hrklive 20140124 1768230866 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Stein vom Herzen live"
Heinz Rudolf Kunze
RCA/SONY Music
24.01.2014

1. Warum höre ich nichts? (Text)
2. Europas Sohn
3. Vertriebener
4. Das Glück auf Deiner Seite
5. Schämt Ihr Euch nicht?
6. Der dritte Geldkrieg (Text)
7. Stein vom Herzen
8. Hallo Himmel
9. Leg nicht auf
10. Mit Leib und Seele
11. Wie Müllmänner (Text)
12. Dein ist mein ganzes Herz
13. Es wird ein gutes Leben
14. Wenn Du sie siehst
15. Der Clown schreit "Feuer" (Bonus)
16. Die Wahrheit eines Siege (Bonus)
17. Küsse unterm Kleid (Bonus)



Rezension:
Es gibt Platten, da könnte man sich mit einem Urteil kurz fassen. Könnte man, wäre es nicht von Heinz Rudolf Kunze! Denn Kunze-Alben brauchen besonders viel Aufmerksamkeit, auch wenn man sie schlicht mit den Worten "Unbedingt kaufen" beschreiben könnte. So wie dieses hier: "Stein vom Herzen - live".

Auf dieser CD wurde einen Mitschnitt des Konzerts vom 21. November 2013 bei radioBERLIN 88,8 veröffentlicht. Hier bekommt man Heinz Rudolf Kunze in Höchstform geboten: Erstklassige Songs, auf den Punkt kommende Zwischentexte und die gewohnte Qualität des Musikers bei Live-Auftritten. Sein Konzert in Berlin eröffnete Kunze mit dem gesprochenen Text "Warum höre ich nichts?", dem er dem Tags zuvor verstorbenen Kabarettisten Dieter Hildebrandt widmete. Mit unüberhörbarem Kopfschütteln wird das Thema Edward Snowden und die zuletzt beobachteten Verhaltensauffälligkeiten der USA beleuchtet. Dem "Spielball der Geschichte", also Snowden, sollten "die Amis ein Denkmal errichten, statt daran zu denken, ihn hinzurichten". Kunze spricht laut aus, was sich viele sicher nicht trauen. Besonders unter den Prominenten. Immerhin reden wir ja hier von unserem "Freund", dem Amerikaner, der so um uns besorgt ist, dass er uns schon abhört, damit uns nichts passiert. Man will ja schließlich nicht anecken. "Amerika, Amerika ... was ist aus Dir geworden?", stellt Kunze die Frage. Mit deutlichen Worten fügt er an, "Natürlich wäre er (Snowden) nicht der erste, den Deine Schergen ermorden. So ist das halt, als Supermacht." Kunze fragt sich, warum er nichts hört von den anderen Helden des Landes. Bob Dylan, Springsteen und Madonna führt er u.a. als Musiker an, Clooney, Willis und Schwarzenegger als Schauspieler, und richtet an sie die nächste Frage: "Veranlasst selbst schon Euch die Angst, die Zähne zusammen zu beißen?" und wieder, "Warum höre ich nichts?". Während dieses Vortrags von knapp 3 Minuten ist der Saal still. Kein Mucks ist zu hören, das Auditorium hängt an Kunzes Lippen. Er spricht vielen aus dem Herzen und wählt dafür die passenden Worte. Mutig, engagiert ... wie man Kunze eben kennt. Es ist übrigens nicht der einzige "Sprechtext" auf dieser CD, denn zwei weitere folgen noch. Nach so einer Eröffnung muss es doch schwer sein, den passenden Song zu finden, um weiterzumachen ... Noch bevor das Publikum in Form von Applaus auf Kunzes Vortrag reagieren kann, brechen die brettharten Gitarren zum Stück "Europas Sohn" los. Der Wirbelsturm HRK nimmt Fahrt auf und seine "Begleitung" in Persona Jens Carstens (Schlagzeug), Zoran Grujovski (Gitarre), Leo Schmidthals (Bass) und Matthias Ulmer (Tasteninstrumente) folgen ihrem Frontmann mit vollem Einsatz. Das Thema "Europa" lässt sich mit dem Thema "Snowden" ganz gut verbinden. Irgendwie jedenfalls. Zuerst diese Ansage ... und dann dieses wütend arrangierte "Europas Sohn" ... Als seien Kunze und seine Musiker da oben auf der Bühne voller Wut, so klingt dieser Deutschrockhammer, der ganz dicht an der Naht zum Hardrock angelegt wurde.

