chriskramerxmas 20131224 1337853031 Titel:
Interpret:
Label:
VÖ:

Titel:
"Chris(t)mas"
Chris Kramer
Blow Till Midnight Records
November 2013

1. Stille Nacht (Instrumental)
2. Still, still, still
3. Herbei, Oh Ihr Gläubigen
4. Oh, Du Fröhliche
5. Halleluja
6. Halleluja Reprise
7. Es kommt ein Schiff geladen
8. Have Yourself A Merry Little Christmas
9. The First Noel
10. Oh Tannenbaum
11. Stille Nacht
12. Irgendwo auf der Welt ... (Bonustrack)





Alle Jahre wieder ... werden wir von Tonträgern überschüttet, die man nur in knapp fünf Wochen des Jahres hören kann. Wann genau das mit den Weihnachtsplatten angefangen hat, kann ich nicht sagen. Ich bin damit jedenfalls schon groß geworden. Meine Eltern hatten auch diverse Platten dieser Art im Schrank. Neben klassischen Weihnachtsplatten mit Chören und Orchestern, waren auch die von Stars und Sternchen der 70er vertreten. Ging mir z.B. Andrea Jürgens mit ihrem Singsang schon den Rest des Jahres tierisch auf den Keks, wurde ich dann auch noch in der Advents- und Weihnachtszeit mit ihren Interpretationen diverser Weihnachtsklassiker beschallt. Wer die Platte und/oder die Sängerin kennt weiß, dass das auch gut und gerne auf der Couch vom Psychiater hätte enden können. Gerade so am Trauma vorbei geschrammt hielten dann die 80er einige ziemlich peinliche Nümmerchen zur Weihnachtszeit bereit. Leider waren nicht alle Songs von solch großer Qualität wie z.B. "The Power Of Love" von FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD oder "Do They Know It's Christmas" von BAND AID. Ich hatte es in einer anderen Rezension schon einmal angemerkt, dass mir nur eine verschwindend geringe Anzahl Weihnachtslieder wirklich gefällt. Ich bin da nicht nur wählerisch, sondern auch knallhart wenn es darum geht, miese Weihnachts-CDs zu Untersetzern umzufunktionieren. Die traditionellen Weihnachtslieder möchte ich jedenfalls nicht von zeitlich auftretenden Tonstörungen wie Michael Hirte oder Justin Biber vorgesungen bekommen, denn dann wird bei mir aus vorweihnachtlicher Stimmung schnell mal eine tierisch schlechte Laune. Darum bin ich immer sehr skeptisch, wenn mir zwischen Oktober und Dezember eines jeden Jahres neue Tonträger dieser Art ins Haus flattern. In diesem Jahr war das u.a. das Album "Chris(t)mas" von Chris Kramer.

