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Ich kenne Angela Peltner und "ihre" Jungs bereits seit März 2007. Seitdem verfolge und begleite ich ihren Weg. Angefangen hat damals alles mit ANGELA'S PARK, 2009 teilnehmende Band beim Bundesvision Song Contest. Jetzt ist 3viertelelf und es ist viel passiert. Am 1. Mai 2015 haben Angela Peltner, Lars Hengmith, Christian Hering und Philipp Schulz ihre Debüt-EP "Maschine an" veröffentlicht. Ich hatte vorher die Möglichkeit, mit Frontfrau Angela Peltner zu plaudern und habe mich mit ihr in einem Café in Berlin verabredet. Bei Cappucino und Latte Macciato haben wir uns über die EP und den Videodreh von "Cabrio" unterhalten, aber auch in Erinnerungen an die Vergangenheit geschwelgt und über die Zukunft philosophiert. Sie hat mir auch ihre Wünsche und Träume verraten und mich gebeten, das mit euch, liebe Leserschaft zu teilen. Für alle Neugierigen folgt hier das Interview. Alle anderen dürfen es natürlich auch lesen ;-)

 

Wie kam die Idee, das Musikvideo zu "Cabrio" mit Crowdfunding zu finanzieren und wie war der Dreh für euch?
Eigentlich hatte die Initialzündung ein befreundeter Schauspieler von mir, Philipp Christopher, der glücklicherweise auch Regisseur ist. Philipp war zum Glück so begeistert von diesem Song (und viele andere natürlich auch), dass er sofort loslegen wollte und direkt nach dem Konzert zu mir meinte, "Komm, wir machen das mal, wir brauchen nur ein bisschen Kohle." Meine Antwort war dann, "Hey, wir sind Musiker, wir haben keine Kohle." - "Dann machen wir eben Crowdfunding!" Okay, gesagt getan. Und am nächsten Tag ging es los. Wir hatten ausgerechnet, dass wir ca. 3.000 Euro brauchen, um was wirklich Vernünftiges zu machen.001 20150507 1089506039 Mit einer Geschichte und schönen Bildern und vielen Freunden - Bunt, laut und fröhlich. Als wir nach einer Woche schon knapp die Hälfte des Geldes zusammen hatten, begriff ich, dass es die richtige Entscheidung war und mein Zittern und Hadern ließ nach, denn wir hatten nun absolut freie Hand über unser Video. Und unsere Idee wurde von so vielen Menschen unterstützt. Auch von meiner Arbeitsstelle GZSZ. Das bedeutet mir wirklich sehr viel, das werde ich nie vergessen.

Wie war der Dreh zu diesem Video?
Es war Magie, ehrlich. Es hat alles gepasst, vom Wetter, Timing, Leuten, Technik ... ist einfach geflutscht. Ich krieg heute noch Gänsehaut wenn ich daran denke, wie 50 Leute diese Holifarben in die Luft schmeißen und dazu kreischen, singen und tanzen. Das war echt krass. Ohne Mist, ich treffe heute noch Leute, die bei diesem Dreh dabei waren und mir immer wieder sagen, dass dieser Tag einer der schönsten Tage ihres Lebens war. Diese Stimmung am Set von "Cabrio" ist für uns so etwas wie ein Gründungsstein und seitdem bauen wir auf. Wir wurden zum Beispiel alle erst bei der letzten Probe für den Friedrichstadtpalast (3viertelelf waren dort Vorband der Prinzen) daran erinnert, weil Philipp (Drummer) seine ehemals weißen, seit dem Video rosafarbenen Sticks spielte - ein Relikt vom Videodreh. Ich sag' ja, Magie! Und so sollte es auch sein! Jetzt wünsche mir nur noch, dass "Cabrio" die Chance bekommt einen Sommer zu erleben. Wir schicken es in die Welt mit unserer EP, und Radio Fritz spielt es ja zum Glück auch ganz oft und vielleicht fährt es irgendwann nach Paris, wie im Text. Mal gucken!

Wie ist es, den eigenen Song im Radio zu hören und zu wissen, dass dieses Lied im gleichen Moment noch tausend andere Menschen ebenfalls hören?
Ich muss sagen, es ist schön, aber man ist unglaublich angestrengt, weil man denkt, "Oh Gott, ist der Song perfekt?" Man kann nicht so richtig abschalten. An und für sich ist es ganz schön, auch, wenn man immer im Hinterkopf hat, dass man es an der einen oder anderen Stelle vielleicht doch ein bisschen besser hätte machen können. Aber das ist, glaube ich, eine Berufskrankheit.

