Was macht eigentlich... Konrad "Conny" Burkert

 

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Als wir vor knapp 8 Jahren auf der Karat "Fanpage" www.jede-stunde.de dazu übergegangen sind, die ehemaligen Musiker zu Wort kommen zu lassen und mit ihnen Interviews gemacht haben, begann eine lange und bis vor kurzem erfolglose Suche nach einem der Musiker, die zur Gründungsbesetzung gehörten: Konrad "Conny" Burkert. Von den Karat-Musikern wusste keiner, wo er heute steckt, was er heute macht oder wo man anfangen sollte zu suchen. Konrad Burkert hat in vielen bekannten Bands getrommelt. Neben Karat war er in seinen Anfangsjahren beim Dresden Sextett und -Septett, später u.a. bei LIFT und der Schubert Band. Ab Anfang der 80er verlor sich seine Spur, obwohl er - wie Ihr gleich selbst lesen könnt - nach wie vor im professionellen Bereich musikalisch aktiv war. Burkert zählt zu den Protagonisten einer heute noch beliebten Kulturszene, von denen aber längst nicht mehr alle aktiv sind. Was macht er heute? Spielt er noch in einer Band? Wo wohnt er und was hat er über seine Zeit als Musiker in der DDR zu erzählen? Das alles haben wir den Schlagzeuger gefragt und darüber hinaus noch vieles andere mehr...

 

Hallo Conny, was machst Du zur Zeit?
Ich bin inzwischen schon Rentner und wohne tief im Pfälzer Wald, in Neuleiningen. Hier gibt es kaum noch eine Möglichkeit zu musizieren.

Musikalisch aktiv bist Du im Moment also gar nicht?
Gar nicht, nein.

Was war denn das letzte, das Du gemacht hast?
Das war mein Mitwirken an einer Jazzband in Heidelberg. Die hat sich leider aufgelöst. Ich habe da mit jungen Burschen zusammen gespielt, die alle noch studiert haben. Als sie ihr Studium beendet hatten, sind sie alle fortgegangen. Sie mussten dahin ziehen, wo sie Arbeit fanden, und deshalb gibt es diese Band nicht mehr.

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Du sprichst von jungen Burschen und Studium. Wie hat das denn bei Dir angefangen?
Dass ich mich sehr für Musik interessiere, habe ich schon früh festgestellt. Ich habe mich, als ich 16 Jahre alt war, mit Dieter Kopf, einem in der DDR sehr bekannten Gitarristen, zusammengetan, und wir haben als Autodidakten zusammen musiziert. Dieter und ich wohnten in einem Ort, nämlich in Heidenau.

Welche Art Musik habt Ihr damals gespielt?
Beat-Musik haben wir gemacht.

Wer waren Eure Vorbilder?
Naja, es drehte sich damals eigentlich alles immer nur um die Beatles. Um die Rolling Stones weniger, aber die Spencer Davis Group fanden wir auch dufte. Man interessierte sich eigentlich für fast alle Gruppen, die aktuell waren.

Wie ging es dann weiter?
Dieter Kopf ging an die Musikhochschule. Ich sollte von meinen Eltern aus ein ernstes Studium betreiben, und deshalb bin ich nach Rosswein zum "Stahl- und Brückenbau" gekommen. Die Schule nannte sich damals "Walter Ulbricht". Dort hatte ich nur Sehnsucht nach Zuhause, weil ich der Musik damals schon ein bisschen verschrieben war. Dieter sprach mich irgendwann an und sagte: "Du, in Dresden an der Musikhochschule werden jetzt auch Klassen für die Trommelei in der Jazzkunst aufgemacht." Daraufhin habe ich mich dort bei Siegfried Ludwig, der war damals der Hauptfach-Lehrer, beworben. Das hat geklappt und ich wurde angenommen. Ich bin daraufhin unmittelbar von der Fachschule Rosswein an die Musikhochschule "Carl Maria von Weber" nach Dresden gegangen.

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Und was haben die Eltern dazu gesagt?
Die haben das anfänglich gar nicht gewusst. Aber hinterher waren sie auch nicht sauer, weil das, was ich stattdessen gemacht habe, auch ein Studium war (lacht).

Von welchem Jahr sprechen wir jetzt? Wann fing das an?
Im Jahre 1965 fing ich mit 19 Jahren mein Musikstudium an.

