000 20180523 2093143537
 
Ein Konzertbericht mit Fotos + Videoclips von Petra
Meißner
.  Zusätzliche Fotos von  Michael Schütze



Fünfundvierzig Jahre auf der Bühne, das ist leicht dahin geschrieben. Es heißt auf jeden Fall, kaum zu Hause sein, der beste Freund ist die Autobahn. Jedes Wochenende und an vielen anderen Tagen das Köfferchen packen, die schwere Bühnentechnik im Transporter verstauen und los geht's. Hans die Geige nimmt dies fast ein halbes Jahrhundert auf sich,a 20180523 1410164122 um den Menschen mit seinem Spiel Sonne in die Herzen und ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Der Beruf des Künstlers ist kein leichter. Aber wenn man Hans Wintoch, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, auf den Brettern, die für ihn die Welt bedeuten, agieren sieht, bemerkt man: Es macht ihm Spaß und das auch noch nach so langer Zeit.

Hans ist einer der wenigen Instrumentalisten in der deutschen Rockszene, die klassisch ausgebildet sind, einen Klassik-Rock-Mix spielen und Publikum jeden Alters in seinen Bann ziehen kann. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal kommt hinzu: der Geiger kann singen und komponieren, sowie Texte schreiben und Songs produzieren. Auch Moderieren gehört zu seinen Schokoladenseiten. Dieser Ausnahmemusiker feierte nun sein 45-jähriges Bühnenjubiläum im Kesselhaus der Kulturbrauerei in Berlin. Hans hatten wir mal vor den Puhdys im Jahre 1993 in Freiberg erlebt und seitdem bestimmt schon 120 Mal live gesehen. Immer wieder entdecken wir andere Facetten. Er erfindet sich regelmäßig neu, und nur so kann man sicher fernab von Langweile und Routine den Beruf des Rockgeigers so lange erfolgreich ausüben.

Viele Besucher strömten zur Kulturbrauerei und aus den ersten Reihen kannten sich ganz viele Fans persönlich und nutzen die Zeit vor und nach dem Konzert um sich auszutauschen und einfach Spaß zu haben. Schon drei Stunden vorher traf sich der harte Kern der Rockgeigerszene zu einem Treffen in einem Restaurant. Kerstin aus Greifswald pflegt die Rockgeiger FB-Seite, und hält die Fans zusammen und auf dem Laufenden. Pünktlich zum Jubiläum ist einen neues Album mit dem Titel "Viersaitig unterwegs" erschienen. Das fand in Berlin viele Abnehmer und ich lernte eine Rundfunkmoderatorin aus Erfurt kennen, die eine Sendung mit Hans machen will. Wer noch mehr über HdG wissen will, kann das Journal "Das alles bin ich" am Fanstand erwerben und er weiß dann, was den Rockgeiger privat und "dienstlich" ausmacht. Es ist ein tolles Heft, Kollegen und Fans und viele Prominente kommen zu Wort und erzählen über ihre zum Teil skurrilen und lustigen Begegnungen mit dem Jubilar. Auch wunderschöne Bilder sind zu bewundern. So ein Heft ist noch ein Alleinstellungsmerkmal, so ins Nähkästchen schauen lässt sich kaum ein anderer Kollege. Sehr ehrlich und schonungslos reflektiert die Macherin Daniela Wintoch das Leben und Schaffen des Musikers.

b 20180523 1354632963Die Show begann mit dem aktuellen Opener, geschrieben von Oleak Junior. Das Thema ist inspiriert von "Fluch der Karibik" und Hans erschien mit einem ganz neuen, passenden Outfit. Die Familie Wintoch ist ein reines Familienunternehmen. Daniela Wintoch ist nicht nur Managerin, Fahrerin, Technikerin, Bühnenbildnerin, Merchandise-Verantwortliche, Grafikerin, Kostümbildnerin und manchmal sogar Bühnenpartnerin. Ach ja, und dann auch noch Perfektionistin. Ganz nebenbei geht sie noch "normal" auf Arbeit. Ihr großes Hobby ist das Lichtdesign. Auch diesmal setzte sie ihren Partner wieder perfekt in Szene. Zum Opener gab es eine Lasershow und die Spannung auf das Kommende stieg.

