
Ein Konzertbericht von Jens Lorenz mit Fotos von Sandy Reichel+ Pressefoto (oben)
Teilwahnsinn hat einen Namen: MONOMANIE. Vollwahnsinn hat auch einen Namen: MONO INC. Dieser Wahnsinn ist mit keiner Behandlung oder Therapie klein zu kriegen. Wie ein Virus infiziert die Hamburger Band um Frontmann Martin Engler ihre Zuschauer bei den Konzerten und lässt sie in einem euphorisches Fieber ausbrechen. Im Laufe der letzten vier Jahre sind die Zahlen der Infizierten drastisch gestiegen und ein "Heilmittel" scheint nicht in Sicht zu sein. Kein Wunder also, dass die Band einen planierraupenartigen Siegeszug durch die Szene hinlegte, welchen man schlicht als kompletten Wahnsinn bezeichnen kann! Seit Hits wie "Voices Of Doom" und "Get Some Sleep" kennt die Musik der drei Herren und der reizenden Lady an den Drums auch die letzte schwarze Seele. Die erste Headliner Tour der Band auf eigenem Boden startete im Frühling 2010 und wurde mit einem durchbrechendem Erfolg belohnt: volle Clubs, ausverkaufte Shows und überwältigte Fans waren das Resultat und sorgten für 15 zusätzliche Shows. Mit an Bord für den zweiten Tour-Auftakt war die Chart-EP "Comedown". Nach dem erfolgreichen Jahr folgte der krönende Abschluss: MONO INC. wurde von damals erfolgreichsten deutschen Mega-Act UNHEILIG als Special-Guest auf die eigene Jubiläums-Show eingeladen: gespielt wurden 21 ausverkaufte Shows in den größten Arenen Deutschlands! Die Massen (im wahrsten Sinne des Wortes) tobten und zeigten sich begeistert.
Im März 2011 schlugen MONO INC. ein weiteres Kapitel in Ihrem Buch des Teilwahnsinns auf: "Viva Hades", das fünfte Album der Band wird das erste TOP 50-Album der Bandgeschichte. "Da wir das ganze letzte Jahr auf Tour verbracht hatten, entstanden die meisten Songs unter den frischen Eindrücken dieser überwältigenden Konzerte. Diese Energie ist irgendwie direkt in die Kompositionen geflossen", resümiert Sänger Martin Engler. "Viva Hades" ist dadurch ein ziemlich treibendes Album geworden. Im darauffolgenden Jahr 2012 wurde der nächsthöhere Gipfel erklommen: Ein weltweiter Plattenvertrag mit SPV/Rookie & Kings wurde unterzeichnet. Was folgte war das wohl rockigste und beste Album der bisherigen Bandgeschichte. Durch zusätzliche Auftritte auf nahezu allen großen Szene- und Rockfestivals (WGT, Amphi, W:O:A, Deichbrand, Summer Breeze u.v.m.) schaffte es die Band sich in die Köpfe der Festival-Zuschauer zu spielen und ihre Fangemeinde weiter zu vergrößern, was das Sprungbrett für den Einstieg in die Media Control Album Charts war und MONO INC. mit "After The War" auf Platz #6 katapultierte. Dem Erfolg in den Charts standen die Shows der "After The War"-Tour im Herbst 2012 in nichts nach und sorgten mit einer mitreißenden und aufwendigen Performance in Deutschland und Europa für brechendvolle Säle sowie extatische Stimmung im Publikum. Nach einer notwendigen Wahnsinns-Pause stehen unter dem vielsagenden Titel "Nevermore" nunmehr 10 Konzerte im November/Dezember 2013 vor der Tür. Tourauftakt war am 28.11. Berlin.
