Soñadores: "Pueblo del Mar" (Album)

sonadores2020 20200705 1732506296VÖ: 03.07.2020; Label: Eigenvertrieb; Katalognummer: ohne; Musiker: Felix Zimmer (Gesang, Gitarre), Maik Rosenkiewicz (Kontrabass, E-Bass), Heiko Nitsch (Trompete, Flügelhorn), Felix Beckmann (Percussion), Steven Wels (Gesang, Gitarre); Gäste: Steffi Kirsten (Gesang, Klavier), Moritz Malott (Gitarre, Geige), Denis Strattmann (Mixing); Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak inkl. Booklet. Kein Abdruck der Songtexte. Das Album ist auf der bandeigenen Webseite unter www.sonadores.de erhältlich und soll 2021 auch auf Vinyl (Schallplatte) erscheinen.;

Titel:
Pueblo del Mar • Esperanza en la Paz • Soñadores • Romano 'el Toro' Villarosa • Dos Compañeros • Bajio • Enmascarado • Señor Clemente • Salud Guerrero • Papas Calientes • Kahuna


Rezension:
Die Einnahme Kubanischer Musik über das Ohr hat viele Wirkungen beim Konsumenten, aber zwei ganz Besondere. Zum Einen versprüht sie Lebensfreude und lässt mögliche dunkle Wolken, die in Deinem Gemüt aufgezogen sind, schnell abregnen. Zum Anderen macht sie Dich leicht entflammbar, denn es braucht nicht lange, bis Du von ihr in Brand gesetzt wirst. Kurz: Du kriegst automatisch gute Laune und willst Dich zu ihr bewegen. Es ist fünf Castrop-Rauxeler Musikern zu verdanken, dass man für eine Tagesration dieser heißen Musik nicht extra in die Karibik reisen muss. Felix Zimmer (Gesang, Gitarre), Maik Rosenkiewicz (Kontrabass, E-Bass), Heiko Nitsch (Trompete, Flügelhorn), Felix Beckmann (Percussion) und Steven Wels (Gesang, Gitarre) sind diese Herrschaften, die sich Soñadores nennen und Sound, Rhythmus und Lebensgefühl Kubas in sich aufgesogen haben. Einmal davon gepackt, haben sie ihren eigenen Stil gesucht, diesen auch gefunden und das, was man sonst nur in Havanna, Santa Clara, Camagüey oder Santiago de Cuba erleben kann, hierher nach Deutschland getragen. Vor zwei Jahren gab es bei uns einen Konzertbericht über die "Nacht der Industriekultur" im Parkbad Süd zu Castrop-Rauxel (siehe HIER). Dort spielte die Gruppe Soñadores und gab einen Einblick in ihr Tun und ihr Verständnis von dieser Art der Musik. Bei diesem Auftritt lieferten die Jungs voll ab und hinterließen ein begeistertes Publikum. Nun ist das erste Album der Band fertig und man kann sich diese besondere Mischung aus Folklore, Sonne und Handwerkskunst, ergänzt mit ruhrpott'schen Einflüssen ab sofort und überall auf einer CD gönnen.

Im November des vergangenen Jahres zog sich das Ensemble aus der ehemaligen Industriestadt im Grünen nach Fuerteventura zurück, um dort an eigenen Liedern zu arbeiten. Ein paar gab es ja schon, die die Band in den Jahren davor geschrieben und bei Konzerten immer ganz geschickt zwischen fremde und den Leuten auch schon bekannte Titel gemischt hatte. Aber ein paar mussten noch her, damit ein Album daraus werden konnte. Eins, auf dem wirklich nur die Ideen und Kompositionen der Soñadores enthalten sein sollten. Als man dies an dem sonnenverwöhnten Ort, der vom Flair her Kuba ganz nah kam, erledigt hatte, ging es ins Studio um das selbst geschriebene Material für die Nachwelt festzuhalten. "Pueblo del mar" ("Dorf am Meer") heißt das nun fertige Werk, und so heißt auch das Lied, das die Platte eröffnet.
Zu relaxten Klängen, bei denen die Akustikgitarre und die Percussions dominieren und zu dem eine dezent eingestreute Till-Brönner-Trompete das Anliegen unterstreicht, erzählt uns das Quintett von Fernweh und der Sehnsucht nach einem besonderen Ort. Ein guter Start in ein abwechslungsreiches Programm, in dem gleich mit der zweiten Nummer "Esperanza en la Paz" ("Eine Partynacht in la Paz") schon die Taktzahl erhöht wird. Es geht um eine Party in südlichen Gefilden ... Du siehst mit dieser Nummer im Ohr die Moskitos nach dem Sonnenuntergang schon durch die Gegend tanzen, hast die Szenerie des Ortes vor Deinem inneren Auge und kommst auch flott in Partystimmung. Kein Wunder, denn der hier angeschlagene Beat und die kubanischen Klänge sorgen schon dafür, dass sich das Kribbeln in Deinem wippenden Fuß großflächig ausbreitet.
Der Rhythmus wird dann auch bei "Soñadores" nicht verändert, denn auch die auf Spanisch gesungene Entstehungsgeschichte der Band muss natürlich positiv und mit den entsprechenden Klängen in Liedform umgesetzt werden. Das Leben könnte so schön sein, wenn diese Art der Musik gelegentlich im Alltag als Untermalung eingespielt würde.
Eine Trompete, die eine etwas gedrücktere Stimmung verbreitet, eröffnet das Lied "Romano - el Toro - Villarosa", das den Auf- und Abstieg des gleichnamigen Boxers aus Kuba erzählt. Die Stimmung hebt sich aber schnell, nachdem auch der Rest der Band einsteigt und diese Geschichte mit ihren Instrumenten ausschmückt.

