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Interview vom 1. November 2007
 
 
Die E.A.V. ist unser erster Gast, der nicht aus Deutschland kommt. Die Band um Klaus Eberhartinger und Thomas Spitzer kommen aus Österreich, und doch verbindet sie mit Deutschland, speziell Ostdeutschland, eine ganz besondere Beziehung! Wir müssen die Gruppe wohl kaum noch jemandem vorstellen... die Erste Allgemeine Verunsicherung dürfte jedem gut bekannt sein. Mit Hits wie "Banküberfall", "Märchenprinz", "Küss die Hand schöne Frau" oder "3 weisse Tauben" stürmen sie seit 30 Jahren die Hitparaden in Österreich und Deutschland. Sie haben so viele Goldene und Platin-Auszeichnungen für ihre Alben bekommen, dass sie dafür sogar ein eigenes Lager einrichten könnten. Im Jahre 1991 erhielten sie gar den World Music Award, eine der höchsten Auszeichnungen überhaupt. In Österreich haben nicht einmal Michael Jackson, die Beatles oder gar Mozart so viele Tonträger verkauft, wie die Verunsicherung. Da macht es rein gar nichts, dass ihr Video zur englischen Version von "Banküberfall" ("Bankrobbery") in England 1986 zum schlechtesten Video des Jahres gewählt wurde. Zu uns kommen sie nicht nur, um ihre neue CD "Amore XL" vorzustellen! Da gibt es etwas, über das wir mit ihnen ganz ausführlich sprechen wollten: Ihre beiden Konzertreisen durch die DDR in den Jahren 1983 und 1986. Aber natürlich haben wir Klaus Eberhartinger in unserem Interview noch ganz andere Fragen gestellt...
 

 
 
Hallo Klaus! Neben der Musik bist Du inzwischen auch als TV-Moderator tätig, und leitest im österreichischen TV eine tägliche Sendung ("Quiz Champion"). Wie bekommst Du Deine Fernseh-Karriere mit der musikalischen unter einen Hut?
Die "Quiz Champion"-Shows sind abgedrehte Blöcke, das ist bereits fertig. Ich mache schon etwas länger Fernsehen, immer wieder mal. Dieses Jahr war ich auch einer der Teilnehmer bei "Dancing Star" (der österreichischen Version von "Let's Dance", Anm. d. Red.)...


...wo Du am Ende Sieger warst. Meinen Glückwunsch!
Danke schön, was soll ich dazu sagen (lacht)?


Außerdem habe ich gelesen, dass Du seit 15 Jahren Dein Zuhause in Kenia hast. Da bist Du dann ja wohl eher selten, oder?
Da bin ich, verteilt über das Jahr, immer fünf oder sechs Monate. Wir haben da unten ein Studio und produzieren dort auch.


Im Dezember kann man Dich hier in Deutschland bei "Wetten dass…?" sehen, stimmt das?
Ja, das stimmt. Für diese Sendung mache ich die Stadt-Wette in Graz zusammen mit Miriam Weichselbraun.


Laut Eurer Bandbiographie gründete sich die E.A.V. 1977.
Ja, stimmt...


Das würde bedeuten, Ihr seid im Jubiläumsjahr. Habt Ihr das unter den Tisch fallen lassen - wird das gar nicht gefeiert?
Naja, 1977 haben sich die ersten Musiker zusammen gefunden, die eigentliche Premiere war 1978. Ich kam erst 1981 dazu. Aber wir haben vor zwei Jahren erst das "100-jährige" gefeiert, damit haben wir jetzt sämtliche Jubiläen abgedeckt (lacht).


Seit Mitte Oktober gibt es nun auch endlich ein neues EAV-Album in den Läden zu kaufen...
Ja, Gott sei Dank!


