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Ein Konzertbericht mit Fotos von Thorsten Murr



The Best of Waldi Weiz
Mit "The Best of Waldi Weiz" hatten der rührige Konzert- und Kulturmacher Wolf Spors, der als Musikalischer Direktor agierende Matthias "Matze" Stolpe und das Management vom Kesselhaus/Maschinenhaus auf dem Gelände der Berliner Kulturbrauerei einen außergewöhnlichen Konzertabend konzipiert, der wohl allen Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird. Allein das üppige Line-up - zumal an einem Dienstag - darf man getrost als Ausnahme bezeichnen, denn angesichts des Equipments von insgesamt fünf aufeinanderfolgenden Acts gab es auf der breiten Bühne des Maschinenhauses kaum noch Lücken - und über den Verlauf des Abends kaum eine Atempause.

Die Legende Waldi Weiz
Der Begriff "Legende" wird ja heutzutage fast schon inflationär benutzt - im Falle von Waldemar "Waldi" Weiz aber ist er mehr als zutreffend. Seit Jahrzehnten ist der Gitarrist, Komponist und Sänger eine feste Größe in der ostdeutschen Musikszene und gleichzeitig ein zentraler Akteur, dessen Lebensweg einst aus der traditionsreichen Bluesregion Thüringen in das ebenso traditionsreiche Blueszentrum Berlin führte. In den 1960ern hatte er in seiner mittelthüringischen Heimat, in der Gegend zwischen Erfurt und Gotha, begonnen Musik zu machen, wurde schon als 16-Jähriger gar mit einem Auftrittsverbot belegt, stand dann aber doch wieder auf der Bühne, spielte in der Modern Soul Band und gründete 1975 seine eigene Band ergo, die bis Mitte der Achtziger existierte und in der seine damalige Ehefrau Angelika Weiz Sängerin war. Irgendwann musste Waldi zur Armee, mit ergo war es vorbei und er ging nach Berlin.

In meiner Jugend galt für mich immer der Unterschied: Daheim in Thüringen spielte man gern die lieblichen, vom Jazz gefärbten Töne, in Berlin hingegen am liebsten die urbanen, harten und bösen. Die einen hatten den beschaulichen Thüringer Wald vor der Nase, die anderen steckten im aufregenden Moloch. Beides hatte für mich seinen Reiz - und so ist es bis heute.


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Begrüßung durch Wolf Spors, einer der Organisatoren des Abends



Mit seinem musikalischen Verständnis und seiner einzigartigen Art, Gitarre zu spielen, etablierte er sich auch schnell in der hauptstädtischen Szene, war eine Zeitlang Mitglied und Studioverstärkung von Engerling, verfolgte aber auch immer seinen eigenen Weg und pflegte seinen Stil. Der brachte ihm viel Aufmerksamkeit und Anerkennung ein, sowohl im Lager der handfesten Bluesrocker als auch unter den Liebhabern der feineren Töne - bis hin zu regelmäßigen Gastspielen in angesagten Jazz-Clubs der Stadt. Im Jahr 2004 war er Gewinner des Berliner Jazz & Blues Awards, nahm einige Jahre später als deutscher Beitrag am Europe Blues Train Festival in Tschechien und Berlin teil und trat ansonsten überall da auf, wo sprichwörtlich die Musik spielte. Egal, ob großes Konzert mit vollem Band-Line-up, als Gast bei Freunden oder bei einer der vielen Sessions. Wo es eine Bühne und etwas Publikum gab, traf man häufig auf Waldi, der es sogar fertigbrachte, nach einem eigenen Auftritt an dem einen Ort noch am selben Abend zu einem anderen Laden zu wechseln, um auch dort noch mit befreundeten Kolleginnen und Kollegen zu musizieren. Waldi war irgendwie immer dabei und überall präsent. Und wenn er eines Abends nicht gleich da war, kam er etwas später hinzu. So ging es über viele Jahre, aber irgendwann im Leben kommt dann die Zeit, in der man etwas kürzertreten sollte und sorgsamer mit sich selbst umgehen muss.

Alle sind gekommen
Zuletzt hatte ich Waldi auf großer Bühne erlebt, als er als Ex-Engerling-Mitglied beim großen 50-Jahre-Jubiläumskonzert dieser nimmermüden Band im Herbst 2025 zu Gast war und einige Songs mitgespielt hatte. Heute nun gehört die Bühne ihm und all die anderen Musikerinnen und Musiker sind seine Gäste. Die Atmosphäre im gut gefüllten Saal des Maschinenhauses ist herzlich. Zwischen dem zahlreichen Publikum finden sich auch viele bekannte Musikschaffende aller Generationen - wohl nach dem Motto, wer heute nicht selbst auftritt, macht zumindest seine Aufwartung. Mitorganisator Wolf Spors begrüßt alle und versucht den Anlass des Konzertes zu erklären. Es gehe um Waldis Abschied von der großen Bühne, vom großen Line-up und vom strengen regelmäßigen Konzertbetrieb. Heute noch einmal könne man Waldis Schaffen im größtmöglichen, seinem offiziellen, Bandformat, unterstützt von vielen Kolleginnen und Kollegen, quasi im Vollbild bewundern, was allerdings nicht heiße, dass danach gänzlich Schluss sei. Ausgewählte Auftritte der Band werde es weiterhin geben, solange der Wunsch des Publikums besteht und die Situation es zulässt. Und mit Waldi in kleinerem Format - mit musikalischen Freunden, im Duo oder als Trio, etwa in Speiche's Rock- und Blueskneipe, nur drei Straßen von der Kulturbrauerei entfernt -, könne man getrost weiterhin rechnen.