Während dieses Studiums hast Du zusammen mit anderen Absolventen der Hochschule das Dresden Sextett gegründet. Wie kam es dazu?
Wir hatten die ganze Zeit schon Lust, eine eigene Band zu gründen. Zusammen mit Dieter Kopf an der Gitarre, Helmut Forsthoff als Saxophonist, Konrad Bauer als Posaunist und Gitarrist haben wir eine Hochschulband gegründet, die sich zunächst "Dieter Kopf-Band" nannte. Aus dieser Hochschulband entwickelte sich später das Dresden Sextett, damals noch ohne Dina Straat. Der spätere Chef des Dresden Sextetts, Gerhard Zachar, war gar nicht an der Musikhochschule in Dresden. Gerhard ist später dazu gestoßen, er kam von der Musikhochschule in Halle und spielte damals bei der Band Axel Lorenz.

Und wer zählte zur Gründungsbesetzung des Dresden Sextetts?
Das waren Axel Thieme als Gitarrist, Hans Gerhard von Schrödter als Bassist, Rudolf Ulbricht und Wolfgang Otto als Saxophonisten und ich als Schlagzeuger. Das war die direkte Gründungsbesetzung. Eine erneute Umbesetzung ergab sich dann aus dem Bestreben, eine reine Profiband zu werden. Musikalischer Chef war Gerhard Zachar! Außerdem spielten Rudolf Ulbricht (sax), Till Patzer (sax), Jürgen Heinrich (g), Jörg Dobbersch (bg) und ich am Schlagzeug mit.

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Wie ging's dann weiter?
Unser Ziel war eine unverkennbare Musikrichtung zu kreieren; dabei war Gerhard Zachar ganz wichtig. Er hatte eine sehr gute Ausbildung, ein sehr gutes Gehör und viele Ideen. Außerdem schrieb er damals bereits Lieder für Dina Straat, die wollten wir natürlich einspielen. Dadurch, dass wir durch Gerhard so viele eigene Titel hatten, haben wir beim Funkhaus in Dresden später auch sehr viele Lieder produzieren können. Wichtig wäre noch zu erwähnen, dass wir als Dresden Sextett zwischendurch ein Auftrittsverbot hatten, weil wir die sogenannten VE-Titel (Lieder der Kategorie "Verbotene Einfuhr") gespielt hatten. Dafür bekamen wir ein Bandverbot. Das hieß aber nicht, dass wir nicht, wenn wir uns einen anderen Namen geben würden, weiterspielen durften. Daraufhin nannten wir uns "Quintett Dresden". Das war aber nur für eine kurze Zeit, denn das Verbot wurde schnell wieder aufgehoben. In dieser Zeit gab es auch einige personelle Veränderungen in der Band.

Du hast die Rundfunkprodukionen gerade schon angesprochen: Wie kam es dazu?
Das kam durch die guten Beziehungen von Gerhard Zachar in Zusammenarbeit mit dem Texter Joachim Krause. Die Funkhäuser - auch in Dresden - brauchten frischen Wind, und da hat man sich geeinigt, dass wenn wir neue Lieder oder Instrumentalstücke einstudiert hatten, wir sie dort aufnehmen konnten.

Ein weiteres Verbot gab es für das Dresden Sextett dann 1971. Da heißt es, Ihr hättet gegen die 60:40-Regelung verstoßen...
Ja, das stimmt. Wir hatten noch ein Verbot. Wir spielten damals in der Verkehrshochschule in Dresden auf einer große Faschingsveranstaltung. Es waren auch Bands aus anderen Bezirken da, und jede Band wollte da natürlich unheimlich auftrumpfen, eine Menge bieten und den größten Erfolg haben. Darum haben wir da volle Pulle gespielt. Das bekamen die falschen Leute mit, und darum kam nochmals ein Verbot ins Haus geflattert.


