klosterspecial 20130103 1504262171 Titel:
Label:
VÖ:

Titel:

"Special Edition"
Greenlandmusic
12.09.2009

1. Wir sind keine Automaten (4:05)
2. Was wird morgen sein (3:55)
3. Fieber (4:18)
4. Lied einer alten Stadt (3:52)
5. Tief auf meinem Grund (4:56)
6. Gib mir eine letzte Chance (3:16)
7. Wenn ich zwei Leben hätt' (6:03)
8. Schweigt ihr Propheten (5:01)
9. Kalt und heiß (4:03)
10. Verkehrte Welt (4:49)
11. Was wird morgen sein (10:32)*

* Live-Versionen


Vor wenigen Wochen überraschte eine der frühen, legendären Ostrockbands die Fans mit einem viel beachteten, fulminanten Konzert, das gerade nach Jahren der Abwesenheit von den Bühnen Lust auf mehr machte. Die Rede ist von den Klosterbrüdern, der bekannten Magdeburger Band um Dietrich Kessler und Hans Joachim Kneis. Sie spielte anlässlich der Geburtstagsfeier der Stern-Combo Meißen einige ihrer großen Hits. Schnell wurde der Ruf nach mehr und nach einer CD laut. Beidem kamen die Klosterbrüder am 12.09. in Magdeburg nach. Anlässlich des "Impro im Stadtpark" folgte ein überzeugender Auftritt als Headliner des Abends, zu dem die Band eine Special Edition CD mit 11 Titeln vorlegte. Die CD enthält bekannte, auf verschiedenen Platten und CD's bereits veröffentlichte Titel, sowie mit "Tief auf meinem Grund" einen bisher unveröffentlichten. Dass es die Zusammenstellung der Titel so bisher nicht auf einer CD gab, muss man sicher nicht extra betonen. Vielmehr ist sie trotz der vier auf der im Vorjahr erschienenen AMIGA Box zu findenden Titel geradezu eine Raritätensammlung. "Fieber" und "Gib mir eine letzte Chance" sowie drei live Mitschnitte aus den Jahren 1980 und 2005 und schließlich die 2. Fassung der "Untreuen Freunde", "Schweigt ihr Propheten" machen aus der CD ein Muss für Fans des Ostrock. Die CD wird mit dem sehr rockigen Titel "Wir sind keine Automaten" eröffnet. Der wird von kurzen Noten, von Gitarren und Bass die fast metallartig, scharf gespielt werden, sowie von Dietrich Kesslers perfekt gespielter Flöte, die an Ian Andersson erinnert, geprägt. Das Stück erinnert besonders im Intro stellenweise ein wenig an Rammstein. Das folgende "Was wird morgen sein" ist zunächst ebenfalls in einer modern arrangierten Fassung zu hören, die im Gegensatz zur LP Fassung deutlich von Keyboards und einem sehr modern gespielten Schlagzeug dominiert wird. Den direkten Vergleich zur "Originalfassung" kann man auf der CD auch anstellen, da die in einer echten Maxifassung aus dem Jahr 1980 das Album abschließt. Darin enthalten ist ein besonderes Detail, denn "Hans die Geige" Wintoch hat hier einen großen Solopart. Die Soundqualität der alten Liveaufnahme ist sehr erfreulich. Das gilt auch für den zweiten alten Mitschnitt, "Verkehrte Welt", die Geschichte zu den Magdeburger Halbkugeln aus Sicht der Gruppe Magdeburg, ebenfalls aus dem Jahr 1980. Beiden Stücken fehlen zwar ein wenig die Höhen, aber das ist - zumindest für mich - durchaus entschuldbar. Immerhin sind beide ja echte Livemitschnitte aus dem Jahr 1980 und in der DDR entstanden. Der 3. Mitschnitt "Kalt und heiß" fällt da deutlich ab. Hier hallt es doch sehr. Man erkennt zwar ganz deutlich, wie handwerklich perfekt der Titel 2005 gespielt wurde, aber in der Aufnahme kommt das kaum zur Geltung. Da klingt es blechern und etwas dumpf. Dieser Titel ist akustisch der Schwachpunkt der CD. Dahingegen ist "Fieber" ein Highlight. Darin sollte man auf das Schlagzeug ebenso achten, wie auf die Gitarren und die Querflöte. Das Schlagzeug erzeugt einen unglaublichen Druck, der von einem exzellenten Bass in großartige Dynamik umgesetzt wird. An einigen Stellen, speziell