Und nach "Cabrio", erschien nun am 1. Mai die EP "Maschine an!" ...
Ja, das stimmt. Sie ist ganz frisch geschlüpft und wir sind gespannt wie sie so ankommt. Wir wollen ganz kräftig die Werbetrommel rühren und laut brüllen, dass die Maschine läuft, denn es kommen jeden Tag so viele neue Acts raus, da muss man wirklich erfinderisch sein. Ab dem 1. Juni ist sie ja dann auch endlich real in den Händen zu halten. Da bin ich ja altmodisch.

Bevor ihr mit 3viertelelf da angekommen seid, wo ihr jetzt steht, war es ein weiter Weg. Ein Teil davon war ANGELA'S PARK ... Was fällt dir dazu ein?
... eine schöne Zeit. Voller Träume, voller Hoffnung und voller Möglichkeiten. Es ging sehr schnell voran, aber man muss sich als Künstler entscheiden, ob man Interpret sein möchte, also ein Stück weit auch Marionette. Ich hatte schon Freiheiten, konnte Texte und Melodien schreiben, aber das Konstrukt war eng und es sollte eben schnell was passieren. Die Band ist da quasi völlig hinten runter gefallen, wir waren ja alle keine Profis, arbeiteten aber mit welchen zusammen. Und ich glaube, das ist auf längerer Sicht eben kollidiert. Du kannst fünf Leute, die auch "machen" wollen, nicht auf Dauer sterilisieren. ANGELA'S PARK war leider - oder jetzt zum Glück - keine Band mit der man das machen konnte. Es war aber auch die bitterste Erfahrung meines Lebens, weil ANGELA'S PARK ja auch mein Baby war, die große Liebe und ich habe auch alles versucht, dass das funktioniert. Aber es sollte nicht sein.

Wie kam es, dass du die Musiker "mitgenommen" hast? Also Philipp und Lars? Christian kam ja erst später dazu ...
Ich bin ja treu. Ich bin sogar unglaublich treu und ich hänge an Menschen. Ich glaube auch, dass gute Menschen in einer Band den perfekten Musiker ersetzen können, was nicht heißt das es keine Hammermusiker sind, aber es geht mir auch um das Gefühl und die Ausgewogenheit innerhalb unseres 3viertelelf-Kosmos'. Also im Sinne von: vielleicht hätte ich mit anderen Menschen krassere Lieder gehabt. Aber es hat gepasst, und ich bin auch etwas nostalgisch und ich bin auch ganz froh, dass wir uns nie aus den Augen verloren haben und unser Ding machen wollten und wir alle so verrückt genug waren, um zu sagen, wir waren, und wir bleiben Musiker. Wir sind immer noch überzeugt und haben keinen anderen Job angenommen im Sinne von, dass wir jeden Tag beschäftigt sind.

Dann ist es auch ein schönes Gefühl, wenn man mit Leuten auf der Bühne steht, die man kennt, mag und schätzt und man weiß, dass man sich auf diese Leute verlassen kann?
Ja, genau! Es ist etwas sehr exponiertes und ich bin mir der Sache auch bewusst. Ich wollte gerne ein Leben auf der Überholspur. Gerne auch aus dem Koffer, ich habe da überhaupt kein Problem mit. Ich will gerne eine Musiknomadin sein! Und deshalb ist das auch ganz gut!

002 20150507 1134268505Was war Dein Plan B? Wenn das alles, mit der Musik nicht funktioniert ...
(unterbricht) Ich habe keinen Plan B! Wirklich nicht! Natürlich habe ich geguckt, dass ich keinen "normalen" Beruf mache, keinen Nine-to-Five Bürojob, und darum bin ich auch in den Medien geblieben. Ich schreibe, was mich auch sehr erfüllt. Neben meinen drei Gedichtbüchern warte ich ja heißblütig auf die Veröffentlichung meines erstes Sachbuches. Ansonsten hat mich das Fernsehen und die Serien GZSZ und Soko Wismar adoptiert (lacht) ...

Ist es dann so, dass die Eltern sagen: "Sag mal, willst du nicht mal eine Basis schaffen, dass du, falls das alles nicht klappt, trotzdem noch in den erlernten Beruf zurück kannst?"
Absolut! Also mein Vater ist völlig fertig deswegen (lacht), weil ich ja gelernte Krankenschwester bin und ich glaube, er hat sich das anders vorgestellt. Er kann es gar nicht verstehen, aber mittlerweile bewundert er es, wie ich mich durchboxe. Meine Mutter findet das total normal. Die sagt immer "Na, dann machst das eben." Sie hängt auch eher an ihren Träumen, als an der Realität. Aber so geht mir das auch. Es schützt auch vor der Realität. Weil manchmal, wenn man darauf schaut und denkt, "was machst du hier eigentlich?" ... in diesem Zustand zu bleiben, mach ich nicht lange. Das bringt nix! (grinst)

Das Verrückte muss da sein?
Ja! Sonst hast du keine Chance. Du machst es sonst nicht. Weil Musiker zu sein ist heute etwas sehr Idealistisches. Generell davon zu leben, das macht eigentlich fast keinen Sinn. Und wenn du es nicht unbedingt willst, dann solltest du es lassen!