![]() |
Vor dem ersten Konzert der Tour im Huxleys gab es für die Fans noch einen ganz besonderen Leckerbissen. Die Hamburger hatten am Mittwoch zum Warm Up ins K17 in Berlin geladen. Inhaber eines Fanpasses, den man für 12,00 Euro erwerben konnte, waren zu dieser Generalprobe im kleinen, familiären Kreis eingeladen. Die Einnahmen aus diesem Konzert spendeten MONO INC. an die Bärenherz Stiftung e.V. "Bärenherz hat uns ein Stück Lebensqualität zurückgebracht ...", ein schönes Fazit für die Arbeit im Kinderhospiz Bärenherz. Es ist die Aussage einer betroffenen Mutter, die genau auf den Punkt bringt, was die Stiftung sein möchte: eine Herberge, die Schutz, Geborgenheit und Sicherheit für Familien gibt, deren Kind lebensverkürzend oder unheilbar erkrankt ist. Die Stiftung unterstützt Einrichtungen, die sich dieses zum Ziel gemacht haben. Damit widerlegen die Hamburger Kritiker, die MONO INC. mit Erscheinen ihres Albums "Nimmermehr" vorgeworfen haben, durch "freundlichere Texte" beim breiten Publikum Fuß fassen zu wollen. Davon mal abgesehen, dass es die Band wohl kaum nötig hat, auf diese Art und Weise um eine größeres Fanpotential zu buhlen, ließen sie damit Worten (oder in diesem Falle ihren Songs; "Kein Weg zu weit" zum Beispiel thematisiert häusliche Gewalt an Kindern) Taten folgen. Wie auch immer man zu der Musik und dem neuen Album von MONO INC. stehen mag, sich über deutschsprachige Texte (die erstmals auf einer CD von MONO INC. vorhanden sind) profilieren zu wollen, kann man ihnen ganz sicher nicht nachsagen.
Einlass im K17 war am Mittwoch um 19:00 Uhr. Oder besser, sollte 19:00 Uhr sein. Denn als ich ca. 10 Minuten nach Sieben ankam, waren noch alle Tore verschlossen. Und das blieben sie auch noch eine ganze Weile. Die geschätzten 100 bis 150 Fans, die geduldig des Einlasses harrten, nahmen es gelassen. Wenn man sich so in der Schlange umschaute fiel auch ein anderes Phänomen sofort auf. MONO INC.-Fans lassen sich schlecht in vorgefertigte Schublade stecken. Von Jung bis Alt, vom Hardcore-Gothic-Fan bis hin zum "normalen" Konzertgänger ... das Publikum war breit gefächert. Eine gewisse Spannung und Vorfreude war allen anzumerken. Der Einzige, der letztlich wirklich ein wenig enttäuscht war, als ca. 19:30 Uhr das Warten ein Ende hatte, war wohl ich. Mittlerweile war nämlich bekannt geworden, dass das Fotografieren der Generalprobe komplett verboten sein wird. Immerhin, man muss dem Management und dem Veranstalter hoch anrechnen, dass ich die Kameras nicht irgendwo in fremden Händen zurücklassen musste, sondern diese trotz alledem mit in die Location nehmen durfte. Auf dem Hof brannte - wie immer in den kalten Monaten im K17 - das obligatorische Lagerfeuer, das die rauchenden Fans vor einem unerwarteten Kältetod schützte. Das Innere der Location machte einen etwas chaotischen Eindruck und vermittelte das Gefühl im Lagerraum einer Spedition angekommen zu sein. Der gesamte hintere Teil des Saales war mit Cases, Kisten und Technik zugestellt. Improvisation war das Motto des Abends. Gestört hat es keinen. Im Gegenteil, die angekündigte familiäre Atmosphäre, erhielt damit eine ganz besondere Nuance. So ungefähr kann man sich wohl auch den Proberaum einer Band vorstellen. Im Barbereich des K17 Stand das Begrüßungsgetränk für die Fans bereit. Eine unüberschaubare Masse an Sektgläsern, die von den ganz Ungeduldigen schon vor dem Erscheinen der Band fleißig geleert wurden. Es dauerte noch einmal gut 45 Minuten, bis es dann endlich richtig losging.
