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Ein Konzertbericht mit Fotos von Reinhard Baer




Fährt man die Autobahn A13 von Berlin kommend in Richtung Dresden, heißt die fünfte Abfahrt Halbe/Teupitz. Das Städtchen Teupitz, gelegen an einem wunderschönen See, erreicht man nach etwa zwei Kilometern in westliche Richtung. Um zum Stadtzentrum zu gelangen, fährt man auf einer provisorisch geflickten Straße einen Berg runter, und das Stadtzentrum selbst ist auch nicht gerade eine Augenweide.a 20160801 1850392834 Einige leer stehende Häuser fristen ein jämmerliches Dasein. Nichtsdestotrotz kommen in der warmen Jahreszeit viele Besucher in die Stadt, um die schöne Natur ringsum zu genießen. Dank eines eigens hierfür gegründeten Vereins hat sich in den letzten Jahren in Sachen kulturelles Leben auch einiges entwickelt. Am letzten Wochenende fand das Seefest mit einem Oldieboot-Treffen und einem Kreativmarkt statt. Die Kirchengemeinde hatte am Samstagabend in die Heilig-Geist-Kirche zu einem Konzert mit dem Gitarristen Eberhard Klunker eingeladen.

Der Eintritt war frei, lediglich um eine Spende für den baulichen Erhalt der Kirche wurde gebeten. Die im 14. und 15. Jahrhundert erbaute Backsteinkirche ist nicht gerade das, was Kirchen anderenorts sind: ein Bauwerk, das weithin zu sehen ist. Der Turm ist kaum höher als das übrige Gebäude und wird zum größten Teil von hohen Bäumen ringsum verdeckt. Im Inneren der Kirche herrscht aber eine gute Akustik, was dem Gitarrenkonzert bestens zugute kam. Eberhard Klunker ist unseren Lesern bestens bekannt und immer wieder mal Hauptdarsteller einer unserer Berichterstattungen. Klunki, wie Freunde ihn nennen, war Anfang der 70er Jahre Gitarrist bei der Modern Soul Band, später spielte er in der Band von Johannes "Hansi" Biebl. Zusammen mit einem Freund und Musikerkollegen gelang es ihm im Jahre 1975, in einem Schlauchboot über die Ostsee aus der DDR zu fliehen. In der BRD angekommen war er Teil der legendären Gruppe WINDMINISTER. Nach der deutschen Wiedervereinigung trat der im Westteil Berlins lebende Künstler auch wieder in der ehemaligen DDR auf, so unter anderem zusammen mit der Sängerin Christiane Ufholz und auch mit der Gruppe WINDMINISTER. Eberhard Klunkers Instrument ist die akustische Gitarre. Wie er mir am Rande des Konzerts in Teupitz erzählte, besitzt er gar keine E-Gitarre mehr. Bei der Mugge am Samstagabend gab es keinerlei elektrische Verstärkung ... keinen Lautsprecher, keine PA. Die Gitarre hatte keinen Tonabnehmer und das vor dem Musiker stehende Mikrofon diente lediglich der privaten Tonaufzeichnung. Die Musik war echt, pur und ehrlich, und zudem im gesamten Raum gut zu verstehen.

Um Punkt 19:00 Uhr sollte das Konzert beginnen. Es war doch einiges an Publikum gekommen, so dass der untere Teil der Kirche - ich schätze - zu zwei Dritteln besetzt war. Um 19:00 Uhr läuteten die Kirchenglocken und für Eberhard Klunker war das das Signal, mit seinem Konzert zu beginnen. Zunächst griff er seine Gitarre am Hals unterhalb der Kopfplatte, und ließ sie schwingen wie die gerade verklungene Kirchenglocke.b 20160801 1198773950 Wer genau hinhörte, hörte wie die Saiten ganz leise zu klingen begannen. Danach gab es eine kurze Begrüßung und los ging es mit der Mugge. Eberhard zupfte die Saiten seiner Gitarre und schlug mit den Fingern oder der Hand den Rhythmus auf dem Korpus seines Instruments. Die Stücke, die er spielte, waren zum Teil vom aktuellen Album "Lietzensee", aber auch andere Melodien waren dabei. In einem Stück hatte sich, wie er selbst sagte, ein Song von THE BEATLES eingeschlichen. Der Titel heißt "Tomorrow Never Knows" und ist auf dem 1966 erschienenen Album "Revolver" zu finden. Auch JIMI HENDRIX sollte bei diesem Konzert nicht fehlen, schließlich hat Klunker auch ein JIMI-HENDRIX-Projekt im Angebot, welches er mit anderen Musikern zusammen spielt. Seine Referenz an den Meister auf der E-Gitarre hieß an diesem Abend "Third Stone From The Sun".

