sm-elyzion 20140318 1944427856 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"ElyZion"
Söhne Mannheims
Söhne Mannheims/Tonpool
21. Februar 2014

1. Wenn es um Liebe geht
2. Keep Moving On
3. Augenblick
4. Back to You
5. Vorspuln durchdrehn
6. Deine Waffe ist die Liebe
7. Es ist soweit
8. Großstadt
9. Ruhe vor dem Sturm
10. Ich muss raus
11. Lichtermeer
12. Wir leisten es gern
13. Second to Die
14. Wie du





Neue Wege ins Paradies
Wenn eine Band sich neu erfindet, aus rein personellen Gründen, ohne es prinzipiell auch nur annähernd nötig zu haben, wird es entweder peinlich oder interessant. Manchmal entsteht auch etwas ganz anderes daraus und dann wäre es Zeit für einen neuen Namen, eine neue Marke. Das war in diesem Falle nicht angebracht und hätte auch keinen Sinn ergeben und es ist auch alles andere als peinlich geworden, was nun auf einem neuen Album nach ca. 19-jähriger Bandgeschichte und dem Weggang von Xavier Naidoo als Frontmann zu hören, oder sagen wir besser, zu erleben ist. Es ist nicht alles restlos gelungen, so etwas findet man jedoch auf kaum einer Scheibe, egal von wem, und es ist nicht der große Wurf. Aber es ist etwas, was weit vor den meisten anderen musikalischen Formationen dieses Landes steht und es ist etwas, was verspricht, dass man sich weiter und viele vielleicht sogar jetzt erst recht oder gar neu mit den SÖHNEN MANNHEIMS beschäftigen sollte. Meiner Ansicht entstanden die hauptsächlichen Schwächen dieses Albums aufgrund der Vielzahl der Musiker und der musikalischen Ideen. Darauf komme ich noch zu schreiben. Ausnahmsweise werde ich hier mal aufzählen, wer nach deren Homepage aktuell zu den SÖHNEN MANNHEIMS gehört: Kosho (Gitarre), Metaphysics (Raps), Jonny König (Schlagzeug), Billy Davis (DJ), Bernd Herrmann (Schlagzeug), Dominic Sanz (Gesang), Michael Klimas (Gesang), Tino Oac (Gesang, für die aktuelle Scheibe auch als Produzent gezeichnet), Marlon B. (Rap), Henning Wehland (Gesang), Edward Maclean (Bass), Andreas Bayless (Gitarre), Florian Sitzmann (Keyboards).