Martin Engler und Carl Fornia ließen es sich nicht nehmen, jeden Einzelnen Fan mit Handschlag zu begrüßen. Man versammelte sich noch einmal im Barbereich, stieß gemeinsam auf die bevorstehende "Nimmermehr"-Tour an und lauschte den Worten Martins, der sich zunächst einmal für die Zeitverzögerung entschuldigte. Es gab die üblichen Widrigkeiten, die bei so einem Tourauftakt halt immer entstehen. Mit der Technik, mit der Organisation. Er dankte allen, die gekommen waren um gemeinsam mit der Band diese Generalprobe zu absolvieren und ganz besonders bedankte er sich bei der Crew von MONO INC., die es trotz aller Probleme möglich gemacht hatten, dass es jetzt beginnen konnte. "Gebt uns noch fünf Minuten, und dann sehen wir uns an der Bühne". Auch Martin wies noch einmal eindringlich darauf hin, dass die Band keine Fotos wünschte. Zum einen natürlich, um dem Publikum der Tour nicht schon vorab die Spannung zu nehmen, zum anderen, weil abzusehen war, dass bei so einer Generalprobe noch nicht alles seinen gewohnten und gewollten Gang nehmen wird. So blieben dann die Handys und Kameras in der Tasche und tatsächlich konnte man am darauffolgenden Tag nicht ein einziges Bild im Internet finden.Mit dem Intro - vom Band eingespielt - ging es los. Das Publikum ließ sich nicht lange bitten und klatschte sofort mit. Katha Mia eroberte ihren "Schlagzeug-Thron", gab den Rhythmus vor und mit dem Opener "Heile, Heile Segen" nahm der musikalische Teil des Abends seinen Lauf. Der Sound war für die kleine Location wirklich gut abgemischt, auch wenn mir persönlich die eingespielten Sequenzen vom Band viel zu präsent waren. Nach wie vor stellt sich mir die Frage, warum MONO INC. zu ihren Live-Acts keinen Gastmusiker an den Keyboards mit auf Tour nimmt. Vielleicht würde der Elektronik-Klangteppich am darauffolgenden Tag im wesentlich größeren Huxleys ja etwas dezenter sein, die Frage an sich bleibt aber trotzdem im Raum stehen. Als wesentlich größeres Problem erwies sich aber der Platzmangel auf der Bühne. Wie Martin während des Konzertes anmerkte musste man mit der Hälfte des normalerweise zur Verfügung stehenden Platzes klar kommen. So wirkte diese dann im K17 auch völlig überladen, wenngleich man sich mit ein wenig Phantasie das Originalbühnenbild zumindest schon mal vorstellen konnte. Auch das Licht war ergo völlig überdimensioniert und blendete eher, denn es das Bühnenbild wirkungsvoll unterstützt hätte. Aber das ließ sich nun mal nicht ändern und tat der insgesamt guten Stimmung keinen Abbruch. Man merkte, insbesondere Martin, die Spannung aber auch die Freude deutlich an. Dagegen machte Manuel am Bass einen etwas müden Eindruck. Zwar wirkte sich das nicht unbedingt auf sein Spiel aus, ich habe ihn aber auf der Bühne schon wesentlich lebendiger erlebt. Einige kleine Pannen gab es natürlich auch. Und das ausgerechnet bei "Arabia", bei dem Song, bei dem Martin das Publikum noch fragte, ob sie ihn überhaupt spielen sollten. "Den Song haben wir ja in letzte Zeit so oft gespielt, den können wir". Die Frage war natürlich mit einem Augenzwinkern gestellt, denn natürlich wollten die Fans ihn hören. Und auf Grund einer Ungereimtheit hörten wir ihn dann letztlich sogar anderthalb mal. Zwischendrin wurde abgebrochen und von vorn begonnen. Dass das Martin nicht wirklich gefiel, merkte man ihm an. Vielleicht verwechselte er ja daher hernach die Songs auf der Set-List und kündigte einen an, der erst später kam. Ich hatte damit nun gar kein Problem. Generalprobe ist Generalprobe. Und zeigen nicht gerade solche Episoden, dass so ein Konzert eben in erster Linie auch schwere Arbeit für die Musiker ist, dass es eine Menge an Vorbereitung kostet, damit es hinterher alles so einfach aussieht? Das sind Blicke hinter die Kulissen einer großen Tour, die dem Fan sonst normalerweise versagt bleiben. Die größte Überraschung des Abends war für mich, dass auch Joachim Witt bei der Generalprobe vertreten war. Natürlich mit dem Song "Kein Weg zu weit", der mir persönlich live wesentlich besser gefiel, als auf Video, wo er doch sehr Mainstream wirkt und an "Geboren um zu leben" von UNHEILIG erinnert. Danach folgten noch drei Titel, die aus der Feder von Witt stammen.
