© Deutsche Mugge (2007 - 2025)
"Jugendliebe"

eine musikalische Lesung mit
Christine Dähn und Thomas Natschinski

Cottbus | Theaternative C | 11. Februar 2026
 
Ein Bericht mit Fotos von Jens Kurze

 
 
 
 
 
Manchmal ist weniger so viel mehr

whatsapp image 2026 02 13 at 17 19 17 0 20260215 1305387999Vor einiger Zeit änderte sich unser Familienalltag drastisch. Längerfristige Träume und Reiseziele wurden zu Makulatur, viele liebgewordenen Selbstverständlichkeiten sind nur noch eingeschränkt möglich. Das erklärt auch mein längeres Schweigen auf der Seite der Deutschen Mugge und mein Fehlen bei manchem Konzert, wo ich vermutet wurde. Umso mehr freuen wir uns über die seltener gewordenen kleinen Highlights, die wir gemeinsam erleben können. Dieses Weniger ist für uns inzwischen so viel mehr, es wirkt wie ein Streicheln für unsere Seelen. Und ich bin deutlich empfindsamer geworden: Liedtexte oder Buchzeilen bewirken in mir auf einmal emotionale Erdbeben in Dimensionen, die ich so noch nicht kannte..

Vor knapp einer Woche besuchten wir (im dritten Anlauf) die "Balladentour" mit Manuel Schmid, Marek Arnold, Dirk Zöllner, Andre Gensicke (und Tobi Hillig als Verstärkung) in Cottbus. Was für ein tolles Konzert. Musikalisch sehr sehr hochwertig (die Songs "runtergebrochen" auf zwei oder drei Keyboards, eine akustische Gitarre, gelegentlich unterstützt durch eine elektrische Gitarre, diverse Saxophone, dazu wechselnder oder mehrstimmiger Gesang, ab und an ein Cajon oder Dirks "Body" als Percussion), Ton & Licht von Familie Niederwieser wie gewohnt erste Sahne - und exzellent moderiert von Dirk Zöllner. Und als ob das nicht schon genug wäre gab es abschließend und brandneu "Das blaue Lied". Ich hab echt mit den Tränen gekämpft: eine spannende Komposition von Marek Arnold, und ein Text von Dirk, der unter die Haut geht und mich voll erwischt hat. Melancholie? Ja. Resignation? Nein. Danke euch, ganz besonders für dieses Lied!

Noch ganz beseelt von diesem Abend fuhren wir am Mittwoch erneut nach Cottbus - diesmal nach langer Zeit wieder in die "Theaternative C". Diese kleine Spielstätte im Herzen der Stadt hat sich (nicht nur für mich) so nach und nach zu einem Hort der Überraschungen gemausert. Neben Komödien und Musicals finden hier regelmäßig musikalische Lesungen und Programme statt, die so anderswo kaum noch zu finden sind - und schon gar nicht in unserer Region! Diesmal hieß es: "Jugendliebe - eine musikalische Lesung mit Christine Dähn und Thomas Natschinski". Ich freute mich auf das Wiedersehen mit Christine und Thomas. Wir drei haben im August 1977 eine gemeinsame DT-64-Sendung gemacht, und seitdem ist der Kontakt nie abgebrochen. Das ist eine Kostbarkeit in der heutigen Zeit, wo die Aufmerksamkeitsspanne nur noch wenige Sekunden beträgt. Bei meiner Frau als bekennender Ute-Freudenberg-Fan war die Vorfreude ebenfalls groß - ein riesiger CD-Stapel (ja ja, wir kaufen noch Tonträger) und das Biografie-Buch, geschrieben von Christine Dähn im Jahr 2012, gehören zu ihrer "Grundausstattung". Auch beim Cottbus-Konzert von Utes Abschiedstour war sie dabei.

Auf der kleinen Bühne der "Theaternative C" stehen ein Tisch und ein Stuhl für Christine, rechts stehen das Keyboard, die Akustikgitarre, die Mundharmonika und ein kleines Technik-Rack für Thomas - mehr braucht's nicht. Das eingespielte Paar betritt pünktlich und ohne großes Primborium die Bühne, Christine setzt sich, Thomas eröffnet den Abend im Piano-Sound mit dem Leitmotiv von "Berührung" - einer seiner für mich schönsten Kompositionen und wohl dem größten Hit für (nein, nicht Ute Freudenberg, sondern) Gaby Rückert.

Das Konzept der musikalischen Lesungen von Christine und Thomas kenne ich bereits - das ist kein "betreutes Vorlesen", sondern eine sehr angenehme Mischung aus Lesen, Erzählen, Dialog mit dem Publikum einerseits und musikalischen Zitaten oder Liedern andererseits. Christine und Thomas verstehen es glänzend, von Beginn an für ein entspanntes Miteinander zu sorgen. Die Nähe zwischen der kleinen Bühne und den unmittelbar davor beginnenden Publikumsreihen machen das zudem spielend einfach. Und so ging es erstmal überhaupt nicht um Ute, sondern um Herbert Grönemeyer und dessen jüngstes Konzert in Berlin. Wir lernten, wie man "Bochum" richtig ausspricht und wie man einen "Schulterwalzer" synchron ausführt. Natürlich durften die Hinweise auf den Valentinstag, die Farbe Rot in Kleidung und Assessoires nicht fehlen - waren sie doch die perfekte Überleitung zur "Jugendliebe", Utes Freudenbergs größtem Hit.

