Pe Werner: "'ne Prise Zimt" (Album)
VÖ: 27.10.2023; Label: Energie Kultur; Katalognummer: 4053804955835; Musiker: Pe Werner (Gesang), hr Bigband, Filmorchester Babelsberg; Texte: Pe Werner; Bemerkung: Auf CD erschienen. Mit Booklet inkl. Abdruck aller Songtexte;Titel: " Nikolaus", "'ne Prise Zimt", "Das Weihnachts-ABC", "Lass es schnein", "Die Bahnhofsdrogerie", "Geparkte Männer", "Glaube an den Weihnachtsmann", "Viel zu kalt", "Gans oder gar nicht", "Fasten im Advent", "Schnee von gestern", "Wie kommst du übern Winter", "Wenn der Fluss aus Eis wär", "Handwarme Kastanien", "Ich zünd die Kerzen nicht mehr an", "Segler aus Papier", "Diese stille Nacht" |
Rezension:
Na, schon "geWHAMt" worden? Noch nicht? Das kommt schon noch, keine Sorge. Jedes Jahr bekommen wir im Herbst die gleichen Lieder um die Ohren gehauen. Je näher Weihnachten rückt, desto öfter gibt es "Last Christmas", "Driving Home For Christmas", "Do They Know It's Christmas" und diverse andere "Christmas"-Kläuse im Radio zu hören, quasi all die inzwischen totgelaufenen Nümmerchen zur Weihnachtszeit. Dem kann man genauso wenig aus dem Wege gehen, wie den vielen vielen … vielen neuen Weihnachts-Alben, die auch in diesem Jahr wieder das Licht der Welt erblicken werden. Einfallslose Neuaufgüsse aller Standards dieses Genres, vorgetragen von den derzeit angesagten Pop- und Schlagersternchen, die die Szene im Angebot hat. Alles vorhersehbar, alles irgendwie schon einmal gehört und alles so notwendig wie einsetzender Zahnschmerz am Freitagabend. Dass es aber auch anders gehen und man das Fest der Liebe mit guten Ideen "soundtracken" kann, beweisen hin und wieder Künstler, die das Thema von einer anderen Seite aus angehen. Eine dieser Künstlerinnen ist Pe Werner, die bereits 2013 das Album "`ne Prise Zimt" veröffentlichte, das nun als Neuauflage mit zwei neuen Stücken auf den Markt kommt. Und das macht mal richtig Spaß!
Ohne das Album gehört zu haben weiß man schon vorab: Die Werner kann singen. Von daher kann das frisch erworbene Erzeugnis zumindest in der Hinsicht kein Reinfall werden. Richtig! "Ich wurde schon seit Jahren angesprochen", sagte die Wahl-Kölnerin damals, als man sie zum Album befragte, "ob ich nicht mal ein Weihnachtsalbum machen möchte, weil das irgendwann jeder mal macht". Sie ließ sich darauf ein, knüpfte ihre Zusage aber an eine Bedingung: Sie wollte auf keinen Fall irgendwelche altbekannten Songs singen und lieber ihre eigenen Lieder zur schönsten Jahreszeit beisteuern. "Dann", so sagte sie, "herzlich gern". Das Ergebnis konnte man - wie gesagt - bereits 2013 zu Weihnachten hören, und kann es nun - 10 Jahre später - in einer Neuauflage wieder tun. Statt "Stille Nacht" und "Oh, Du Fröhliche" gibt es eine unterhaltsame wie poetische Reise durch die Weihnachtszeit, die auf Zuckerguss zwar nicht verzichten mag, einen damit aber nicht in einen Rausch versetzt und anschließend mit Bauchschmerzen zurück lässt.
Besonders heraus sticht der Einsatz einer Big-Band, die Frau Werner ganz wunderbar begleitet. Auf dem Album ist die HR-Bigband und bei fünf Titeln auch das Babelsberger Filmorchester zu hören, und für die Künstlerin bestand hier der Reiz, trotz dieser großen Instrumentalgruppe im Rücken nicht die gängigen Klischees zu bedienen, sondern neue Songs zum Thema zu schreiben und diese mit diesen Ensembles auf eine ganz besondere und auch einzigartige Weise umzusetzen. So manövriert Kapitänin Werner den großen Dampfer mal vom Jazz in chansonhafte Balladen, dann von der Samba zu swingenden Up Tempo-Nummern. Und über all dem schwebt ihre einzigartige Stimme, mit der sie den Liedern eine Seele einhaucht. Gleich mit dem das Album eröffnenden "Nikolaus" weht einem dann dieser besondere Sound des Orchesters ums Ohr und man glaubt, gleich würde Ol' Blue Eyes oder ein anderer Vokalist des Rat Pack anfangen zu singen. Aber heute brauchen wir weder Sinatra noch Martin … wir haben ja Pe Werner, und die kann es auf dem gleichen hohen Niveau. Mit lustigen Passagen zu swingendem Sound erfahren wir, dass der Nikolaus Schuhfetischist ist und bei dem Berufsverkehr da draußen kein zweites Mal kommt, wenn die Schuhe nicht pünktlich und geputzt rechtzeitig vor der Tür stehen.
Musikalisch in das gleiche Horn bläßt "Das Weihnachts-ABC", eine Coverversion des Bert Kaempfert-Klassikers "L.O.V.E.", dem Pe Werner einen deutschen Text verpasst hat.
Luftig leicht swingend und hüpfend kommt dagegen "Die Bahnhofsdrogerie" daher, in dem es um Last-Minute-Geschenke geht. Hat man am Heiligen Abend nach Dienstschluss - aus welchen Gründen auch immer - noch immer kein Geschenk für die Liebsten daheim, ist man froh, eben diesen Laden noch geöffnet vorzufinden, um dort in allerletzter Sekunde noch was für die Bescherung besorgen zu können. Interessante Geschenkideen gibt's im Songtext gleich inklusive.
Auch in "Glaube an den Weihnachtsmann" rappelt und scheppert es ordentlich, sogar ein fulminantes Saxofon-Solo hat hier seinen Platz gefunden, und auch "Fasten im Advent" hat eine hohe Schlagzahl, wobei zuletzt genannte Nummer schon eher südamerikanisches Flair versprüht.
Wesentlich ruhiger und "besinnlicher" klingt dagegen "`ne Prise Zimt" das davon handelt, dass man niemals zu alt dafür wird, die besondere Magie der Weihnachtszeit genießen zu können, auch wenn einem der geballte Weihnachtsterror in der Stadt mächtig zusetzt. Zuhause im Kreise der Lieben war Weihnachten immer was anderes als da draußen in der Hektik des Alltags. Das vergisst man nie und wünscht sich diese Momente dann auch immer wieder zurück. Recht hat sie, die Pe Werner.
Die wohl ruhigste Nummer auf dem Album dürfte aber "Lass es schnein" sein, das nur mit Klavier und später einsetzendem, dezent gespielten Schlagzeug und zurückgenommenen Bläsern auskommt. Das Stück beschreibt in wunderbaren Worten, was der Blick in eine verschneite Landschaft mit einem macht. Ein wintertaugliches Lied, das auch außerhalb der Adventszeit funktioniert.
Jazzig und relaxt arrangiert gleitet "Geparkte Männer" dahin, an dem textdichterisch auch ein gewisser Stefan Gwildis tatkräftig mitgewirkt hat. Klug und mit viel Wortwitz beschreibt der Titel einen Mann, der eben nicht von der Stange und deshalb ganz besonders ist.
Dieser bunte Mix aus flott und zurückhaltend, aus laut und leise, aus Bambule und in sich gekehrt sein geht über die gesamte Laufzeit und über alle 17 Titel hinweg. Abwechslung pur, variierende Höchstgeschwindigkeiten und keine Langeweile. Zu den vielleicht schon bekannten Titeln des Albums kommen in der 2023er Neuauflage noch "Handwarme Kastanien", basierend auf Elgars "Pomp and Circumstances", und "Diese stille Nacht", eine Adaption des zweiten Klarinetten-Konzerts von Wolfgang Amadeus Mozart, als weitere Songs dazu und runden das Programm ab.
Auch wenn es auf der Scheibe mal ruhiger wird, ist man es im Inneren nie. Weihnachten als Hauptthema hat gefühlt aber irgendwie keins der Lieder. Sie alle streifen das Fest der Liebe, diese ganz besondere Zeit im Jahr und das Gefühl, das in einem wohnt, wenn der Totensonntag vorbei ist. Aber der eingangs erwähnte Zuckerguss kommt hier nur gut dosiert zum Einsatz und löst deshalb auch keine Diabetes aus. Interessantes Detail: Pe Werner schrieb die Lieder im Sommer bei 36 Grad im Schatten auf Mallorca. "Das war schon lustig", beschreibt sie den Entstehungsprozess, "…mit dem Blick aufs glitzernde Meer 'Lass es schnein' zu schreiben." Ihr Geheimnis ist, dass sie über eine blühende Fantasie verfügt und es für sie vollkommen unerheblich ist, wo sie gerade ist, wenn sie einen Song schreibt. "Wer glaubt, man müsse in einer verhängnisvollen Lage sein, um eine Ballade schreiben zu können, ist einem Irrtum aufgesessen", sagt sie. Und deshalb klingt diese Platte auch von vorn bis hinten frisch und eben NICHT wie eins dieser typischen Weihnachtsplatten, die ich eingangs beschrieb. Schade, dass man davon bisher so wenig im Radio zu hören bekam und man dort in jedem Jahr den üblichen Verdächtigen begegnen muss. Jedes der 17 Songs dieser CD habt durchaus die Qualität, Dich und mich in die richtige Stimmung zu bringen.
(Christian Reder)
Ohne das Album gehört zu haben weiß man schon vorab: Die Werner kann singen. Von daher kann das frisch erworbene Erzeugnis zumindest in der Hinsicht kein Reinfall werden. Richtig! "Ich wurde schon seit Jahren angesprochen", sagte die Wahl-Kölnerin damals, als man sie zum Album befragte, "ob ich nicht mal ein Weihnachtsalbum machen möchte, weil das irgendwann jeder mal macht". Sie ließ sich darauf ein, knüpfte ihre Zusage aber an eine Bedingung: Sie wollte auf keinen Fall irgendwelche altbekannten Songs singen und lieber ihre eigenen Lieder zur schönsten Jahreszeit beisteuern. "Dann", so sagte sie, "herzlich gern". Das Ergebnis konnte man - wie gesagt - bereits 2013 zu Weihnachten hören, und kann es nun - 10 Jahre später - in einer Neuauflage wieder tun. Statt "Stille Nacht" und "Oh, Du Fröhliche" gibt es eine unterhaltsame wie poetische Reise durch die Weihnachtszeit, die auf Zuckerguss zwar nicht verzichten mag, einen damit aber nicht in einen Rausch versetzt und anschließend mit Bauchschmerzen zurück lässt.
Besonders heraus sticht der Einsatz einer Big-Band, die Frau Werner ganz wunderbar begleitet. Auf dem Album ist die HR-Bigband und bei fünf Titeln auch das Babelsberger Filmorchester zu hören, und für die Künstlerin bestand hier der Reiz, trotz dieser großen Instrumentalgruppe im Rücken nicht die gängigen Klischees zu bedienen, sondern neue Songs zum Thema zu schreiben und diese mit diesen Ensembles auf eine ganz besondere und auch einzigartige Weise umzusetzen. So manövriert Kapitänin Werner den großen Dampfer mal vom Jazz in chansonhafte Balladen, dann von der Samba zu swingenden Up Tempo-Nummern. Und über all dem schwebt ihre einzigartige Stimme, mit der sie den Liedern eine Seele einhaucht. Gleich mit dem das Album eröffnenden "Nikolaus" weht einem dann dieser besondere Sound des Orchesters ums Ohr und man glaubt, gleich würde Ol' Blue Eyes oder ein anderer Vokalist des Rat Pack anfangen zu singen. Aber heute brauchen wir weder Sinatra noch Martin … wir haben ja Pe Werner, und die kann es auf dem gleichen hohen Niveau. Mit lustigen Passagen zu swingendem Sound erfahren wir, dass der Nikolaus Schuhfetischist ist und bei dem Berufsverkehr da draußen kein zweites Mal kommt, wenn die Schuhe nicht pünktlich und geputzt rechtzeitig vor der Tür stehen.
Musikalisch in das gleiche Horn bläßt "Das Weihnachts-ABC", eine Coverversion des Bert Kaempfert-Klassikers "L.O.V.E.", dem Pe Werner einen deutschen Text verpasst hat.
Luftig leicht swingend und hüpfend kommt dagegen "Die Bahnhofsdrogerie" daher, in dem es um Last-Minute-Geschenke geht. Hat man am Heiligen Abend nach Dienstschluss - aus welchen Gründen auch immer - noch immer kein Geschenk für die Liebsten daheim, ist man froh, eben diesen Laden noch geöffnet vorzufinden, um dort in allerletzter Sekunde noch was für die Bescherung besorgen zu können. Interessante Geschenkideen gibt's im Songtext gleich inklusive.