Etwa eine Stunde dauerte das Konzert in der Heilig-Geist-Kirche, und die eben schon erwähnten Beatles bildeten dann auch den Abschluss. Mit "While My Guitar Gently Wheeps" erklang der letzte Titel, bevor es noch zwei Zugaben gab. Die zweite Zugabe war dann auch etwas Bekanntes, erinnerte mich aber nur ganz kurz daran, dass ich zusammen mit ganz vielen anderen Fotografen den Original-Interpreten vor einigen Tagen auf einem Festival nicht fotografieren durfte. Der Titel heißt "Samba Pa Ti" von SANTANA. Der Vortrag von Eberhard Klunker war durchweg ein Fest für die Sinne. Sein Gitarrenspiel und seine Interpretationen fremder und eigener Lieder begeistern auch den Laien. Für Leute, die Gitarre spielen können, ist ein solches Konzert natürlich ein Feiertag.

Inzwischen war es schon kurz vor 20:30 Uhr und draußen war es noch hell. Das Publikum verließ langsam die Kirche und ich konnte noch kurz einige Worte mit Eberhard Klunker wechseln, während er sein Equipment abbaute. Das war schnell erledigt, denn eine Gitarre, eine kleine Fußstütze und das Mikrofon mit Aufzeichnungsgerät waren schnell eingepackt. Wie mir Eberhard erzählte, fährt er zu einer Mugge wie dieser in seiner Heimatstadt Berlin mit der S-Bahn. Wir hatten bereits im Vorfeld des Konzertes noch etwas über die "alten Zeiten" geplaudert. Ich habe während meines Studiums in den Jahren 1971 bis 1975 an der Uni Rostock die MODERN SOUL BAND mehrfach erlebt, so z.B. bei einem Konzert der Fusion aus MSB und Klaus-Lenz-Bigband und bei einem Studentenfasching.c 20160801 1023949363 Dort hat die MSB ebenfalls gespielt. Sie hatte damals viele lange Stücke im Set und als sie fertig war, spielte nebenan eine Blaskapelle weiter. Mit dabei war auch Eberhard Klunker, damals der junge Gitarrist mit langen, blonden Haaren und einer Hornbrille. Es macht Spaß, solche Erinnerungen mal mit jemandem aufzufrischen, der auch dabei war.

Nachdem meine Frau und ich die Kirche verlassen hatten, war es für die Rückkehr an den heimischen Fernseher noch zu früh. Von der nur wenige Meter entfernten Seebrücke leuchtete die tief stehende Sonne das gegenüberliegende Ufer an. Ein sehr schöner Anblick und ein Foto wert. Genau wie der kurz danach einsetzende Sonnenuntergang in der entgegengesetzten Richtung. Nach dem akustischen Genuss kam nun auch noch ein Genuss für die Augen dazu.


Termine:
• 12.08.2016 - Berlin - Weinmichel (Solokonzert)
• 03.09.2016 - Dresden - Kunsthofgohlis (Jimi Hendrix akustisch)
• 09.09.2016 - Insel Hiddensee - Kapitänsfest (Solokonzert)
• 17.09.2016 - Berlin - Ölberg Kirche (Solokonzert)
• 23.09.2016 - Reichelsdorf - Phillipuskirche (Duo mit Beata Kossowska)
• 24.09.2016 - Ittersbach - Scheune (Duo mit Beata Kossowska)
• 18.11.2016 - Coburg - tba (Kossowska Klunker Rummel-Band)
• 27.01.2017 - Weinstadt - "Armer Konrad" (Kossowska Klunker Rummel-Band)

Alle Angaben ohne Gewähr! Weitere Termine und nähere Infos auf Eberhards Homepage



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Eberhard Klunker: www.eberhard-klunker.de






 
 



   
   
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