ganes2016 20160920 1404134244 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"An Cunta Che"
Ganes
Blankomusik/SONY
30. September 2016

1. Moltina
2. Ey de net
3. Tana
4. Dolasila
5. Amesa i monns
6. La pesc gnará
7. Armentara
8. Lech dl ergobando
9. La munt dal scioz
10. Crëps slauris
11. Tëmp impormetü
12. Lomiscel dl salvan





Betörendes ladinisches Stimmentrio
„Man erzählt, dass ...“, so nennt sich das mittlerweile sechste Album von GANES, wenn man die Special Edition „Mai Guai“ mit einer zusätzlichen CD dazu zählt. Drei Musikerinnen mit musikalischem Studium als Grundlage ihres vielfältigen kreativen Schaffens verzaubern auch mit ihrer neuen Veröffentlichung. Sie stammen aus Südtirol, waren in früheren Jahren oft mit Hubert von Goisern auf Tour und wagten 2010 einen entscheidenden Schritt auf der Karriereleiter.

Nicht alltäglich ist, dass die Schwestern Elisabeth (ausgebildete Opernsängerin!) und Marlene Schuen, sowie deren Cousine Maria Moling die allermeisten Songs auf ladinisch präsentieren. Sie wuchsen in La Val auf, einem kleinen Dorf in den Dolomiten. Ladinisch wird nur noch von etwa 30.000 Bewohnern dieser Gebirgsregion gesprochen. Für Sprachenkundler: Diese alte rätoromanische Sprache ist noch heute eine der drei Südtiroler Landessprachen und entstand aus dem Latein der römischen Eroberer um den Beginn der christlichen Zeitrechnung. Erst einige Jahrhunderte später formte sich die italienische Sprache.

„an cunta che“ geriet zu ihrer bisher reifsten und persönlichsten Produktion. Die drei Frauen verschmelzen mit Begleitmusikern Tradition und Moderne auf eine Art und Weise, die wärmt. Fast alle 10 Lieder komponierten sie selbst, lediglich zwei Instrumentalstücke („amesa i mons“ mit wunderbarer Flügelhornbegleitung und „armentara“, eine Pianonummer) füllen das Album auf 12 Kompositionen und stammen von zwei Musikern ihrer Band. Sie selbst begleiten sich perfekt auf der Violine. Die Musiker ergänzen das Soundgewand u.a. mit Synthesizer, Gitarren, Klarinetten, Violoncello, Piano, Flöte, Bass, Trombone, Flügelhorn und Hackbrett. Das kann sich von Spitzenkönnern wahrlich hören lassen.

In allen Songs greifen sie auf die ladinische Sagenwelt zurück. Der Beginn mit „moltina“ markiert den Einstieg in die Sage der Fanes, die vom Aufstieg und Niedergang dieses Bergvolks erzählt. Das Waisenkind Moltina, das sich in ein Murmeltier verwandeln kann, wird von einer Gana (Wasserfrau) aufgezogen und heiratet den Prinzen eines nachbarbarten Volkes. In den folgenden Songs mit atemberaubend schönen mehrstimmigen Gesangspassagen wird die Sage ausführlich weiter erzählt und zieht sich wie ein roter Faden durch die CD. Da geht es u.a. um die Fanesprinzessin Dalasilo, die von „Ey de Net“ (Nachtauge) mit einem Zauberschild geschützt wird. Die Erzählung kann man ausführlich im beigefügten Booklet nachlesen. Praktisch ist so ein kleines Märchenbuch für Erwachsene entstanden und man braucht die ladinische Sprache natürlich nicht zu verstehen. Sie ist einfach eine wunderbare Klangmalerei mit den betörenden Stimmen von GANES. Auf einer großen, im November beginnenden Tour stellen sie ihr neues Album vor. Ein Genießeralbum par excellence. Pefekt geeignet für die – leider – bevorstehende dunkle Jahreszeit.
(Gerd Müller)




   
   
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