Bitte erzähl uns etwas über "Amore XL".
Tja... da wo "E.A.V." drauf steht, ist natürlich auch "E.A.V." drin. Etwas anders ist bei dieser CD, dass auch etwas ernsthaftere Themen und Texte drauf sind. Aber dazwischen kommen auch Witz und Bosheit nicht zu kurz. Nach den ersten Rückmeldungen aus Österreich und dem Süden von Deutschland kommt das bei den Leuten sehr gut an. Wir sind mit dem Album seit heute die Nr. 1 in Österreich, und in den deutschen Album-Charts um Platz 40 eingestiegen. Wir können bisher damit zufrieden sein.


Die Fans haben etwas länger auf neue Töne von Euch warten müssen. Was haben Du und Deine Kollegen in der Zwischenzeit gemacht?
Wir haben uns eine Zeitlang zurückgezogen, weil bei uns die Batterie leer war und wir auch die Schnauze ein bisschen voll hatten. Wir haben dann alle auch andere Sachen gemacht. Thomas Spitzer hat gemalt - er kommt ja ursprünglich von der Kunst-Akademie. Außerdem hat er auch für andere Leute geschrieben, sich mit Theater-, Musical- und Fernseh-Geschichten beschäftigt. Es wurden immer wieder Nachfragen an uns gerichtet, da hat er dann gesagt: "Komm, dann machen wir eben noch mal was.". Daraufhin haben wir das Jubiläums-Album "100 Jahre E.A.V." gemacht (das passender Weise auch den Untertitel "Ihr habt es so gewollt" trägt, Anm. d. Red.), für das wir einige Titel auch neu aufgenommen hatten. Dazu haben wir eine Tour gemacht, wo keiner genau wusste: "Braucht das irgendjemand?". Diese Tour war eigentlich auf 30 Konzerte beschränkt, aber letztendlich haben wir 160 Mal gespielt.
 


Beim Hören von "Amore XL" fällt auf, dass Ihr auch nach 30 Jahren E.A.V. immer noch überraschen könnt. Wie ist das Album entstanden?
Eigentlich wie jedes andere Album auch: Man hat Ideen, und man hat Demos vorliegen… Nach der Tournee "100 Jahre E.A.V.", bei der wir auch wieder sehr viel junges Publikum hatten, bekamen wir ganz tolle Resonanzen. Daraufhin haben wir gesagt: "Komm, dann machen wir gleich die nächste Platte.", und haben uns hingesetzt und geschaut, was wir für Ideen haben, diese dann ausgearbeitet, dabei sind wieder neue Ideen hinzugekommen, u.s.w… Wir haben die Platte dann relativ zügig aufgenommen. Innerhalb von zwei Monaten war sie fertig.


Du hast es schon angesprochen: Es ist auffallend, dass auf "Amore XL" mehrere Titel mit ernsthaften Texten zu hören sind...
Bei den Live-Shows haben wir über all die Jahre immer wieder solche Geschichten im Programm gehabt, wo es um politische und kirchliche Themen und auch um Globalisierung ging, oder auch um das Thema Rechtspopulismus, sprich Neonazis. Bei dem Lied "God Bless America" übten wir Kritik an der Bush-Familie. Auf Platte haben wir das aber nie wirklich raus gelassen. Bei der neuen CD sagten wir uns: "Jetzt sind wir alt genug, dass wir uns das auf einer Platte auch erlauben dürfen". Sonst haben wir es nur für unser Live-Publikum gemacht, jetzt auch für die Plattenkäufer. Die Resonanzen zeigen auch, dass die Leute das sehr gut aufnehmen.


Auf dem Album "Geld oder Leben" gab es mehrere Zwischenspiele mit "Johnny". Bei "Liebe, Tod und Teufel" begleiteten die "drei verliebten Pinguine" den Hörer bis zum Ende der Platte. Auf "Amore XL" sind die "Rinderschänder" dran. Was war der Anlass dafür und wie kommt man auf so eine Idee?
(lacht los) Das ist eine Gaudi, eine saublöde... Das ist ein Wortspiel. Wir haben im Studio immer wieder Sprüche geklopft. Am Ende haben wir gesagt: "Daraus machen wir eine Nummer". Allerdings wäre eine ganze Nummer aus dem Stoff zu viel und zu lang geworden, also sagten wir uns: "Das zerschnippeln wir und geben dem Rinderwahnsinn zwischen den Songs eine Chance".