Weiter ging es dann im Set wieder mit MONO INC.-Songs, wobei sich die Hamburger noch die eine oder andere Überraschung haben einfallen lassen. Nach dem 18. Titel kam dann die Frage "Wie gefällt euch die Song-Auswahl bis jetzt?", worauf das Publikum mit euphorischem Applaus antwortete. Ich werde diese Frage abschließend in meinem Konzertbericht zum Tourauftakt im Huxleys beantworten, denn noch war nicht klar, ob die Set-List der Generalprobe auch Eins zu Eins in die Tour übernommen wird. Nach "After the War" gab es noch zwei Zugabeblöcke und dann war die Generalprobe Geschichte. Fast. Denn natürlich konnten die Fans ihre Idole nach einer kurzen Pause noch einmal hautnah am Merchandising-Stand erleben. Hoffen wir, dass sich alle an die Worte Martin Englers gehalten haben, der darum bat, dass ihn keiner umarmt, der erkältet sei. "Ich möchte auch mal eine Tour gesund über die Bühne bringen".
Fazit: So eine öffentliche Generalprobe ist ein besonderes Erlebnis für die Fans, die so auch mal die Möglichkeit haben, ein wenig hinter die Kulissen einer Tour zu schauen. Und immerhin bekamen sie für lediglich 12,00 Euro ein gesamtes zweites Konzert geboten. Der Erlös aus dieser Generalprobe wurde - wie bereits erwähnt - gespendet.
24 Stunden später war es dann so weit. Der offizielle Auftakt zur neuen "Nimmermehr"-Tour, die mit insgesamt 10 Konzerten das Jahr 2013 für Fans und Band ausklingen lassen. Supportet wurde MONO INC. an diesem Abend von THE BEAUTY OF GEMINA, die in der Szene längst keine Unbekannten mehr sind. Im Frühjahr 2011 tourte die Band - wie einst auch MONO INC. - mit UNHEILIG durch Deutschland. Maßgeblich beeinflusst von Frontmann Michael Seles vermischt die Band hauptsächlich Elemente aus Synth Rock, Dark Rock und Metal mit elektronischen Komponenten, die sich teilweise sogar auf Einflüsse des Techno/Trance-Bereiches stützen. Heraus kommt eine Mischung von Gothic Rock und Dark Wave, die sich textlich aber zumeist an den Themen Selbstmord, Einsamkeit, Depression und Liebeskummer erschöpft. Der Sound wird vocal von zahlreichen Wiederholungen getragen, Strophe und Refrain im klassischen Sinne sind eher selten.
Line-Up THE BEAUTY OF GENIMA
o Michael Sele (Gesang, Gitarre, Keyboards)
o Mac Vinzens (Schlagzeug)
o David Vetsch (Bass)
o Marco Gassner (Gitarre)
Zu meinem Leidwesen muss ich gestehen, dass ich bedingt durch einige Unregelmäßigkeiten am Einlass, den Support komplett verpasst habe. Das Einzige was mir tatsächlich - von der Ferne - auffiel, war, dass der Live-Act bei weitem nicht so elektro-lastig war, wie ich eigentlich vermutet hätte. Die Schweizer legten einen eher rockigen Support hin, der mir persönlich Geschmack auf mehr machte, das Publikum aber eher zwiegespalten zurück ließ. Es gab Applaus, teilweise bewegte man sich vor der Bühne auch im Takt, die große Euphorie aber blieb aus. So gab es dann - sehr zu meiner Verwunderung - auch kaum eine Forderung nach Zugabe, so dass der Support mit der regulären Set-List auch schon zu Ende war.