Ein erster Blick auf das Cover zeigt den Künstler in einer schönen alten Kirche. Im Hintergrund eine Steel-Guitar und ihn selbst mit Mundharmonika in der Hand auf einer Kirchenbank sitzend. Das hat schon mal Stil! Ein schönes Motiv und sehr ansprechend. Die Tracklist überflogen erkenne ich sofort, dass fast ausschließlich traditionelle Weihnachtslieder aufgenommen wurden, die vorher von Chris Kramer neu arrangiert und bearbeitet wurden. Einzig der Leonard Cohen-Klassiker "Halleluja" und das 1943 von Hugh Martin und Ralph Blane für das Musical "Meet Me In St. Louis" und im Original von Judy Garland gesungene "Have Yourself A Merry Little Christmas" stechen dort als Kompositionen der "Neuzeit" heraus. Ich war gespannt, wie Chris Kramer seine Hörer davon überzeugen würde, dass diese CD unbedingt gemacht werden musste. Das Programm beginnt mit dem Stück "Stille Nacht". Dezente Klaviertöne leiten das Lied ein. Statt Gesang hören wir Chris Mundharmonika. Ein Lied wie dieses lässt einem Künstler natürlich nicht viel Platz für eigene Ideen. Was will man hier schon groß ändern, bzw. was muss man hier ändern? Fast nichts! Und so ist Chris' Version auch gut wiederzuerkennen. Statt vom Gesang lebt diese Version von der Mundharmonika, die dem Ganzen einen bluesigen Touch gibt. So mancher "Ziegenhirte" würde dabei wohl blass werden. Bei "Still, still, still" setzt Chris Kramer dann auch neben der Mundharmonika seine Stimme ein. Als Slow-Jazz-Stück arrangiert, verbreitet diese Nummer - wie auch schon der Opener - ein echtes Weihnachtsgefühl. Bis hierhin kommt jedenfalls keine Langeweile auf, und das soll sich im Verlauf dieser CD auch nicht ändern. Ein echtes Highlight dieses Albums ist Kramers Version vom eingangs schon erwähnten Leonard Cohen-Song "Halleluja". Klavier, dezentes Schlagzeug und Cello machen aus dieser Vorlage einen Blues-Schleicher mit fein eingestreuten Jazz-Elementen ... dazu Chris Kramers Gesang ... Gänsehaut pur! Eine Steigerung erfährt das Stück bei der sich nahtlos anschließenden "Halleluja Reprise". Die Schlagzahl sachte aber nicht übertrieben erhöht und ohne Gesang, setzt Chris unter Cohen's Komposition ein Ausrufezeichen. Wieder mehr in Richtung Jazz arrangiert kommt "Es kommt ein Schiff geladen" daher. Es ist so wohltuend anders und unerwartet vom Künstler umgesetzt worden, dass die Schönheit dieses Stücks erst in dieser Version richtig offen gelegt wird. Mit Steel-Guitar sowie einer gehörigen Prise Folk darf der Klassiker "Have Yourself A Merry Little Christmas" genossen werden. Judy Garland würde vor Verzückung wahrscheinlich vom Stuhl gleiten, wäre sie nicht schon so früh gestorben. Eine weitere Überraschung ist der von Chris richtig bluesig und flott arrangierte Weihnachts-Klassiker "Oh Tannenbaum". Auch hier finden sich wieder Anleihen von Jazz im Stück wieder, z.B. das Klavierspiel von Niclas Floer, der seinem Instrument hier mal richtig die Sporen gibt und fast in einen Ragtime verfällt. Erfuhr das Album bis hierhin immer wieder eine Steigerung, nimmt Kramer bei "Stille Nacht" anfänglich etwas die Geschwindigkeit raus. Chris singt das Lied begleitet von Streichern und Klavier in englisch. "Warum in Englisch?", fragt man sich hier nur kurz, denn die Antwort auf die Frage bekommt man nur eine Strophe später, als Kramer - dann unterstützt von zwei Sängerinnen (Floriana Di Luca und Heike Meering) - aus dem Stück eine internationale Version wachsen lässt. Die Strophen werden in verschiedenen Sprachen gesungen und verbinden dadurch die Menschen in aller Welt. Und natürlich hat Chris auch eine deutsche Strophe einfließen lassen. Musikalisch wächst sich das Stück, das so leise und sacht begann, zu einem Gospelsong aus, dem der Blues und der Jazz zur Seite gestellt wurde. In den letzten drei Minuten des fast sieben Minuten langen Stücks, geht so richtig die Luci ab. Man ertappt sich dann schon selbst dabei, wie man - als der letzte Ton des Stücks verklungen ist - fast "Zugabe" rufen will. Das muss Chris Kramer wohl geahnt haben, dass seinen Hörern sowas passieren könnte, darum fügt er als letzten Titel und gleichzeitig als Bonustrack das Lied "Irgendwo auf der Welt gibt's ein kleines bisschen Glück" an. Sich selbst auf dem Banjo begleitend, schließt er sein Weihnachtsalbum mit diesem schlichten und unaufgeregten Stück ab.

Man möchte meinen, dass Chris Kramer mit seinem Album "Chris(t)mas" all das wieder gut machen möchte, was andere vor ihm verbockt haben. Weihnachtslieder auf dem Banjo, mit Steel-Guitar und Mundharmonika, mal als Blues, mal jazzig und sogar als Gospel arrangiert, gibt alten Liedern neuen Glanz und Frische. Dass auf diesem Album überwiegend deutsche Weihnachtslieder aus anderen Jahrhunderten Platz gefunden haben, ist ebenfalls erwähnenswert. Kein "Jingle Bells", kein "Let It Snow" und auch kein "Rudolph The Red Nosed Raindeer" sind hier zu hören, sondern "Oh Tannenbaum", "Stille Nacht" und "Es kommt ein Schiff geladen". Leider erreichte uns diese CD erst in diesem Monat, so dass wir sie Euch nicht mehr rechtzeitig zum Weihnachtseinkauf 2013 empfehlen konnten, aber Ihr solltet sie auf jeden Fall für das nächste Jahr auf dem Schirm haben! Diese CD bringt wahrlich Abwechslung in den Soundtrack zum Weihnachtsfest. Absolut empfehlenswert.
(Christian Reder)


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