Christine hatte einige Abschnitte aus ihrem Buch über Ute vorbereitet. Wir erfuhren nicht nur, warum manch ein Papagei nicht wächst, warum schon die kleine Ute eine Bühne brauchte und wie aus der jüngsten Musikstudentin schließlich die uns allen bestens bekannte Sängerin wurde. Mir fällt immer wieder auf, mit welchem Einfallsreichtum Christine sprachliche Bilder und Satzbausteine entwickelt. Behutsam wurden Details aus dem Leben von Ute Freundenberg wie zu einer Geschichte verarbeitet. Es entsteht eine vertrauensvolle Nähe, ohne anbiedernd zu wirken. Dabei verzichtet Christine auf effekthaschende "Ich-weiß-was"-Momente, reißerische Aufmacher oder eigene Wertungen. Sie erzählt einfach. Gerade deshalb mag ich ihre Bücher und die Liedtexte, die sie für Thomas schrieb und schreibt.

Thomas spielte an diesem Abend Songs von ABBA bis zu den Beatles, streute mal hier und da nur ein musikalisches Zitat ein, sang zur Akustikgitarre, fetzte ein Rock'n'Roll- oder Boogie-Woogie-Thema am Piano und brachte wie einst Stefan Diestelmann mit der Mundharmonika das Publikum so richtig in Applaus-Stimmung. Im Laufe des Abends gab es auch eigene Songs von ihm zu hören, z.B.aus dem Album "501" oder ein Instrumental-Solo vom Album "Piano-Moments". Thomas erinnerte musikalisch an seine Zeit als Keyboarder bei KARAT und setzte (im wundervollen Fender-Piano-Sound und textsicher unterstützt vom Publikum) auch Dirk Michaelis ein kleines Denkmal. Dies wiederum griff Christine mit persönlichen Erinnerungen auf - sie hat ja viele Jahre die Wertungssendung "Metronom" vom Jugendradio DT-64, viele Großveranstaltungen und danach etliche TV-Portrait-Sendungen moderiert. Das allein wäre ein Thema für eine eigene Veranstaltung ...

Ute und die kleinen und die großen Männer, Aufstieg und Zerfall der Band "Elefant", der Weggang und die Wiederkehr, die neue Luft unter den Flügeln vom Zwiebelmarkt in Weimar bis zum Ende der aktiven Zeit von Ute Freudenberg auf der Bühne - vieles wurde mit einem vergnüglichen Unterton skizziert und lädt ein, das Buch mal wieder aus dem Schrank zu nehmen und die Passagen in Gänze neu zu entdecken. Thomas spielte als Abschluss ein Medley aus drei der schönsten Ute-Freudenberg-Liedern und hatte seinen Background-Chor sicher.

Meinetwegen hätte es noch länger dauern können. Es war einfach schön. Und sehr herzlich. Mehr sage ich nicht zum genauen Ablauf, obwohl mein Notizbuch voll ist - ich lege euch stattdessen einen Besuch dieser musikalischen Lesungen ans Herz. Schaut einfach mal auf die Homepage von Thomas Natschinski, da gibt's zum Glück reichlich Termine im Jahr 2026. Unser Dankeschön an Christine Dähn und Thomas Natschinski - nicht nur für die gelungene Veranstaltung, sondern auch die vielen lieben persönlichen Worte. Im Mai sind Christine und Thomas erneut in der "Theaternative C" in Cottbus zu Gast - dann zum Thema 50 Jahre KARAT. Und der Andrang nach dem Konzert am CD- und Buchstand oder der Bitte nach einem gemeinsamen Foto wird sicher genau so groß sein wie vor wenigen Tagen. Ein besonderes Dankeschön geht auch an das Team der "Theaternative C", das mit viel Hingabe und völlig unaufgeregt wieder für ein so seltenes "Wohnzimmer-Gefühl" sorgte. Demnächst sind u.a. Wolfgang Martin und Gerd Christian im Haus, Thomas Putensen spielt im April Krug/Putensen, es gibt sogar Schlagergeschichten mit Andreas Holm. Auch hier lohnt ein Blick auf die Homepage, denn es fliegen manchmal auch kurzfristig interessante Konzerte und Lesungen ein. Ich hab mir einen Vorab-Termin Ende Mai in der "Theaternative C" notiert (und damit schließt sich der Kreis), wenn sich Manuel Schmid und Marek Arnold im Duo die kleine Bühne teilen.

PS: ich hab eben noch mal über die kleine Rezension drübergelesen - es gibt eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss. Meine einstige Deutsch-Lehrerin wäre jetzt sicher stolz, dass ich das noch weiß. Und das ist doch auch schon mal was, oder?






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