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Ein Bericht von Matthias Ziegert mit Fotos von M. & S. Ziegert





In puncto Konzerte hat Leipzig jede Menge zu bieten. Das reicht von Konzerten in der "Red Bull Arena" mit bis zu 50.000 Besuchern, bis hin zu kleinen Clubs die gerade mal 50 Besucher fassen. Aber es geht auch noch anders. Am südlichen Rand der Großstadt gibt es schon seit einigen Jahren, versteckt in einer größeren Siedlung aus den dreißiger Jahren, die 'Villa de Lujan'.a 20150820 1664840632 Genau genommen ist die Villa ein ca. 30 qm großer gemütlicher Anbau, in den sich der Verein von "Eiffe dem Bär" gelegentlich Künstler einlädt. In eben dieser besonderen Location gastierte am 15. August 2015 kein geringer als Manfred Mauerenbrecher. Ein guter Grund sich mal auf den Weg nach Leipzig zu machen.

In seiner über dreißig-jährigen Karriere legte der in diesem Jahr fünfundsechzig gewordene Ausnahmekünstler und Liedermacher eine beachtliche Zahl an Solo-Alben vor. Dafür erhielt er wichtige deutsche Musikpreise, wie zum Beispiel den Kleinkunstpreis, den Kabarettpreis und mehrfach den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Weiterhin schrieb Maurenbrecher zahlreiche Liedtexte unter anderem für Spliff, Herman van Veen, Renan Demirkan, Veronika Fischer, Ulla Meinecke und Katja Ebstein. Neben seinen Aktivitäten als Sänger und Pianist arbeitete der Berliner auch als Autor beim Theater, als Drehbuchautor fürs Fernsehen, sowie als Rundfunkmoderator. Obendrein ist er promovierter Philologe. Mit seiner markanten Stimme, hat er sich für seine gesellschaftskritischen, genau beobachtenden und sprachmächtigen Texte einen Namen gemacht. In seinen Liedern wird von ihm der Sinn und Richtigkeit des Weltgeschehens hinterfragt. Davon konnten sich auch die Besucher des Konzertes in Leipzig persönlich überzeugen.

Während des reichlich zweistündigen Auftritts, der durch eine kleine Pause geteilt wurde, präsentierte der Künstler dem Publikum einen Einblick in sein Schaffen der letzten Jahre. Dabei überwogen Titel der beiden CDs "No Go" (2013, Reptiphon) und "Rotes Tuch" (2015, Reptiphon), die beide mit Freunden im gleichen Studio eingespielt wurden.

Nach kurzer Begrüßung durch den Hausherren folgte die mit zahlreichen Zitaten namhafter Künstler ausgeschmückte Vorstellung des Gastes. Mit Freude dankte Maurenbrecher für die Einladung und das Erscheinen der Anwesenden. Mit "No Go", dem Titelsong seiner 2013 erschienenen gleichnamigen CD, begann Maurenbrecher nach einigen einleitenden Worten zum Entstehen des Songs sein Programm. Ein Lied über eine dekadente Gesellschaft, die einem vorschreiben will was man gut finden soll oder nicht. "Romanze", die Geschichte eines Einwanderers aus südlichen Gefilden und einer Sachbearbeiterin auf einem Amt, von der CD "Rotes Tuch" folgte.b 20150820 1621233003 Vom derselben Scheibe ist auch der sich anschließende Titel "Rolle, Rolle, Rolle", dessen erzählte Entstehungsgeschichte für Heiterkeit bei den Konzertbesuchern sorgte. Es ist ein Lied, um einen Refrain herum, den man nicht versteht, um diesen zu erklären. Mit "Aufbruch" schloss sich ein weiterer Song von der CD "Rotes Tuch" an.

Zwischen den einzelnen Titeln erzählte Maurenbrecher nicht nur über die Entstehung der einzelnen Lieder oder was ihn zum Schreiben der Lieder bewogen hat. Großes Interesse der Zuhörer fanden auch Erzählungen über seine Reisen und dabei Erlebtes. Dabei erweist sich der Künstler von Anfang an als hervorragender Geschichtenerzähler, der seine Zuschauer mit auf die Reise in seine Lieder nehmen kann. Mit seiner bildhaften Sprache zieht er die Zuhörer in seine Geschichten hinein und lässt sie daran teilhaben. Diese dankten stets mit reichlich Beifall. Besonders interessant waren die Berichte über seine Reisen in die Ukraine, die Maurenbrecher in dem Lied "Kiewer Runde" aus seiner Sicht schildert. Es handelt vom Missbrauch der Medien in diesem Krieg und deren Auftrag, statt der Wahrheit massentaugliche Meldungen zu verbreiten. Das danach folgende "Anderes Blau" möchte der Künstler gern einmal von einem großen gemischten Chor hören. Mit "Rotes Tuch", einem Lied, das eigentlich schon aus dem Jahre 1988 ist, und welches Maurenbrecher mit einer Zeit des persönlichen Umbruchs und Veränderung verbindet, entließ der Künstler das Publikum in die Pause.

