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OMEGA ist wohl die dienstälteste Rockband, die je bei uns zu Gast war (übrigens jetzt schon zum zweiten Mal). In diesem Jahr begeht die ungarische Kultband ihren 50. Bandgeburtstag und wird dieses runde Jubiläum auch hier in Deutschland mit ihren Fans feiern. Nicht nur, dass OMEGA am 20. April ein neues Doppel-Album veröffentlichen wird, Janos 'Mecky' Kobor und Kollegen kommen im Mai für drei Konzerte nach Leipzig, Dresden und Suhl und stellen dort ihr OMEGA Rhapsody-Programm vor.
Der Fan indes fragt sich aber schon seit einiger Zeit, was im Hause OMEGA so los ist. Vor knapp vier Jahren sollte ein neues Studioalbum erscheinen. Dies wurde letztlich aber nicht veröffentlicht. Zum Bandjubiläum wird außerdem nicht das Original Line Up von OMEGA auf der Bühne stehen - ein bis zwei Originalmusiker werden fehlen. Es gibt also viele Themen, über die man mal mit Bandchef und Sänger Janos 'Mecky' Kobor sprechen kann. Christian hatte im Zuge von Meckys Deutschlandaufenthalt Anfang April die Möglichkeit dazu und sprach mit dem Sänger über das Jubiläum, die neue CD, das aktuelle Live-Programm, über Personalien und vieles mehr...

 
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Du bist gerade in Deutschland und wie ich mitbekommen habe, hast Du einen rappelvollen Terminkalender. Ist das Medieninteresse an OMEGA in Eurer Heimat Ungarn genauso groß oder vielleicht sogar größer?
Gott sei Dank ja... In beiden Ländern ist das Interesse sehr groß. In Ungarn haben wir auch schon mit Konzerten angefangen. Dort ist die Tour schon gestartet und wir haben im März bereits fünf Konzerte gespielt. Nach Ostern geht das weiter. Wir werden jede Woche zwei Konzerte spielen, d.h. bis wir im Mai nach Deutschland kommen, werden wir schon perfekt eingespielt sein.

Die deutschen TV-Sender tun sich mit den Musikern und Bands aus dem eigenen Land immer sehr schwer. Es fällt ihnen leichter eine Sondersendung zum 50. Geburtstag von Madonna zu machen, als eine zum 40. Bandgeburtstag - sagen wir mal - der PUHDYS. Ist das in Ungarn auch so, oder wird Euer 50. Bandgeburtstag da auch medial gefeiert, z.B. mit einer Sondersendung oder einer Live-Übertragung im Fernsehen?
Natürlich ist dieser 50. Bandgeburtstag sehr speziell. Außer uns gibt es in Ungarn keine andere Band, die diese Zahl erreicht hat, und auch weltweit ist so ein Jubiläum sehr selten. Ich kenne nur die ROLLING STONES, die das geschafft haben und vielleicht noch die Gruppe GOLDEN EARRING aus Holland. So ein Jubiläum ist keine normale Sache. Von daher wird das auch im ungarischen Fernsehen entsprechend gewürdigt.

Du hast es gerade schon angesprochen: Im März habt Ihr in Ungarn Eure Jubiläumstour eröffnet und auch schon ein paar Konzerte gespielt. Das Eröffnungskonzert war ausverkauft, wie ich gehört habe...
Ja, das stimmt...

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Bitte erzähl doch mal, wie die ersten Konzerte gelaufen sind...
Diese Konzerte sind ganz etwas anderes für uns. Sie sind spezieller, als die regulären Konzerte bisher waren. Wir wollten zu unserem 50. Jubiläum nicht dieselben Retro-Sachen spielen wie immer. Schließlich ist es kein Abschiedskonzert. Es ist nicht das Ende einer Karriere, sondern "nur" das 50. Bandjubiläum. Wir wollten das ein bisschen mehr feiern und es anders machen als üblich. Darum haben wir vor zwei Jahren mit der CD "Omega Rhapsody" ein symphonisches Album mit Symphonie-Orchester aufgenommen und der größte Teil des derzeitigen Live-Programms wird von dieser Platte bestimmt. Wir stehen also mit Orchester auf der Bühne. Wir waren vorher sehr gespannt, wie das auf der Bühne funktionieren und beim Publikum ankommen würde. Aber schon das Eröffnungskonzert war ein sehr großer Erfolg. Die symphonische Komponente passt sehr gut zu unserer Musik und das kommt auch beim Publikum sehr gut an. Am Ende des Programms spielen wird dann noch eine Art Nostalgieblock bzw. einen Retro-Block, in dem die Band Klassiker in Bandbesetzung und ohne Orchester spielt.

