© Deutsche Mugge (2007 - 2026)
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Ein Bericht mit Fotos von Jens Kurze



Ich stecke mitten in den Vorbereitungen auf zwei unmittelbar bevorstehende Veranstaltungen, daher musste der Konzertbericht etwas warten - aber ich versuche mal, das Erlebte etwas zu sortieren. Nicht ganz einfach, es sind sehr viele Eindrücke und Ohrwürmer in meinem Kopf.

Ja, es hat etliche Jahre gedauert, bis ich die Musiker mal wieder live erleben konnte. Entweder war es zu weit weg, oder ich stand zeitgleich woanders auf der Bühne, oder es passte einfach nicht ... Aber es gibt ja das Team der TheaterNative C - ihr wisst schon, ich nenne die Spielstätte gern "mein Wohnzimmer", weil die Atmosphäre und das Miteinander dort wirklich einzigartig sind. Und dieses Team war so mutig, Quaster & Friends plus Hans die Geige gleich für ein ganzes Wochenende zu buchen. So gab es ein Konzert am Samstagabend und eins am Sonntagnachmittag. Und genau das passte in meinen Zeitplan. Eine weitere Besonderheit: die Konzerte sollten nicht im Haus, sondern im Innenhof stattfinden (ich war also nicht im "Wohnzimmer", sondern auf der Terrasse). So richtig konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Bestuhlung erfolgen würde und hatte mich auf Sitzbänke a la Bierzeltgarnitur eingestellt.

Das Plakat am Eingang zeigte: BEIDE Konzerte ausverkauft. So etwas freut nicht nur den Veranstalter, sondern auch die Musikanten. Mein Erstaunen setzte sich fort, denn im Innenhof war neben einzelnen Sitzplätzen an der Seite eine große Tribüne mit mehreren Etagen aufgebaut. Mit Blick auf den schmalen Eingang zum Innenhof der TheaterNative C kann ich das Pensum der Vorbereitung und des Aufbaus nur erahnen - Respekt! Eine überdachte Bühne an der Stirnseite, über einigen Lautsprecherboxen hingen noch Schirme vom Vorabend. Die Wetterkapriolen hatten sich aber wohl vor dem Konzert verflüchtigt.


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Wie gesagt- es war rappelvoll. Ich mag diese kleinen Konzerte, wo man bis an die Bühne rankommt und schaut, was denn da so steht, und wenn man mit den Musikern und den Technik-Leuten locker ins Gespräch kommen kann. Bei größeren Events wird ja (sicherlich aufgrund schlechter Erfahrungen) alles von den Security-Leuten abgeblockt. Ich hab mich riesig gefreut, Hans die Geige und Dani, seine treue Seele und Herrscherin über alle Ton-und Lichtregler, nach längerer Zeit wiederzusehen, denn schließlich hatten wir vor einigen Jahren mehrfach die Möglichkeit, gemeinsam zu musizieren. Während ich inzwischen leider ein paar "Jahresringe" mehr habe, ist Hans offenbar nicht nur optisch unverändert, was sich im Konzert auch zeigen sollte.

Pünktlich und mit aller Würde wurden die Theaterglöckchen vor Konzertbeginn zum Klingen gebracht (und nein - es bleibt beim amtlichen Titel "Abendspielleiter", auch wenn es ein Nachmittags-Gig war) und Hans legte los. "Sonntagnachmittag - alle Scheinwerfer sind an, der Hauptscheinwerfer auch" - ja, die Sonne meinte es gut - und so hieß es "Show must go on". Ja sicher, deswegen sind wir ja hier. Hans verzauberte uns nicht nur mit seinem virtuosen Können als Instrumentalist, sondern auch als Sänger und verschmitzter Entertainer. Das ist nicht Anbiederndes oder Selbstbeweihräucherndes, sondern Hans versteht es, das Publikum mit seinem trockendem Humor sofort auf seine Seite zu ziehen - das kann nicht jeder. Rückblicke auf vergangene Zeiten sind weder verklärend noch besserwissend, sondern mit Achtung und Stolz auf das Erreichte. Ein paar erklärende Worte zur Entstehung einzelner Stücke runden das Ganze ab.