Auch im zweiten Teil des Konzertes blieb Maurenbrecher seinem eingeschlagenen Kurs treu und begeisterte seine Zuhörer. "Welt ist am durchdrehen", ein Titel den Maurerenbrecher nach dem durchlesen einer großen Sonntagszeitung vor einigen Jahren geschrieben hatte, erschien an diesem Abend aktueller denn je. Den nächsten Song stufte Maurenbrecher in die Rubrik "heiteres Beruferaten" ein. Mit "Ihr verdient uns nicht" setzte er sich kritisch mit unseren selbstverliebten, weltfremden, in ihrem eigenen Biotop lebenden Politikern auseinander.

c 20150820 1172248792Zu einem Liederabend gehören natürlich auch Heimatlieder, von denen Mauerenbrecher auch gleich zwei mit im Gepäck hatte. In diesem Fall handelt es vom Wohngebiet des Künstlers im Südwesten Berlins. Dem Rüdesheimer Platz, der Dank einer Erbschaft von einer alten Dame von der Stadt gepflegt wird und auf dem im Sommer abendliche Feste stattfinden, widmete er das Stück "Paradies Rüdi". Zu seiner Heimat zählt für Maurenbrecher auch sein folgendes "Uraltes Hemd". Mit seinen Ausführungen zum Thema Abhören sorgte Maurenbrecher für einige Lacher. Er zeigte sich enttäuscht über die Politik, die nicht in der Lage ist, dem Bürger die Vorzüge dieses Ausspionierens zu verkaufen. Er schlug eine Telefonhotline vor, bei der man sich über sich selbst erkundigen kann, wenn man etwas vergessen hat. Auch der Nanotechnologie zur Datenspeicherung in seinem Hemd stand er nicht abgeneigt gegenüber. Dem Thema widmete er den Song "Elegie".

Mit dem "autobiografisch" gemeinten Titel aus dem Jahre 2007 namens "Dumm fickt gut" machte Maurenbrecher an diesem Abend nicht nur anwesenden Fans eine Freude. Im Gegensatz zur vielleicht vorgefassten Meinung, handelt es sich bei der Aussage um eine Beschwerde der Frau beim Mann, die den Spieß umdreht, da er nicht dumm genug sei und es deshalb nicht bringe. Mit einem Lied über die vielseitige, nicht ganz ernst gemeinte Verwendung vom "Staubsauger" der die Welt verändern kann, ging es in die letzte Runde mit dem "Alten Fahrrad". Nach reichlich Applaus und Dank des Künstlers folgte noch das für die 'Villa de Lujan' übliche Ritual. Manfred Maurenbrecher erhielt vom Hausherrn einen kleinen Bilderrahmen mit dem Foto eines alten Gaststättenschildes mit Namen "Die Zufriedenheit". Sichtlich gerührt, dankte Maurenbrecher und spielte noch eine Zugäbe, und zwar ein Lied das er vor 35 Jahren auf Kreta geschrieben hatte.

d 20150820 1672420867Mit viel Applaus verabschiedete das Publikum den Künstler, der im Anschluss an das Konzert gern noch Fragen beantwortete und Autogramme gab. Ich denke, dass dieser besondere Abend dem Künstler wie auch dem Publikum noch lange in Erinnerung bleiben wird. Dank gilt neben dem Veranstalter der Firma "Leipzig Pianos", die für den Abend kostenlos ein Instrument zur Verfügung stellte.


Termine:
• 20.08.2015 - Leipzig - Neues Schauspiel (25 Jahre Liedertour)
• 21.08.2015 - Wachau - Kirche (25 Jahre Liedertour)
• 22.08.2015 - Delitzsch - Altstadtkneipe No.2 (25 Jahre Liedertour)
• 23.08.2015 - Breitungen - Schloss Herrenbreitungen (25 Jahre Liedertour)
• 27.08.2015 - Berlin - Zebrano-Theater (25 Jahre Liedertour)
• 28.08.2015 - Lindow - Pfarrhof (25 Jahre Liedertour)
• 30.08.2015 - Querfurt - Burg/Südbastion (25 Jahre Liedertour)

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf Maurenbrechers Homepage



Bitte beachtet auch:
• off. Homepage von Manfred Maurenbrecher: www.maurenbrecher.com
• Homepage des Veranstalters: www.eiffe-der-baer.de




Fotostrecke:

 
 
 
 



   
   
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