Also kann man sagen, dass das OMEGA Rhapsody-Programm das offizielle Programm zum 50. Bandgeburtstag ist...?!
Ja, ganz genau! Wir hatten da zuerst ein paar Befürchtungen, denn im Großen und Ganzen ist das Live-Programm schon ein bisschen progressiv und weniger "Schlager-konzentriert". Natürlich spielen wir das auch, aber 80 % des Programms besteht aus den progressiveren Sachen unserer Karriere. Das heißt, dass das jetzt nicht nur die unbekannten Songs sind. Es ist nicht ganz so "Obladi Oblada", sondern es sind viele härtere und psychodelische Sachen dabei. Aber natürlich spielen wir auch ein paar der anderen Sachen - ist doch klar.

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Vor knapp zwei Jahren gab es zu dem Programm ja auch die gleichnamige CD. Nach welchen Kriterien hast Du die Songs für dieses Album ausgewählt und wie sind die Neuaufnahmen entstanden?
Ich glaube, dass dieser Stil schon immer in unserer Musik mit drin war. Das aber in der Form schon früher so zu machen, dazu hätten wir vorher nicht die Zeit und die Technik gehabt. Vor dem 50. Bandjubiläum hatten wir uns dazu entschlossen, ein bisschen Pause zu machen. Wir wollten die Arbeit etwas ruhen lassen, und in dieser Pause war Zeit genug, diese Platte zu machen. Wir hatten für dieses Projekt etwa 30 Lieder aus unserem Repertoire ausgesucht. Von diesen 30 Stücken wurden es dann am Ende die 18, die jetzt auf der CD zu hören sind.

Da fragt sich sicher nicht nur der Fan: Was ist mit "Laci", "Misi" und "Elephant"? Hatten die keine Lust auf das große Jubiläum?
Doch, haben sie! In der Zwischenzeit haben wir auch schon ein weiteres symphonisches Programm erstellt, das heißt "OMEGA Symphony". Das gibt es bei unseren Konzerten statt einer Vorgruppe. Das ist der erste Teil des Konzerts, und der geht ungefähr 30 Minuten. Bei diesem ersten Teil spielen Laci (Lászlo Benko) und Ciki (Ferenc Debreceni) mit dem Orchester. Der Rest der Gruppe mit Bass, Gitarre und Gesang ist dann noch nicht auf der Bühne. Laci und Ciki sind dann schon mit voller Kraft auf der Bühne und spielen diesen symphonischen Teil. Der nächste Teil des Konzerts ist dann "Omega Rhapsody", zu dem dann auch Tamás Szekeres an der Gitarre, Kathy Zee am Bass und ich als Sänger auf die Bühne kommen.