Vom Programm her gab es einen Streifzug durch das Schaffen des Rockgeigers, Weggefährten waren eingeladen und bereicherten die Show. Viele Titel wurden von André Kunze neu arrangiert, bevor sie aufs neue Album kamen. Dazu gehört auch der wunderschöne Titel "Neu gebor'n". Anfang der Neunziger spielte Hans diesen Titel auf der Waldbühne. Dann geriet er in die Versenkung. André Kuntze polierte ihn neu auf und er passt nun wunderbar zum Thema NEULAND. "Der Mensch" und "Hier auf Erden" wurden ebenfalls von André Gensicke neu arrangiert. Ein weiterer Titel, der dem Künstler sehr am Herzen liegt, wurde im ersten Teil gespielt. "Deutschland" und "Augen zu" heißen seine "Meckertitel". Am Beifall merkte man, Botschaft angekommen.

Mit "Klassik II" wurde der Geigenbogen strapaziert. Dort ließ er sich bei dem Vorspiel vom Phantom der Oper inspirieren. Ein ganz besonderes Highlight wurde "Ave Maria" von Schubert, live gespielt von André Kuntze am Keyboard und Hans die Geige. Dass ein Produzent live auf die Bühne kommt, das dürfte nicht allzu häufig zu erleben sein. André zeichnet für viele Produktionen der Puhdys, von City, Frank Schöbel, Maschine und vielen anderen verantwortlich. Er ist selbst Musiker und spielte beim Schauorchester Ungelenk, bei den Zöllnern und bei Maschine und Männer. Dieses "Ave Maria" berührte die Zuschauer sehr.

Als nächster kam Schulzi und eine Gesangspartnerin auf die Bühne. Stefan Schirrmacher, der auch bei Frank Schöbel und Dr. Kinski spielt, begleitete auf der Gitarre. "Wer um alles in der Welt ist Schulzi?", fragten sich die Gäste. Ich konnte es mir erst auch nicht erklären. Mit ihrem dritten Titel setzten sie ein Ausrufezeichen.c 20180523 1441908438 "In der Ferne seh ich ein Licht", das ist ein ganz wunderbarer, sozialkritischer Titel, der stimmgewaltig und mit Engagement von Schulzi vorgetragen wurde. Aus dem anfänglichen "na ja" wurde schnell ein "oh ha". Der Sänger fühlte Hans übrigens schon oft auf den Zahn, er ist der ehemalige Zahnarzt des Geigers.

Ein Künstler, der sehr oft allein unterwegs ist und mit Halbplayback arbeiten muss, sehnt sich natürlich nach Kumpels zum Mitspielen. Dieser Wunsch wurde Hans im Kesselhaus erfüllt. Er konnte viele Titel mit der hoch professionellen Band von Dirk Zöllner spielen. Das Berliner Publikum begrüßte begeistert Dirk Zöllner, er hatte auch eigene Titel im Gepäck. Er spielte "Lieb sein", "Sand" und den ganz genialen Titel "Benzin". Hans unterstützte ihn mit seiner Geige und ließ die Zöllner Songs mal in ganz anderem Licht leuchten. Gemeinsam spielten sie den Titelsong der gleichnamigen CD aus dem Jahre 2003, "Das alles bin ich". Das war meine allererste Hans die Geige-CD, übrigens erschienen bei Hassel Musik (Kay Suttner). Diesen alten Harry Jeske-Titel polierte Zöllner neu auf. Er wurde etwas verändert, damit war ich nicht ganz glücklich. Aber das ist Geschmackssache. Er hat es auch in einer Unplugged-Version auf die aktuelle CD geschafft.

Ein weiteres Urgestein des Ostrocks gab sich im Kesselhaus die Ehre. Die vielen angereisten Puhdys-Fans begrüßten Quaster auf's herzlichste. Die Wege von Hans und Dieter kreuzen sich schon ewig. Im DDR Fernsehen war Quaster 1988 mit einem Titel von seiner damaligen Soloplatte zu sehen. Da Hans ihn mit der Geige unterstützte, ist mir "So nah" in Erinnerung geblieben. Eben dieses Lied spielten sie in Berlin. Außerdem hatte sich der Jubilar bei Quaster den Titel "Stolz" gewünscht. Beiden ist gemeinsam, dass sie sehr stolz auf ihre Kinder sein können. Quaster ließ es sich nicht nehmen, damit an seinen Ziehsohn Carsten Mohren zu erinnern, der viel zu früh an Krebs verstorben ist.