Die Musik steht bei dir auch im Vordergrund?
Immer! Ich träume davon. Ich habe schon mit drei Jahren auf der Bühne gestanden. Mit ABBA im Wohnzimmer, und das werde ich auch jetzt immer noch tun. Auch gern noch mal mit ABBA (lacht).

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Wie kam es, dass du die Texte auf Deutsch schreibst?
Gute Frage ... Jeder fängt auf Englisch an. Weil man es so kennt, und gerade auch in unserer Generation, in der ich aufgewachsen bin. Ich hab' die 90er prägnant erlebt - da war alles Englisch, bis auf ein paar Ausnahmen. Und dann gründest du 'ne Schülerband, die heißt dann CHERRY STICKS und es wird auf Englisch gesungen. Weil das cool ist. Irgendwelche cheesy Texte eben. Aber irgendwann beginnt man sich zu identifizieren. Für mich war das schon früh klar, weil ich mich immer für Bücher, Literatur und Gedichte interessiert habe. Und ich glaube, dass das Wort ganz viel machen kann. Ich liebe Worte! Wenn man Worte verbinden kann mit der Musik, ist es das Schönste was man erreichen kann. Auch als Transportmittel. Und wenn man Musik noch leicht verpackt, schluckt man es auch leichter und kann viel Inhaltliches vermitteln. Mir ist auch wichtig, dass jedes Wort passt und nicht abgenutzt klingt, aber trotzdem leicht verständlich ist. Das eine schließt das andere nicht aus. Klar ist das manchmal abartig. Ich kann da auch Herbert Grönemeyer so gut verstehen, weil er auch oft Probleme mit den Texten hat und dann nächtelang da sitzt. Es ist wirklich Hassliebe. Aber um nichts in der Welt würde ich das tauschen. Ich finde die Deutsche Sprache so großartig. Gerade, weil sie so sperrig daherkommt, bietet sie sich als Herausforderung noch viel besser an.

Musik hat auch eine Art von Gewalt.
Es ist wie eine Welle.

Wenn man als Musiker oder als Band Erfolg haben möchte, welche Vorraussetzungen braucht man dafür?
Talent, Fleiß, Durchhaltevermögen und ein Abo in Geduld. Du musst natürlich Musik machen, die bei den Hörern ankommt. Das weiß man vorher nie so genau. Aber es gibt ja schon einige Parameter. Für mich ist es das Schwierigste, die richtige Mischung zu finden. Aus dem eigenen Anspruch, gute Popmusik zu machen und aus dem, was die Leute hören wollen, damit sie es kaufen und ich davon leben kann. Das ist schwer. Man muss sich aber treu bleiben, mit dem Song muss ich schließlich leben. Moralisch gesehen und ideell. Und ich sollte davon leben können, denn heutzutage kann man nicht mehr halb davon leben. Entweder du verkaufst richtig Platten und wirst im Radio gespielt, oder du ziehst deinen Stiefel durch, hast dann nur so ein bisschen Erfolg, hast 'ne hartgesottene Fangemeinde und machst Musik eben nicht ganz hauptberuflich. Geht auch.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Unsicherheit und Lampenfieber?
Ich glaube, die Leute, die auf der Bühne stehen, sind im Herzen immer extrem unsicher. Aber das muss so sein. Das ist ihr Antrieb. Das Lampenfieber darf nie ausbleiben und meistens tut es das auch nicht, weil du weißt, wenn du da raus gehst, möchtest du, dass die Zuschauer dich lieben. Und das ist dein Anspruch, nur deshalb gehst du auf die Bühne und nur deshalb muss das Lampenfieber da sein. Es ist gesund!

004 20150507 1739391580Wie sehen deine Wünsche und Träume so ganz allgemein aus?
Momentan bin ich sehr dankbar, dass es ist, wie es ist. Ich bin sehr glücklich, aber wäre natürlich noch glücklicher, wenn wir ein tolles Album raus bringen, das von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und wir die Möglichkeit bekommen, eine tolle Tour zu machen, die Leute zu begeistern, und dass wir stattfinden. Das wären so meine Träume, die gleichzeitig auch meine Wünsche sind.