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Misi (Tamás Mihály) hat im letzten Herbst / Winter eine eigene Platte gemacht. Er ist sehr daran interessiert, neue Songs zu komponieren und er macht nebenbei noch verschiedene andere Sachen. Jetzt auf der Tour kommt er aber auch auf die Bühne, nämlich wenn die ganz alten Sachen an die Reihe kommen, d.h. am Ende des Konzerts.
Was die Position an der Gitarre betrifft, so hatten wir in den letzten 20 Jahren sowieso schon immer zwei Gitarristen: Elephant (György Molnár) und Tamás Szekeres. Tamás war bei den Stadionkonzerten immer dabei und ich glaube, er ist einer der besten Gitarristen der Welt. Dazu noch viel jünger als wir (lacht). Wir brauchen ihn sehr. Elephant war nicht ganz einverstanden mit der symphonischen Umsetzung der OMEGA-Titel. Er war auch schon einige Zeit davor der Meinung, dass wir mit OMEGA alles gemacht haben, was möglich war. Große Lust auf etwas Neues oder überhaupt weiter zu machen, hat Elephant nicht. Wir halten ihm den Weg aber offen. Wenn er Lust hat, kann er kommen und ist immer herzlich willkommen. Es ist sowieso eine gute Frage: Wer heute, 50 Jahre nach Bandgründung, überhaupt OMEGA ist? Ich glaube, dass alle, die jemals bei OMEGA mitgemacht haben, dazu gehören, d. h. natürlich auch Gabor Presser, Tamás Künsztler oder Josef Laux. Es wird in Zukunft Konzerte geben, wo jeder Musiker kommen muss - nicht "kann", aber "muss".

Hab ich das jetzt richtig verstanden, dass Laci und Misi bei dem aktuellen Programm mit dabei sind?
Ja, Laci kommt mit auf die Tour nach Deutschland. Laci, Ciki, Tamás und ich sind von der OMEGA-Besetzung dabei. Bei diesen Konzerten wird Tamás statt Elephant dabei sein, denn Elephant ist nicht einverstanden mit der symphonischen Umsetzung der OMEGA-Lieder. Er weiß zwar, dass es auch nicht gut ist, wenn man nur die ganz alten Sachen in der gewohnten Form spielt, aber mit der Umsetzung kann er sich nicht anfreunden. Ganz neue Songs zu machen, ist allerdings auch schon fast unmöglich, denn die ganze CD-Geschichte ist wohl vorbei. Elephant meinte zuletzt, dass er immer dann mal wieder vorbei kommen und mitspielen wird, wenn wir Retro-Konzerte spielen, also Rückblick-Programme auf die Bühne bringen.
Was mit Misi ist, ob er auch mit nach Deutschland kommt oder nicht, kann ich nicht genau sagen. Er hat gegen die symphonische Umsetzung der Songs gar nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Er hat uns zu dem Erfolg sogar gratuliert, denn das ist bisher alles viel besser gelaufen, als er anfangs gedacht hat.

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Ich hoffe, dass für die eigentlichen Geburtstagskonzerte im August in Berlin und im September in Budapest die ganze Band wieder auf der Bühne stehen wird - mit Misi und Elephant. Aber diese beiden Konzerte werden dann auch reguläre Rückblick-Konzerte und keine mit Orchester sein. Aber unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf der jetzt laufenden Tournee, bei der wir unser neues, symphonisches Programm spielen werden. Dieses symphonische Element passt sehr gut zu unserer Musik und ich kann ohne Übertreibung sagen, dass wir einen derartig großen Erfolg, wie derzeit mit dem OMEGA Rhapsody-Programm, selbst in Ungarn sehr sehr lange nicht mehr hatten.

Das ist jetzt aber nicht der leise Abschied der drei, oder?! Man kann für die Zukunft also auch wieder mit Konzerten in der regulären Besetzung rechnen?
Ja, natürlich! Wir hören nicht auf, wir zerbrechen nicht und keiner will aussteigen... Aber es ist klar, dass wir in dem Alter, in dem wir sind, verschiedene Meinungen darüber haben, was wir noch machen müssen und was nicht. Aber keiner ist in der Form gegen irgendwas, dass da von Ausstieg oder Trennung die Rede wäre. Auch wenn man nicht einer Meinung ist, so muss das nicht gleich ein Zeichen für Trennung sein. OMEGA hätte ein viel größeres Problem, wenn die Band eine Einladung für ein Konzert nach Australien bekäme, denn ich fliege nicht (lacht)...

Aha... Flugangst, ja?
Genau (lacht) So ein Problem gibt es, mehr aber auch nicht. Es stimmt also nicht, dass jemand aussteigen will oder wollte.