im Refrain, nehmen die Stimme von Hajo Kneis und die Leadgitarre von Matze Blankenburg gemeinsam diesen Sound auf. Die Querflöte rundet das Stück regelrecht ab. Nach seinem abrupten Ende geht es mit einer der ganz großen Hymnen des Ostrock weiter. "Lied einer alten Stadt". Faszinierend, wie brillant und harmonisch die einzelnen Instrumente eingesetzt werden, sich Töne ergänzen und Background, Saxophon und Keybord eine ganz besondere Stimmung erzeugen. Gekrönt wird das Ganze von einer großen Stimme und einem ebenso großen Text. Diesem für Kneis recht tief gesungenen Titel folgt mein persönlicher Favorit. Das Lied "Tief auf meinem Grund" ist eine wunderbar lyrische Ballade, gewissermaßen in der Tradition des Artrock. Wenn Kneis im Refrain mal eben 2 ½ Oktaven mit seinem besonderen, etwas nasalem Timbre, speziell bei den ganz hohen Tönen, übersingt, dann muss man einfach Gänsehaut bekommen. Und wenn man sich nun nochmal den recht tiefen Titel "Alte Stadt" in Erinnerung ruft, dann weiß man, dass man gerade einer der größten Stimmen des Ostrock lauscht. Welch ein Glück, dass insbesondere auch dieser Titel bei der CD Produktion soundtechnisch ganz hervorragend umgesetzt wurde. Was man nach diesem Übertitel hätte setzen können...? Die Produzenten und die Band haben sich für einen modernen und den "jüngsten" Titel der ganzen CD entschieden. Hier singt nicht Kneis, und das Stück ist ganz weit entfernt von Artrock. Es besticht durch tolle Gitarrenriffs und viel Rhythmus. Ein absolut stimmiger, interessanter Song. Die Gruppe Magdeburg einmal ganz anders als erwartet und bekannt. Dass dem zu seiner Zeit, wie so vielen guten Sachen, die gebührende Anerkennung verwehrt blieb, ist einfach schade. Der letzte "offizielle" Titel ist noch einmal ein Klassiker. "Wenn ich zwei Leben hätt'"; man höre einmal genau hin. Besser hat man Jazzrock- und Latin-Elemente nirgendwo auf der Welt in Rockmusik umgesetzt. Und auch handwerklich könnten die Musiker es wohl mit Santana oder Gruppen wie Blood, Sweat & Tears, Chicago, oder Colosseum aufnehmen. Der letzte zu behandelnde Titel ist "Schweigt ihr Propheten" dessen Text nach der Ablehnung des Titels "Untreue Freunde" entstand. Wer auf den Text achtet ahnt, warum dieser Titel nicht produziert werden durfte. Musikalisch überraschen hier zwei Dinge. Zum einen die Tasteninstrumente. Was Lothar Kramer hier spielt klingt stark nach der Hammondorgel John Lords. Und zum anderen ist da eine virtuos gespielte Gitarre, die sehr nach "Pitti" Piatkowski klingt. Dies nun wiederum wäre allein wegen der Geschichte des Titels der Erwähnung wert.
Was bleibt zu sagen? Die CD der Klosterbrüder ist rundum gelungen. Sie ist technisch gut gemacht, sie hat musikalisch einige überraschende Momente, sie zeigt einen wunderbaren Querschnitt durch das musikalische Werk der Klosterbrüder / Magdeburgs. Ich kann nur empfehlen: Kaufen! Gleich ob zur Vervollständigung der Sammlung oder um darin etwas Gelungenes, Neues zu entdecken.
(Fred Heiduk)


Wichtige Info: Die Klosterbrüder / Magdeburg haben eine CD mit 11 in der Form nicht erhältlichen Titeln als Spezial Edition im Eigenvertrieb aufgelegt. Dass die uneingeschränkt zu empfehlen ist, muss man nicht betonen. Da es im Augenblick noch keine klar benannten Vertriebswege gibt (soll heißen, dass die CD noch nicht im Muiskladen um die Ecke erhältlich ist), darf jeder geneigte Fan und Interessierte sich gern über die bekannten Adressen bei Deutsche Mugge (), bitte mit dem Betreff Klosterbrüder CD, melden. Wir werden CD und Hörer zusammenbringen.

 


   
   
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