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Ein  Beitrag  von  Christian Reder  mit  Fotos  von
Biró István, Pressematerial und unserer Redaktion



001 20201118 1808495802Es muss wohl schon zwei Jahre her sein, als uns ein Veranstalter erzählte, dass OMEGAs László Benkő schwer erkrankt war und man mit einer zeitnahen Nachricht über seinen Tod rechnen müsse. Im Jahre 2017 hatte man bei ihm Leberkrebs diagnostiziert und ihn deshalb umgehend operiert. Kurz darauf wurde ein weiterer Krebs, dieses Mal auf der Haut, entdeckt und laut Aussage dieses Veranstalters sei die Behandlung nicht so angeschlagen, wie sie eigentlich hätte sollen. Weitere gesundheitliche Probleme traten auf, aber „Laci“ war ein Kämpfer, trotzte seinem Schicksal, bot der Krankheit die Stirn und lebte sein Leben einfach weiter. Trotzdem es ihm oft nicht gut ging, trat er mit der Gruppe OMEGA auf und spielte – als sei nichts - Konzerte.

Dies tat er schon seit den frühen 60ern, zuerst in der Benkó Dixieland Band, dann bei der Gruppe PRÓFÉTA, die sich 1962 mit Musikern der Band CIKLON zusammen tat und zu OMEGA wurde. „Laci“ war Mitbegründer dieser Kult-Band aus Ungarn, die am 23. September 1962 ihr erstes Konzert gab und diesen Tag auch als Gründungstag angibt. Anfangs war seine Aufgabe bei OMEGA jedoch noch eine andere als die, für die er ab 1971 bekannt wurde und mit der er bleibende Spuren hinterließ. In den ersten Jahren steuerte er noch den Klang verschiedener Flöten („Kiabálj, énekelj“, „Ha én szél lehetnék“), einer Trompete („Trombitás Frédi“, „Régi csibészek“), einer Zither („Kállai kettos“) und manchmal auch eines Klaviers zum Klangbild der Lieder bei. Einige Male trat er auch ans Mikro und sang.003 20201118 1735370007 Erst als die „untreuen Freunde“ die Band verließen, u.a. auch der Keyboarder Gábor Presser, rückte er auf eine neue Position und wurde der Mann an den schwarzen und weißen Tasten am Keyboard. Ab 1973 wurde bei OMEGA erstmals auch ein Synthesizer eingesetzt, das ebenfalls von ihm bedient wurde. Dieses Instrument war bis dahin in der ungarischen Rockmusik noch nie im Einsatz und „Laci“ war mit seinem Spiel darauf somit ein Pionier.

Nicht nur mit den Instrumenten war „Laci“ ein wichtiges Puzzle-Teil dieser Gruppe, sondern auch als Komponist trug er maßgeblichen Anteil am Erfolg bei. Lieder wie „Varázslatos Fehér Kő“ (Album „Elö Omega, 1972), „Egyszemélyes Ország“ (Album „Omega 5“, 1975) oder „Huszadik Századi Városlakók“ (Album „Omega 6“, 1975) stammen aus seiner Feder, aber auch einige Kompositionen mehr, die er u.a. für Kolleginnen und Kollegen wie z.B. Sarolta Zalatnay, Nelly Izsmán oder László Aradszky schrieb. Nicht zu vergessen auch für sich selbst, denn ab 1982 und dem Album „Lexikon“ war László Benkő auch solistisch tätig. Auf fast 60 Jahre Karriere konnte „Laci“ zurückblicken, dabei auch auf die großen Erfolge seiner Band OMEGA über die Landesgrenzen Ungarns hinaus. Plattenaufnahmen in England, Tourneen durch viele Länder des „kapitalistischen Auslands“ und nicht zuletzt die anhaltende Beliebtheit der Gruppe weit über die Wende hinaus bei uns in Deutschland sind hier als Höhepunkte zu nennen.004 20201118 1609680865 Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass der Musiker in seiner Heimat mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und dort ein Superstar war. Ein Leben, das voller Musik war, für die der Musiker brannte und für die er lebte. Sogar in den letzten Monaten, als es ihm alles andere als gut ging.

Zuletzt hatte er auch immer wieder Last damit, dass sich Wasser in der Lunge ansammelte, das nicht von selbst wieder verschwinden wollte. Vor ein paar Tagen kam er deshalb auch wieder ins Krankenhaus und Untersuchungen ergaben dort, dass sein Körper voller Metastasen war. Der Krebs war zurück und hatte zum letzten großen Angriff geblasen. Sein Freund und Kollege Mecky Kobór erzählte heute Morgen in einem Interview beim ungarischen Rundfunk, dass er und seine Kollegen trotz fehlender Hoffnung, „Laci“ könne diese Krankheit nochmal in den Griff bekommen, nicht mit dem Schlimmsten gerechnet hätten. Zumindest nicht so schnell. Schließlich habe „Laci“ in den letzten Jahren immer alles irgendwie wieder in den Griff bekommen. Zwischen der Diagnose, dass der Krebs in so schlimmer Form wieder zurück war, und seinem Tod lagen dann doch nur wenige Tage. Mecky ließ bei diesem Interview auch seinen Gefühlen freien Lauf als er unter Tränen anmerkte, dass er nie zu denken bereit war, ein László Benkő könne sterben oder irgendwann einmal nicht mehr da sein. Sein Freund selbst hatte den Gedanken aber wohl schon im Kopf, denn in einem letzten Interview vor ein paar Tagen sagte er der Presse, dass er bereits versuche, sich mit der anderen Welt anzufreunden. Er habe sehr seltsame Träume und diese seien ziemlich beängstigend. Dass er zuletzt wegen des Corona-Virus das Haus nicht mehr verlassen durfte und so kaum die Möglichkeit einer Ablenkung bekam, erschwerte die Situation für ihn zusätzlich.005 20201118 2093910137 „Wenn ich irgendwohin weit weg fahren könnte, würde ich mich besser fühlen. In meinen eigenen vier Wänden kann ich mich keinen Moment davon ablenken, schwer krank zu sein“, sagte er in einem anderen Interview, das er der „RiPost“ gab. Selbst in Gesprächen am Telefon mit Freunden, die sich nach ihm erkundigten, käme das Thema immer wieder auf. Es macht einen unendlich traurig wenn man hören muss, dass dieser bescheidene und freundliche Mann mit dem gütigen Lächeln in den letzten Tagen seines Lebens so leiden und dem eigenen Tod im Kopf auf verschiedene Weisen immer wieder begegnen musste.

Am heutigen Mittwochmorgen (18.11.2020) gaben seine Kollegen von der Gruppe OMEGA bekannt, dass „Laci“ den Kampf gerade verloren hat. Er ist erlöst von körperlichen und den eben beschriebenen geistigen Qualen. László Benkő starb im Alter von 77 Jahren. Wir von Deutsche Mugge wünschen unseren Freunden von OMEGA viel Kraft, diesen Schicksalsschlag zu verarbeiten und möchten unser tief empfundenes Beileid zum Ausdruck bringen. Es wird sich fortan anders anfühlen, wenn man eine OMEGA-Platte oder –CD auflegen wird. Die von Benkő dort gewobenen Klangteppiche und Synthie-Sounds werden die Erinnerungen an ihn aber wach halten. Gute Reise, „Laci“.




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