Zum Tod von Joachim "Mull" Baaske:

Ein letzter leiser Ton für "Mull" in Moll

 

Bericht: Hartmut Helms
Quelle Foto: www.stern-combo-meissen.com

 

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Der Baßgitarrist von WISHBONE ASH, Martin Turner, antwortete einst auf die Frage nach dem technisch perfekt ausgesteuerten Sound seiner Band: "Unser Tonmann ist der fünfte Musiker. Er verhindert, dass es im Saal wie der Todesschrei eines enthaupteten Hühnchens klingt, während wir auf der Bühne fabelhaft zu spielen glauben." *

An der Notwendigkeit einer solchen Einschätzung hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil. Keine Rockband kommt heute ohne die Männer an den Reglern aus und niemand trägt kaum mehr Verantwortung für ein kompaktes Klangerlebnis, das die Besucher zu hören bekommen. Die meisten Bands danken nach einem Konzert ihren Ton- und Lichttechnikern, doch den meisten Besuchern bleiben deren Gesichter im Dunkel verborgen. Kaum einer spricht mit ihnen, kann sich ihrer erinnern, wenn das Konzert oder eine Show vorüber ist.

Wenn einer der Musiker von der Bühne des Lebens abtreten muss, ist die Betroffenheit und Trauer zu recht groß, die Abhandlungen in den Medien mitunter ausschweifender, als das Leben des Stars. Die Fans tragen Trauer und der Kommerz sucht mitunter noch, den Tod zu vermarkten. Bei denen aus dem östlich gelegenen Teil Deutschlands "freut" man sich schon über eine kleine Zeitungsnotiz. Nur selten sind die Mediendimensionen etwas größer, es sei denn, Freunde organisieren ein Konzert zur "Besinnung", zum "Tanz auf dem Grab" oder für ein "Danke" an den verstorbenen Musiker.
Was aber, wenn einer der Spezialisten an den Reglern in den Techniker-Himmel gerufen wird?

Am 23. Februar 2010 verstarb 55-jährig Joachim "MULL" Baaske, der langjährige und erfahrene Tonmann, der Techniker der STERN-COMBO MEISSEN und anderer Künstler und großer Projekte. Er ging so still und unauffällig, wie er seinen Job akribisch und besonnen erledigte. Sein Humor ist mit ihm gegangen.
"Mull" hatte stets die Gesichter der Musiker und die Rücken der Besucher im Blick, sowie das Klangbild seiner Bands und Künstler im Ohr bzw. in den Fingern. Der Sound so mancher Konzerte und Shows wäre ohne ihn sicher ein anderer gewesen. So mancher in der Fangemeinde kennt ihn so lange, wie er die Bands bei Konzerten besucht. Nur wenige werden ihm einmal DANKE gesagt haben, weil wir meinen, ein guter Sound gehört einfach dazu. Man ist eher viel zu schnell geneigt, sich über einen schlechten Klang aufzuregen, als einen perfekten Sound an der richtigen Stelle zu loben. Den erwartet man einfach. Doch vielleicht sollten wir unsere Gedanken für die Zukunft etwas neu ordnen, denn nichts geschieht von allein oder ist selbstverständlich. Eine perfekte Leistung bemerkt man oft deshalb nicht, weil sie perfekt ist. Ohne die an den Reglern, würden sich Konzertrezensionen sicherlich völlig anders lesen!

DANKE "Mull", du warst einer dieser stillen und unverzichtbaren Spezialisten. Auch wenn wir es vielleicht nicht bemerken werden, so manches Konzert wird jetzt anders klingen.

* Rocklexikon von Schmidt-Joos und Barry Graves, Rowohlt, aktualisierte Erstausgabe 1975, S.380

 


   
   
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