Mit wem würdest du ganz persönlich gerne mal auf Tour gehen? Egal, ob lebendig oder schon im Musikerhimmel ...
Oh Gott! Das ist schwierig! (überlegt) Da gibt's so viele ... Ich glaube, Gwen Stefani und die Beatles. Aber Gwen Stefani ist die Erste. Die ist toll, die finde ich großartig!

Gibt es einen Ort, an dem das stattfinden sollte? Nehmen wir ruhig die ganze Welt dafür als Bühne ...
Überall dort, wo die Leute uns haben wollen - und in New York, Rockefeller Center.

Vor einer Million Menschen?
(lacht) Mindestens!

Was ja mit 3viertelelf absolut möglich ist ... (augenzwinkernd)
Ich habe da echt ein verdammt gutes Gefühl. Es könnte den Nerv der Zeit treffen.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Das ist eine furchtbar tolle Frage. Ich hoffe, dass ich glücklich am Meer sitze. Einen tollen Song schreibe und ein Gedicht. Mein Mops rennt den Möwen hinterher und die Liebe ist auch gleich wieder da, nur kurz Croissants ohne Gluten holen. Und ich hoffe, dass ich noch auf der Bühne stehe und dabei gut aussehe. Ich hoffe, ich bekomme das alles ohne Operationen hin.

Was möchtest du gar nicht?
Wenn ich in zehn Jahren dasitze und sage, "Ich hab nicht alles versucht!" ... Wenn es nicht klappt, möchte ich nicht denken, dass ich nicht alles versucht habe!

Du bist in Magdeburg geboren und aufgewachsen, hast dort einen großen Teil deines Lebens verbracht. Warum hat es dich nach Berlin verschlagen?
Magdeburg ist eine tolle Stadt. Sehr schön grün. Meine Familie ist da, aber es ist eine Arbeiterstadt und keine Kultur- und Künstlerstadt. Das habe ich früh gemerkt und ich wusste, ich muss nach Berlin, wenn ich einen anderen Weg gehen will, Produzenten treffen möchte und am Zeitgeist dran sein will. Ich war in Magdeburg schon so was wie ein "bunter Hund". Ich hatte dort auch einige Bands, aber ich dachte mir, dass ich mich an dem messen muss, was in Deutschland am Besten ist. Und das war und ist Berlin.

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Wie lang ist das jetzt her?
13 Jahre.

Wie ist das jetzt? Siehst du dich mittlerweile als Berlinerin oder als Magdeburgerin?
Ich glaube, es hat vor etwa zwei Jahren angefangen, dass ich Berlinerin geworden bin. Es hat lange gedauert und ich wollte es auch lange nicht wahrhaben, weil Magdeburg wirklich meine Heimat ist.

Was bewegt dich zum Schreiben? Was inspiriert dich? Oder wer?
Es sind manchmal Sachen, die man selbst nicht fassen kann oder Situationen aus dem eigenen Leben, gerade, wenn es Liebe, Enttäuschungen oder Freundschaft angeht. Oder bei "Kopf aus, Maschine an", dass man das Glück einfordert, dass man nicht nachdenkt, was passieren kann, sondern es einfach zulässt. Und bei "Cabrio" einfach zu sagen, wir haben drei Monate über den Drop gelebt, wir brechen jetzt aus! Meine oder unsere Musik soll immer Hoffnung vermitteln, keine Lösungen, aber positive Ausblicke. Und ich sehe immer wieder Menschen, Schicksale oder Sachen, über die ich noch nicht geschrieben habe. Gerade schreibe ich ein Lied über Heimat, in dem es darum geht, wie wichtig es ist, auch mal weg zu gehen. Ich finde, man kann nur über das schreiben, was man selbst erlebt oder gesehen hat. Es fällt mir schwer, Geschichten zu erzählen. Ich finde es aber schön, wenn andere das können, das gefällt mir gut! Es gibt eben viele Arten zu schreiben. Wie Udo Lindenberg, der viele Geschichten erzählt oder Clueso in "Chicago" über jemanden Drittes. Herbert Grönemeyer transportiert eher Stimmungen, da bin ich Fan von, denn ich bin auch nicht so der Geschichtenerzähler-Typ. Ich bin eher jemand, der Stimmung verbreiten kann und auch einen gewissen Spielraum dafür lässt, dass man sich das selbst vorstellen kann.

Ich danke Dir für das Gespräch!


Interview: Lisa Bach
Bearbeitung: cr
Fotos: Pressematerial (Band, Henriette Bandulik, u.a.)



Videoclip: "Cabrio"




   
   
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