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In der OMEGA Rhapsody-Besetzung spielt Katy Zee am Bass, und sie macht ihre Sache richtig gut. Wie kam es dazu, dass sie den Posten am Bass übernommen hat?
Es ist so, dass wir immer schon so gearbeitet haben, dass die Originalmusiker von OMEGA nicht bei jedem Song mitspielen mussten. Das war auch bei den letzten Studioalben "Égi jel" (2006) und "Transcendent" (1996) so. Alle digitalen Spuren waren z. B. von Tamás Szekeres eingespielt, und Elephant machte nur ein paar kleinere Sachen und ein paar Soli dazu. Speziell bei den letzten beiden Platten hatte er nicht all zu große Lust, zu spielen. Mit Tamás zusammen hat er noch einiges gemacht, aber allein wollte er nicht mehr viel machen. Wie ich schon sagte, vertritt Elephant die Meinung, dass wir mit OMEGA schon alles ausgereizt haben, was neue Songs betrifft. Darum ist er daran auch nicht mehr sehr interessiert und hält auch nicht sehr viel davon, neues Material zu erarbeiten. So ist das auch mit Misi. Bis zur vorletzten Platte war er noch mit im Studio, aber am Ende hat er mir gesagt, dass er viele andere musikalische Ideen im Kopf hat, die er in die Tat umsetzen möchte. Er ist ein richtiger Musiker, der auch am Konservatorium studierte und hat dadurch auch viele andere Ideen im Kopf, die nicht immer zu OMEGA passen. Darum hat er ja im letzten Jahr auch eine Soloplatte produziert, auf der neben ihm auch noch andere Leute singen, z. B. Gabor Presser und andere alte Freunde von ihm. Für ihn ist das sehr wichtig, darum hat er für sich entschieden, dass er sich momentan ausschließlich darauf konzentrieren möchte. Die Musiker, die stattdessen die OMEGA Rhapsody eingespielt haben und jetzt live auf der Bühne stehen, waren schon immer bei uns. Auch Katy. Sie haben mit uns schon im Studio gearbeitet und auch schon live auf der Bühne gestanden. Außer Katy Zee ist ja auch noch Zsolt Gömörü von der Gruppe EDDA neben Laci mit dabei. Wir brauchen auch zwei Keyboarder. Zsolt ist auch sehr begeistert von OMEGA Rhapsody und insbesondere von OMEGA Symphony, denn er hat mit Laci zusammen sehr viel dafür gemacht und hart daran gearbeitet.

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Also kann man davon ausgehen, dass diese Rhapsody-Besetzung auch etwas für die Zukunft ist und nicht nur etwas auf Zeit?
Ich glaube schon, dass das etwas für längere Zeit ist. Aber die Originalmitglieder von OMEGA können immer kommen und mitspielen, wenn sie Lust und Zeit dafür haben. Ansonsten denke ich schon, dass diese neue Besetzung etwas für die Zukunft ist. Wie ich schon sagte, gibt es aber Konzerte, da MÜSSEN die Originalmusiker von OMEGA kommen und mitspielen, z. B. bei Geburtstagskonzerten. Aber ich glaube nicht, dass man in dem Zusammenhang von "müssen" sprechen muss, denn wenn ein besonderer Anlass ist, will jeder kommen und dabei sein. Die Musiker haben untereinander auch überhaupt keine Probleme! Das wurde auch bei den bisher gespielten Konzerten in Ungarn deutlich. Zwar hat jeder der Musiker dort eine bestimme Rolle spielen müssen, so war Elephant z. B. nur 30 Minuten im letzten Teil des Konzerts auf der Bühne, aber das klappte alles sehr gut und wir verstehen uns auch gut.

Da muss ich doch noch mal nachhaken: Wobei war Elephant 30 Minuten auf der Bühne? Bei der OMEGA Rhapsody-Tour in Ungarn?
Ja, richtig. Er ist im letzten Teil des Konzerts, in dem Nostalgieblock, mit dabei und spielt 30 Minuten mit der kompletten Band. Bei dem Teil des Konzerts mit der OMEGA Rhapsody, wollte er nicht mitspielen, da ist Tamás als einziger Gitarrist auf der Bühne. Elephant wollte zwar sehen, wie das überhaupt mit der Rhapsody abläuft, aber selbst nicht mitspielen.

