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Interview vom 23. November 2017



Es ist fast auf den Tag genau ein Jahr her, dass der junge Leipziger Künstler Schraubenyeti alias Martin Lischke seine wirklich hörenswerte EP "Out Of Rooteeny" veröffentlichte, womit der unverwechselbare, ehrliche, raue Zottel-Folk geboren war bzw. seine prägende musikalische Ausformung erfuhr. Unterdessen ist viel in Martins Umfeld passiert: Seine Band erlebte mehrfache personelle Wechsel, tourte dessen ungeachtet fleißig durch die Lande. Freunde und Kollegen gaben und geben Tipps, wie der Sound und die musikalische Strukturen zu verfeinern wären. Die „alten“ Songs haben zwar nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt, doch dank Martins Kreativität liegt bereits neues Material „auf Halde“, welches nur darauf wartet, den für 2018 geplanten Longplayer zu füllen. „Wie wird denn das neue Schraubenyeti-Album klingen?", wurde schon oft gefragt.001 20171127 1161774878 Als kleiner Vorgeschmack erscheint am 1. Dezember 2017 die Single „Von hier ab jetzt“ auf diversen Download-Portalen. Über all dies und noch mehr, etwa eine Crowdfunding-Aktion zur Unterstützung, sollte zu reden sein. Daher bat unser Freund und Kollege Hans-Peter Lauschke den Musiker in vorweihnachtlicher Atmosphäre zum Gespräch, zu Rück- und Ausblick auf spannende künstlerische Aktivitäten und Projekte.




Vor ca. einem Jahr erschien Deine EP "Out Of Rooteeny" - wie fällt heute Dein Blick zurück aus? Der Vorbereitungsaufwand war bemerkenswert, u.a. bist Du für mehrere Monate nach Australien gereist, um Dich inspirieren zu lassen und ein Video zu drehen ... Wie zufrieden bis Du mit dem Tonträger?
Wie soll ich sagen? Es ist cool geworden, keine Frage, und ich bin im Ganzen sehr zufrieden. Man hätte sich allerdings noch mehr Zeit nehmen können für bestimmte Dinge. Zwar hatte ich genügend Zeit im Studio eingeplant, aber Vorproduktion und die nach den Aufnahmen folgende Promo-Phase hätten intensiver sein können. Aber das weiß ich jetzt und mache es beim nächsten Mal besser.

Wie gestaltete sich der Abverkauf, falls das eine bewusste Größe für Dich war?
Ja, es läuft ganz gut, kann mich nicht beklagen. Natürlich ist es wichtig, da für einen Vollzeitmusiker so eine CD eine der wichtigsten Einnahmequellen ist. Zusammen mit dem Debüt-Album habe ich es bei Konzerten immer dabei und die Fans können es am Merchandisingstand erwerben.

002 20171127 1236368374Wie ging es mit Dir und Deiner Band danach weiter? Was waren musikalische Highlights des Jahres 2017?
Bei der Record-Release-Party gab es ja das "Mammut" in der Form wie heute noch gar nicht. Es war der allererste Kontrabasser (Martin Paprota) dabei, danach spielte Christian "Schütt" Wolfram auf dieser Position. Mit Christian war es insofern eine wichtige Zeit, da er gute Strukturen in unsere Songs gebracht hat. Er hat einen Blick für stimmige Arrangements und klare Rhythmen, was uns sehr voran gebracht hat. Er musste leider aus beruflichen Gründen aufhören. Für ihn fand vor kurzem Tommi Pieper zur Band. Auftritte in Leipzig hatten wir u.a. im Lene-Voigt-Park, in der Moritzbastei anlässlich der "Fête de la musique", zwei bis drei Wohnzimmerkonzerte. Ein Highlight war zweifelsohne "Rocken am Brocken", da haben wir auf dem Zeltplatz zusätzlich Straßenmusik gemacht. Am 9. Dezember diesen Jahres werden wir in Siegen beim Deutschen Rock- und Pop-Preis mitmachen, da bin zweimal nominiert, einmal als Singer-/Songwriter und zusätzlich in der Kategorie "Beste Folk-Rock-Band". Dafür haben wir noch Freikarten, Interessenten dürfen sich gern bei uns melden!

