stopp21gr 20121118 1011810732Da wäre uns ja fast ein richtiger Leckerbissen durch die sprichwörtlichen Lappen gegangen! Das Album "Grundblues 2.1" erschien bereits vor etwa einem Jahr (23.04.2010), und das große Dilemma, das ich damit andeuten will, brachte Stefan Stoppok himself erst unlängst bei einem Live-Auftritt süffisant auf den Punkt: die Platte läuft auf den Radio-Stationen hoch & runter, so dass halb Deutschland die Titel inzwischen mitsingen und er sie nicht mehr hören könne. Das war natürlich ironisch gemeint und beweist einmal mehr, dass es - von wenigen Ausnahmen abgesehen - um die deutsche UKW-Radiolandschaft inzwischen doch ziemlich erbärmlich bestellt ist. Dabei böte das Album doch alle Voraussetzungen, als richtiger Kracher in die Musikannalen einzugehen (Weshalb es die Scheibe letztlich auch sofort in unsere "Klassiker" geschafft hat). Aber der Reihe nach...

Stoppok holte sich bereits vor Jahren den Bassisten Reggie Worthy zum Zwecke "effektiver Energienutzung" mit ins Boot. Will heißen: aus 2 mach 4, oder auch: die mit den Füßen spielen. Und so vermag es das kongeniale Duo, uns allein durch Gesang, Gitarre/Bass und einer eigens entwickelten Fußpercussion eine Bühne zu suggerieren, die um ein Vielfaches breiter und tiefer und auch dynamischer erscheint. Zumal den Künstlern vorliegend das kleine Kunststück geglückt ist, eine eigentlich nur bei einem Live-Konzert authentisch rüberbringbare Atmosphäre nahezu verlustfrei auch auf die Platte zu transformieren. Diese ist denn letztlich auch im unmittelbaren Anschluss an eine gleichnamige Tournee eingespielt worden, und das in gerade einmal drei Tagen. Die Instrumente waren demnach noch warm, die Idee schlicht genial. "Blues, Blues ist das beste was es gibt, wenn man ihn ganz konsequent vor sich herschiebt", heißt es da im "Schieber-Blues". Dieses Motto steht wohl exemplarisch für die gesamte Scheibe; konsequent wird der Blues in all seinen Facetten und Spielarten ausgelebt und dabei dennoch der naheliegenden Gefahr, ins klischeehafte abzudriften, widerstanden. Dazu mächtig groovy, staubtrocken und vor allem abgrundtief. Worthy's Basslinien - etwa in "Besser mal geh'n", "Zeit für ein Wunder" oder auch "Ich arbeitete" - dürften so manchen Subwoofer an seine Grenzen bringen - derart fett treibt er die Songs voran, ohne die nötige Präzision zu vernachlässigen. Überhaupt ist das ganze Album auch unter klanglichen Gesichtspunkten ein regelrechter Ohrenschmaus, was wohl auf die hervorragende Akustik im Aufnahmeraum des Bendestorfer VOX-Klangstudios zurückzuführen sein dürfte.

Für die Texte zeichnen sich neben Stoppok selbst erneut seine langjährigen Weggefährten Bernie Conrads und Danny Dziuk verantwortlich. Zuweilen hat man den Eindruck, alle drei Autoren wollten sich in der Genialität der für sie so typischen Reim- und Wortspielereien wechselseitig überbieten (Stoppok: "Spezialisten sind darauf spezialisiert spezialisiert zu sein", Conrads: "Beachte die Flugbahn und die Kurve des Balles - wer viel hat will mehr, wer mehr hat will alles", Dziuk: "Und wäre ich Politiker - ich sag Dir was ich tät - ich hörte auf zu lügen und ich arbeitete mit"). Aber auch Worthy's Part ist nicht auf's Bummer-Bassen reduziert - seine drei (englischsprachigen) Eigenkompositionen kontrastieren das Album wohltuend. Mit "Ratten" fand zudem noch ein Keimzeit-Cover Berücksichtigung sowie zwei Konzertmitschnitte der vorangegangenen Tournee als "atmosphärische Zugabe", der es aber genaugenommen gar nicht bedurft hätte. Das Werk wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet, "Zeit für ein Wunder" führte überdies drei Monate die Liederbestenliste an. Fehlt also eigentlich nur noch das Radio. Es wird Zeit für ein Wunder!
(Rüdiger Lübeck)

Der Clip zum Album



VÖ: 2010; Label: Grundsound/La La Land; Titel: Besser mal geh'n - Zeit für ein Wunder - Hey Maria - Schieber Blues - Die Antwort - Ich arbeitete - Spezialisten Blues - Schuften - Ausgebrannt - Ratten - Gute Laune Blues - Time Will Tell - I'll Be There - I Turned It On - Sei froh - Schon Schön


   
   
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