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Das hatte zur Folge, dass Jörg Dobbersch die Band verlassen hat...
Ja, genau! In dieser Zeit konnten wir erst einmal nicht auftreten. Jörg Dobbersch verließ die Band, dafür kam Franz Bartzsch als Bassist und als Solist kam noch Bernd Schlund aus Leipzig.
Im Grunde genommen sang Dina damals schon andere Dinge. Ich will nicht sagen, dass sie direkt Schlager sang, aber dass sie schon mehr liedhafte chansonartige Titel in ihrem Repertoire hatte. Nach dem Verbot trat Dina auch noch einige Zeit mit uns auf. Wir hatten mit den Bläsern viele Möglichkeiten. Genau in diese Zeit kam dann auch Christiane Ufholz. Unsere Vorbilder waren Bands wie Blood Sweat & Tears und Chicago. Diese Musik wollten wir auch spielen und brauchten dafür Bläser. So wurde die Band immer größer und so wurde aus dem Dresden Sextett das Dresden Septett. Nochmals umbenannt, obwohl wir später noch mehr Leute in der Band waren, haben wir uns nicht. Der Stamm vom Dresden Sextett war aber sehr lange zusammen.

Kurze Zeit später, das war 1973, wurde aus dem Dresden Septett die Gruppe LIFT...
Ja, das stimmt. Das war die Zeit, in dem es ein ständiges Hin und Her gab. Christiane Ufholz, Gerhard Zachar, Wolfgang Scheffler, Jürgen Heinrich, Till Patzer, Manfred Nytsch, Karl-Matthias Pflugbeil, Bernd Schlund und ich gehörten zur Gründungsbesetzung. Unser erstes Konzert haben wir am 28. Januar 1973 gespielt. Aber es gab immer wieder personelle Änderungen. Das ging bis 1974, dann wurde die Band wieder verkleinert und wir spielten ohne Bläser.

Was war denn die Idee dahinter, den Namen Dresden Septett abzulegen und die Gruppe LIFT zu gründen?
Mit den neuen Solisten Christiane Ufholz und Stefan Trepte verfolgten wir musikalisch wieder ganz andere Ziele. Da passte "Dresden Septett" nicht mehr: Es entstand "LIFT".

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Wie lange warst Du dann noch bei LIFT?
Ich war bis 1974 dabei.

Und warum bist Du dann ausgestiegen?
Mich zog es damals schon immer ein bisschen nach Berlin. Ich nahm Verbindung zu verschiedenen Bands auf und spielte u.a. auch einige Zeit bei der Gruppe "Toast", bis dann im Herbst '74 Henning Protzmann, mit dem ich zusammen an der Musikhochschule war, auf mich zu kam und mich fragte, ob wir zusammen nicht eine eigene Band gründen wollten. Er spielte zu der Zeit noch bei Panta Rhei, aber das lief nicht mehr so gut. Seine neue Band sollte in eine ganz andere Richtung gehen. Ich habe mich dann darum gekümmert, dass wir im Winter '74 in der Liethenmühle im Elbsandsteingebirge wohnen und proben konnten. Ich kannte da ein paar Leute und konnte das so regeln. Dort haben wir das erste Programm für Karat zusammengestellt.

Kannst Du Dich noch daran erinnern, wo genau das erste Konzert mit KARAT stattgefunden hat?
Ja, das weiß ich sogar noch ganz genau. Das was immer in den Zeitungen stand, von wegen Pirna, stimmt nämlich nicht. Das erste Karat-Konzert fand am 21. Februar 1975 im Kulturhaus "Otto Buchwitz" in meiner Heimatstadt Heidenau statt.

Das konnte uns vorher keiner richtig sagen, wo das genau war. Du bist der erste, der diese Frage beantworten konnte...
Ich weiß das noch gut. Ich bin aber nicht der einzige, der das noch weiß. Ich habe mir mal einen Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten. In dem Bericht hat derjenige vom FDJ-Jugendklub in Heidenau, mit dem ich damals den Vertrag geschlossen habe, gesagt, dass das mit Pirna, was immer als Ort des ersten Konzertes angegeben wird, nicht stimmt.

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Dass das keiner mehr wisse, war sicher übertrieben, aber von den Musikern bist Du der erste, der das konkret sagen konnte. Kannst Du Dich denn auch noch daran erinnern, wie das erste Konzert abgelaufen ist?
Ja, auch daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Die Leute waren natürlich neugierig. Einige von den Jugendlichen, die an dem Abend zum Konzert kamen, kannten mich auch und haben gesagt: "Da kommt der Conny Burkert, der hat jetzt eine eigene Band", was ja so gar nicht stimmte, weil wir Musiker das alles gemeinschaftlich gemacht haben. Anfangs haben wir auch die Organisation zusammen gemacht, wobei Henning schon damals den größten Teil übernommen und sich auch um die Anlage gekümmert hatte. Jedenfalls war unser erstes Konzert ein toller Auftritt. Die Jugendlichen im Saal haben getobt. Dabei waren wir Musiker so 100%ig nicht von uns überzeugt und wir hatten vor der ersten Mugge auch richtig dolles Herzklopfen. Als am Ende das Publikum so begeistert war, konnte man von einem gelungenen Auftritt sprechen.