Es gab auch 2017 wieder ein "Deutsch-Kanadisches Songcamp" auf Schloss Colditz im Muldentalkreis, die kanadischen Künstler von PORT CITIES, Breagh Mackinnon, Carleton Stone und Dylan Guthro waren wieder hier. Leider machte die anschließende kleine Tour diesmal nicht in Leipzig Station. Wie fallen Deine Erinnerungen ans diesjährige Songcamp aus?
Während der letzten Songcamps habe ich mich vorwiegend als instrumentaler Part an der Entstehung englischer Songs beteiligt. In diesem Jahr habe ich vier bis fünf Songs mit deutschen Texten aus dem Camp mitgenommen, die wahrscheinlich auf das neue Album kommen. Ich war, was mein Output betrifft, mithin sehr zufrieden.003 20171127 1975099368 Es waren neue Leute dabei, u.a. mein Freund Rany aus Dresden. In diesem Jahr fährt im Anschluss leider keiner nach Kanada. Am ehesten prädestiniert dafür wären in meinen Augen die Mädels vom Duo EYLA gewesen. Als Studentinnen ohne viel Geld in der Hinterhand konnten die zwei aber nicht mal eben die Kohle vorstrecken. Konzerte fanden im Nachhinein in Colditz, Halle und Dresden statt. Erwähnenswert ist noch, dass das Konzert vor Ort, also in Colditz, diesmal sehr gut besucht war.

Nun steht bereits wieder eine CD-Produktion ins Haus - ein Album bzw. Longplayer soll es meines Wissens werden. Dies beweist einmal mehr Deinen starken Willen sowie ungebrochene Kreativität. Gab es einen speziellen Einlass für die neue CD?
Nun, es gibt viele neue Songs "auf Halde", es gibt im Gegensatz zum vergangenen Jahr eine Band.

Suchst Du den Rat und Unterstützung von Freunden, erfolgen die Vorbereitungen als Team-Work, bist Du allein verantwortlich für Texte und Kompositionen?
Das ist ganz unterschiedlich. Das Songcamp war und ist stets ein super Input. Ich frage da immer andere Leute, wenn ich eine Meinung hören will. Rany zum Beispiel, des Weiteren meine Freundin sowie meine Managerin. Manchmal ergibt sich das auch zufällig. Gestern habe ich einem befreundeten Musiker einen neuen Song vorgespielt und der meinte spontan: "Da fehlen noch ein paar Bläser am Schluss!" Das war mir bis dahin gar nicht bewusst gewesen, doch ich muss zugeben: Er hat Recht! Und: Für das kommende Album habe ich einem Produzenten gefunden! Früher habe ich dies mehr oder weniger alleine "gestemmt", jetzt erarbeiten wir gemeinsam die Songs.004 20171127 1104466598 Er hat zusätzlich ein arbeitendes Auge bzw. Ohr an den Entwürfen und schlägt seinerseits Ergänzungen oder Lösungen vor, die wir dann einfließen lassen. Wichtig ist der Blick von außen auf das Material, das könnte keiner meiner Musiker aus der Band leisten. Jemand Externes wie Florian Becker von der Band I COME FROM THE SUN zu holen war genau richtig. Während I COME FROM THE SUN Rock der eher härteren Gangart spielen, widmet sich Florian in seiner Freizeit der Country Musik, was uns sehr entgegen kommt. Darüber hinaus ist er gelernter Ton-Techniker, kann mit Branchen-Software und Effekten umgehen. Vor dem Album muss man die Songs fertig haben und arrangieren, um sie dann etwa im Zeitraum einer Woche konzentriert aufzunehmen und schließlich mastern zu lassen. Das Mastering sorgt hauptsächlich für die Anpassung der Lautstärke bei verschiedenen Ausgabe-Geräten und deren Lautsprecher wie etwa Radio oder MP3-Player. Hierfür kommt oft genug nochmal jemand anderes, ein Dritter also, hinzu.

Als kleiner Vorgeschmack ist für den 1. Dezember 2017 die Single "Von hier ab jetzt" angekündigt. Diese soll auf einer Reihe Download-Portalen verfügbar sein. Die öffentliche Vorab-Aufführung wird einen Tag vorher in der Leipziger KulturLounge über die Bühne gehen. Wird am bekannten, unterdessen wieder-erkennbaren, "Yeti-Sound" festgehalten oder werden neue musikalische Welten "erobert"?
Richtig. Am 30. November spielen wir eh ein länger geplantes Band-Konzert (Nähere Infos siehe HIER), da erscheint die genannte Single, welche dann im Rahmen des kompletten Konzerts präsentiert wird. Es handelt sich aber um keine Auskopplung, da das Album ja noch nicht fertig ist. Eher eine "Vorab-Single", um einen Vorgeschmack aufs neue Album zu kriegen. Natürlich wird der Song dann auch auf dem neuen Album erscheinen, nur vielleicht nochmal neu aufgenommen, dem Sound des Albums angepasst. Der Sound entwickelt sich auf alle Fälle weiter. Es kommen nicht irgendwelche abgefahrenen elektronischen Spielereien hinzu, es ist vielmehr immer noch der ehrliche, raue, akustische Folk. Wir proben nach wie vor ohne Verstärker. Die Single wird es auf diversen Download-Portalen geben, wie ITunes, Spotify, Amazon und sogar kostenlos bei bandcamp als Vorab-Dankeschön.