Was erhofft Ihr Euch für das erste Album nach vier Jahren speziell in Deutschland?
Wir müssen jetzt mal sehen, dass wir damit möglichst viel Aufmerksamkeit und Airplay bekommen, damit die Leute in das neue Album auch möglichst viel reinhören können. "Amore XL" ist so bunt und so verschieden, dass man eigentlich auch verschiedene Nummern daraus spielen sollte, denn sonst bekommt man einen falschen Eindruck. Ich glaube aber, dass, wenn die Leute reinhören, sie ihre helle Freude daran haben werden.


Lass uns mal zu den Anfängen zurück reisen. Du bist 1981 zur E.A.V. gestoßen. Was hast Du vor Deiner Zeit dort gemacht?
Der Thomas hat mich damals von der Uni geholt. Ich kannte ihn schon etliche Jahre vor der E.A.V.. Ich habe Straßen-Theater und politisches Kabarett gemacht und war mit meiner Dissertation beschäftigt. Ich habe Psychologie/Soziologie studiert, und schrieb bereits an meiner Doktor-Arbeit. Ich war auf dem Weg zum diplomierten Psychologen und Soziologen. Thomas sagte damals zu mir: "Bitte spring kurz ein, bei uns ist einer ausgefallen.". Das war 1981, und ich habe meine Dissertation bis heute nicht beendet.


Welche Stimmung herrschte in der Band, als Du eingestiegen bist?
Trotz der Tatsache, dass kurz vorher ein Mitglied der Band durch Suizid aus dem Leben geschieden ist (Walter Hammerl, Anm. d. Red.), war die Band ganz gut drauf. Es war sehr tragisch, von daher war die Stimmung ein bisschen gedämpft. Außer dem Thomas kannte mich niemand von der damaligen Besetzung, so dass ich mich dort zuerst mal durch die Hackordnung beißen musste. Es hat sich dann relativ schnell die Akzeptanz eingestellt, weil ich im ersten Jahr auch ganz gut unterwegs war. Als Frontmann hast Du eine ziemliche Verantwortung, wobei wir damals noch einen anderen Sänger hatten: Gert Steinbäcker von S.T.S., der dann später auch große Erfolge mit "Fürstenfeld" gefeiert hat. Alles andere ist Geschichte. Es ging dann alles auch relativ rasch.


Die ersten drei Alben waren in Österreich sehr erfolgreich und wurden mit Gold ausgezeichnet. Erst mit "Geld oder Leben" gelang der internationale Durchbruch. Was glaubst Du, war an diesem sehr erfolgreichen Album anders als bei seinen Vorgängern?
Das war damals die Zeit, in der auch das erste Mal der böse und schräge Humor in der Pop-Musik vorkam. Mit Stilmitteln wie beim "Banküberfall", das war nämlich eine echt schräge Nummer, kam das in Deutschland ganz schnell an, auch zum großen Erstaunen der Plattenfirma. Dann kam der "Märchenprinz", "An der Copacabana" und auch "Küss die Hand, schöne Frau", die ebenfalls sehr erfolgreich wurden. Wir haben einfach zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Sachen gemacht.


Der Erfolg kam für alle Beteiligten also sehr überraschend?
Ja, schon! Aber eben weil man bereits seit Jahren Musik macht, durch Clubs getourt ist und Spaß an der Musik hat, ist das zwar toll und überraschend, aber man hebt nicht ab. Du empfindest das nicht als allzu extrem, weil Du ja von unten kommst, also eine gesunde Entwicklung durchgemacht hast. Das ist z.B. bei den Casting-Stars anders, die direkt oben einsteigen. Ich sag immer: Die mit dem Hubschrauber auf den Gipfel geflogen werden, und dann glauben, dass sie ohne die nötige Erfahrung da jetzt einfach wieder runter springen können.