Diese vier näher beschriebenen Songs, die als erstes auf dem Album ihren Platz eingenommen haben, stehen stellvertretend für die gesamte Platte. Musikalisch hat die Band die Kultur Kubas ganz wunderbar eingefangen. Bei den Kompositionen und der instrumentalen Umsetzung steckt viel Liebe im Detail. Jeder der Musikanten versteht es, auf "Pueblo del mar" sein Können punktgenau abzurufen und auf einem hohen Level zu operieren. Den letzten Schliff bekamen die Stücke im Studio, denn auch der Sound ist erstklassig und bei einem etwas höher gezogenen Lautstärkeregler kann man auch gut die Nachbarschaft in die gerade erlebtee Stimmung versetzen, ohne dass es rappelt, rauscht oder klirrt. Und wenn die Musik schon auf so einem hohen Level ist, dürfen die Inhalte da in nichts nachstehen. Wie der Leser schon bemerkt hat, ist man inhaltlich weit weg von der austauschbaren Kalenderblatt-Phrasendrescherei unserer Vorzeige-Singer-Songwriter. Außer über das Sehnsuchtsdorf zu Beginn, die Geschichte über einen Boxer oder die eigene Geschichte, singen die Soñadores außerdem auch über eine Revolution gegen Luxus, den falschen Weg der Politik und eine Gesellschaft, die blind in die falsche Richtung rennt ("Dos Compañeros"), den Abschied eines Kriegers ("Salud Guerrero"), bei dem mit Steffi Kirsten dann auch mal eine Dame stimmlich ihren Beitrag leisten darf, oder einen Herrn namens Clemente, der als einfacher Obstverkäufer auch ohne dickes Bankkonto mit Leidenschaft für das Leben brennt ("Senor Clemente"). Bei den SONADORES ist also sowohl bei der Musik als auch bei den Texten ordentlich Füllung im Braten. Bei den Inhalten sollte man der spanischen Sprache aber schon mächtig sein oder jemanden kennen, der einem das übersetzen kann. Aber auch ohne diese Talente und Hilfsmittel funktioniert die Musik bestens.

Das Album "Pueblo del Mar" hat fast 10 Jahre auf sich warten lassen. So lange ist die Band Soñadores schon aktiv. Sie spielte beim Telekom Street Gig, bei der Nachtfahrt, bei der Nacht der Industriekultur, beim Nightshopping und auch beim Festival "Rock unterm Förderturm", und immer wieder wurde die Frage laut, ob man von der guten Laune und den kubanischen Gefühlen, die die fünf Musiker bei ihren Auftritten versprühen, auch etwas mit nach Hause nehmen könnte. Eine CD oder eine DVD wurde gewünscht. Dieser Bitte wird nun abgeholfen, denn ein Album mit 11 Liedern bringt einem die Soñadores jetzt auch ins heimische Wohnzimmer, auf die eigene Terrasse oder ins Autoradio auf dem Weg zur Arbeit oder in den Urlaub. Völlig egal, wo die Lieder dieser Scheibe als Soundtrack eingesetzt werden, die fünf Herren befördern einen gedanklich innerhalb kürzester Zeit in die richtige Stimmung und in ein Gefühl von Urlaub, Entspannung und Lebensfreude. Und das völlig rezeptfrei! Lasst Euch anstecken von dem, was hier seitens der Band zubereitet wurde und nehmt Teil an dem Unternehmen, schmackhafte Abwechslung in das musikalische Einerlei der Charts und der hippen Beach-Bar-Hipster-Lounges zu bringen, bei denen man immer über ein und dasselbe Gedudel stolpert. Viva la revolución! Das Album kann übrigens direkt über die Band bezogen werden: www.sonadores.de
(Christian Reder)





   
   
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