bsg-bib 20130527 1696750057 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Back in Blech"
Blassportgruppe
Connector Records
14.06.2013

1. Mutters÷hnchen
2. Sowieso
3. Nichts bleibt wie es war
4. Laut
5. Feuerwwerk
6. K÷rperklaus
7. Give It Away
8. Nur wir zwei
9. Jenny
10. Black Hole Sun





Unlängst landete die CD "Back in Blech" von der BLASSPORTGRUPPE bei mir und ließ die grauen Zellen arbeiten. Wer ist denn das? Warum gibt man sich solch einen Namen? Was macht eine BLASSPORTGRUPPE für Musik? Blasmusik in der Folklorevariante aus Südosteuropa a la Oberkrainer oder Egerländer, vielleicht Marschmusik vom Blasorchester oder Goggenmusik? Das Cover des eher spartanisch gehaltenen Digipacks half auch nur wenig. Es zeigt eine Blechdose, auf der der mir bis dahin völlig unbekannte Bandname über dem Albumtitel prangt. Mir kamen durch den Bandnamen Assoziationen wie SPORTFREUNDE STILLER und die zuletzt für Furore sorgenden Bayernbuam von LABRASSBANDA in den Sinn. Zudem musste ich bei "Back in Blech" unwillkürlich an die FAMILIE POPOLSKI und die POLKAHOLIX denken. Damit lag ich gar nicht so falsch, wie sich bei der Lektüre des eingeklebten Booklets herausstellte. Aus dem ging hervor, dass sich die BLASSPORTGRUPPE auf der CD quer durch die Geschichte des internationalen Rock und Pop covern würde. Ich erwartete also im positiven Fall gekonnte Blechblasmusik und befürchtete im schlimmsten Fall einen schwerverdaulichen Stilmix junger, wilder Musikeleven.

Kaum hatte ich die CD eingelegt, war zu erahnen: die BLASSPORTGRUPPE ist musikalisch sehr ernst zu nehmen. Die beherrschen ihre Instrumente perfekt und verstehen es, unkonventionell Blech-Blasmusik vom Feinsten zu spielen. Und die BSG kleckert nicht, sie klotzt. Da stimmt von den ersten Takten an alles. Das Zusammenspiel der einzelnen Instrumente genauso wie die Harmonie zwischen den Instrumenten und der Gesangsstimme. Hinzu kommt die grandiose Transformation von Gitarrenparts zu den Blechbläsern. Das Ergebnis ist einfach sensationell. Alles absolut sauber gespielt, gekrönt von erstklassigem, gekonntem Gesang. Selbst wenn man womöglich für den ersten etwas jazzlastigen Titel "Muttersöhnchen" (Video siehe unten) nicht sofort die allergrößten Sympathien entwickelt - die Klasse der Musiker zeigt sich sofort. Vielleicht gerade bei diesem Titel. Ihm liegt die älteste und vielleicht auch anspruchsvollste aller Songvorlagen zu Grunde: Jimi Hendrix' "Crossfire Traffic". Es ist phänomenal, wie Posaune und Trompeten die komplizierten Gitarrenparts dieses Klassikers nachempfinden. Dazu die grandiosen Trommeln, die nicht nur den Sound ordentlich vorantreiben, sondern stellenweise die Gesangsstimme geradezu unterstützen und ein perfekter, überaus harmonischer Satzgesang. Die BLASSPORTGRUPPE überzeugt sofort. Zudem wird bereits beim ersten Titel deutlich: so exzellent die musikalische Umsetzung des Ausgangsmaterials ist, so exzellent sind auch ihre hintersinnigen Texte, selbst wenn sich die BLASSPORTGRUPPE hörbar wohl nicht immer wirklich bierernst nimmt. Die Texte einzelner Titel versprühen jede Menge Humor, sind ironisch, ohne dass sie auch nur einmal albern wirken würden. Mitunter ist es ein Hochgenuss, der perfekten Metrik der Worte zu folgen, die zudem hin und wieder in faszinierender Weise literarischen Tiefe und Wortwitz miteinander verbinden. Das Ergebnis sind Songs in denen Dinkelbrötchen, ein Tanzkurs oder die strammen Waden der Verkäuferin im Fleischerfachgeschäft vorkommen, aber auch ein schönes Liebeslied wie "Nur wir zwei", das auf die Melodie von "Boys of summer" von Don Henley geschrieben wurde.

Ein besonderes Kleinod ist "Sowieso", der zweite Titel des Albums, in dem sich die Band selbst aber auch den herrschenden Zeitgeist und den Mainstream im Showbizz auf die Schippe nimmt. Das der Titel großartig gespielt wird, muss man eigentlich nicht sagen. Ein Jammer, dass er die Realität vermutlich ganz genau trifft, in Anbetracht der mit absoluter Präzision gespielten kurzen Töne zu Beginn des Stücks, der Läufe aus kurzen Tönen in gleicher Klasse und des herrlichen Wechselspiels zwischen Trompeten und Posaunen im dessen Verlauf.
Wie vielfältig man Blechbläser einsetzen kann, zeiget die musikalische Vielfalt der gecoverten Songs. Die reicht vom angesprochenen Hendrix Jazzrockklassiker "Crossfire Traffic" über den TEARS FOR FEARS New Wave Hit "Shout", aus dem der Titel "Laut" wird, über Cover bekannter DEPECHE MODE- und BACKSTREET BOYS-Titel, bis zum aktuellen Hit "Firework" von KATY PERRY, der nun schlicht "Feuerwerk" heißt (siehe Videoclip unten). Erwähnenswert sind aber auch die Punk-Crossover-Uptemponummern "Give it away" von den RED HOT CHILLY PEPPERS und das grandiose "Black hole Sun", das im Original von SOUNDGARDEN gespielt wurde. Womit noch ein Titel zu erwähnen bliebe: "Jenny". Das muss man einfach gehört haben. Der Mix aus AC/DC's "Whole lotta Rosie" und "Would you" von TOUCH AND GO ist einfach ein Hammer. Sozusagen eine komprimierte Fassung all dessen, was die CD "Back in Blech" ausmacht. Klasse gespielt, das markante Trompetenthema des Titels "Would you" wurde brillant umgesetzt, ein witziger Text dazu und der grandiose Gesang. So eindrucksvoll kann man richtig gute Musik machen, wenn man denn kann. Und die BLASSPORTGRUPPE kann... Der Sänger Patrick Kukwa hat eine bestechend gute Stimme. Nicht unverwechselbar, aber großartig. Und er weiß seine Mittel einzusetzen. Mal klingt es kehlig, kratzend, kantig, mal singt er Passagen samtweich mit unglaublich viel Gefühl. Seine Gesangsparts krönen das Spiel der Blechbläser, die ihrerseits alle Register ziehen. Jeder Ton, gleich ob Gesang oder Instrument, sitzt.

"Back in Blech" von der BLASSPORTGRUPPE ist vom ersten bis zum letzten Ton des sensationell umgesetzten "Black hole Sun" ein absolutes Hörerlebnis. Wer mag kann sich tief in die Songs mit ihren vielen textlichen und musikalischen Raffinessen rein hören, man kann die Musik allerdings auch im Hintergrund, nur so als gute Laune Musik zur Umrahmung, plätschern lassen und wird nicht enttäuscht. Das Album gefällt mir überaus gut und ich kann jedem nur empfehlen, wenigstens einmal reinzuhören.
(Fred Heiduk)



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Videoclips


Off. Video zu "Muttersöhnchen"


"Feuerwerk" live im Proberaum





   
   
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