Die "Geld oder Leben"-Tour führte Euch durch viele Städte in der BRD, aber auch durch die damalige DDR. Kannst Du Dich noch an diese Tour erinnern?
Ja, daran kann ich mich sehr gut erinnern. Damals in die DDR zu reisen war richtig spannend. Wir sind dahin gefahren und haben gedacht: "Wir lernen da jetzt das andere System, das große Konkurrenz-System zum Kapitalismus, kennen". Wir hatten ja unsere Kritik am Kapitalismus laut geäußert, und unser Programm war auch so ausgerichtet. Allerdings haben wir schnell gemerkt: "Da ist nicht viel Gold, und das glänzt auch nicht so!". Es war zu merken, dass dort sehr viel Restriktion geherrscht hat, Unfreiheit mitten in Europa. Wir konnten kaum glauben, dass die Umverteilung so funktioniert hat, dass die Leute wirklich glücklich waren. Für mich war es eine sehr große Enttäuschung, das andere System kennen zu lernen. Es wurden bei unseren Konzerten Meldungen gemacht, nach denen man uns von Agenturseite dann auch nahe gelegt hat, das Programm ein bisschen zu ändern und anders zu gestalten. Das haben wir natürlich nicht gemacht.


Ihr seid aber auch schon 1983 in der DDR gewesen, richtig?
Ja, das war eine kleine Tour. Man hatte uns damals eingeladen, weil man glaubte, wir seien nur eine Blödel-Combo. Schon drei Jahre später haben wir dann die nächste, wesentlich größere Tour durch die DDR gemacht. Das war zu der Zeit, als das mit Tschernobyl passierte. Da war dann schon die kritische Distanz da. Ganz schlimm empfand ich, dass man Tschernobyl in der DDR überhaupt nicht als Top-Nachricht behandelt hat. Das lief da irgendwo am Rande ab. Wir sind erst darauf gekommen, dass da etwas ganz schreckliches passiert sein muss, als wir wieder ausgereist sind und die Grenze überschritten haben. Alle PKWs und LKWs wurden dort dekonterminiert. Wir haben uns nur gefragt: "Was ist jetzt los?". Da haben wir erst begriffen, was da eigentlich passiert ist und dass da ein Super-GAU stattgefunden hat. Das wurde in der DDR nur als "kleiner Störfall" behandelt. Eine absolut menschenverachtende Politik, die da betrieben wurde...


Eure Texte waren ja schon immer bissig und nie ohne Kritik. Gab es damit mit den Behörden der DDR keine größeren Probleme?
Wie schon erwähnt, gab es den einen oder anderen Einspruch, speziell bei der zweiten Tour 1986. Wir haben gesagt: "Einspruch äußern dürfen sie schon, aber wir werden unser Programm deswegen nicht ändern.". Das hat dann irgendwann dazu geführt, dass bei den Konzerten die "Blauhemden" sehr massiv vertreten waren, die man offensichtlich für Kritik von außen für immun gehalten hat. Wir haben z.B. auch erst an die "nationale Paranoia" geglaubt, wo jeder dachte, dass er von jedem bespitzelt wird, bis wir selbst darauf gekommen sind, dass es tatsächlich ein unglaubliches System gab. Wir wurden immer von den gleichen Leuten abgeschirmt, es wurde genau geschaut, was wir machen, mit wem wir reden und wo wir hingehen. Das waren wir überhaupt nicht gewöhnt. Uns war damals klar, dass irgendwas in einem Staat nicht stimmen kann, wenn man so auf die eigenen Leute aufpassen muss.


