brandold2015 20150504 1428501571 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Green Dog Serenade"
Brand Old
Selekt (Media Arte)
15. April 2015

1. Desperado
2. Against All Odds
3. Eyes of Blue
4. I Started a Joke
5. Voices in the Sky
6. Room With a View
7. San Francisco
8. Dust in the Wind
9. Words
10. Mrs. Robinson
11. Whiskey in the Jar
12. Fields of Gold
13. The Long and Winding Road
14. Imagine
15. Hey Jude
16. Yesterday
17. Summertime





Brandnew from ‚Brand Old’: Green Dog Serenade
Mit Uwe Gaasch (Gesang, Mundharmonika, Percussion) und Waldi Bauer (Keyboard, zwölfsaitige Gitarre, Chorgesang – und „nebenbei“ Uni-Professor) legten zwei leidenschaftliche Musiker ihre zweite CD vor. „Footsteps“ liegt doch schon wieder fünf Jahre zurück. Dass beide auch noch in der legendären Funk-Rock- Formation „Schweinsohr Selection“ mitwirken, sollte nicht unerwähnt bleiben.

Es geht schon gut an – mit dem Cover, auf dem uns beide auf einer Farbkarikatur (toll von Marc Buchner gezeichnet!) entgegen lachen. Die Innenseiten des Klappcovers samt Booklet sind ebenso liebevoll illustriert. Die Aufnahmen entstanden am 21. August 2014 während eines Auftrittes auf der weit über Franken hinaus bekannten Bamberger Sandkerwa am Grünhundsbrunnen, in einer kleinen Gasse unterhalb der Neuen Residenz am Domplatz. Daher war es naheliegend, die Scheibe „Green Dog Serenade“ zu betiteln.

Wie bei ihrem Erstlingswerk bestand die Prämisse darin, einerseits den sehr bekannten Vorbildern möglichst nahe zu kommen, zum anderen diese Werke mit eigenen Ideen anzureichern. Das kommt fast schon einem Spagat gleich. Wie oft hört man nämlich von bekannten Bands Coverversionen, wo es einen nur graut und man lieber weghört?!