Was habt Ihr denn damals gespielt? So viele eigene Titel dürftet Ihr in der kurzen Zeit doch noch gar nicht im Programm gehabt haben, oder?
Die eine Hälfte des Konzerts haben wir Stücke nachgespielt, und für die zweite Hälfte haben wir tatsächlich schon eigene Stücke gehabt. Uli Pexa gehörte auch zur damaligen Besetzung, und er hatte bis dahin schon einige Titel für die Band geschrieben. Eines der Lieder war z.B. "Leute welch' ein Tag", das Hans-Joachim "Neumi" Neumann gesungen hatte. Wir hatten 1975 ja zwei Solisten in der Band, nämlich Neumi und Herbert Dreilich. Mit Herbert als Sänger haben wir in der ersten "Halbzeit" die nachgespielten Titel gemacht, viele soulige Sachen. Herbert hatte ja dieses ganz besondere Blues-Feeling in der Stimme. Neumi war mit seiner kräftigen, höheren Stimme der Gegenpol zu Herbert, und mit ihm als Sänger haben wir die Rockstücke gespielt. Aber auch mit ihm haben wir ein paar Sachen nachgespielt, z.B. Songs von der "Stormbringer"-LP der Gruppe Deep Purple, genauso wie auch Herbert eigene Titel gesungen hat.

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Karat war bis 1976 eine Station von Dir. Dann verließen Pexa und Du die Band wieder. Pexa erzählte uns, dass er einen Ausreiseantrag stellte und deshalb ging. Warum bist Du ausgestiegen?
Ich hatte einen Einberufungsbefehl zum Reservedienst von der Nationalen Volksarmee bekommen. Das habe ich den Kollegen bei Karat auch gesagt. Daraufhin bin ich nach Pirna zum Kreis-Armeeamt gefahren, um mit denen zu sprechen, wie das von der Zeit her ablaufen könnte. Kurz vorher war von der Gruppe Karat ein großes Bild in einer Fernsehzeitung, und der dortige Major hat mich dadurch wiedererkannt. Er sagte: "Ich habe sie in der Zeitung gesehen, da sind sie ja voll mit eingebunden. Es wäre vielleicht nicht gut, wenn man diese neugebildete Band jetzt auseinander reißt. Ihre Einberufung werden wir deshalb erstmal verschieben." Das haben die dann tatsächlich verschoben, aber als ich zu Karat zurück kam, hatte Henning inzwischen eine Tournee für Karat an die Trasse in der Sowjetunion ausgemacht. Mit dieser Ungewissheit, ob und wann ich den Militärdienst antreten musste, hätte das aber nicht funktioniert. Zeitgleich löste sich die Horst Krüger Band auf und für Ulrich Pexa kam Bernd Römer zu Karat. Da das mit meinem Militärdienst noch im Raume stand, kam mit Bernd Römer auch Michael Schwandt als neuer Schlagzeuger dazu. Wir sind dann teilweise noch für ein paar Konzerte mit zwei Schlagzeugern aufgetreten und haben uns auch sehr gut verstanden. Aber das machte auf Dauer keinen Sinn. Ich hatte noch keinen genauen Bescheid, in wie weit die meinen Militärdienst verschieben und wann ich ihn letztlich hätte antreten müssen. Die Band hatte aber die Verpflichtung mit der Reise an die Trasse. Also bin ich dann ausgestiegen.

Bevor Du die Band verlassen hast, gab es aber noch Rundfunkproduktionen und sogar eine Single-Veröffentlichung. Wie kam es dazu?
Das hat Henning Protzmann alles geregelt. Auch unser Texter, Burkhard Lasch, hat sich sehr für uns beim Rundfunk und bei AMIGA eingesetzt.