Überhaupt. Das Publikum. Sicher, es war Donnserstag. Dass das Huxleys trotzdem nicht ausverkauft war verwundert. Und dass man während eines Konzertes von hinten nach vorn fast ungehindert und ohne zu drängeln bis an den Fotograben kommt, habe zumindest ich bei einem MONO INC.-Konzert noch nie erlebt. Gut besucht war es ganz sicherlich, aber krachend voll sieht dann doch anders aus. Was noch viel verwunderlicher war, ist aber die Tatsache, dass auch MONO INC. im Verlauf des Abends seine liebe Mühe und Not hatte, das Publikum aus sich heraus zu locken. Vielleicht wären die Hamburger doch besser beraten gewesen ihren Tourauftakt in ihrer Heimatstadt zu spielen. Das Konzert in Hamburg ist schon seit Wochen ausverkauft und auf diese Weise hätten sie sicher eine ganze Menge Schwung mit in die darauffolgenden Konzerte nehmen können. Doch beginnen wir am Anfang.
Line-Up MONO INC.
o Martin Engler (Gesang, Gitarre, Keyboards, Schlagzeug)
o Carl Fornia (Gitarre, Gesang)
o Manuel Antoni (Bass, Gesang)
o Katha Mia (Schlagzeug, Gesang)
Kurz nach 20:30 Uhr hallte dann das Intro durch die Halle. Nebel und blaues Licht umspielte die beiden "Nimmermehr"-Logos links und rechts des Schlagzeuges, Katha Mia erkletterte ihr Arbeitsgerät, gab den Takt vor und mit einem Feuerstoß wurde die "Nimmermehr"-Tour eröffnet. Die Berliner Tagepresse gab im Vorfeld ein ziemlich orientierungsloses Statement zu MONO INC. ab, dass in der Frage gipfelte, was denn da nun eigentlich zu hören wäre. Melodiehafter Gothic-Rock oder gar Grusel-Pop?
Wobei sich mir noch nicht ganz erschließt, was mit "Grusel" nun wirklich gemeint war. Was MONO INC. mit ihrem Opener an die Massen brachte wird diese Frage nicht endgültig beantworten. "Heile, heile Segen" hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl. Auf den Punkt gebracht: "Ein kaum mehr als karussellhafter Kinderreim, gebettet in zuckerfreie Rammstein-light-Gitarren mit einem eingestreuten Cher-Effekt." Ein Song den man lieben, oder auch hassen kann, los wird man ihn tagelang nicht mehr. Es mag dem Musikkritiker gefallen oder auch nicht, aber so werden Hits gemacht. Allerdings fand ich ihn als Opener völlig fehl am Platze. Man stelle sich nur mal vor, ein neuer Fan, der noch nie ein MONO INC.-Konzert besucht hat (und davon gab es einige, wie Martin schon am Vorabend bei der Generalprobe feststellte), wird gleich im ersten Song mit einem schwarzbeseelten Fan als Nachbar konfrontiert, der doch tatsächlich aus vollen Herzen einen Kinderreim grölt. Nun ja. Der Song ist keineswegs so schlecht, wie er teilweise gemacht wird, hätte wohl aber besser in die Mitte des Sets gepasst.Die elektronischen Einspielungen vom Band waren im Huxleys tatsächlich wesentlich dezenter als noch im K17 und fügten sich im Allgemeinen gut ein. Sie machten den Klangteppich in vielen Fällen voluminöser und rundeten die Songs gekonnt ab. Trotz alledem würde ich ein Konzert mit einem Gastmusiker an den Keyboards noch immer bevorzugen. Es macht den Sound einfach authentischer. Mit "My deal with god" blieb man zunächst auf dem "Nimmermehr"-Album. Typischer MONO INC.-Sound, treibender Gothic-Rock, der mit "Grusel-Pop" nun so gar nichts mehr zu tun hat. Das Bühnenbild, welches sich auf der Bühne vom Huxleys nun in ganzer Größe präsentierte, war gelungen. Nicht minimalistisch, nicht zu aufdringlich. Die ab und an eigestreuten Feuereinlagen waren gut dosiert und das Licht unterstrich die Show eindrucksvoll. Auch am Klang gab es nicht viel zu mäkeln, wenngleich ich gestehen muss, dass ich ab und an Schwierigkeiten hatte, Martin zu verstehen. Aber das mag vielleicht auch an meinen alten Ohren liegen.