Musikalisch empfangen uns die SÖHNE MANNHEIMS auf ihrem Album "Elyzion" intensiv mit "Wenn es um Liebe geht". Sie scheuen keine Stilüberlagerungen, was sie ja auch nicht müssen, sie haben ihren eigenen Stil, fort vom Alten, hin zum Neuen, was nicht ganz gelang auf dieser Scheibe, es ist wohl so eine Art Übergangsalbum, ein Meilenstein in der Bandgeschichte, einer von bereits vielen. Experimentierfreudig geben sie sich, spielfreudig, auch das Orchestrale nicht scheuend. So gab der erste Song schon mal einen kleinen Einblick, eine kleine Vorausschau auf das zu Erwartende. Manches kommt einem doch auch ein wenig bekannt vor, wenn eben halt von den SÖHNEN MANNHEIMS selber. Das manirierte abgehackte Versilben von Zeilen, auch das lamentonahe Daherjammern einzelner Lieder, in den Textierungen die Schaukelei zwischen phrasenhaften Textbausteinen und intelligenter Lyrik, das Niewirklichverlassenwollen der 90er, das Tänzeln zwischen Radiotauglichkeit und einfach geilem Song. Was auch zu bemerken ist bei "Keep Moving On", obschon dieser sehr klar erscheint und selbst der gesungene Textfluß angenehmer als gewohnt. Das Wechseln zwischen englischer und deutscher Sprache erschloß sich mir bereits bei Produktionen anderer nie wirklich, ich mag da nicht mehr drauf eingehen.
Bisschen Back to the roots, also zum Rock'n Roll: "Augenblick". Die Zeit stampfend, die Message ziemlich nutzlos, aber die Musikalität überzeugt total. Im Großen und Ganzen aber hört sich der Song irgendwie weg.
"Back To You" ist für mich ein sehr schöner, einfacher und klar strukturierter Titel. Falco läßt etwas grüßen.
Experimentierfreudig zeigen sich die SÖHNE MANNHEIMS bei "Vorspuln durchdrehn". Interessant und erfrischend. Neu war für mich die Erkenntnis, dass es nicht nur Pidgin-Englisch, sondern auch scheinbar Pidgin-Deutsch gibt. Beides kommt in diesem Titel vor. Ein am Goth-Metal angelehnter Titel, irgendwie über Verwirklichungsphantasien. Es macht sehr viel Spaß, das anzuhören. Allerdings - das ist auf dieser Scheibe kein Einzelfall - erscheint mir das Ende - Fade Out - etwas ratlos. "Hast du keine Idee und hilft auch kein Beten, dann bleibt nur noch eins - Faden." Der Gitarrensound dabei ist cool.
Ich habe keine Ahnung, ob es so Unentschiedenheiten, Uneinigkeiten oder freundchaftlich-soziale Gründe innerhalb der Söhne-Gemeinschaft sind, die mitunter dazu führten, dass hier und da irgendetwas zuviel ist. In den meisten Fällen betrifft das das Hinzufügen von Rap-Teilen, die bei einigen Titeln weder musikalisch noch inhaltlich irgendeinen Sinn ergeben. Mal abgesehen von dem, dass da eben ein Rap irgendwie drin sein muss. Das mag live ganz toll sein, auf einer Scheibe hätte man sich da ruhig ein wenig zurückhaltender einbringen können, glaube ich. Vielleicht könnte man es als Verspieltheit durchgehen lassen, aber ich befürchte, ich würde mir in die eigene Tasche lügen, würde ich das tun. Am Theater gibt es die Regel, keine unsinnigen Requisiten auf der Bühne zu haben. Für die Musik gilt das, gefühlt, auch.
"Deine Waffe ist die Liebe" ist ein musikalisch großartiger balladesker Song. Da stimmte nun aber auch alles. So hatte ich mir übrigens früher die Söhne mit Xavier Naidoo manchmal gewünscht, aber das war sicherlich stimmlich gar nicht möglich. Mit Ausnahme des Rap-Teils eben, deswegen kam ich ja darauf. Man hätte dieses Lied ohne dem einfach als Lied belassen können, meiner Meinung nach, auch wenn es dadurch vielleicht eine Minute kürzer geraten wäre.
"Es ist soweit" ist ebenso ein großartiger Song. Plätschernd die Melodie, gelassen ausgesungen die Message. So wünschte ich mir - natürlich mit all den unterschiedlichen musikalischen Facetten - die gesamte Scheibe. Auch hier wäre der Rap-Teil verzichtbar gewesen.
Klar strukturiert: "Großstadt". Ein nach vorne gerichteter Rocksong mit orchestralen Soulelementen. Hier passt sogar der Rap-Teil, stört und zerstört keine aufgebauten Stimmungen, ganz im Gegenteil. Musikalisch, gesanglich, textlich, klanglich - einfach großes Kino. Sogar mit einem stimmigen opulenten Schluss.
Ebenso orchestral die "Ruhe vor dem Sturm". Sie scheuen das Gesellschaftskritische, das Politische nie, die SÖHNE MANNHEIMS. Klare Statements, nicht unkaschiert und direkt weisen sie auf und hin, eben sich neue Wege und Möglichkeiten und bahnen sich uns. Ohrenmerk auf das Gitarrensolo bei diesem Titel!
Diese Art der Aussagen sind nicht der einzige Anspruch, den sich die Band stellt. Sie stellen sich auch dem Anspruch, eine gute, eine große Band zu sein. Was ich nicht zahlenmäßig meine, da sind sie es ja ohnehin. Und das ist auch so. "Ich muss raus" gehört ebenfalls zu den etlichen großen Momenten dieses Albums. Eine Ballade über die Ödnis einer festgefahrenen und blass gewordenen Liebe.
"Lichtermeer" gehört da eher wieder zu den wenigen schwächeren Momenten. Ein starker Text zwar, doch musikalisch ein wenig zu sehr banalisiert. Ist was fürs Radio.
Etwas hipp angehottet: "Wir leisten es gern". Kann man gerne dazu tanzen, hier hätte man ruhig etwas mehr Jazz wagen können, aber so geht es auch irgendwie.
Heavy wiederum ist der Titel "Second To Die". Der Titel ist so wie der Titel es schon sagt. Sehr in der HardRock-Tradition mit orchestralem Zusatz. Der Schluss mutet fast livehaftig an.
"Wie du" ist einer dieser klugen, wenn auch traurigen Liebeslieder. Nicht in Gänze gelungen, dennoch sehr sehr schön.
Verabschiedet aus "Elyzion" werden wir mit dem künstlerischen Titel "Living on the edge", wie so einige Titel auch wieder eine leise Hommage an die 90er Jahre, speziell bezogen auf den Electronic-Sound. Tja, die Aufbrüche, damals wie heute. Dieser Aufbruch scheint mir ein guter Start, ein vielversprechender (Neu)-Aufbruch der SÖHNE MANNHEIMS zu sein.

Viel Glück auf dem Weg und uns mit Euch weiterhin viel Freude!
(Andreas Hähle)


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Videoclips:

"Wenn es um Liebe geht" (Off. Video)


"Großstadt" (Off. Video)



   
   
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