Mit der Single "Es steht ein Haus in Ostberlin" habt Ihr in der Wendezeit sogar mal das Thema "DDR" und "Republikflucht" aufgegriffen. Hatte das damals spezielle Gründe?
(lacht) Das ist eigentlich eine schwer unterschätzte Nummer! Das war damals von uns eine Einschätzung, später hat sich heraus gestellt, dass das auch richtig war, dass die "Brüder" und "Schwestern" aus dem Osten im Endeffekt gar nicht so wirklich so willkommen waren. Wir haben seinerzeit Schelte bezogen, weil es geheißen hat: "Bei der ganzen positiven Aufbruchstimmung gebt Ihr eine böse Meldung ab!". Wir haben darauf nur entgegnet: "Das ist die Realität!". In den weiteren Jahren hat sich dann ja gezeigt, dass die Stimmen aufgekommen sind, die gesagt haben: "Naja, vielleicht hätten wir mit der Wiedervereinigung mal doch lieber noch warten sollen.".


Mit der 1987 veröffentlichten Single "Burli" (beschäftigt sich thematisch mit den möglichen Folgen eines atomaren Super-GAUs, Anm. d. Red.) habt Ihr Euch auch nicht nur Freunde gemacht, richtig?
Das hat dazu geführt, dass wir mit unserer Kritik an der Atom-Lobby auf der schwarzen Liste des Bayrischen Rundfunks gelandet sind. Die CDU/CSU-Netzwerke waren verbandelt mit der Atom-Lobby, und das war das Resultat. Das war auch wirklich das erste Mal, dass wir geindext wurden. Das wollte man rechtfertigen mit "Verunglimpfung von Behinderten", und dagegen haben wir geklagt. Dann wollten sie Beweise antreten, und haben Behinderten-Verbände angeschrieben. Daraufhin haben wir gesagt: "Was hat das mit uns zu tun? Hier geht es gegen Atomkraft!". Am Ende haben sie diesen Prozess auch verloren. Das hat aber alles nichts daran geändert, dass die Nummer angeeckt ist. Doch "Burli" ist bis heute ein absoluter Hit bei Live-Konzerten (...und nicht nur da, Anm. d. Red.).


Gab's das öfter, dass Ihr mit Songs so dermaßen angeeckt seid, dass diese dann nicht gespielt wurden?
Naja, Songs direkt nicht. Aber es hat immer wieder mal Sachen gegeben, die Anlass zur Klage oder zumindest zur rechtlichen Drohung gegeben haben. Zum Beispiel unsere Stellungnahme auf der Bühne zu unserem Präsidenten Kurt Waldheim, der als ehemaliger UN-Präsident geglaubt hat, er stünde jenseits jeglicher Kritik, und damit aufgeflogen ist, dass er doch eine Nazi-Vergangenheit hatte, und sich dann zu der Äußerung verstiegen hat, er selber sei gar kein Mitglied der Waffen-SS gewesen, sondern nur sein Pferd. Das hat natürlich allgemeines Gelächter ausgelöst. Er war ein Mann ohne Rückgrat… ich hab einmal gesagt: "Er war noch nicht mal ein aufrechter Rechter.". Er wurde dann international so angefeindet, dass er als Präsident von Österreich hat zurücktreten müssen.


Dazu ist ja dann auch die andere Version von "Burli", nämlich "Kurti" als B-Seite entstanden...
Ja, genau! Es gab dann auch Versuche, das zu unterbinden, und wir wurden in Österreich teilweise angefeindet. Unser Publikum hat das aber für richtig befunden, und bei uns stand damals auch der André Heller auf der Bühne, der das sehr richtig beurteilt hat. Später hatten wir ein paar Kontroversen mit dem Herrn Jörg Haider (Rechtspopulist der BZÖ in Österreich, Anm. d. Red.), der bei uns ja ziemlich rasant aufgestiegen und eine drohende Gefahr aus dem rechten Eck war. Er war der Wolf im Schafspelz, der mit seinem Populismus die Leute eingelullt hat. Da hat es auch zwei Klagen gegeben: Die erste hat er verloren. Die zweite habe ich verloren, weil ich ihn in einem Interview als "braunen Arsch" bezeichnet habe. Die Bezeichnung "Arsch" hat mich Geld gekostet, "braun" wurde aber nicht beanstandet (lacht). Ich hatte damals bei dem Telefon-Interview darum gebeten, das nicht abzudrucken, aber es wurde doch gedruckt.