At it's best: Die Waldi Weiz Band
Als erster Act spielt freilich die Waldi Weiz Band - eine zuverlässig hochwertig besetzte Formation, die in ihrer Geschichte zwar so manchen Personalwechsel hinnehmen musste - nicht zuletzt auch durch Krankheit und Tod -, dabei aber immer ihrem musikalischen, unmittelbar mit Waldis künstlerischen Ansprüchen und stilistischen Vorstelllungen verbundenen, Kern treu geblieben ist. Im Zentrum des erlesenen Ensembles, ziemlich weit vorn am Bühnenrand, sitzt Waldi mit seiner Gitarre. Hinter ihm am Drumset Igor Prjahin, am Keyboard Simon Anke, am Bass Carlos Dalelane und an der Mundharmonika - später auch mit Gitarre und Gesang - der Musikalische Direktor des heutigen Abends, Matthias "Matze" Stolpe. Verstärkt wird die Band durch den Gitarristen André Matov, den Hammond-Organisten Matthias Falkenau sowie Michael Niedzwetzki, der den Bandsound bei einigen Stücken mit seiner Pedal-Steel-Gitarre in Richtung Bluesrock akzentuiert.


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Die Waldi Weiz Band



Blues und Soul vom Feinsten
Zu hören ist das bewährte Programm aus eigenen Kompositionen, individuellen Adaptionen und Interpretationen großer Blues- und Soul-Klassiker. Schließlich heißt das Konzert "The Best of Waldi Weiz", und wohl niemand im Saal hätte heute eine andere Setlist erwartet, als die seit langem vertraute. Das erlesene Ensemble klingt auch heute ausgesprochen homogen. Jeder weiß, was er tut und wie er es tut, unaufgeregt, aber mit Haltung und Hingabe - das immer wieder überzeugende Ergebnis eines tiefen Musikverständnisses, soliden Handwerks und jahrelangen Zusammenspiels. Für mich ist es erneut eine schlichte Freude, zu erleben, wie alles miteinander harmoniert, wie herzlich und respektvoll die Künstler miteinander agieren und so einen gleichermaßen lebendigen und würdigen Rahmen für ihren Bandleader und den Star des Abends gestalten.

Extraklasse mit Extras
Waldi, lässig im Jeanshemd und immer wieder über sich selbst witzelnd, teilt sich die Gitarrenarbeit mit dem überaus versierten André Matov, wobei Waldis signifikante Art, sein Instrument zu bedienen und seinen typischen Sound zu erzeugen, deutlich zur Geltung kommt. Spannende Versatzstücke ergeben sich immer wieder auf der Seite der Tasteninstrumente, wo Simon Anke vornehmlich im Kontext der Band spielt und Gastmusiker Matthias Falkenau auf seiner Hammond-Orgel einige virtuose Solo-Exkurse zaubert. Zusätzlicher Schwung und eine Extra-Portion Bluesfeeling kommt zum Ende des Auftrittes hin mit Richard Arame ins Spiel, dessen leidenschaftlicher Beitrag wohl nicht nur mich überrascht. Richard, ein aus Paris stammender, international erfahrener Blues-Mann, hatte in der Vergangenheit schon öfter in Waldis Band mitgespielt, musste sich aber in letzter Zeit aus gesundheitlichen Gründen zurückhalten. Umso größer die Freude im Saal über seinen heutigen Gastauftritt, der zu einer mitreißenden Showeinlage eskaliert.

Gute Freunde: Sweet Confusion
Nach diesem schönen und beeindruckenden Opening folgt als zweiter Act des Abends Sweet Confusion, eine überaus beliebte Band, die man als Veranstalter als "sichere Bank" betrachten darf und deren Mitglieder in Thüringen und Potsdam zuhause sind. Im Mittelpunkt steht die wie immer bezaubernde Sängerin Steffi Breiting, flankiert von ihrem Lebenspartner, dem vielerorts gefragten Gitarristen Tobias Hillig, und dem versierten Bassisten Volkmar Große. Am Schlagzeug erleben wir den auch von etlichen anderen Formationen bekannten Toni Wendenburg und am Keyboard Ludger Wirsing. Sweet Confusion präsentiert eine Auswahl ihres Repertoires, das ich nach meinem Empfinden stilistisch als Mix aus Americana, Soul, Folkrock und Classic Rock einsortieren würde - alles auf hohem Niveau, makellos arrangiert und ein Genuss für alle Musikfreunde. Musikdirektor Matze Stolpe, soeben noch mit der Waldi Weiz Band zu erleben, setzt auch hier mit seiner Mundharmonika einige reizvolle Akzente. Überhaupt weiß, sieht und hört man, dass sich wohl alle heute künstlerisch Mitwirkenden untereinander gut kennen und das Hinüberwechseln von einer Formation in die andere in diesem großen Freundeskreis, der sich heute um Waldi Weiz geschart hat, gang und gäbe ist.