Diesmal gab es "nur ein Liebeslied, denn ich habe ja nur eine Stunde Spielzeit". Und das war für mich so eine Art "Best of". Ich musste weder auf die Kurzfassung der "Moldau", noch auf "Up where we belong" oder "Klassik 3" verzichten (was für ein schönes Leitmotiv!). Mit "Future" kam ein Hauch Melancholie, was aus der Band "Neuland" hätte werden können ... und wir schickten einen Gruß an den verstorbenen Ex-Puhdys-Schlagzeuger Klaus Scharfschwerdt, der dieses Projekt mit aus der Taufe gehoben hatte. Nach musikalischen Abstechern (incl.der dazugehörigen Geschichten) nach Irland und Ungarn war der erste Teil des Konzerts schon vorbei. Schade, gerne wieder! Und das nächste Ereignis steht schon vor der Tür: das Fantreffen von Hans die Geige wird "volljährig" - am 22.August sieht man sich in Goßberg im Striegistal - Anmeldungen sind noch möglich unter striegistal-mail@gmx.


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In der kurzen Umbaupause gab es reichlich Betrieb am Merchandising-Stand (die frisch erworbenen T-Shirts wurden gleich präsentiert), es wurden kühle oder warme Getränke und selbst gebackener Kuchen angeboten. Glöckchenklang - und Teil 2 konnte beginnen. Zu Ex-Puhdy Dieter Hertrampf, den alle nur "Quaster" nennen, brauche ich ja hier an dieser Stell nichts zu sagen. Bereits seit 10 Jahren schart er nun Freunde um sich, um "unplugged" zu seinen musikalischen Wurzeln zurückzukehren. Nun ist ja … "unplugged" ist eigentlich nicht ganz korrekt, die Instrumente sind schon "plugged", also angestöpselt, aber es wird eben auf Solidbody-E-Gitarren oder ein großes Schlagzeug verzichtet. Stattdessen stehen akustische Klänge im Vordergrund, der Takt wird oft über Percussion-Instrumente oder andere Klangerzeuger gegeben.

Bereits nach den ersten Tönen ging in meinem Gesicht die Sonne auf: was für ein wundervoller Klang der Akustikgitarren, gespielt von Stefan Schirrmacher und Thomas Wendel - da muss ich doch nachher mal genauer hinschauen. Im Zentrum Quaster (auch mit Akustikgitarre), rechts von ihm Peter Rasym am Bass (und als Sänger) und ganz außen Frank "Theo" Toeffling, den alle wohl nur als "der Schatten" kennen. Stefan habe ich einst zum ersten Mal bei Neumis Rock Cirkus live erlebt, Peter bei der Stern-Combo Meißen, etwas später spielten beide bei DATZU. Nebenbei bemerkt: DATZU, ein Projekt um Rainer Oleak, zählt für mich immer noch zum Besten, was das kleine Land damals musikalisch hervorgebracht hat. Das Album mit der umwerfenden Sängerin Anett Kölpin klingt auch heute noch knackfrisch - sie waren ihrer Zeit wirklich voraus. Und Peter - den ich immer beim Vornamen genannt habe, weil ich seinen Spitznamen nie mochte - rang in jedem Jahr völlig verdient mit Jäcki Recnizek um den Titel "Bassist des Jahres". Thomas Wendel spielte Akustikgitarren und Mandoline - schon für eine ganze Reihe nationaler und internationaler Künstler. Und dann ist ja noch der "Schatten", der in erster Linie für den Rhythmus zuständig ist. Nach dem Konzert konnte ich von der Seite auf die Bühne schauen - und es bestätigte sich meine Vermutung: da steht ja so ein großer Koffer mit der Aufschrift "Schattenspender". Dahinter verbirgt sich nicht etwa die Minibar, sondern zwei Stompboxen ("Trampelkisten"), mit den je nach Einstellung die taktgebende Kickdrum oder andere Rhythmusinstrumente erzeugt werden. Die hier verwendet Stompbox arbeitet nicht mit "Trampelflächen", sondern mit einem Laser und benötigt dazu wirklich Schatten! Im Verlauf des Konzerts war aber auch die Gesangstimme vom "Schatten" zu hören, er spielte Shaker, die Flöte bei "Lebenszeit" und bei "Geh zu ihr" sogar eine echte Maulktrommel.

