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Als Karat im Jahre 1982 dieses Album veröffentlichte, ahnte wohl noch niemand, welchen Erfolg Ed Swillms, Bernd Römer, Michael Schwandt, Henning Protzmann und Herbert Dreilich damit einfahren würden. Es wurde das erfolgreichste und meist verkaufteste Album einer DDR-Band überhaupt, und stieß bis auf Platz 7 der Album-Charts vor. In beiden Teilen des Landes verkaufte sich "Der blaue Planet" über eine Million mal - eine Zahl, von der viele Musiker heute nur noch träumen. Das war aber nicht das einzige Novum, das diese LP hervorbrachte. Auf der B-Seite der LP konnte man zum ersten Mal die Stimme von Ed Swillms bei einem Karat-Titel hören. Bei "Der Spieler" war Ed nicht nur für die Komposition verantwortlich, sondern sang auch noch den von Norbert Kaiser geschriebenen Text. Das erste und einzige Mal, dass Ed als Mann am Mikrophon in Erscheinung trat.
Die Platte ist randvoll mit Perfektion und macht es somit zum ausgereiftesten Album der Band überhaupt. Die Texte sind mal melancholisch, dann wieder optimistisch, aber auch nachdenklich gefärbt. Der Opener ist ein 4:58-minütiges Instrumental aus der Feder von Ed Swillms mit dem Titel "45-01". Der Song eröffnet das Feuerwerk musikalischer Feinkost, bevor es mit "Marionetten" und "Falscher Glanz" richtig zur Sache geht. Mit der Single "Jede Stunde" war die Band sogar Gast in der ZDF-Hitparade, und wurde vom Publikum auf den zweiten Platz gewählt. Karat war im Westen zwar schon durch "Über sieben Brücken" bekannt geworden, zeigte aber hier mehr als eindrucksvoll, dass sie mehr waren als nur der Hit-Lieferant für andere Künstler im Westen.
Kein anderes Album von KARAT schaffte danach nochmals einen so großen Erfolg. Das Gespann Swillms/Kaiser war beim Schreiben der Songs und beim Fertigstellen dieser LP wohl in der Form ihres Lebens. "Der blaue Planet" ist ein Paradebeispiel für zeitlose Rock- und Pop-Musik. Nach fast einem Vierteljahrhundert hat keiner der auf dieser LP befindlichen Songs auch nur ansatzweise an Klasse (oder gar Aktualität) verloren. (cr)

VÖ: 1982; Label: AMIGA (LP), Pool (LP; CD 1984); Titel: 45-01 · Marionetten · Falscher Glanz · Jede Stunde · Blumen aus Eis · Der blaue Planet · Der Spieler · Gefährten des Sturmwinds · Wie weit fliegt die Taube; Bemerkung: Mittlerweile auch in der AMIGA-Variante und als "Gold-Disc" auf CD erhältlich; Musiker: Herbert Dreilich (voc) · Henning Protzmann (bg) · Bernd Römer (g) · Michael Schwandt (dr, perc.) · Ulrich Swillms (key, voc. bei "Der Spieler")

 

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Völlig richtig, lieber Christian, da kann man sich nur anschließen. Erwähnenswert ist aber auch noch, daß der Erfolg von "Der blaue Planet" nicht unwesentlich mit zwei Dingen zusammenhing: Erstens hatten Ed Swillms und Norbert Kaiser es meisterhaft verstanden, die gerade angesagte "New Wave" in ein völlig eigenständiges und weit von der üblichen Belanglosigkeit entferntes Gewand zu kleiden, ohne sie jedoch (und das war das eigentliche Meisterstück) zu verleugnen. "Marionetten" und "Jede Stunde" sind dafür die Paradebeispiele. Und zweitens war das Album zur richtigen Zeit am richtigen Platz und wurde seitens der Plattenfirmen AMIGA und TELDEC massivst unterstützt und promotet. So ganz unvorbereitet schlug es nämlich nicht ein: Die Vorauskopplung "Der blaue Planet/Blumen aus Eis" verkaufte sich allein im Westen über 100.000 mal und war auch im Osten schon überaus bekannt und beliebt, was die Verantwortlichen dazu veranlaßte, sich mehr als üblich ins Zeug zu legen. Das Ergebnis ist bekannt.
Wir möchten aber noch eine andere Rechnung aufmachen: Für den Gold-Status (NUR im Westen) waren damals 250.000 verkaufte Einheiten notwendig. Nach heutiger Betrachtungsweise wären das im GESAMTEN Deutschland "nur" 100.000 Exemplare, was die Bilanz der Platte längst auf ein ganz anderes Level hievt, da sie ja gesamtdeutsch über eine Million mal über die Ladentische ging. Fünfaches Platin hieße das. Aber lassen wir das mal außen vor und bedenken lediglich, daß die Neuveröffentlichung der AMIGA-Ausgabe auf CD ja auch gekauft worden sein muß und sicher nicht zu knapp. Daraus folgt, daß der Status von "Der blaue Planet" längst neu festgelegt hätte werden müssen und wir fragen uns, warum das nicht geschieht. Als gerecht empfinden wir es jedenfalls nicht, daß DER Ostrock-Klassiker schlechthin immer noch als einfaches Gold-Album in der Historie geführt wird. (kf)

 


   
   
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