Eure Live-Konzerte sind seit eh und je wahre Rock- und Pop-Opern mit großer Bühnenshow, Kulissen und einem Feuerwerk an Programm. Wer ist für die Darstellung auf der Bühne bei Euch verantwortlich? Wie entsteht eine solche Show?
Zuerst schreiben wir ein Programm, und dann schauen wir, was man machen kann und wie man es umsetzt. Früher waren unsere Shows noch viel aufwändiger, da sind wir mit fünf Trucks durchs Land gefahren. Das war finanziell ein großes Risiko, weil wir fast mit einer kleinen Theater-Produktion, was Kulisse und Vorhangs-Arie betrifft, gereist sind. Inzwischen haben wir das auf einen Truck reduziert, damit das finanzierbar ist. Aber die Leute bekommen nach wie vor eine bunte Show geboten, das stimmt.


Wird es auch zu "Amore XL" wieder eine spezielle Bühnenshow geben? Wo kann man Euch mit dem Programm live sehen?
Ja, wird es. Die Tour beginnt im Februar 2008, und wir sind zwischen Februar und Mai überall in Deutschland und Österreich zu sehen (Tourtermine werden auch bei uns noch veröffentlicht, Anm. d. Red.).


Wenn Du auf Deine Zeit bei der E.A.V. zurückblickst: Was waren bisher für Dich die schönsten Erlebnisse, was die weniger schönen?
Das kann ich so auf die Schnelle gar nicht sagen… Das Spannendste ist immer, eine neue Platte zu machen und eine neue Show zu kreieren, und die dann vor Publikum auszuprobieren. Wenn das durch ist, sind das herrliche Momente. Wenn dann allerdings die Routine einfährt nach dem 100. Konzert, gibt es dann und wann auch schon mal einen Durchhänger. Die weniger schönen Momente sind die, wo wir merken, dass die E.A.V. immer als Blödel-Combo abgestempelt wird. Das wird uns eigentlich nicht gerecht. Auch wenn man immer die Singles ausgekoppelt hat, die dann die lustigsten waren. Die teilweise sogar missverstanden wurden! "Küss die Hand, schöne Frau", z.B. war als bitterböser Titel gedacht und zu den ersten Gratulanten zählte eine Berliner Frauen-Emanzipations-Gruppe. Das ist dann später einfach zum Gassenhauer verkommen. Das ist halt so, denn "Männer" von Herbert Grönemeyer wurde am Ende auch von den schlimmsten Machos mitgegröhlt, weil viele Leute nicht verstehen, was wirklich gemeint ist.


Man liest zu wenig zwischen den Zeilen, meinst Du?
Ja, wenn sie überhaupt lesen können.


Was hört Klaus Eberhartinger privat für Musik? Was war die letzte CD, die Du Dir gekauft hast?
Die letzte CD, die ich mir gekauft habe, war "Fornika" von den Fantastischen Vier. Sonst höre ich mir immer irgendwelche MP3 an, die sich mein Sohn runterlädt. Ich hör eigentlich alles Mögliche. Oft höre ich Musik fast nur während der Autofahrt, und da pendle ich zwischen Klassik und Hip Hop.


Klaus, trotz Deines Promotion-Stresses hast Du Dir die Zeit für uns genommen. Dafür unseren herzlichen Dank.
Ja, gern geschehen!


Möchtest Du unseren Lesern abschließend noch etwas sagen?
Wenn die E.A.V. zu Euch in die Nähe kommt, dann müsst Ihr Euch die unbedingt anschauen, denn es wäre eine große Chance vertan in Eurem Leben, wenn Ihr das nicht tun würdet. Es ist eine Gelegenheit, Euer Leben farbig zu gestalten, es ist lustig und natürlich auch unterhaltsam. Außerdem kann ich jedem nur raten, auch als Wertanlage, die neue CD zu kaufen (lacht).


Interview: Christian Reder

 



   
   
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