Mit "Gothic Queen" ging es dann zurück auf das Album "The Voices of Doom". "Avalon" von "Temple of the Torn" war dann der fünfte Titel vom insgesamt dritten Album, womit man gleich am Anfang des Konzertes schon mal einen guten Querschnitt durch die Schaffensperiode der Hamburger hatte. Schön finde ich immer wieder den Schluss des Songs, mit der Gitarre von Carl und den danach einsetzten Drums von Katha die sich beide zum instrumentalen Höhepunkt des Stückes pushen. Wäre da nur nicht dieser Kinderreim am Anfang gewesen, hätte man mit einer durchaus stimmigen Set-List das Konzert begonnen.Nach einer knappen halben Stunde begrüßte Martin dann das Publikum. "Vielen Dank Berlin! Es ist uns eine Ehre den Tourauftakt hier mit Euch zu feiern!" Jetzt endlich schien auch der letzte der Zuhörer vor der Bühne wach zu werden, und auf das Kommando "Alle Hände hoch!" gab es wieder eine Feuersäule und bei "Arabia" klatschte nun endlich auch der ganze Saal. Kathas Gesangseinlagen kamen wie immer glockenklar. Auch an den Fellen gab die Rhythmus-Queen eine treibende und souveräne Leistung ab. Martin präsentierte sich als lebendiger Frontmann, suchte sowohl mit Blicken als auch mit Worten den Kontakt zum Publikum und hielt die Stimmung am Kochen. "Seid ihr wach?"
Mit rockigen Gitarren ging es weiter. "Temple Of The Torn" vom gleichnamigen Album wurde dann auch vom ganzen Publikum lautstark mitgesungen. Mir persönlich gefallen die gitarrenlastigen Titel der Band nach wie vor besser und man hatte den Eindruck, dass ein Großteil der Zuhörerschaft diese Meinung teilt. Angekündigt als einer der englischen Songs vom neuen Album folgte danach "Euthanasia". Der langjährige MONO INC-Fan weiß natürlich, dass der Song so neu nun auch wieder nicht ist.
Es handelt sich dabei schließlich um ein Stück von ihrem Debütalbum "Head Under Water". Wer die ursprüngliche Fassung kennt wird die Veränderungen hören. Die Neuauflage klingt rockiger und kleidet das Thema in ein neues musikalisches Gewand. Gelungen, und mit einem Solo von Carl live hörenswert abgerundet.MONO INC. hat mit dem "Nimmermehr"-Album das erste Mal in ihrer Bandgeschichte auch deutschsprachige Titel veröffentlicht. Die Lyrics der insgesamt sieben Songs lassen sicher noch einiges an Steigerungen offen. Dieser Stilbruch war hauptsächlich der Zusammenarbeit mit JOACHIM WITT geschuldet. Während die Hamburger zum "Gloria"-Album von WITT einiges beisteuerten, gibt es jetzt auf dem neuen Album von MONO INC. ein Duett von WITT und ENGLER. "Kein Weg zu weit." Auch dieser Song spaltet die Fangemeinde, zumal die Videopremiere exklusiv auf Bild.de erfolgte. Martin begründete dies, mit den Kritiken der Fans konfrontiert, mit der großen Reichweite der Plattform. Schließlich hat der Titel häusliche Gewalt gegen Kinder thematisiert, und es liegt den Hamburgern daran, dieses Thema auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein fader Beigeschmack bleibt auf jeden Fall und nicht nur ich halte diese Art und Weise der Erstveröffentlichung für etwas unglücklich.
