krc 20121118 1935213192Der Gedanke, diese Platte zum "Klassiker des Monats" zu machen, ist so alt wie die Website selbst. Und doch haben wir die Rezension immer wieder verschoben und im Stillen verstohlen gehofft, jemand anders würde irgendwann einmal von selbst auf diese Idee kommen und den Kelch von uns nehmen... Denn die erste LP der Klaus Renft Combo ist nicht nur ein Klassiker, sie ist DER Klassiker des Ostrocks schlechthin. Wie keine andere Schallplatte prägte sie den Stil populärer Musik in der DDR und ohne sie wäre vermutlich so manch anderer Klassiker in unserer Rubrik nie erschienen. Das ist der Grund, warum wir uns bislang nie so recht an das Album herangetraut haben. Wirklich gerecht werden kann man seiner Bedeutung mit Worten nämlich eigentlich nicht, schon gar nicht durch allzu hochtrabende Superlative, die den bodenständigen Charme der Scheibe ad absurdum führen würden. Beschränkt man sich jedoch auf das bloße Herunterbeten der Tatsachen, erscheint einem das als viel zu profan und dieser wahrhaft göttlichen LP unwürdig. Da einen "goldenen Mittelweg" zu finden scheint kaum lösbar.

VÖ:
Label:

Titel:

Line up:

 

1973
AMIGA

Ketten werden knapper
Der Apfeltraum
Kinder, ich bin nicht der Sandmann
Wer die Rose ehrt
Liebeslied
Der Witz
Gänselieschen
Wandersmann
Trug sie Jeans
Hinten an der Tür
Lied auf den Weg

Thomas Schoppe (voc, g)
Peter Gläser (voc, g)
Christian Kunert (voc, keyb)
Klaus Jentzsch (bg)
Peter Kschentz (fl, v, sax)
Jochen Hohl (dr)

Bemerkung: Wurde nach 1990 mehrfach auf CD wiederveröffentlicht.

Versuchen wir's trotzdem: "Klaus Renft Combo" vereint in sich sämtliche Spielarten, auf die der deutsche demokratische Rock später aufbaute. Die kraftvollen, mehrstimmigen "Kampfgesänge", die lyrischen, tiefgängigen Balladen, die liedhaften, leicht angejazzten Tanzbodenstampfer, die folkloristisch-philosophischen Artrockvariationen und die fröhlich-beschwingten Lagerfeuerlieder. Vorgetragen von drei (!) grundverschiedenen Sängern, gibt sich der Renft-Sound volkstümlich und eingängig, vernachlässigt aber nicht einen hohen musikalischen Anspruch, innovative und vor Kreativität sprühende Experimente inbegriffen. Es ist außerordentlich erstaunlich, was die Gruppe aus den bescheidenen Möglichkeiten, die das Studio damals bot, herauszuholen im Stande war. Die Platte klingt selbst heute noch frisch und nicht ein bißchen angestaubt. Die Lieder selbst sind jedes für sich genommen kleine, historische Meisterwerke, die ihr Hitpotential nie verlieren und immer wieder neue Generationen begeistern werden. Wer kann sich schon einen Ostrock-Abend ohne "Apfeltraum", "Wandersmann", "Wer die Rose ehrt" oder "Gänselieschen" vorstellen!? Eben! Nicht minder hitverdächtig waren, sind und bleiben die Texte, die Gerulf Pannach und Kurt Demmler der Renft-Combo auf den Leib schneiderten. Sie sind unkompliziert und mitsingbar, phonetisch-melodisch und einfühlsam, dabei inhaltsschwanger und philosophisch und dennoch augenzwinkernd und heiter, ohne in flachen Witz zu verfallen. Man kann sich stundenlang mit den Texten beschäftigen und immer wieder neue, überraschende Facetten und Interpretationsmöglichkeiten an ihnen entdecken. Auch das sollte später zu einem spezifischen Merkmal des Ostrocks werden... Alles in allem haben wir hier den wunderbaren Prototyp dessen, was die Musik-Szene der DDR für viele Leute heute noch interessant und anziehend macht und wer diese Platte hört, versteht schnell, warum von Renft stets als DIE Kultband gesprochen wird. "Klaus Renft Combo" ist Ostrock-Historie, die JEDER im Plattenschrank haben sollte. (kf)

Monster über "Klaus Renft Combo": Feucht-fröhlich auf dem Olymp der Beat-Musik des Ostens gelandet. Und so klingen auch die Songs. Die Schwere der zweiten Platte, sowohl textlich als auch musikalisch, war noch nicht da. Vielleicht vereinzelt, wenn ich zum Beispiel an "Trug sie Jeans" denke... aber im Grunde ist die erste Platte noch das unbeschwerte Statement: "Hallo, hier sind wir!"

 


   
   
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