Natürlich stehen die Songs des aktuellen Albums "Stein vom Herzen" im Vordergrund dieses Konzerts, aber was wäre ein Kunze-Konzert ohne seine Klassiker? Na gut, HRK könnte wohl mehrere Stunden am Stück spielen, um alle seine Hits und Erfolge in einem Live-Programm unterzukriegen, und diese Live-CD wäre dann sicher auch eine Box mit mehreren Silberlingen geworden, aber irgendwo muss man ja doch eine Grenze ziehen. Aber "Dein ist mein ganzes Herz" MUSS einfach dabei sein und ist es auch. Die 2013er Live-Version des '85er Klassikers hat's in sich. Kunze selbst am Piano, die Geschwindigkeit etwas angezogen und munter blubbert da vorn auf der Bühne der Kunze-Kessel. Im Mittelteil zaubert Saitenvirtuose Grujovski dem Hörer mit einem kurzen Gitarrensolo eine Gänsehaut und Kunze selbst lässt sie mit seinem Klavierspiel und seinem Gesang noch ein bisschen weiterbestehen. Fast 30 Jahre alt ist dieser Song, und man ist immer noch nicht satt und will ihn immer wieder hören. Weitere Klassiker in diesem Live-Programm sind "Vertriebener", ein Lied, das vom gleichen Studioalbum stammt und bei dem Grujovski erneut seine Künste auf der Gitarre zeigen konnte, sowie "Leg nicht auf" vom '94er Album "Kunze: Macht Musik" und "Mit Leib und Seele", das hier ganz anders als das Original klingt. Der Titel fängt mit einem instrumentalen Intro mit einem sphärischen Keyboard-Teppich und einer Gitarre a la Pink Floyd an. Erst als Kunze nach knapp einer Minute die ersten Zeilen des Titels singt wird klar, dass es sich um "Mit Leib und Seele" handelt. Das macht es immer wieder spannend, denn Kunze lässt seine Lieder im Laufe der Zeit mitwachsen und probiert immer wieder mal etwas Neues aus, ohne seine Vorlagen zu entstellen.

Außerdem gibt es sieben Songs der aktuellen CD "Stein vom Herzen" als Live-Versionen. Dabei wechseln sich Balladen ("Das Glück an Deiner Seite", "Stein vom Herzen", "Es wird ein gutes Leben") mit Deutschrock-Krachern ("Schämt Ihr Euch nicht", "Europas Sohn") ab, und mit "Hallo Himmel" - übrigens Kunzes erste Nr. 1 in den Radio-Charts - befindet sich sogar eine echte Hymne auf dieser Live-Zusammenstellung. Dazwischen stehen die drei bereits erwähnten Text-Beiträge und auch zwischen den Liedern plaudert Kunze munter drauf los, z.B. stellt er am Ende von "Dein ist mein ganzes Herz" seine Band vor oder moniert an einer anderen Stelle des Konzerts eine fehlende Setlist. Herausragend sind für meinen Geschmack die Leistungen des eben schon erwähnten Gitarristen Zoran Grujovski, der auf diesem Konzert sein Können an den sechs Saiten gut und stets passend in Szene setzen konnte, und der Hauptdarsteller selbst, der nicht nur gut bei Stimme gewesen ist, sondern der den Konzertsaal komplett verstummen ließ, sobald er eine seiner Texte sprach oder eine Anmoderation startete. Wer mehr über die aktuelle Tour erfahren möchte, dem empfehle ich unsere beiden Konzertberichte aus Dresden und Leipzig.

 
Diese CD macht richtig viel Spaß und vermittelt dem Hörer auch ohne ein Bild vor Augen zu haben, was da in Berlin im letzten November wohl abgegangen sein muss. Wenn man an dieser Platte etwas aussetzen muss, dann ist es die Länge. Für meinen Geschmack ist das Album, bzw. der Live-Anteil, etwas zu kurz geraten, denn den einen oder anderen Titel hätte ich durchaus noch vertragen. Dafür bekommt man am Ende des Konzertmitschnitts noch drei Demo-Versionen mitgeliefert ("Der Clown schreit 'Feuer'", "Wahrheit eines Sieges" und "Küsse unterm Kleid"). Unterm Strich bleibt festzustellen, dass sich bei Kunze nichts verändert hat. Seine CDs kann man bedenkenlos kaufen. Besonders wenn es sich um Live-Alben handelt!
(Christian Reder) 




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