heneportrait 20161114 1370672087 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Inhalt:
"... im Portrait"
Mario Hené
Artist Station
18. November 2016

1. Du stehst am Fenster
2. Wenn ich wüsste
3. Traum
4. Lieber allein, als gemeinsam einsam
5. Spiegelbild
6. Jeder malt ein andres Bild
7. Drinnen und draußen
8. Die Krone der Schöpfung
9. Unser Tag
10. Alltag
11. Kalte Herzen
12. Schade
13. Mein Kaktus
14. Verwelkte Rosen
15. Wilde Pferde
16. Bleib so frei
17. Für Dich
18. Wenn Du nicht wärst
19. Aufrecht
20. Lass Dich nicht geh'n
21. Wir seh'n uns wieder
22. Oceans in the Rain





Ich muss einräumen, dass ich Mario Hené in seiner nunmehr 40 Jahre umfassenden Schaffensperiode mit 15 Plattenveröffentlichungen nur selten auf dem Schirm hatte. Die Szene ist doch größer, als man gemeinhin denkt. Aber es ist bekanntlich ja selten zu spät.

Er ist Liedermacher aus Passion, Jahrgang 1954 und stammt aus Berlin. Kurios, dass er 1971 sogar eine Lehre als Orgelbauer anfing. Gut, dass er seine wahre Berufung in sich spürte, denn schon als Zwölfjähriger konnte er gut mit der Gitarre umgehen. Er erlernte das Fingerpicking im Stil der Folkmusiker und so war sein Weg vorgezeichnet. Später spielte er einige CDs mit Jürgen von der Lippe ein und ließ in all den Jahren oft sehr lange Zeitabschnitte zwischen seinen Veröffentlichungen verstreichen. Die folgende, 21 Songs umfassende Retrospektive teilte er in drei Abschnitte ein:

- Jugendliche Suche und Einordnung (1988)
Aus dieser Phase wurden alte Bandaufnahmen eines Konzertes im „Onkel Pö“ (Hamburg) restauriert und neu gemischt. Der damals 34-jährige widmete das erste Lied auf der Scheibe „Du stehst am Fenster“ 1975 seinem Bruder. Er schreibt dazu: „Ich habe dieses Lied ... für meinen Bruder und all die geschrieben, die unter den Vorurteilen ihrer Mitmenschen zu leiden haben. Hoffentlich hören es auch jene, die den anderen nach seinem Äußeren beurteilen und vielleicht macht es sie ein wenig nachdenklich“. In den sieben Songs macht er sich vielfältige Gedanken, die sich und sein Umfeld betreffen: Wer bin ich, woher komme ich? Was denken und sagen die anderen? Wie erlebe ich das Verhältnis von Innen- und Außenwelt? Alles wird mit filigranem Gitarrespiel unterstützt, das er meisterhaft beherrscht.

Von vielen sich anhäufenden Gegensätzen handelt zum Beispiel der Song „Jeder malt ein andres Bild (von mir)“. „Mein Bruder hält mich für normal, sein Vater meint ich sei verrückt“. So zählt er reihenweise Gegensätze auf, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Die Auflösung folgt am Ende, denn - so Hené - wenn man sich selbst betrachtet, stellt man fest, dass die eigene Absicht davon abhängt, wie man sich fühlt. Er kreierte originelle Wortspielereien in diesem Lied, denen man gerne zuhört, weil man von sich wohl schon ähnliche diametrale Wahrnehmungen hörte.

- Stufen einer Liebesbeziehung (2007)
Der zweite Abschnitt lädt uns ausschnittweise in das KulturForum Kiel ein. Im November 2007 befasste sich Mario Hené in wiederum sieben Liedern mit den oft schwierigen Beziehungen in Liebe, Familie und weiterem Umfeld. Vor diesem Hintergrund beschreibt er in „Die Krone der Schöpfung“ seine eigene Geschichte. Ein längeres Intro mit sensibel gezupften Gitarresaiten lädt zum sehnsuchtsvollen Lied „Kalte Herzen“ ein, mit schönen Metaphern angereichert. Natürlich geht es um eine Beziehung, die in der Krise ist. Sehr in sich gekehrt und mit leiser Stimme sinniert der Künstler in „Verwelgte Rosen“ über Vergänglichkeit, mit der wir stets konfrontiert werden. Die „Blühte kommt und geht, ewig ist nur die Zeit“. Eine Quintessenz, der sich niemand verschließen kann.

- Die Reife des Alters (2015)
Die magische Zahl 7 hat es ihm angetan und er präsentiert hier Studioaufnahmen vom vergangenen Jahr. Einige Songs der früheren Liveproduktion „Wilde Pferde“ wurden für akustische Gitarre neu bearbeitet. In diesem Zyklus bilanziert er Sequenzen zur menschlichen Existenz und Vergänglichkeit. Weitere Themen sind die Hoffnung auf die Freiheit der Jugend, Verständnis, Respekt und Anerkennung für die Partnerin sowie die Konfrontation mit Abschied und Tod sowie der Versuch, damit umzugehen. Ein schwieriges und anspruchsvolles Unterfangen, mit dem sich Mario Henè überzeugend auseinandersetzt. Produziert wurde die CD von Uwe Meusel, der bei einigen Studioaufnahmen gleichfalls zur Gitarre griff. Man weiß gar nicht, welchen Song man als charakterisch für Mario Hené herausgreifen soll, so vielfältig und poetisch beeindruckend sind seine Texte. So auch bei „Wilde Pferde“ – gefangen in der Illusion der Zeit. Er setzt bei diesem und anderen Songs ausdrucksstarke Akzente, denen man sich andachtsvoll hingibt.

- Zugabe
„Lieber allein, als gemeinsam einsam“, einer der bekanntesten Aufnahmen des Künstlers beschließt in einer bisher unveröffentlichten englischen Version („Oceans in the rain“) die randvolle Platte. Ein faszinierender Song, in der englischen Version in ein zauberhaftes Arrangement eingebettet. „Lieber allein, als gemeinsam einsam“ – eine reale Erkenntnis, nicht nur seine! Er ist ein Liedermacher, der durch den Tiefgang seiner Songs fasziniert und nachdenklich macht. Sein buschiger Bart ist weiß geworden, seine Worte sind weise und sein Herz schlägt jung. Eine Platte, wie gemacht für stille November-Abende und danach ...
(Gerd Müller)



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