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Wird es vom Jubiläumsprogramm hinterher eine Nachschau in Form einer DVD oder Live-CD geben? Ist da was geplant?
Ja, das ist geplant. Allerdings wollten wir bei den ersten fünf Konzerten keine Mitschnitte machen. Die liefen zwar sehr gut, aber wir hatten vorher selbst nicht gedacht, dass es gleich von Beginn an so gut läuft. Wir wollten uns erst richtig einspielen. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass wir nach den drei Konzerten in Deutschland noch vier zusätzliche Konzerte in Ungarn spielen werden, die nachträglich noch dazu gekommen sind. Wenn wir aus Deutschland zurückkommen, werden wir gleich im Anschluss in Ungarn an zwei Wochenenden je zwei Konzerte spielen und dabei Mitschnitte machen. Unsere Hamburger Plattenfirma möchte aber schon bei den drei deutschen Konzerten Aufnahmen machen. Vielleicht können wir ja auch schon davon etwas benutzen. Wir werden sehen.

Ihr habt Euch also praktisch jetzt warmgespielt und seid bereit für Livemitschnitte...
Ja, das kann man so sagen. Dabei ist das gar nicht so einfach mit dem Aufnehmen, denn gerade das Symphonie-Orchester stellt uns da vor eine richtig große Aufgabe. Die Tonaufnahme ist da nicht sehr einfach zu machen. Wir werden aber schon in Leipzig, Suhl und Dresden mit mindestens 6 Kameras aufnehmen und die Musik mit mindestens 32 oder 64 Spuren aufzeichnen und wenn wir davon schon etwas verwenden können, werden wir das auch tun. Aber da müssen wir halt sehen, wie es dann live rüber kommt. In Deutschland spielen wir ja mit einem anderen Orchester, als in Ungarn. In Deutschland begleitet uns das gleiche Orchester, mit dem wir im letzten Jahr schon in Halle bei den "Händels Open" aufgetreten sind. Sie haben bereits das ganze Tonmaterial und die Noten für OMEGA Rhapsody und OMEGA Symphony von uns bekommen, wir haben nur leider keine Zeit, vorher gemeinsam zu üben. Aber das hatten wir im letzten Jahr auch nicht und es hat auf der Bühne live trotzdem sehr gut geklappt.

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Pünktlich zum Jubiläum gibt es aber bereits eine neue CD, nämlich eine Doppel-CD mit Livemitschnitten der letzten 20 Jahre. Hat die Band dieses Album selbst zusammengestellt oder ist das ein Produkt der Plattenfirma?
Nein, das haben wir selbst gemacht. Es war so gedacht, dass wir Live-Aufnahmen aus den letzten Jahren zu einer Art Retrospektive zusammenstellen. Ich mag diese regulären "Best Of"-Platten überhaupt nicht, auf der 30 Jahre alte Lieder neben ganz neuen Produktionen zu hören sind. Sie klingen oftmals nicht nur ganz anders, auch die Stilistik ist nicht selten eine ganz andere. Das kann man zwar machen, wir wollten es aber anders machen. Wir wollten eine Best Of-Kopplung haben, auf der der Stil gleich ist, also die Art, wie die Songs vorgetragen werden. Und wie kann man so was am besten erzeugen? Nur auf der Bühne, wo wir unsere alten Lieder heute in der gleichen Form spielen, wie neuere Stücke. Darum ist auf der Doppel CD auch eine Auswahl der größten Hits enthalten, die live bei den Népstadion-Konzerten in den 90ern und 2000ern eingespielt wurden. Die Stücke sind auf den beiden CDs so verteilt, dass auf der einen mehr Songs aus unserer Hardrock-Phase und auf der anderen mehr die Pop/Rock- und Spacerock-Sachen enthalten sind. Das sind die reinen Rockversionen - das Symphonische war da noch nicht mit dabei. Ich finde, dass diese Zusammenstellung die OMEGA-Rhapsody hervorragend ergänzt. Die Live-CD ist eine echte "Best Of OMEGA"-Kopplung geworden, aber eben live und im Stil gleich.

