter sein. Er ist Mitbegründer der legendären Magdeburger Band KLOSTERBRÜDER, die Ende der 1960er Jahre als eine der "härtesten" Rockbands der DDR galt. Dietrich Kessler spielte Flöte und Saxofon bei ihnen. 1972 übernahm er auch die musikalische Leitung der Band. Die KLOSTERBRÜDER genossen damals Kultstatus. Zu ihren Konzerten strömten die Massen, vor allem langhaarige Jeans- und Parkaträger. Das war der Stasi und den Kulturfunktionären des DDR-Systems ein Dorn im Auge. Kenner der DDR-Rockmusik wissen, dass sich die KLOSTERBRÜDER auf Druck der Kulturverantwortlichen schließlich in MAGDEBURG umbenannten. Repressalien seitens der Stasi gab es jedoch weiterhin. Als die gesamte Band 1981 einen Ausreiseantrag stellte, folgte das Berufsverbot. Sänger Hans-Joachim Kneis und Dietrich Kessler wurden für 1 ½ Jahre inhaftiert, bevor sie in den Westen "verkauft" wurden. Dietrich Kessler hat seine Hafterlebnisse in dem Buch "Stasi-Knast" niedergeschrieben, das ich jedem historisch Interessierten empfehlen kann. Im Januar 2000 ließen Kessler und Kneis die KLOSTERBRÜDER wieder auferstehen. Hans-Joachim Kneis verstarb 2020 im Alter von 75 Jahren. Trotz seines Todes ist die Band immer noch aktiv.
Mit der vorliegenden CD "Kesslers Project" zeigt sich der Musiker Dietrich Kessler von einer ganz anderen Seite. Von harter Rockmusik ist hier nicht viel zu hören. Wie die Titel der einzelnen Stücke schon vermuten lassen, begibt er sich mit Saxofon, Trompete und Querflöte auf musikalische Reisen durch verschiedene Städte und Regionen dieser Welt. Die Reisen finden auch zu unterschiedlichen Zeiten statt. So hören wir einen mitternächtlichen Groove und erleben einen Sonnenuntergang in Saigon. Während der Fahrt mit dem "Orient X-press" greift Kessler zum Saxofon und entlockt diesem orientalisch anmutende Klänge zu folkloristischen Rhythmen. Begleitet wird er auf dieser Reise von Pitti Piatkowski, der dem Stück mit brillanten Gitarren-Soli eine rockige Note verleiht. Der "Locomotive Groove" ist geprägt von Improvisationen auf der Querflöte, wobei ich einen Groove in diesem Stück vermisse. "Face 2 Face" und "Love Affairs" versprühen einen Hauch von Coolness und Lässigkeit, während der "Berlin Groove" wohl die Hektik in der Großstadt widerspiegeln soll. Neben Pitti Piatkowski sind weitere nicht ganz unbekannte Musiker an Kesslers Project beteiligt. Eberhard Klunker ist an der Gitarre zu hören. Ritchie Barton und Carsten Gerlitz spielen Keyboards. Einer von beiden überrascht bei "Love Affairs" mit einer wunderschönen Piano-Improvisation. Die Drum Parts sind offensichtlich programmierte Patterns. Interessant ist, wie vielseitig Dietrich Kessler seine Instrumente einsetzt. Dass er auch das Spiel auf der Trompete virtuos beherrscht, wie z.B. bei "Face 2 Face" oder bei "Night Train", ist neu für mich. Die musikalische Reise endet nach guten 55 Minuten in "Kingston Town" mit ebenfalls schönen Trompetenpassagen. Dietrich Kessler spielt in den Stücken dieses Albums immer wieder beseelte Improvisationen. Musikalisch bewegt er sich dabei zwischen Elektronik, Jazzrock und Pop. Das Album lässt sich gut hören, während man ein Buch liest oder am Schreibtisch sitzt. Zumindest geht es mir so.
(Bodo Kubatzki)
Mit der vorliegenden CD "Kesslers Project" zeigt sich der Musiker Dietrich Kessler von einer ganz anderen Seite. Von harter Rockmusik ist hier nicht viel zu hören. Wie die Titel der einzelnen Stücke schon vermuten lassen, begibt er sich mit Saxofon, Trompete und Querflöte auf musikalische Reisen durch verschiedene Städte und Regionen dieser Welt. Die Reisen finden auch zu unterschiedlichen Zeiten statt. So hören wir einen mitternächtlichen Groove und erleben einen Sonnenuntergang in Saigon. Während der Fahrt mit dem "Orient X-press" greift Kessler zum Saxofon und entlockt diesem orientalisch anmutende Klänge zu folkloristischen Rhythmen. Begleitet wird er auf dieser Reise von Pitti Piatkowski, der dem Stück mit brillanten Gitarren-Soli eine rockige Note verleiht. Der "Locomotive Groove" ist geprägt von Improvisationen auf der Querflöte, wobei ich einen Groove in diesem Stück vermisse. "Face 2 Face" und "Love Affairs" versprühen einen Hauch von Coolness und Lässigkeit, während der "Berlin Groove" wohl die Hektik in der Großstadt widerspiegeln soll. Neben Pitti Piatkowski sind weitere nicht ganz unbekannte Musiker an Kesslers Project beteiligt. Eberhard Klunker ist an der Gitarre zu hören. Ritchie Barton und Carsten Gerlitz spielen Keyboards. Einer von beiden überrascht bei "Love Affairs" mit einer wunderschönen Piano-Improvisation. Die Drum Parts sind offensichtlich programmierte Patterns. Interessant ist, wie vielseitig Dietrich Kessler seine Instrumente einsetzt. Dass er auch das Spiel auf der Trompete virtuos beherrscht, wie z.B. bei "Face 2 Face" oder bei "Night Train", ist neu für mich. Die musikalische Reise endet nach guten 55 Minuten in "Kingston Town" mit ebenfalls schönen Trompetenpassagen. Dietrich Kessler spielt in den Stücken dieses Albums immer wieder beseelte Improvisationen. Musikalisch bewegt er sich dabei zwischen Elektronik, Jazzrock und Pop. Das Album lässt sich gut hören, während man ein Buch liest oder am Schreibtisch sitzt. Zumindest geht es mir so.
(Bodo Kubatzki)

VÖ: 14.09.2024; Label: DD Verlag Berlin; Katalognummer: ohne; Musiker: Dietrich Kessler (Saxofon, Trompete, Querflöte), Eberhard Klunker, Gisbert "Pitti" Piatkowski (beide Gitarre), Carsten Gerlitz, Ritchie Barton (beide Keyboards); Produzent: Dietrich Kessler; Bemerkung: Dieses Album ist ausschließlich auf CD erhältlich, und diese ist nicht fabrikgepresst sondern gebrannt. Ein Booklet gibt es nicht;