Ich nehme es vorweg: Weil es unheimlich Spaß machte, sich mit der Musikauswahl auseinanderzusetzen, möchte ich jeden Titel unter die Lupe nehmen. Gleich der Einstieg mit „Desperado“, ein Supersong der EAGLES, ist eine kleine Sternstunde. Vielleicht bin ich da befangen, weil mich dieser Song schon lange fasziniert. Wie aber die Musiker damit umgehen, den Titel zu ihrem eigenen Anliegen machen, nötigt Respekt ab. Uwe Gaasch singt mit einer wunderbaren Hingabe. Seine wandlungsfähige Stimme kommt voll zur Geltung. Ein Einstieg nach Maß also, den die EAGLES wohlwollend „geliked“ hätten.
„Against All Odds“ (Take a look at me now) von Phil Collins kennt man als dramatisches Liebes-Opus aus dem Film „Gegen jede Chance“. Mein Misstrauen legte sich schnell, denn es wurde ein Gänsehautsong daraus. Gesang und behutsame instrumentale Begleitung machten daraus eine großartige Version.
Nach „Eyes of Blue“ von Paul Carrack folgt eine weitere Herausforderung mit „I started a Joke“ von den Bee Gees. Hier hat man die Stimme des unvergesslichen Robin Gibb im Ohr, der 2012 viel zu früh verstarb. Kann das gut gehen? Es geht. Ich räume gern ein, dass meine Skepsis weitgehend unbegründet war. Es ist einfach eine andere Version generiert worden.
Wer kennt nicht seit „Nights in white Satin“ die Moody Blues? „Voices in the Sky“ klingt hier frischer, nicht so süßlich wie das Original und gewinnt so Punkte hinzu.
Beim sehnsuchtsvollen „Room with a View“ von Tony Carey mit der flötenfarbenen Einleitung samt Gitarrenbegleitung gab es sicher viele gebannt zuhörende Pärchen vor der Bühne im Grünhundsbrunnen.
Der gleichfalls 2012 verstorbene Scott McKenzie hätte sicher seinen Daumen hochgehalten bei der Flower-Power-Hymne „San Francisco“. Wie bisher ist auch hier das Arrangement vom Feinsten. Ich erwähne bei dieser Gelegenheit gerne, dass Uwe Gaasch die englischsprachigen Texte akzentfrei beherrscht.
Nach „Dust in the Wind“ mit schönen Stimmphrasierungen kündigt sich eine weitere Herausforderung an. Barry Gibb von den Bee Gees, dessen akustisches Merkmal neben seiner Falsettstimme auch ein auffälliges Timbre ist, steht jetzt mit „Words“ auf dem Programm. Eine Edelschnulze, wie sie Uwe Gaasch beim Konzert bezeichnete. So einen Song hat man natürlich im Ohr und erwartet jetzt einen kleinen Reinfall und spitzt die Ohren. Weit gefehlt, denn Uwe Gaasch kann das, wenn auch in einer etwas tieferen Tonlage.
Nach „Mrs. Robinson“ von Simon & Garfunkel mit einer völlig neu komponierten Einleitung kam auch Waldi Bauers Chorgesangeinlage gut zur Geltung. Rockiger wird es bei „Whiskey in the Jar“ von Thin Lizzy, bis die traumhaft schöne Ballade „Fields of Gold“ vom ehemaligen Police-Musiker Sting intoniert wird. Nach der Mundharmonika-Einleitung geht von diesem Song ein besonderer Zauber aus. Zum „Auf-der-Zunge-zergehen-lassen“.
Beatles-Songs wie „The Long and Winding Road“, „Hey Jude“ und „Yesterday“ tauchen sehr oft im Repertoire von „Brand Old“ auf, auch wenn es immer wieder ein großes Wagnis darstellt, sich diesen Titanen der Musik zu stellen. Wagnis gelungen, kann ich sagen.
Allerdings wollte ich mir „Imagine“ nur kurz antun, weil ich dieses Lied zu sehr mit dem Tod von John Lennon verknüpfe. Der geneigte Leser spürt, dass hier meine Beatles-Seele ein Machtwort sprach.
Jetzt stand noch als Abschluss „Summertime“ von G. Gershwin auf dem Programm. Den Song gibt es in fast unzähligen Versionen und man möchte es eigentlich kaum mehr hören. Ich konnte es kaum glauben, was da in sechseinhalb Minuten über die Lautsprecher strahlte. Ein absolutes jazziges Highlight der CD mit furiosen Mundharmonika-Improvisationen und stimmakrobatischen Einlagen, die fast sprachlos machten. Alles getragen auf einer warmen sphärischen Keyboardwolke, die Waldi Bauer gefühlvoll kreierte.

Mein Resümee: Mit einer kleinen Einschränkung sehr positiv. Die Stimme von Uwe Gaasch hätte ich mir manchmal etwas freier, hervorgehobener oder losgelöster vom Klangbild gewünscht. Dennoch ist es eine wirklich empfehlenswerte Live-Produktion zweier kongenialer Musiker geworden, die natürlich kein transportables Studio dabei hatten. Wie im Booklet zu lesen ist, habe man nur Stücke gewählt, wo die Publikumsgeräusche am geringsten waren. Das hätte mich aber nicht im geringsten gestört. Damit rechnet man bei einer Liveaufnahme. Ja, das Lachen von Uwe Gaasch und Waldi Bauer ist angebracht, um noch einmal auf Cover und Inlet zurückzukommen ...
(Gerd Müller)

Anmerkung: Bei einem großen Online-Händler soll das Album 18,50 EUR kosten. Direkt beim Verlag kostet das gute Stück nur 14,50 EUR incl. Versand. Manchmal lohnt es sich eben doch, auch abseits der eingefahrenen Wege zu schauen!




   
   
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