cornelius12 20121125 1492233649 Titel:
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Titel:

"12 neue 12"
Peter Cornelius
SONY / Masterfader Records
16. November 2012

1. Zuneigung
2. Gutes Gefühl
3. Augenblick
4. Besser spät als nie
5. An beiden Enden
6. Macht der Gewohnheit
7. Auf Bewährung
8. Paradiesvogel
9. Zwischen Brooklyn und Manhattan Bridge
10. Schlaftablette
11. Lebst Du noch
12. Glaubensfrage

Zugegeben, der Albumtitel "12 neue 12" gab mir mehr als ein Fragezeichen auf und ich rätselte, was er bedeuten könnte bzw. was der Künstler seinem Publikum damit sagen will. Nach einigem Orakeln gab ich auf und fand die Lösung dann doch recht schnell im dazugehörigen Pressetext. Zitat: "Zwanzig Alben ist die Diskografie von Peter Cornelius nun lang. Nun kommt die 21. CD dazu. Der Titel des kommenden Albums kommt etwas kryptisch daher: '12 neue 12'. Ein Wortspiel. Streicht man das Wort "neue", ergeben die äußeren Ziffern die Zahl 12 und die inneren 21. Dann wird das Bild schon klarer. 12 neue Songs auf dem 21. Album." Aha, so ist das also gemeint...

Um es gleich vorweg zu nehmen, wer ein Album á la "Du entschuldige, i kenn di", mit dem Cornelius 1981 quasi über Nacht berühmt wurde, erwartet, wird wohl enttäuscht sein. Wer sich jedoch einem offensichtlich gereiften Songwriter und den Themen, mit denen er sich beschäftigt, öffnen möchte, tut einen guten Griff, wenn er im CD-Regal nach diesem Album greift.

Musikalisch dominieren auf diesem Silberling Gitarren, Bass und Drums sowie ein rauer, zuweilen spröder Gesang des Künstlers, was der Authentizität seiner Songs zweifelsohne gut zu Gesicht steht. Das, was heute allgemein als "Mainstream" bezeichnet wird, findet auf diesem Album nicht statt. Keine orchestralen Synthi-Passagen, keine aufgeplusterten Chöre und schon gar nicht der mittlerweile weit verbreitete Soundeffektebrei, welcher oft vom wesentlichen eher ablenkt, als die eigentliche Botschaft zu transportieren.

Mit "Zuneigung" startet die Platte und stellt sogleich die Frage, wo sie denn wäre. Ein Rückblick auf Zeiten, in denen man jung war und ihr nicht die nötige Beachtung schenkte. Und wohl auch die Frage, wo die Zuneigung des Lebens nach dem großen Erfolg blieb, wie Peter Cornelius in einem Interview verriet. Erfolg ist eben doch nicht alles...

Eine der beiden für meinen Geschmack durchaus radiotauglichen Nummern auf dem Album schließt sich dem Opener an: "Gutes Gefühl"

Wir tun wahnsinnig viel
für ein gutes Gefühl,
wir tun wahnsinnig viel
für ein gutes Gefühl.

Wir gehen an Grenzen
und darüber hinaus.
Wir greifen nach allem,
nach allem, das verspricht.
Wir trinken und tanzen,
wir greifen nach Substanzen,
an denen am Ende
fast ein jeder zerbricht...

Wichtige und richtige Gedanken, weichen wirkliche Gefühle heutzutage doch viel zu oft dem, was gesellschaftlich zwar "in", viel zu oft aber letztlich doch nur oberflächlich ist. Ein Appell an die eigenen Gefühle, untermalt mit einem treibenden Beat, der kraftvoll und urwüchsig daherkommt.
Sparsam und akustisch arrangiert folgt "Augenblick". Eine äußerst liebevolle Erklärung an jemanden, durch dessen (Augen)Blick sich das eigene Leben veränderte.
"Besser spät als nie" beschreibt die durch Vernunft und Disziplin unterdrückten Gedanken und Wünsche, bevor sie vergessen werden. Es wäre schade um sie.
Auch an die vermeintlich "Großen" erinnert Cornelius, bringt sie in Verbindung mit Licht, aber auch mit dem damit verbundenen Schatten:

Elvis, Jimi Hendrix, Michael Jackson,
Janis Joplin, Whitney Houston, Kurt Cobain.
So hell kann eine Kerze nur leuchten,
wenn sie an beiden Enden brennt.

Auf den ersten Blick mag das Thema etwas abgegriffen erscheinen, ist es aber nicht. "An beiden Enden" - ein emotionaler Höhepunkt dieses Albums und hervorragend ins Verhältnis zu den Menschen, die nicht im Rampenlicht stehen, gesetzt.
"Bewährung" - wir gehören niemandem, sollten uns jedoch mit Achtung und Respekt gegenüberstehen, denn wir haben uns nur auf Bewährung. Nichts ist für die Ewigkeit, das eingesetzte Slide-Gitarre-Solo beschert dem Song das berühmte i-Tüpfelchen.
Der "Paradiesvogel"-Käfig bleibt leer, seine Jäger irren umher... Angepasstes Leben? Nein. Die Phantasie lebt!
Im locker vor sich hin rockenden Song "Zwischen Brooklyn und Manhattan Bridge" erzählt Cornelius vom Leben in New York, wo auch ein Großteil der Songs dieses Albums entstand.
Die "Schlaftablette" zeichnet mit ihrem herrlich passenden, dahinplätschernden Sound ein Bild, welches erschreckt. Müde Beziehungen, müde Menschen, müdes Volk und dennoch der Meinung, dass das Leben ganz anders abgehen würde, wären die anderen doch auch so, wie sie selbst. Für diesen Song gibt es von mir das Prädikat "Ausgezeichnet" - besser kann man die immer mehr um sich greifende Gleichgültigkeit nicht malen...
Mit "Lebst Du noch" rockt es noch mal richtig los und steht damit im krassen Gegensatz zur "Schlaftablette".
Das Finale des Albums bildet die "Glaubensfrage", die die Klammer um das Gesamtwerk bildet, auch wenn sie mich - musikalisch betrachtet - nicht wirklich überzeugt.

"12 neue 12" - ein sehr hörenswertes Album. Peter Cornelius 2012 - kein "Schmusi"-Sänger, sondern ein gereifter Songwriter, der etwas zu sagen hat. Einer, der ungeschminkt und völlig natürlich von seinen Erfahrungen und Empfindungen erzählt. Ein rockiger Liedermacher fernab sämtlicher Klischees und vor allem: Nicht angepasst...
(Mike Brettschneider)

 


 

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