Zurück zum Konzert: Quaster begann mit "Ich bereue nichts", gefolgt von einer Reihe internationaler Songs - alle echte Klassiker, die viele (zumindest zeilenweise) lauthals mitgesungen haben. Bei "Hotel California" (mutig, mutig!) glänzten Stefan und Thomas mit dem legendären Gitarren- Duett am Ende des Songs. Applaus, meine Herren! Unverzichtbar: das Medley mit ausgewählten Songs aus der Puhdys-Zeit. Quaster leitete gekonnt über zu "Unterwegs", dem Titelsong seiner CD aus dem Jahr 2020 (ich mag dieses Lied ganz besonders, und auch die Überschrift dieses kleinen Konzertberichts stammt aus diesem Song). Mir hätte was gefehlt - zum Glück musste ich nicht auf das fantastische Slap-Bass-Intro von Peter bei "Mein Elixier" verzichten. Auch bei "Erinnerung" durfte er sich noch mal auszeichnen.


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Ich will nicht auf alle Songs eingehen, aber bei einigen haben mich besonders Quasters Worte sehr berührt. Leute, der Mann ist über 80 Jahre alt und hat immer noch eine irre Ausstrahlung. " Ich habe mir den Traum erfüllt, Musik machen zu können. Und so lange bei mir noch ein Ton rauskommt und so lange ihr noch zu uns kommt mache ich weiter" - na da bitten wir doch drum! Passend danach aus dem Lied "Die Welt ist ein Wunder" die Zeile "Ich bin am Leben, und Lachen kann ich auch". Ein eingespielter Haufen, der sich musikalisch und menschlich sichtbar gut versteht. Verpatzte Einsätze werden charmant weggelächelt (oh, da habe ich schon anderes erlebt), die Pause bei einem kleinen Technik-Defekt beim Bass überbrückte Quaster - natürlich!- mit dem alten Schlager "Liebe kleine Schaffnerin", ihr wisst schon: die mit den ganz besonderen Händen. Und aus vielen Reihen kam ein "Kling-Kling-Kling". Herrlich!

Emotionale Höhepunkte waren für mich im letzten Block die beiden Titel, bei denen Hans die Geige noch eimal auf die Bühne kam: erst das Puhdys-Lied "Es war schön" und ganz am Schluss "Stolz" (komponiert von Rainer Oleak, Text Michael Sellin), mit Hans, Stefan und Quaster - boa, nur drei Leute, aber mehr Herzblut geht nun wirklich nicht! Vielen Dank an euch. Danke an Flo, der mit seinem Tablet ganz entspannt von der Tribüne aus den Sound steuerte und dem ich ab und zu über die Schulter schauen durfte. Danke an Thomas, der sich nach dem Konzert ein paar Minuten Zeit nahm und mir über ihre Akustikgitarren und ihre verschiedenen Abnahme-Systeme unterhielt. Stefan und er spielen Gitarren von zwei australischen Gitarrenhersteller, die mir bis dahin unbekannt waren. Zuhause die Suchmaschine angeworfen, die Besonderheiten und die Spezifika der Systeme nachgelesen (der Bildungsteil am Sonntag), weitergescrollt ... tief Luft geholt ... und mich gefreut, was die beiden für tolle Instrmente haben. Und last but not least: Danke an das Team der TheaterNative C für die Vorbereitung und die Umsetzung der Konzerte. Da ist immer jemand ansprechbar, unterstützt beim Merch-Stand, hilft Rolli-Fahrern, macht eine weitere Toilette klar, damit die Schlange drüben nicht so lang wird und und und. Es sind die vielen "Kleinigkeiten", die das Konzerterlebnis schließlich komplett machen.

Schon mal einen Blick voraus: am 3. Oktober kommen die beide Gitarristen Charly Eitner & Ullrich Maria Kellner, am 11. Oktober heißt es "Glanzstücke" mit Scarlett O' und Jügen Ehle (ex-Pankow) & Wolfgang Martin, am 15. November kehrt die Bockwurst zurück (ähm, ich meine natürlich Amor & die Kids), am 28. November feiert MTS den 50. Jahrestag ihrer LP. Und auch Hans die Geige ist am 29. November wieder hier in zu erleben. Bis demnächst also - hier in diesem Theater!






Fotostrecke:
 
 
Hans die Geige:
 
 
 
 
Quaster & Friends:
 




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