WITT wurde im Huxleys mit tosendem Applaus empfangen und Martin und Joachim konnten live beweisen, dass "Kein Weg zu weit" ein durchaus harmonisches Gesamtwerk geworden ist, welches sich zum Ende hin mit dem (vom Band eingespielten) Kinderchor entfaltet. Wohl, der Song erinnert ein wenig an "Geboren um zu leben", vielleicht ist er auch ein wenig zu mainstream arrangiert. Trotzdem, ein durchaus hörenswertes Stück. Was folgte, war ein Set von JOACHIM WITT, der mit insgesamt vier Titeln das Konzert von MONO INC. bereicherte. "Königreich" und dann - wieder im Duett mit MARTIN ENGLER - "Die Flut". Sehr gut. Bereits jetzt wurden erste Zugaberufe laut und so schnappte sich Martin hernach die E-Gitarre und bei dem Kultsong von JOACHIM ging die Post noch einmal so richtig ab. "Der Goldene Reiter". WITT zeigte eine Leidenschaft und Bewegungsfreude auf der Bühne, als wäre er mindestens 20 Jahre jünger. Er sprang umher, animierte immer wieder die Fans und stand im Allgemeinen während seines Auftritts nicht eine Sekunde still auf einem Platz. Herzlich wurde er nach den vier Titeln von Band und Publikum verabschiedet.
Bei "Drumbattle" hatte sich dann MONO INC. etwas ganz Neues einfallen lassen. Während ein kurzes Intro vom Band eingespielt wurde, eilt Katha Mia zu einem weiteren kleinen Drum-Set, welches mitten im Publikum aufgebaut war. Von da aus gab sie den Rhythmus vor. Zunächst arbeitet sie mit dem Publikum und später gibt sie die Sequenz weiter auf die Bühne, auf welcher mittlerweile Martin an den Drums Platz genommen hat. Zwei Schlagzeuge, eins von vorn und eins von hinten pfeffern uns Schlagfolgen um die Ohren. Und als ob das nicht genug wäre, beziehen auch noch Carl und Manuel hinter zwei Fässern auf der Bühne Stellung und trommeln fleißig mit.Mittlerweile ist es ja längst zur Modeerscheinung geworden, dass ein Drumsolo von mehreren Bandmitgliedern getrommelt wird, auf diese Art und Weise aber hat MONO INC. das Ganze noch einmal eindrucksvoll getoppt. Klar, Martin kommt ja ursprünglich auch von den Drums. Das Publikum hält den Rhythmus mit "Hey, Hey, Hey"-Ovationen, während Katha zurück auf die Bühne eilt, und der Titel letztlich wieder mit Gitarre, Bass beendet wurde. Das neue Line-Up der Band also, so verkündete Martin mit einem Augenzwinkern: Katha Mia - Drums, Carl Fornia - Drums, Manuel Antoni - Drums ... "Berlin habt ihr Groove?" "Könnt ihr Singen?" ... Martin ließ das Publikum gar nicht erst zur Ruhe kommen. "The Passenger" wird angespielt und das Publikum fängt auch sofort an zu singen. "Okay, wir werden die Schwierigkeit jetzt etwas erhöhen" ... Schon wurde der Gesang etwas leiser. Martin - jetzt wieder an der Gitarre - und Carl trieben die Zuhörer förmlich und spätestens beim "La, La, La, Laa, La" grölte wieder die ganze Halle. Martin aber war das nicht genug.
"Ich kann euch nicht hören!"
"La. La, La, Laa, La"
"Liebe Leute ich weiß, heute ist Donnerstag, aber das ist kein Grund nicht zu feiern!"
"La, La, La, Laa, La"
"Wir haben heute ein kleines technisches Problem. Ich kann Euch, Scheiße noch mal, nicht hören!"
"La, La, La, Laa, La"
"Danke Berlin".