Wie ging es nach Karat für Dich weiter?
Erstmal folgte eine kleine Durststrecke, denn ich wusste nicht, was mit der Einberufung noch würde. Ich habe dann bei einigen Bands kurzzeitig mal ausgeholfen. Etwas später bin ich dann von Sieghart Schubert angesprochen worden, ob ich nicht bei der Schubert Band einsteigen wolle. Das habe ich gemacht. Für mich ging das Pendeln wieder los. Die Musiker der Schubert Band wohnten alle in Halle und ich war der einzige, der von außerhalb kam. In dem Haus, in dem Schubi und Katrin wohnten, war unten im Keller ein großer Proberaum, dort haben wir immer geprobt. Rein musikalisch war das mit der Schubert Band eine sehr tolle Sache, die mir sehr gut gefallen hat.

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Wie lange bist Du bei der Schubert Band geblieben?
Ich habe bis 1979 dort gespielt. Das war eine tolle Zeit, wir hatten sehr viel Spaß. Wir waren auch viel unterwegs und haben Konzerte gespielt. Damals war auch noch der Sänger Christian Schmidt dabei. Er kam damals aus Berlin. Auf meiner Fahrt von Dresden nach Halle zu den Bandproben bin ich immer am Bahnhof in Halle vorbei gefahren und hab Christian mitgenommen. Wir hatten eine sehr gute persönliche Verbindung und mit ihm war es immer sehr lustig. In dieser Band war eine wesentlich bessere Stimmung als bei Karat. Bei Karat war es so, dass dort wegen der beiden Sänger, die sich nicht sehr mochten, immer eine gespannte Stimmung herrschte.

Also gab es Konkurrenzkampf innerhalb der Band?
Ja, das kann man so sagen. Das war es wirklich. Ich glaube auch, dass Neumi deshalb von Karat wegging und später mit "Neumis Rock Circus" seine eigene Band gründete. Die Sache bei Karat stand immer unter Strom. Das hätte auf Dauer auch nicht funktioniert.

Nach Deiner Zeit bei der Schubert Band gibt's bei uns eine große Lücke. Was hast Du danach gemacht?
Wir haben 1980 das Dresden Septett neu gegründet. Wir haben nach der Entscheidung, eine Band zu gründen, lange überlegt wie wir uns nennen sollen. Wir haben uns dann gefragt, warum wir uns nicht wieder "Dresden Septett" nennen sollten, zumal in der Band viele Leute von damals wieder mitspielten. Zur Besetzung nach der Neugründung gehörten z.B. die beiden Gitarristen Gerd "Goofy" Ullrich und Dietmar Specht. Außerdem gehörten Siegfried Burkhardt am Bass, Frank Brandel und Rudolf Ulbricht an den Saxophonen, Freddie Hanspach am Piano, Charlie Böhme an der Trompete und ich am Schlagzeug dazu.

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Welche Idee steckte denn dahinter, eine Band, die praktisch 7 Jahre nicht mehr aktiv war und eigentlich in eine ganz neue Gruppe, nämlich LIFT, umgewandelt wurde, wieder an den Start zu bringen?
Die Idee war, dass alle Musiker irgendwo verstreut waren und arbeiteten. Wir wollten einfach wieder eine Band mit Stammsitz in Dresden haben, um auch dort zu spielen. Wir haben uns dann der KGD verschrieben ("Konzert- und Gastspieldirektion", die Künstleragentur der DDR, Anm. d. Verf.), weil es so am schnellsten ging, wieder Muggen zu bekommen. Wir haben mit der KGD einen Vertrag abgeschlossen, der uns eine bestimmte Anzahl Veranstaltungen garantierte. Das war für uns der günstigste Weg, einen Neuanfang zu starten, auch von der finanziellen Seite her. Da kam dann oft das Angebot, dass man 10 Veranstaltungen spielen konnte, und sich dafür aber 14 Tage bereit halten musste. Später hätten wir das nicht mehr gebraucht. Da war es dann umgekehrt. Wir haben feste Unterhaltungsprogramme gespielt, die ziemlich gefragt waren und in der ganzen DDR aufgeführt wurden. Wir hatten dadurch mitunter viel mehr Muggen, als die von der KGD garantierten Veranstaltungen.

Das Dresden Septett nach dem Neubeginn war aber wieder eine Profi-Band, oder?
Ja, das war eine professionelle Band.