Wer oft zu Hans die Geige-Konzerten geht, hört immer wieder aus dem Publikum den Ruf, er möge doch jetzt endlich mal "Am Fenster" spielen. Der Rockgeiger tut das nie und begründet das damit, diesen legendären Titel würde er nur spielen, wenn City mit dabei ist. Im Kesselhaus gab es keine Ausreden mehr, denn City war dabei. Die Bandmitglieder Toni Krahl und Joro Gogow zählten zu den Gratulanten. Mit dabei der Sohn von Joro, Nicolaj Gogow, am Schlagzeug. Er spielt sonst bei Knorkator und bei City als Aushilfsdrummer wenn Vertretung gebraucht wird. Den besten Satz des Abends sagte Toni Krahl in seiner Laudatio. "Du machst einfach vor nix Halt". Besser kann man Hans die Geige nicht charakterisieren. Er bemerkte noch, das einzig enttäuschende an diesem Abend sei, dass kein Ouzo gereicht würde.d 20180523 1082412269 Diese Bemerkung sollte noch Folgen haben. "Am Fenster" spielten sie in einer extra langen Version und am Schluss gab es ein Geigenduell zwischen Joro und Hans. Der Herr Wintoch behielt musikalisch natürlich das letzte Wort. Die Besucher jubelten und wussten, hier sind wir bei etwas ganz Besonderem dabei. Bei "Was wollen wir trinken" gab es für die erste Reihe Perlwein in einer ganz besonderen Dose. 45 Jahre Hans die Geige war dort aufgedruckt. Wunderkerzen und Konfettikanone dienten als Stimmungsaufheller, aber die Konzertbesucher waren eh gut drauf.

Den Höhepunkt des Abends machte ein neues Bandprojekt mit einer ganz besonderen musikalischen Vision aus. Nach 45 Jahren betritt Hans die Geige noch mal Neuland und um genauer zu sein, Scharfschwerdts Neuland. Vier gestandene Musiker wollen es noch mal wissen. Drei Saitenvirtuosen und ein Drummer präsentieren Rockmusik, die ihresgleichen sucht. Sie sind laut, sie sind schnell und sie haben echten Spaß dabei. Sie können sich den Luxus leisten, mal das zu machen, was sie immer schon machen wollten, aber nie konnten. Als zum 80. Geburtstag von Harry Jeske Klaus den Hans fragte, ob er sich vorstellen könne, noch mal was ganz Neues zu machen, sagte er sofort zu. Zum Weihnachtskonzert in Ottendorf eröffnete er einigen Fans, sich jetzt mit Speed Metal zu beschäftigen, was eigentlich nur zu ungläubigem Staunen führte. Nach der Vorstellung im Kesselhaus weiß ich, wie es musikalisch gemeint ist. Und es ist eindeutig kein dritter Aufguss der Puhdys.

Klaus Scharfschwerdt hatte das Rockerrentnerdasein satt und aus dieser glücklichen Fügung heraus entstand dieses Projekt, was noch in den Anfängen steckt, aber den Beteiligten viel Spaß macht. In Ruhe sollen die Ideen reifen und vor Jahresende 2018 ist nicht mit Spielfähigkeit zu rechnen. Es soll bis dahin eine CD entstehen. Aber im Kesselhaus haben die Neuländer die Fans schon mal ganz schön angefixt. Nach der Ankündigung von Hans prasselte das Schlagzeug los. Aber wo kommt das her,e 20180523 1146281014 fragte man sich. Plötzlich löste sich die Bühnenleinwand, auf der ganz schlicht der Name Hans die Geige stand. Hinter dem Vorhang saß Klaus Scharfschwerdt an seinem Schlagzeug. Die Fans kreischten, Emotionen kochten hoch. Es war, als sei der verlorene Sohn zurückgekehrt. Manche Besucher hatten Tränen in den Augen.