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The Shallaras



Feurige Show: The Shallaras
Nach den zwei voll besetzten Bands wird es jetzt personell etwas übersichtlicher: The Shallaras sind die aus Sydney, Australien, stammende Sängerin und Saxophonistin Angela Cory, hierzulande wohl bislang am ehesten bekannt von der Band Midnight Shakers, und der einst aus Rom nach Berlin gekommene Gitarrist Mauro Pandolfino, den man von verschiedensten Bands und unzähligen Sessions her kennt. Die zwei überraschen mit einem äußerst dynamischen und kurzweiligen Programm aus bekannten Rock-and-Roll-Klassikern, die sie mit minimalem Equipment, aber großer Leidenschaft und feuriger Show darbieten: Mauro mit knalligen Akkorden auf seiner Gitarre, Angela mit peitschendem Jazzbesen an einer Snaredrum. Als sie ihre Hände zum Spielen ihres Saxophones braucht, übergibt Angela die Trommel an Mauro, der nunmehr Gitarrist, Sänger und Drummer ist - allein das ist schon mal sehenswert. Das außergewöhnliche Arrangement und die lebendige Darbietung kommen bestens beim Publikum an, wie man am begeisterten Applaus hört.

Altersgenossen: Big Joe Stolle Bluesband
Im Anschluss ist dann wieder Zeit für eine große Band und eine Portion ausgereiften Blues - die Big Joe Stolle Bluesband. Big Joe, bürgerlich Eberhard Stolle, ist fast derselbe Jahrgang wie Waldi und auch er hat es im Laufe der vielen Jahre immer wieder geschafft, für seine Combo stets erstklassige Mitstreiter zu rekrutieren: Den soeben erst erlebten Mauro Pandolfino, jetzt ohne Hut, auf der einen Gitarrenposition, auf der anderen Seite Jakob Deider - auch ein Midnight Shaker sowie Mitglied von Apfeltraum, erneut Igor Prjahin am Schlagzeug, Manuel de Villiers aus dem Trio von Vanessa Harbeck am Bass sowie ein weiteres Mal Matthias Falkenau an der Orgel. Auch Big Joe präsentiert Ausschnitte seines vertrauten Repertoires und weiß sowohl als Sänger und Harpspieler als auch als Blues-Entertainer zu überzeugen. Einen Gastauftritt gibt es von Sängerin Indijana von Indijana and The Bandits, deren Mitglieder fast alle heute auf der Bühne und im Publikum zu sehen sind.

Frische Rhythmen zum Abschluss: Carlos Dalelane Band
Nach Big Joe Stolle entert schließlich die Carlos Dalelane Band die Bühne. Die Zeit ist fortgeschritten, gleich ist Mitternacht, das Finale naht. Carlos, der am Anfang des Abends in Waldis Band den Bass gespielt hatte, ist jetzt Frontmann, links und rechts von ihm die Gitarristen André Matov und Mauro Pandolfino, hinter ihm am Schlagzeug Carlos Längert. Der aus Mosambik stammende Multiinstrumentalist Carlos Dalelane erweitert das bislang vor allem von Blues, Bluesrock und Soul dominierte musikalische Spektrum des Abends um seine von afrikanischen Rhythmen und Klängen geprägten Kompositionen. Es grooved gewaltig und fröhliches Weltmusikfeeling macht sich breit, wobei die Stücke einerseits zwar exotisch anmuten, andererseits aber auch vertraut europäisch strukturiert sind, sodass man sich jederzeit schnell drauf einlassen kann. So würde ich es jedenfalls erklären. Wie dem auch sei, ich mag diese Musik von Carlos sehr - und heute bildet sie zudem einen äußerst gelungenen Abschluss dieses äußerst denkwürdigen Abends.


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Carlos Dalelane Band



Vielen Dank den Initiatoren und Organisatoren, allen Mitwirkenden und allen gut gelaunten Musikfreunden im Saal - und einen Riesendank unserem legendären Waldi, für viele Jahrzehnte erfrischender Musik und dieses besondere Konzert. Ob es wirklich ein Abschied war, weiß im Moment wohl keiner so genau. Ich glaube eher nicht, und Wolf Spors hatte es ja anfangs auch angedeutet. Die professionelle Pflicht mag jetzt von Waldis Schultern genommen sein, aber seine Leidenschaft und seine Liebe zur Musik werden ihn sicherlich noch auf die eine oder andere Bühne - in Berlin und anderswo - bringen. Und es wird immer ein Fest der feinen Töne. Da bin ich mir sicher.






Fotostrecke:
 
 
Waldi Weiz Band:
 
Sweet Confusion
 
The Shallaras
 
Big Joe Stolle Bluesband
 
Carlos Dalelane Band



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