005 20171127 1978521487Wie bereitest Du Dich künstlerisch auf die Produktion vor? Wie bekommst Du den sogenannten Alltag versus künstlerische Arbeit unter einen Hut?
Es gibt da ein schönes Zitat, das ich von einer befreundeten Musikerin habe, Annemarie Reynis aus Dresden: "Songs schreiben ist wie Kotzen. Es kommt oft im falschen Moment und schwallartig." Meistens kommen die coolsten Ideen in einem Moment, wo man es gerade nicht erwartet hat oder gebrauchen kann. Dann schreibt man oder nimmt es halt rasch auf. Anfang 2018 habe ich aber drei Monate kreatives Arbeiten fest eingeplant, die Vorproduktion fürs neue Album, mit Flo arrangieren, mit Freunden zum Songschreiben und den Jungs zum Proben treffen usw.

Wann genau soll die neue CD eingespielt werden? Sind ein oder mehrere spezielle Studios dafür angedacht? Gibt es schon ein (voraussichtliches) Record Release Datum?
Aufgenommen wird im Frühjahr, Record Release wahrscheinlich im Herbst 2018. Wahrscheinlich im Oktober, auf alle Fälle nach der Sommer-Festival-Saison. Das Record-Release-Party-Datum steht noch nicht fest. Sobald das neue Album fertig ist, wird es wieder verstärkt Live-Aktivitäten geben. Im Herbst planen wir, mit der Band auf Record-Release-Tour zu gehen. Was die Studios angeht, so gibt es Vor-Überlegungen.
 
Zur Unterstützung wurde von Dir eine Crowdfunding-Aktion gestartet, welche noch bis zum 17.12.2017 läuft, mit witzigen Gimmicks für Unterstützer, zum Beispiel: die fertig gepackte Waschtasche, eine Stadtrundfahrt im legendären Yeti-Bus, das Boabtree-Paket, Haus- und Hofkonzert, Statist im Musikvideo usw.
Der Sinn des Ganzen ist, einmal mit den Leuten in Kontakt zu treten, ein Netzwerk aufzubauen. Wenn Ihr mir helft, kann ich das neue Album produzieren und ich gebe Euch ein Dankeschön dafür. Es ist jetzt nicht so zu verstehen, dass ich eine Art Online-Shop aufgemacht habe, wo man sich was kaufen kann. Vielmehr möchte ich was zurückgeben. Unsere Frage war: Was könnte denn jemandem gefallen, der meine bzw. unsere Musik mag? Nicht zuletzt sollen alle am Schaffensprozess Beteiligten fair und anständig bezahlt werden! Das Crowdfunding läuft bis zum 17. Dezember 2017 und man findet es auf www.startnext.com/schraubenyeti

006 20171127 1948497135Es kam meines Wissens zu Änderungen im Umfeld, u.a., was das Management bzw. Booking angeht?
Zum "SchraubenyeTeam" gehören in der Tat mehrere Leute. Ich habe mich nach einer Bookerin umgeschaut, denn das ist eine zeitintensive Arbeit, die man den ganzen Tag machen kann. Durch Zufall traf ich auf der "Music:Match", einem Dresdener Festival bzw. auch Konferenz, wo Musiker und Musikindustrie zusammenkommen, Anna-Doreen Böhmer. Sie hat früher in der Dresdner "Scheune" gearbeitet, wohnt jetzt in Leipzig und kümmert sich nicht nur um Auftrittstermine, sondern nimmt ebenso Management-Aufgaben wahr. Es gab eine Probezeit und wir stellten irgendwann fest, dass das gut funktioniert. Unter dem Pseudonym "Holla die Waldfee" ist Anna-Doreen nunmehr dabei, wobei sie nicht nur für mich arbeitet.

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Bitte beachten:
www.startnext.com/schraubenyeti
www.facebook.com/events/370251500080004/




Interview: Hans-Peter Lauschke
Bearbeitung: cr
Fotos: Martin Lischke, Hans-Peter Lauschke





   
   
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