© Deutsche Mugge (2007 - 2026)
Frank Proft: "Stück zurück" (Album)


proft19 20191220 2037361107VÖ: 15.11.2019; Label: Rockwerk Records; Katalognummer: 4260125297600; Musiker: Frank Proft (Gesang, Gitarre), Sandra Große (Gesang); Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak mit Booklet inkl. Abdruck der Songtexte;

Titel:
Zufall • Frag nicht • Wenn alle Stricke reißen • Riecht nach Dir • Glückskinder • Lustig • Stück Zurück • Weit ist das Meer • Perfekt • Schon im Himmel gesehen • Küss mich • Ok


Rezension:
"Warum macht Ihr nicht mal was über Frank Proft", fragte mich unlängst ein Leser, als er sich am Telefon danach erkundigte, ob wir die neue CD seines Lieblingsmusikers schon gehört hätten. Hatten wir nicht, sie lag uns auch gar nicht vor. Sowas kommt vor, denn wir bekommen nicht alles automatisch zugeschickt, damit wir es bei Deutsche Mugge mit einer Rezension vorstellen können. Frank Proft war bei uns natürlich auch schon Thema, u.a. gab es Beiträge über die Jubiläumskonzerte 2013 und 2018. Der Mann ist immerhin schon seit über 25 Jahren aktiv und da ist es nicht verwunderlich, dass sich die Wege irgendwann mal kreuzen. Ein Album von Proft hatte den Weg hierher aber noch nicht gefunden und ich muss zugeben, dass ich außer ein paar YouTube-Clips mit Auftritten des Sängers auf Stadtfesten noch nichts weiter von ihm gesehen bzw. gehört hatte. Das hat sich jetzt geändert. Der Wunsch des Lesers wurde an Frank Proft weitergeleitet und wenige Tage später lag das aktuelle Album "Stück zurück" im Briefkasten. Dann wollen wir mal hören, was uns bis jetzt entgangen war.

Sein neues Album eröffnet der in Hoyerswerda geborene Musiker mit dem Song "Zufall". Nicht durch Zufall, aber auch nicht mit viel Fingerspitzengefühl fiel die Wahl auf den Keyboard-Sound, der in den ersten Sekunden das Stück dominiert und auch im weiteren Verlauf immer irgendwo vor sich hin piept. Dazu gesellen sich ein Drum-Computer und eine Wolfgang Petry-Gitarre und ... schwups ... schon sind wir mittendrin in einem Partyschlager. Inhaltlich geht es um einen Trip in die nächtliche Großstadt, bei der einem eine alte Liebe über den Weg läuft. Viel Phantasie lässt Frank Proft hier speziell beim Text walten ("alles rosa-bunt / ich küsse Deinen Mund") und überrascht den Hörer insbesondere mit einem Mitgröhl-Refrain, der bei Stadtfesten sicher besonders dufte ankommen dürfte. Der Opener war schon mal nix - da ist also noch reichlich Luft nach oben.
So richtig auf die Beine will das Album aber auch mit der zweiten Nummer noch nicht kommen. In "Frag nicht" wird im Text ziemlich belanglos eine weitere Variation des Beziehungsstatus' "es ist kompliziert" in Worte verpackt. Sie müsse nicht fragen, ob er sie liebe, wird da die deutliche Ansage gemacht und mit "Ich und Du, Du und ich" gleich mehrfach gefühlsduselig nachgelegt. Musikalisch wird hier mächtig im PUHDYS-Teich gefischt, allerdings erneut nur der im ersten Stück schon als unangenehm empfundenen Wolle-Petry-Sound geangelt.
Beziehungstechnisch "kompliziert" ist es auch im Titel "Riecht nach Dir". Depressiv dahin plätschernd passt sich die Musik der Geschichte an und zementiert den bis hierhin gewonnenen Eindruck, dass es dem Musiker wohl nicht besser gelingen will, textdichterisch und als Arrangeur bleibenden Eindruck zu hinterlassen - zumindest positiv nicht.
Hellhörig wird man dann beim Song "Glückskinder". Zu Zuckerwatte-Synthiepop-Klängen zwitschert neben Frank Proft nun noch eine Dame. Genauer gesagt Sandra Große, die bei diesem Album auch als Produzentin in Erscheinung tritt. Die komplett am Rechner erschaffene Musik klingt genauso echt wie Muttis auf dem platten Land in Rumänien angefertigten Jacketkronen aussehen, und passt sich dem Gesang der beiden hier vortragenden Damen und Herren an: Man ist eher irritiert, dass sie sich mit so wenig Talent überhaupt trauen zu singen, aber sie waren stets bemüht.
War alles bis hierher gehörte ziemlich schwach auf der Brust, erfährt der Hördurchgang beim Titel "Lustig" eine dann doch überraschende Wendung. An dieser Stelle erleidet das ästhetische Empfinden des Hörers nämlich einen Infarkt. In einer Art Rap präsentiert uns Frank Proft zu einer völlig disharmonischen Musik einen Text, bei dem man lange rätseln kann, ob er das gerade ernst meint oder ganz in Jan Böhmermann-Manier versucht, mit voller Absicht und komplettem Murks um jeden Preis aufzufallen. An dieser Stelle fühlte ich mich extrem auf den Arm genommen und verlor die Lust, den Rest der CD noch anzuhören. Aber ich blieb tapfer und entsprechend bei der Stange ...
In das Festival der nicht zueinander passen wollenden Töne reiht sich auch "Stück zurück" ein, das dem Album auch den Namen gibt. Und wenn die Töne schon nicht passen wollen, dann muss sich im Text auch nicht unbedingt und zwingend was reimen. Zum Wort "Zeit" ließ sich mit "weit" noch das passende Gegenstück finden, beim Rest gab man sich dann keine Mühe mehr, sowas wie Harmonie in die Worte zu bringen. Daran, dass uns wirklich jeder Sänger und Songschreiber inzwischen mindestens eine Nummer wie Riechsalz unter die Nase hält, in dem es darum geht, wie man "Gewinner" und "Sieger" sein kann, kann ich mich irgendwie nicht gewöhnen, und auch hier ist mit diesem Lied so ein extrem wichtiger Ratgeber mit dabei. Kennt man schon von woanders ... nur besser.
In einen weiteren Rap-Versuch auf Olli P.-Niveau rennen wir in "Schon im Himmel gesehen" voll rein. Hier wird man musikalisch chloroformiert und textdichterisch an Leib und Seele verletzt. Die Frage, was sich Frank Proft, der auf dem Cover ganz offen zugibt, für jeden Text und jede Musik verantwortlich zu sein, dabei gedacht hat, wäre mal interessant zu erfahren.
Entlassen wird man mit "Ok", einem weiteren Stück, bei dem Sandra Große wieder zum Mikrofon greift und den ersten schlechten Eindruck, den man sich von ihr gemacht hat, nochmal nachdrücklich unterstreicht. Ich hoffe, das Mädel hat noch einen richtigen Job und arbeitet nicht nur als "Produzentin" und "Sängerin" ...

Nach dem Hören stellte sich mir die Frage, wie man ein solches Album beschreiben soll, ohne den darauf zu hörenden Personen weh zu tun. Was soll ich über eine Platte, bei der offenbar bis auf die Gitarren nichts echt ist (alles aus dem Computer) und nur dort, wo man technisch hätte unbedingt nachhelfen müssen (nämlich den Stimmen) nichts gemacht wurde, anderes schreiben, als dass es sich hier um einen Totalausfall handelt? Auf dem kompletten Album befindet sich kein Stück, das mir zusagt. Auch keine Songidee kann wirklich überzeugen und würde in einem anderen Klangkleid anders rüber kommen. Das ist insgesamt ziemlich amateurhaft und alles andere als veröffentlichungswürdig. Für einen Musiker, der über 25 Jahre Bühnen betritt, ist das Ergebnis seiner produktiven Phase, das man hier hören kann, eine faustdicke Überraschung. Leider von der anderen Seite! Nun ist das nur meine bescheidene Meinung und wie wir alle wissen, sind Geschmäcker verschieden. Aber wohl jeder, der zwei gesunde Ohren hat, wird über all die hier beschriebenen Defizite stolpern und auch nichts beschönigen können. Frank Proft ist unüberhörbar durch die PUHDYS inspiriert, aber an seine Helden reicht er nicht heran. Weder eine Armlänge noch eine Autobahnlänge … Hier sind an jeder Ecke Defizite auszumachen. Beim Songweriting, beim Texten, beim Arrangieren und leider auch stimmlich. "Stück zurück" wird die breite Masse auf dem "normalen" Wege nicht erreichen, hat aber gute Chancen, vielen Menschen bei Poche Muzik via Facebook eine Menge Spaß zu bereiten. Dort könnten sich Frank und Sandra echt einen Namen machen.
(Christian Reder)
 
 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

CookieHint and Consent by reDim GmbH (Öffnet in neuem Fenster)