Was habt Ihr überhaupt gespielt? Wurden auch die alten Stücke vom Dresden Sextett und -Septett wieder gespielt oder musstet Ihr ausschließlich Fremdtitel spielen?
Wir haben im Grunde genommen nur Programmbegleitung gemacht. D.h., wir bekamen immer irgendwelche Künstler vermittelt, das hat meistens die KGD gemacht, mit denen haben wir vorher noch kurze Proben vereinbart und dann stand das Programm. Z.B. brachten die Gaukler, die noch mit dabei waren, ihre Noten mit und schoben sie uns Musikern dann durch den Vorhang. Über die haben wir uns immer geärgert, denn die kamen immer auf den letzten Drücker, weil sie vorher noch auf anderen Veranstaltungen aufgetreten sind. Die wollten soviel wie möglich muggen und wir mussten die Sache dann ausbaden. Ohne irgendwelche Vorlaufzeit und Proben mussten wir dann deren Sachen mitspielen. Das war natürlich unschön. Ansonsten waren das aber immer irgendwelche Solisten, z.B. aus dem Schlagerbereich der Siegfried Uhlenbrock. Für uns war es eigentlich ein ganzer Schritt runter, aber es ging darum, dass wir Musiker uns der Musik verschrieben hatten und zusammen weiterspielen wollten, und nicht jeder für sich an einer anderen Stelle. Das konnten wir so machen, auch wenn es Einschnitte zur Folge hatte.

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Wie lange ging das mit dem Dresden Septett?
Bis 1989 war die Band aktiv. Ich war aber nicht bis zum Schluss dabei. Ich hatte drei Jahre vorher, also 1986, einen Ausreiseantrag gestellt und durfte danach nicht mehr auf die Bühne. Auftreten durfte ich also nicht mehr, habe dann aber noch bei der Konzert- und Gastspieldirektion in Dresden im Außendienst gearbeitet. Die wussten dort aber nichts von meinem Ausreiseantrag. Als das dann irgendwann der Direktor erfuhr, war auch diese Tätigkeit beendet.

Wie sah denn die Außendiensttätigkeit aus?
Ich bin in die Außenbezirke von Dresden gefahren und habe dort Programme verkauft, die ich vorher selbst zusammengestellt habe. Ich hatte ja Erfahrung auf dem Gebiet.

...und was wurde aus dem Dresden Septett?
Die haben noch bis zur Wende weitergespielt. So wie ich dann gehört habe, hatte das mit dem Ende der DDR unheimlich mit den Muggen nachgelassen, so dass keiner der Musiker mehr davon leben konnte. Die Musiker mussten sich dann um andere Arbeit bemühen.

Du bist dann in den Westen gegangen?
Ja!

Wohin hat es Dich dort verschlagen?
Mich hatte es zunächst in den Schwarzwald verschlagen. Dort hat man erstmal alle möglichen Arbeiten unter Wert annehmen müssen. Später bin ich vom Schwarzwald nach Mannheim gezogen, genauer gesagt nach Schwetzingen. Da habe ich leider den Franz Bartzsch verfehlt. Als wir uns ein paar Jahre später mal sprachen sagte er: "Mann, da war ich am Sender. Wenn man das gewusst hätte..." Ich habe dort aber einen anderen Job angenommen, und zwar in der Berufsakademie in Mannheim. Ich habe Lehrgänge mitgemacht und mich auf Technik umschulen lassen. Das waren so Unterrichtsvorbereitungen für Professoren im großen Hörsaal. Zugute kam mir, dass ich durch die Musik schon vorher ein bisschen mit der Technik zu tun hatte. Das habe ich dann bis zu meiner Rente gemacht. Ich hatte also mit der Musik fast gar nichts mehr zu tun, außer dass ich in der vorhin erwähnten Heidelberger Jazzband gespielt habe. Außerdem habe ich eine wirklich sehr kurze Zeit bei einer Band in Stuttgart gespielt, das waren alles Amateurmusiker aus Dresden, die auch übergesiedelt waren und gemuggt haben, da habe ich eine Weile mitgemacht. Das war aber eine unbedeutende Sache.

septett3 20121223 1414226811Nun war es ja so, dass, wenn man einen Ausreiseantrag stellte und das Land verlassen durfte, man nicht so sonderlich viel mitnehmen konnte. So ein Schlagzeug konnte man sicher nicht mitnehmen, oder?
Du hattest zu DDR-Zeiten ein eigenes Schlagzeug?
Ja!