Der Titelsong "Neuland" wurde von Hans gesungen, der seiner Rolle als Frontmann hier total gerecht wird. Nun muss er singen und das ist gut so. Hoffe, er zickt nicht rum, das hat er gar nicht nötig. In seinen eigenen Programmen nimmt doch der Gesang schon seit einiger Zeit immer mehr Raum ein. Er hat es drauf und seine sonore Stimme hat Wiedererkennungswert. Wer den Titel "Neuland" vollständig hören will, den kann man auf die CD "Viersaitig unterwegs" verweisen. Dort sind die Titel "Neuland", "Flieg mit mir" und "Violin beats" zu hören. NEULAND sind Klaus Scharfschwerdt, Hans die Geige, Thomas Glatzer (Gitarre) und Sylvia Eulitz (Cello). Um es mal etwas hintersinnig zu sagen: Thomas spielt bei "Im Bett mit Udo" und Sylvia spielt das Cello. Leider war es im Kesselhaus so, dass man Sylvia Eulitz mit ihrem Cello hinter ein Keyboard verbannt hat. Das war sehr ungünstig und das nicht nur für die Fotografen.

Die Neuländer spielten noch einen Titel und zwar den, der Klaus Scharfschwerdt zu dem Bandprojekt inspiriert hatte. Von der Kanadischen Band RUSH spielten sie "YYZ". Viel Begeisterung gab es für "Flieg mit mir". Der Titel hat das Potential zu einem Ohrwurm. Bei mir hat er sich schon eingenistet. Ganz zum Schluss huldigte man noch dem Perlenhaarmädchen. Als Mitspieler kamen noch der Gitarrist Torsten Wagner und Simon Pauli dazu. Beide haben schon in verschiedenen Bandzusammenstellungen mit Hans gespielt. Simon ist derzeitig der Basser von Maschine. Torsten war bei Roland Kaiser. Mit diesem stimmungsvollen Titel endete ein grandioser Abend voller Emotionen.

f 20180523 1846535073Auf die Bühne wurde ein Tablett gebracht. Darauf standen 18 Ouzo, für jeden Mitspieler einen. Die Kritik von CITY wurde umgehend aufgenommen und der Wunsch in die Tat umgesetzt. Und das Beste an der Sache: Hans braucht keinen mehr. Aber ein Problem hat er nun. Was will er zum 50. machen? Das Programm im Kesselhaus ist eigentlich nicht zu toppen. Ich hab mir aber schon mal Gedanken gemacht. Drei Sachen stelle ich zur Auswahl:

1. Hans steigt bei Helene Fischer ein und bringt ihr die Geigentönte bei.
2. Der Geiger spielt mit Apocalyptika und bringt die Jungs aus dem Takt.
3. Der Rockgeiger wird Mitglied der Puhdys und Dani managt deren Comeback.

Diese Möglichkeiten habe ich die Nacht nach dem Konzert im Hotel Zarenhof geträumt. Das kommt davon, wenn man Landeier allein Berlin unsicher machen lässt.



Hans' Termine:
• 03.06.2018 - Berlin - Sommerwiese am Wendenturm
• 22.06.2018 - Genthin/OT Tuchheim - tba
• 23.06.2018 - Diensdorf-Radlow - StrandIdyll
• 24.06.2018 - Wiesenau - Stadtfest
• 29.06.2018 - Finowfurt (Schorfheide) - 23. Flößerfest
• 30.06.2018 - Malchin - tba
• 05.07.2018 - Schmiedefeld - Bhf. Rennsteig: Säulenhalle
• 14.07.2018 - Fürstenberg/Havel - Stadtpark
• 21.07.2018 - Leipzig - tba
• 28.07.2018 - Ückeritz - Waldschenke Reloaded

Alle Angaben ohne Gewähr! Die Tour wird fortgesetzt.
Nähere Infos und weitere Termine auf Hans' Homepage.



Bitte beachtet auch:
• Off. Homepage von Hans die Geige: www.rockgeiger.com
• Interview zum Jubiläum (04/2018): HIER
• Rezension zum neuen Album "Viersaitig unterwegs": HIER











   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2018)
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen