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Mitch Ryder & Engerling live am 10. März 2009 im "Kesselhaus" Berlin

 

Bericht: Petra Herz
Fotos: Rüdiger Lübeck

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Wie schon gewohnt fuhr ich am Dienstag wieder einmal vom Büro aus zum Kesselhaus. Auf dem Weg dorthin kam ich an einer Imbissbude vorbei, die sich direkt am U-Bahnhof Eberswalder Strasse befindet. Wer sich auskennt weiß: da gibt's doch diese berühmte Berliner Currywurscht... genau... ich landete bei Konnopke. Da ich mir tagsüber kaum Zeit zum Essen nahm, kaufte ich mir also eine für 1,70 EUR. Zusätzlich 30 Cent für ein einziges Brötchen wollte ich aus Protest nicht zulassen, also gab es Pommes dazu. Meinen Teamkollegen traf ich im nahe liegenden Cafe. Somit schlenderten wir dann gemeinsam über den Hof der Kulturbrauerei... und wer kam uns da zufällig entgegen? Einer meiner Lieblingsgitarristen, der Pitti. Freudig begrüßten wir uns. Wir dachten, der Soundcheck müsste doch gerade begonnen haben. Als wir die Halle betraten, sahen wir den überwiegenden Teil der Musiker beim Instrumentencheck. Wenige Minuten später fand sich auch Pitti auf der Bühne ein, nun war die Band komplett. Mir stellt sich gerade die Frage: darf man überhaupt EngerlingE schreiben? Ich kenne diesen Begriff noch aus alten Zeiten, ein Knabbergebäck. Engerlinge gibt es auch als tierische Lebewesen in unserer Umwelt. Aber um Käferlarven will ich mich jetzt auch nicht scheren. Hier standen sie DIE Engerlinge, vier großartige, erfahrene Musiker: Wolfram "Boddi" Bodag (key), Heiner Witte (git), Manne Pokrandt (bass), Vincent Brisach (drum) und als Gast, Gitarrist Gisbert "Pitti" Piatkowski. Sie hatten alles schnell im Griff. Ich nahm vieles genau unter die Lupe. Manne kam mir entgegen und ich las was auf seinem schwarzen Shirt stand "IM KOPF MUSS ES KLAR SEIN". Er erzählte noch von einem Fan, der das Wort "klar" versehentlich falsch interpretierte. Inzwischen hat er sich sicherlich ein neues Shirt drucken lassen. Genug Reserve-Drumsticks konnte ich an Vincent's Schlagzeug entdecken, und ich fotografierte ihn und seine Setliste, Schlagzeuger sind ja gewöhnlich beim Konzert nur selten zu sehen. Rechts neben dem Schlagzeug befand sich Mannes Technikturm, auf dem ein Engel aus Pappe steht. Dieser Engel hat, genauso wie auch das Schaf hinter Boddi's Keyboard, eine besondere Bedeutung. Es waren, wie mir Pitti erzählte, Geschenke von eingefleischten Fans. Im hinteren Bühnenbereich entdeckte ich noch ein einsames Mikrofon, es war schalldämmend umhüllt. Scheinwerfer wurden noch auf den Punkt gebracht und dann schien einem schönen Konzert nichts mehr im Wege zu stehen, der Einlass konnte beginnen. Vincent erzählte mir, dass er sehr gerne bei Ryder-Konzerten als Vertretung für Boddi's Sohn Hannes einspringt. Dieser muss des Öfteren wegen seines Studiums bei einigen Konzerten fern bleiben. Aufgrund des Dialekts befragte ich Vincent nach seiner Herkunft, dachte nun er würde mir sagen aus welchem Bundesland er stamme. Er antwortete aus Frankreich, sprach aber trotzdem auch noch sehr gutes englisch. Denn in der Zwischenzeit trafen auch Mitch Ryder und seine Frau ein. Sie erzählten freudig von ihrem Trip durch Berlin. Pitti stellte mich der Familie Ryder vor, und dass ich bei "Deutsche Mugge" über diesen Konzertabend berichten würde. Strahlend übergab ich meine Visitenkarte und erklärte Frau Ryder, dass die Berichterstattung leider nur in Deutsch erfolgen wird. Sofort übertrug sie Pitti die ehrenvolle Aufgabe der Übersetzung mit einem freudigen Lächeln, und er äußerte seine Bereitschaft mit der Antwort "sehr gerne". Inzwischen war das Kesselhaus gut gefüllt. Am Merchandisingstand sah ich mir noch die vielen CDs an, die Mitch Ryder in seinem langen Musikerdasein veröffentlicht hat. Als Aktuellste wurde mir "Air Harmonie" - Mitch Ryder feat. Engerling Live in Bonn 2008 vorgestellt (Die Rezension dazu folgt demnächst). Nun erwarteten alle ganz gespannt den Mann aus Detroit, der sich schon als Schüler intensiv mit Musik beschäftigte.
Um 20:50 Uhr ging es los: Licht aus, Scheinwerfer an und die Band manne 20131228 1049035258bevölkerte die Bühne, und sie begann sofort "Long Hard Road" zu spielen. Nach wenigen Takten kam Mitch hinzu und schnappte sich, im Jubel der Fans, sofort seinen roten Schellenkranz. Da war er nun also, der Rockmusiker (geboren als William S. Levise, Jr.), der zufällig das gleiche Sternzeichen hat wie ich. Auffällig seine Sonnenbrille und sein Hut, gekleidet mit schwarzem Nadelstreifenjacket, schwarzer Bügelfaltenjeans und natürlich dazu passenden (Achtung Frauen!) schwarzen Schuhen. "Thank you very much for beeing here... let's have a good night...", waren seine ersten Worte. Im gleichen Zug stellte er seine Band vor und kündigte dann ein sehr altes Lied an: "It Ain't Easy", eine Erinnerung an den bereits verstorbenen Ron Davies. Zu Beginn dieses Liedes brachte Boddi die Stimmfedern seiner Harp gekonnt zum Schwirren (wie auch später bei "Tough Kid"). "21st Century" erstrahlte im überwiegend violetten Licht und Mitch sang dann zwei Mal ganz laut "Out through the night", Manne und Pitti beendeten den Titel mit eben diesen Worten. "Ain't nobody white can sing the blues" ist DER Song, der Mitch und diese Band seit vielen Jahren ganz besonders miteinander verbindet. Die Engerlinge spielten ihn, und spielen ihn auch heute noch auf ihrer eigenen Tour. Bereits seit 1994 finden Konzerte der Mitch-Ryder-Engerling-Band statt. Er durfte an diesem Abend daher auch nicht fehlen. Mit "All the fools it sees" hatte Mitch auch neuere und ruhigere Titel im Gepäck. Was mich erstaunte: Mitch spielt Songs, die ihm besonders am Herzen liegen, und daher hatte er für die Ankündigung eines jeden Titels die passenden Worte dabei. Und jeder Musiker konnte mit einem Soli glänzen. Pitti strapazierte mit "The Promise" seine Saiten im blauen Licht und Boddi haute wiederum beim Ryder-Klassiker "War" in die Tasten. Zwischendurch wandte sich Mitch an die Fans, er habe nichts gegen ein paar Schnappschüsse einzuwenden, aber Videoaufnahmen sind bitte zu unterlassen. Ich hoffe stark, im Interesse des Künstlers, dass keine Videoaufnahmen auf irgendwelchen Internetportalen auftauchen. Geht lieber zu seinen Konzerten! Den nächsten anstehenden Klassiker "Red Scar Eyes" startete Boddi mit seinem mir sehr bekannt vorkommendem Vorspiel. Ich erkannte "Die Liebe ist ein seltsames Spiel", ein Schlager von Connie Francis aus dem Jahr 1960. Heiner kam mit seiner Gitarre als Erster zur Begleitung hinzu, gefolgt von der gesamten Band. Der zweite Teil des Abends hatte (ohne Pause) begonnen. Mitch war gut gelaunt und zeigte wie fit er noch ist, Blues- und Rockmusik brachten das Kesselhaus zum Kochen, u. a. mit "Tough Kid". Beim Al Green Song "Take me to the river" hallte seine Stimme durch die Halle, und mit kurzem Klatschen gab er seinen Fans die ihm entgegengebrachte Begeisterung zurück.
drum 20131228 1146706786Mit "Gimme Shelter", ein Titel der Stones, konnte Mitch auch den letzten Konzertbesucher aus der Reserve locken, da gab es kein Halten mehr, alle rockten mit. Mitch verließ die Bühne, er überließ der Band das Finale: Heiner, Manne und Pitti versammelten sich mit ihren Saiten vorm Schlagzeug und beendeten den Song mit Bravour. Ohne Zugaben ließen wir sie aber nicht ziehen. Mitch kam als Erster zurück auf die Bühne und erzählte, dass er seit 1978 regelmäßig nach Deutschland kommt, hier Konzerte gibt und mit Engerling einige Platten gemeinsam aufgenommen hat. Mit "Argyle" ging es weiter, gefolgt von einem weiteren Stones-Titel "Heart of stone". Die Fans sind wieder begeistert, der Refrain erklang im Chor und hallte Mitch entgegen. Ich konnte diesen Hall verfolgen, denn genau in dem Moment zog es mich aus dem hinteren Bereich der Halle wieder in die vorderste Front. Zu Beginn des Konzertes befand ich mich an der linken Bühnenfront und nun ging es also zu Pitti und Manne zum rechten Flügel. Nachdem Mitch mit "Betty's too tight" im gelben Bühnenlicht mit blauem Hintergrund leuchtete, nahm er sein weißes Handtuch und verschwand erneut, kam aber wieder da er unbedingt den Co-Produzenten einiger seiner Alben vorstellen wollte: (übersetzt) "Manne, der beste Bassspieler auf dieser Seite der Mauer!" Manne spielte ein fantastisches Basssolo und nacheinander konnte jedes Bandmitglied ein Solo auf's Parkett legen. Somit ging ein hervorragender Blues- und Rockabend mit dem Doors Klassiker "Soul Kitchen" zu ende.
An dieser Stelle noch einen Gruß an Gert: Gert du schaffst das!

 


 

Foto Impressionen:


 

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