Nun war es ja so, dass, wenn man einen Ausreiseantrag stellte und das Land verlassen durfte, man nicht so sonderlich viel mitnehmen konnte. So ein Schlagzeug konnte man sicher nicht mitnehmen, oder?
Über die Angelegenheit kann ich ein Buch schreiben (lacht). Bevor man aus der DDR ausreisen konnte, musste man eine Liste mit den Sachen anfertigen, die einem gehörten. Man musste da jeden Löffel angeben. Ich hatte in der DDR ein sehr gutes Schlagzeug. und musste nach meinem Ausreiseantrag deswegen nach Kamenz fahren - und jetzt kommt der Gag - zu einem Pianisten, der mein Schlagzeug finanziell taxieren sollte. Er sollte also sagen, was das Schlagzeug wert ist. Das war ein Witz. Ich kam jedenfalls dahin und er sagte: "Sie haben doch bei der und der Band mitgespielt. Das ist doch ein völliger Schwachsinn, Sie wissen doch viel besser, was das Instrument wert ist." Wir haben den Wert dann bewusst ganz niedrig angesetzt, obwohl es ein hochwertiges Tama-Schlagzeug war. Ich hatte damals das Glück, dass meine Tante, die in Frankfurt in der BRD wohnte, mir immer wieder Teile dieses Schlagzeugs hat zukommen lassen. Manchmal sogar mit der Post. Ich hatte z.B. eine Snaredrum, so eine kleine Trommel von der Firma Sonor, die hat sie mir mit der Post geschickt. Ein Supergerät und es ist ohne Probleme durch den Zoll gekommen. So hatte ich also ein wirklich tolles Schlagzeug auf der Bühne. Dieses Schlagzeug haben der Pianist und ich dann mit 1200 Ostmark bewertet, also viel zu niedrig. Er hat auf die Bewertung seinen Stempel gesetzt, ich habe es beim Amt vorgelegt und damit waren die einverstanden. Das war für die ok, egal welcher Preis da drauf stand, Hauptsache es hatte ein sachkundiger Mensch vorher begutachtet.

Und was ist aus dem Schlagzeug geworden?
Das habe ich hier. Ich habe es gut verpackt und bei einem Freund in der Garage vor meiner Ausreise erstmal untergestellt. Nicht nur mein Schlagzeug, sondern auch andere Sachen, die für mich wichtig waren, habe ich dort einlagern können. Die habe ich mir dann später, nach der Wende, mit einem Transporter rüber geholt.

Hast Du, als Du das Schlagzeug eingelagert hast, schon darauf spekuliert, dass die DDR bald nicht mehr existent sein würde?
Ich habe schon damit gerechnet, dass es so kommen wird. Wir waren eigentlich immer im Zweifel, ob wir es richtig machen oder nicht. Viele haben vorher zu mir gesagt: "Conny, überleg Dir das doch nochmal. Hier hast Du Möglichkeiten und hast im Grunde genommen Deinen Weg schon beschritten. Und jetzt willst Du alles hinschmeißen?" Natürlich hat man sich da sehr viele Gedanken gemacht, was die Ausreise betraf.

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Warum hast Du überhaupt den Ausreiseantrag gestellt?
Es waren verschiedene Dinge, die da Einfluss genommen haben. Vorher hatte ich mich scheiden lassen. Meine neue Frau hat zwei Mädchen mit in die Ehe gebracht. Die waren schon erwachsen und hatten vorher schon Ausreiseanträge gestellt. Meine jetzige Frau wäre nicht alleine in der DDR geblieben. Sie hat gesagt: "Das kann ich nicht machen, ich muss bei meinen Kindern sein." Zu der Zeit wusste man aber noch nicht, dass das kurze Zeit später durch die Grenzöffnung so einfach sein würde. Wenn das so geblieben wäre und die Grenzen zu geblieben wären, wäre das nicht so einfach gewesen. Die Kinder auf der anderen Seite der Grenze und man hat nicht gewusst, ob man sie jemals wieder gesehen hätte. Und da haben wir uns dazu entschlossen, ebenfalls Ausreiseanträge zu stellen.

Du hast in ganz vielen Bands gespielt. Gab es nach all den Jahren, nach Deiner Ausreise, der Wende und den Jahren danach noch Kontakt zu ehemaligen Kollegen?
Ich habe immer noch Kontakt zu einigen Kollegen. Wir treffen uns immer wieder mal in Pirna. Da haben wir auch schon zusammen musiziert. Wir treffen uns alljährlich, da sind z.B. Till Patzer und der Gitarrist Jürgen Heinrich dabei. Und wenn wir uns treffen, musizieren wir auch zusammen.

Vor knapp 10 Jahren, also im Jahr 2000, gab es das 25-jährige Jubiläum von Karat, zu dem auch viele der Ehemaligen eingeladen waren. Du auch?
Ja, ich war auch dabei. Das war eine sehr komische Stimmung dort, muss ich sagen. Auf der Bühne hätte man das eigentlich so machen können, dass die alten Musiker mal vorgestellt würden. Ich hatte auch gedacht, dass das passieren würde. So kam es aber nicht. Wir hätten auch gerne nochmal geprobt, um dann für ein oder zwei Stücke in der ursprünglichen Besetzung aufzutreten, das war aber nicht gewollt und man hat dann stattdessen die Kinder der Musiker spielen lassen. Das war für mich gelinde ausgedrückt sehr beschämend, dass die Kinder auftreten durften und die alten Mitstreiter vergessen wurden. Ich war darüber auch sehr sauer, dass man einige Leute versteckt und die anderen zeigt. Das erinnerte mich alles sehr an früher. Das war eine unschöne Sache und hat mir auch nicht gefallen. Im Backstage-Bereich war ein Zelt aufgebaut, und da kam einer von der Bildzeitung auf mich zu und sagte: "Sie sind ja das Urgestein Conny Burkert", und wollte mit mir sprechen. Da wurde ich dann auf die Seite geschoben und mir wurde gesagt, dass ich es sein lassen soll, da irgendeine Auskunft zu erteilen. Ich hab's dann auch gelassen, dabei wollte er nur wissen, warum der "Neumi" nicht da war. Das hätte ich sowieso nicht beantworten können, auch wenn ich im Vorfeld erfahren habe, dass da mit ihm auch schon Unstimmigkeiten bestanden.

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Und dann begann die Zeit, in der wir Dich gesucht haben, weil wir mit Dir ein Interview für die Karat-Homepage machen wollten. Keiner konnte sagen, wo Du abgeblieben bist und Katrin Linder vermutete sogar, Du seiest inzwischen schon verstorben. Du scheinst Dich sehr rar gemacht zu haben...
Ich muss ehrlich sagen, dass ich das eigentlich auch gar nicht mehr gewollt habe. Nur mit denen, wo es mir früher schon Spaß gemacht hatte, habe ich den Kontakt aufrecht erhalten. Mit denen wollte ich auch die Verbindung halten. Dass Katrin Lindner und Schubi in einen Ort hinter Neubrandenburg gezogen sind, wusste ich erstmal nicht. Ich hatte auch nie die Telefonnummer von den beiden, so dass ich mich hätte melden können. Aber mit den anderen Kollegen aus Dresden ist der Kontakt nie abgebrochen. Dina Straat z.B. habe ich auch in Berlin besucht, da war der Kontakt noch da. Aber das andere wollte ich nicht mehr. Mir haben Leute, die meine Adresse hatten, so viele Artikel zugeschickt oder Hinweise gegeben, wo mal wieder was über Karat kam, dass ich schon gesagt habe: "Leute, was wollt Ihr denn mit Karat? Ich war doch dort nur zwei Jahre lang und die wollen das gar nicht mehr, dass man über die Ehemaligen spricht. Lasst das doch, das interessiert mich jetzt auch nicht mehr."

Damit sind wir am Ende unseres Gesprächs. Möchtest Du abschließend noch etwas in Richtung unserer Leser loswerden?
Ja, vielleicht habe ich mich doch falsch verhalten, in dem ich mich so rar gemacht habe. Mir ist durch dieses Interview und das, was Du mir vorher schon erzählt hast, klar geworden, dass man doch nicht so schnell vergessen ist, wie man selbst glaubt.

 

Interview: Christian Reder
Ausarbeitung: Hartmut Helms, Christian Reder
Bearbeitung: kf, cr
Fotos: Archiv Konrad Burkert, Deutsche Mugge
 
 

   
   
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