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Ein Nachruf von Christian Reder mit Hintergrundinfos und Fotos von Willi Woigk



001 20220312 1009729316Thüringens Musikszene hat einen weiteren Pionier der Beat- und Rockmusik verloren, den POLARS-Mitbegründer, Gitarrist und Komponist Rolf Reinhardt ist am vergangenen Mittwoch, den 9. März 2022, nach kurzer und schwerer Krankheit gestorben. Diese traurige Nachricht teilte sein Freund und Kollege Willi Woigk am gleichen Tag der Öffentlichkeit mit.

Willi Woigk lernte seinen Freund Rolf Reinhardt Anfang der 60er Jahre kennen. Woigk war damals Student an der Hochschule in Schmalkalden, wo er Maschinenbau studierte. Damals begegnete er bei einer Veranstaltung einer Gruppe namens PUZZI BAND, die zu dem Zeitpunkt noch mit einem Kontrabassisten auftrat. Mit in der Besetzung war auch ein Gitarrist namens Rolf Reinhardt. Die Band spielte Musik im Stile der SHADOWS, die damals schwer angesagt war, und Willi erlebte erstmals wie der Gitarrist Reinhardt Stücke wie "Apache", "Wonderful Land" oder "Theme For Young Lovers" auf seinen sechs Saiten spielte. Er war von der Musik gleich angetan und für ihn war sofort klar: "Entweder spiele ich in dieser Band oder in keiner." Gesagt getan, der Kontrabassist wurde "abbestellt" und Willi, der damals schon eine Bassgitarre besaß, sprang für ihn ein. Er überzeugte die anderen sofort, und so wurde er Mitglied dieser Kapelle, die sich kurz darauf in POLARS umbenannte. Willi stand fortan an der Seite von Rolf Reinhardt. Mit Unterbrechungen durch Verbote ihrer Band zu DDR-Zeiten haben die beiden Musiker bis zum Jahre 2012 knapp 50 Jahre zusammen gespielt. Woigk beschreibt seinen Weggefährten Rolf Reinhardt als einen der besten Gitarristen Thüringens der 60er Jahre und Vorbild für unzählige andere Gitarristen im ganzen Land. Außerdem war Reinhardt bis zum längsten Verbot der Gruppe im Jahre 1966 Komponist der meisten POLARS-Songs. Ferner sagt Woigk über ihn, dass Rolf ein guter Mensch und Freund war, mit dem er viele gemeinsame Erlebnisse teilte. Schöne und weniger Schöne. Schöne wie z.B. die Produktion einiger POLARS-Lieder beim Rundfunk der CSSR in Bratislava,003 20220312 1025162721 von denen einige über Umwege sogar den Weg zu Radio Luxemburg fanden, und auch weniger Schöne wie z.B. den Ärger, den diese Einsätze bei Radio Luxemburg für die Musiker in der DDR nach sich zog - man beschimpfte sie von Seiten der Kulturoberen als "Nestbeschmutzer" - und die schon angesprochenen Spielverbote …

In der Zeit, in der die POLARS verboten waren, spielte Rolf Reinhard in Bars und wechselte als Berufsmusiker zur Konzert- und Gastspieldirektion Erfurt, wo er Mitglied des 30-köpfigen Ensembles einer Show-Band wurde, zu der auch Tänzer gehörten und die für verschiedene Anlässe gebucht werden konnte, z.B. für Betriebsfeiern. Dort wurden ausschließlich Titel anderer Bands nachgespielt, was die eigene Kreativität extrem einschränkte. Er machte den Job um Geld zu verdienen, sich damit quasi über Wasser zu halten, und um seinen Berufsausweis nicht zu verlieren, der ohne eine Anstellung oder Mitgliedschaft in einer Band abgelaufen wäre. Aber sein Zuhause war und blieb immer die Band POLARS, an der sein Herz hing, für die er eigene Kompositionen schreiben konnte und zu der er umgehend zurückkehrte, als das Spielverbot aufgehoben wurde. Bei den POLARS lernte Reinhardt auch seine Frau Elisabeth Enders kennen und lieben, die ab 1992 in der Band Gitarre spielte. Bis zum 50. Bandgeburtstag der POLARS im Jahre 2012 gehörte Rolf der Band an. Dann zog er sich ins Privatleben zurück. Willi Woigk und er blieben in Kontakt und natürlich auch Freunde.

Vor 14 Tagen bekam Rolf Reinhardt von seinen Ärzten die Diagnose, dass er an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt war, eine der schwersten Arten dieser Seuche überhaupt. Willi erzählt, dass die Krankheit schon dermaßen weit fortgeschritten war, dass auf eine weitere Behandlung verzichtet wurde. Man entließ ihn nach Hause, wo er schließlich am Mittwoch im Alter von 79 Jahren verstorben ist. Reinhardt wäre im Mai 80 Jahre alt geworden. Mit ihm ging einer der letzten Ur-POLARS, von denen jetzt nur noch Willi Woigk übrig geblieben ist. Man hätte ihm wohl gegönnt, dass er seinen 80. Geburtstag noch erlebt. Auch den 90. und einige mehr darüber hinaus. Aber ein hinterlistiger Feind griff ihn feige an, ohne ihm eine Chance zu lassen, sich zu wehren. Seinen Freunden und der Familie, allen voran Willi Woigk und seiner Frau Elisabeth, möchten wir auf diesem Weg unser Beileid aussprechen und viel Kraft für die nächste Zeit wünschen.



 

 


   
   
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