Habt Ihr bewusst auf Material aus den Alben "Babylon" und "Egy Jel" verzichtet und wenn JA, warum?
Speziell das "Egy Jel"-Album war eins, bei dem der eine oder andere OMEGA-Musiker schon nicht so richtig mitmachen wollte. Darum haben wir bei den Live-Konzerten in der Bandbesetzung oft darauf verzichtet, sie zu spielen. Bei OMEGA Rhapsody spielen wir aber Lieder aus den beiden Alben. In dem Programm mit dem Symphonie-Orchester kann man sie sehr gut umsetzen.

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Das Material der beiden genannten Alben hätte also auf diese Live-Doppel-CD nicht gepasst?
Das Live-Album hat mehr den Schwerpunkt auf die erste Phase von OMEGA mit den ganzen Hits aus den 70ern und 80ern. Bei OMEGA Rhapsody sind zwar auch Stücke von früher, aber sie ist inklusive der Titel aus der letzten Phase, also aus den letzten Jahren.

Bei unserem letzten Interview im Jahre 2007 sprachst Du von einem neuen Studioalbum, das Du für den Frühling 2008 in Aussicht gestellt hattest. Du meintest damals, dass die Arbeiten am neuen Songmaterial schon weit fortgeschritten seien. Erschienen ist das Album letztlich aber nicht. Was ist daraus geworden?
Nicht jeder Musiker von OMEGA war damit einverstanden, dass wir noch mal ein Album mit ganz neuen Stücken machen. Insbesondere auch im Hinblick auf das "Egy Jel"-Album, bei dem schon nicht jeder mitgemacht hat. Jeder war damals zwar einverstanden, dass neue Songs entstehen, aber es hat eben nicht jeder mit vollem Einsatz dabei mitgemacht. Nach dieser Erfahrung noch eine weitere neue Platte zu machen, war fast schon unmöglich. Wir wollten jedenfalls keine neue Platte machen, wenn nicht alle OMEGA-Musiker damit einverstanden sind.

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Das heißt also, dass die Möglichkeit für eine neue OMEGA-Platte in Zukunft relativ unwahrscheinlich ist...
Ja, aber nicht nur wegen uns. Wir hätten sogar Ideen für ein neues Album. Das Jahr 2012 mit der angekündigten eventuellen Apokalypse am 21. Dezember ist ja ein sehr spezielles Jahr, das sich musikalisch sicher sehr gut umsetzen ließe. Aber wir haben in den letzten Jahren in diese Richtung nichts mehr gemacht und zum Schluss kam dann auch noch die Nachricht auf, dass in Amerika z. B. schon gar keine CDs mehr hergestellt werden. Da stellte sich dann die Frage, warum jetzt ein neues Album gemacht werden soll, wenn es möglicherweise bald gar keine Tonträger mehr gibt. Dies und die Tatsache, dass eben nicht alle mit neuen Songs und einer neuen Platte einverstanden waren, hat ein Album mit neuen Songs verhindert.

Also ist die These, dass sich OMEGA inzwischen zu einer reinen Live-Band entwickelt hat, gar nicht falsch, oder?
Das ist sicher richtig, ja. Die Konzerte sind für die Bands inzwischen die Haupteinnahmequelle geworden. Die Live-Konzerte sind heute das wichtigste und genauso wichtig, wie früher die Musik als Konserve in Form von Vinyl, CDs und Kassetten. Es ist im Prinzip aber eine Art Rückkehr, denn als z. B. Franz Liszt auf der Bühne stand, gab es auch keine Tonträger und nur Live-Konzerte. Ich glaube auch nicht, dass das unbedingt etwas Schlechtes ist. Wichtig ist die Live-Musik und dass man auf der Bühne zeigt, was man kann. Natürlich können wir auch in Zukunft noch neue Lieder machen und das werden wir sicher auch. Aber dass es noch mal ein komplett neues Album von OMEGA geben wird, ist eher unwahrscheinlich.