Nun war er also doch endlich zufrieden, der Martin. Rockig blieb es auch beim darauffolgenden "Revenge", bei welchem Martin dann auch gleich noch mit dem Publikum übte, denn nun war es an der Zeit, die Sequenz für das MONO INC. TV aufzuhehmen. Als Carl dann mit der Kamera auf der Bühne erschien, gab es noch eine kleine ironische Bemerkung von Martin Engler, die so sicherlich nicht ganz ernst gemeint war. "Tut einfach so, als würde es euch total gefallen." Nun, gefallen hat es den Leuten ganz sicherlich. Es war wirklich kein schlechtes Konzert, und alles was es vorher an Kritiken (gleich ob positiv oder negativ) über die neue Platte zu lesen war, spielte ja an diesem Abend keine Rolle.
Wer zu MONO INC. geht, weiß was ihn erwartet und keiner wurde vom Tourauftakt der "Nimmermehr"-Tour enttäuscht. Dass sich das Publikum trotzdem sehr schwer tat, und die Band regelrecht hart arbeiten musste, um die Stimmung zu halten, ist ein Phänomen, welches ich mir noch nicht so richtig zu erklären weiß. An MONO INC. selbst - da bin ich mir sicher - hat es nicht gelegen.Das große Finale wurde dann mit "After the War" bestritten, für mich einer der stärksten Titel von MONO INC. Noch einmal gab es eine der "Feuer"-Einlagen, die insgesamt über das ganze Konzert gut dosiert waren und nie aufdringlich wirkten. Und dann war Schluss. Der Beifall ebbte ab und es herrschte fast eine gespenstige Stille im Huxleys, bis die ersten - noch zaghaften - Zugaberufe laut wurden. MONO INC. ließ sich davon nicht locken, und erst, als dem Publikum nach und nach klar wurde, dass Zugaben nun nicht unbedingt zwingend ein MUSS sind, wurde es wieder munterer und forderte lautstärker und energischer die Zugabe. Martin erschien auf der Bühne, bedankte sich zunächst einmal bei der Support-Band und natürlich auch bei seinem Freund Joachim Witt. Danach nahm er hinter dem Piano Platz und spielte den Titelsong des neuen Albums "Nimmermehr". Eine Ballade. Ich hatte das Gefühl, dass das Stück ein wenig holperte, aber das mag bei einem Live-Act schon mal vorkommen und wirkte nicht wirklich störend. Besser hätte mir allerdings gefallen, wenn man den Song in die reguläre Set-List gesetzt hätte. Bei "In my Heart" blieb Martin zunächst am Piano, um am Schluss des Titels dann mit einer überdimensionalen MONO INC.-Fahne dem Publikum zuzuwinken.
"Was für ein aufregender Tourauftakt", zieht Martin Bilanz und fordert noch einmal "Alle Hände hoch!". "Get some sleep" nutzt Carl dann um sich mit seiner Gitarre tanzend über die Bühne zu bewegen und dann war auch der erste Zugabeteil Geschichte. Diesmal ließ sich das Publikum dann nicht mehr so lange bitten und bestand von Anfang an lautstark auf einer weiteren Zugabe. Mit "Seligkeit" vom neuen Album und "Voices of doom" ging dann der Abend endgültig zu Ende.
Termine:
05.12.2013 - Köln - Live Music Hall
06.12.2013 - Bielefeld - Ringlokschuppen
07.12.2013 - Hamburg - Markthalle
12.12.2013 - Nürnberg - Hirsch
13.12.2013 - Kaiserslautern - Kammgarn
14.12.2013 - Stuttgart - LKA
15.12.2013 - Frankfurt/M. - Batschkapp
27.12.2014 - München - Theaterfabrik
Alle Angaben ohne Gewähr! Nähere Infos und weitere Termine auf der Homepage von Mono Inc.
Bitte beachtet auch:
- Off. Homepage von MONO INC.: www.mono-inc.com
- Off. Homepage von Joachim Witt: www.joachimwitt.de
- Homepage des 'Huxleys Neue Welt' in Berlin: www.huxleysneuewelt.com
Fotostrecke:
Vorprogramm: The Beauty Of Gemina
Tourauftakt: MONO INC. + Joachim Witt