Auch in "Glaube an den Weihnachtsmann" rappelt und scheppert es ordentlich, sogar ein fulminantes Saxofon-Solo hat hier seinen Platz gefunden, und auch "Fasten im Advent" hat eine hohe Schlagzahl, wobei zuletzt genannte Nummer schon eher südamerikanisches Flair versprüht.
Wesentlich ruhiger und "besinnlicher" klingt dagegen "`ne Prise Zimt" das davon handelt, dass man niemals zu alt dafür wird, die besondere Magie der Weihnachtszeit genießen zu können, auch wenn einem der geballte Weihnachtsterror in der Stadt mächtig zusetzt. Zuhause im Kreise der Lieben war Weihnachten immer was anderes als da draußen in der Hektik des Alltags. Das vergisst man nie und wünscht sich diese Momente dann auch immer wieder zurück. Recht hat sie, die Pe Werner.
Die wohl ruhigste Nummer auf dem Album dürfte aber "Lass es schnein" sein, das nur mit Klavier und später einsetzendem, dezent gespielten Schlagzeug und zurückgenommenen Bläsern auskommt. Das Stück beschreibt in wunderbaren Worten, was der Blick in eine verschneite Landschaft mit einem macht. Ein wintertaugliches Lied, das auch außerhalb der Adventszeit funktioniert.
Jazzig und relaxt arrangiert gleitet "Geparkte Männer" dahin, an dem textdichterisch auch ein gewisser Stefan Gwildis tatkräftig mitgewirkt hat. Klug und mit viel Wortwitz beschreibt der Titel einen Mann, der eben nicht von der Stange und deshalb ganz besonders ist.
Dieser bunte Mix aus flott und zurückhaltend, aus laut und leise, aus Bambule und in sich gekehrt sein geht über die gesamte Laufzeit und über alle 17 Titel hinweg. Abwechslung pur, variierende Höchstgeschwindigkeiten und keine Langeweile. Zu den vielleicht schon bekannten Titeln des Albums kommen in der 2023er Neuauflage noch "Handwarme Kastanien", basierend auf Elgars "Pomp and Circumstances", und "Diese stille Nacht", eine Adaption des zweiten Klarinetten-Konzerts von Wolfgang Amadeus Mozart, als weitere Songs dazu und runden das Programm ab.
Auch wenn es auf der Scheibe mal ruhiger wird, ist man es im Inneren nie. Weihnachten als Hauptthema hat gefühlt aber irgendwie keins der Lieder. Sie alle streifen das Fest der Liebe, diese ganz besondere Zeit im Jahr und das Gefühl, das in einem wohnt, wenn der Totensonntag vorbei ist. Aber der eingangs erwähnte Zuckerguss kommt hier nur gut dosiert zum Einsatz und löst deshalb auch keine Diabetes aus. Interessantes Detail: Pe Werner schrieb die Lieder im Sommer bei 36 Grad im Schatten auf Mallorca. "Das war schon lustig", beschreibt sie den Entstehungsprozess, "…mit dem Blick aufs glitzernde Meer 'Lass es schnein' zu schreiben." Ihr Geheimnis ist, dass sie über eine blühende Fantasie verfügt und es für sie vollkommen unerheblich ist, wo sie gerade ist, wenn sie einen Song schreibt. "Wer glaubt, man müsse in einer verhängnisvollen Lage sein, um eine Ballade schreiben zu können, ist einem Irrtum aufgesessen", sagt sie. Und deshalb klingt diese Platte auch von vorn bis hinten frisch und eben NICHT wie eins dieser typischen Weihnachtsplatten, die ich eingangs beschrieb. Schade, dass man davon bisher so wenig im Radio zu hören bekam und man dort in jedem Jahr den üblichen Verdächtigen begegnen muss. Jedes der 17 Songs dieser CD habt durchaus die Qualität, Dich und mich in die richtige Stimmung zu bringen.
(Christian Reder)
Seh- und Hör-Bar:

VÖ: 27.10.2023; Label: Energie Kultur; Katalognummer: 4053804955835; Musiker: Pe Werner (Gesang), hr Bigband, Filmorchester Babelsberg; Texte: Pe Werner; Bemerkung: Auf CD erschienen. Mit Booklet inkl. Abdruck aller Songtexte;