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Die deutsche Musikszene der 70er und 80er war ebenso bunt und abwechslungsreich wie die Ungarische. Neben Euch gab es zahlreiche andere Bands, die ebenfalls erfolgreich waren - die sogar in der DDR eine gewisse Bekanntheit erlangten. Wie sieht die Musikszene in Ungarn heute aus? Sind von den alten Bands von einst - außer OMEGA - noch andere aktiv?
Bands von früher, die heute noch aktiv sind, sind in Ungarn sehr selten geworden. Einige Bands, die nach 1980 gegründet wurden, sind heute noch aktiv. Manchmal kommt eine der älteren Bands noch mal mit einem besonderen Konzert auf die Bühne zurück, z. B. LOCOMOTIV GT, die aber schon seit über 20 Jahren nicht mehr zusammen und aktiv sind. Das war's dann aber auch schon. Die älteren Bands, die heute noch aktiv sind, sind erst nach 1980 gegründet oder hatten in den 80ern ihre ersten Erfolge, wie z. B. EDDA oder REPUBLIC. Die ungarische Szene ist heute längst nicht mehr so groß, wie sie damals war.

Und wie sieht das mit dem Rockdinosaurier OMEGA in Ungarn aus? Wenn man die Besucherzahlen Eurer Konzerte sieht, bekommen manch einheimische Bands aus Deutschland ein tränendes Auge. Das Interesse an der Band ist nach wie vor sehr groß. Wie siehst Du den Stellenwert von OMEGA in Ungarn? Ist die Band inzwischen ein Kulturgut geworden, das der Ungar hegt und pflegt?
Ich glaube schon. OMEGA hat sich in den letzten 50 Jahren in Ungarn einen so großen Namen erarbeitet, dass es für uns überhaupt kein Problem ist, gut besuchte und große Konzerte zu spielen. Die Zuschauer kommen immer noch gerne zu unseren Konzerten. Aber immer nur das gleiche zu spielen, wird uns auf Dauer langweilig. Es war speziell in den letzten 20 Jahren für uns nicht sehr gut, immer das gleiche Material in der gleichen Form zu spielen. Darum war es sehr gut, dass mit OMEGA Rhapsody diese Idee aufkam, zumindest ein bisschen was anders zu machen. Natürlich dürfen wir die alten Songs dabei nicht vernachlässigen und müssen diese auch spielen, denn bessere können nicht mehr gemacht werden. Aber eben nicht immer in der gleichen Machart. Das wäre für uns zwar sehr einfach, ist uns aber nicht genug. Es muss trotz allem auch immer Veränderungen geben und das akzeptiert das Publikum erfreulicherweise auch.

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Es wird ja auch immer wieder gerne der Vergleich zu den Rolling Stones gezogen. Siehst Du da auch direkte Parallelen zu den Stones oder bist Du gar komplett anderer Meinung?
Was die Bandgründung und die Dauer der Existenz betrifft, sind wir ungefähr gleich. Es liegen nur ein paar Monate Differenz dazwischen; ich glaube die Stones sind ein paar Monate jünger als wir. Eine weitere Parallele ist, dass auch die Stones noch zusammen sind. Auch das ist gleich. Meine erste Lieblingsband damals, wir waren noch ganz am Anfang, waren die Stones. Ich dachte damals, die spielen wie wir aus Überzeugung und weil sie Spaß an der Musik hatten. Aber vom Musikstil her sind wir komplett unterschiedlich. Die Stones haben über all die Jahre ihren Stil von Rhythm and Blues gespielt, während wir immer nach drei oder vier Platten einen neuen Stil gesucht haben. Musikalisch gesehen sind die Stones und wir auf unterschiedlichen Wegen. Für OMEGA sind die Sachen speziell, die wir von Mitte der 70er bis Mitte der 80er gemacht haben, also diese psychodelische Musik und die Spacerock-Sachen. Von daher haben wir mit Pink Floyd mehr gemeinsam als mit den Stones.

OMEGA war nicht nur in der BRD und der DDR erfolgreich. Auch in anderen Ländern, z. B. England und Polen, waren die Band und ihre Musik beliebt. Gibt es außer Deutschland noch ein anderes Land, in das Ihr mit der Band heute noch reisen könnt und in dem so viele Leute zu Euren Konzerten kommen?
In den zwei Jahren, in denen wir vor dem 50. Bandgeburtstag pausiert haben, waren wir zwei oder drei Mal für Konzerte in Polen. Außerdem waren wir in Sofia, Bulgarien. In den Nachbarländern waren wir sehr oft. Jetzt mit dem OMEGA Rhapsody-Programm sind wir auch viel im Ausland unterwegs. Wir spielen z. B. in der Slowakei, in Bulgarien, im ehemaligen Jugoslawien. Für den Spätherbst / Winter sind auch Konzerte in Westdeutschland und der Tschechischen Republik geplant. Wir spielen also nicht nur in Ungarn und Deutschland, sondern auch in anderen Ländern sehr erfolgreich Konzerte. Früher waren wir auch sehr populär in Spanien, Portugal, Türkei und Griechenland, bis rauf in die Benelux-Länder und nach Skandinavien. Ich wüsste gerade nicht, wo wir noch keine großen Konzerte gespielt haben.

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Das Interesse an OMEGA ist also auch in anderen Ländern sehr groß.
Ja! Ich glaube auch, dass es eine Menge aussagt, wenn man als Band 50 Jahre aktiv ist und in so vielen Ländern gespielt hat, wie wir. Allerdings waren wir bisher noch nie in Russland, aber unsere Platte ist dort schon veröffentlicht worden.

Na vielleicht wird das dann ja nach 50 Jahren doch noch was mit 'ner Mugge in Russland?!
Ja, vielleicht... endlich (lacht)

Eine Leserfrage möchte ich noch stellen. Hier fragt jemand, ob OMEGA noch mal ein Lied auf Deutsch singen wird. Das scheint vom Publikum wohl gewünscht zu werden, wirst Du als Sänger diesen Wunsch erhören?
Ja, ja... von diesen Wünschen haben wir auch schon gehört und wir werden sie auch erfüllen. Es gibt die Überlegung, dass wir noch eine Platte auf Deutsch machen, d. h. dass wir die besten Songs, die für die deutsche Sprache gut geeignet sind, neu aufnehmen und auf CD veröffentlichen. Es gibt zwar schon ein deutsches Album, aber die Songs darauf haben wir 1971 oder 1972 aufgenommen. Damals haben wir noch nicht sehr viel über Deutschland gewusst und mein Deutsch war damals noch viel schlimmer als heute (lacht). Jedenfalls gibt es die Idee dazu schon in unseren Köpfen. Mal sehen, was daraus wird.

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Abschließend noch die Frage, was Du Dir für die Deutschland-Konzerte im Mai und August wünschst?
Natürlich wünsche ich mir, dass bei den Konzerten alles klappt, insbesondere mit dem Akademischen Orchester der Martin-Luther-Universität Halle. Letztes Jahr in Halle bei den "Händels Open" lief das ja total perfekt. Da wird es wohl auch dieses Jahr keine Probleme geben. Wie ich vorhin ja schon erwähnt habe, gibt es keine Zeit zum Proben. Das ist das einzige Problem, aber vor dem Konzert in Halle hatten wir auch nur am Vormittag eine Stunde Zeit zum Proben. Das Orchester ist sehr professionell, die werden das auch dieses Mal wieder gut hinbekommen. Technisch hatten wir bisher ja noch nie Probleme, auch da sollte alles glatt laufen. Ähnlich erfolgreiche Konzerte, wie die bisher in Ungarn gespielten, wären sehr schön. Das wünsche ich mir.

Das wünschen wir Euch auch und drücken dafür natürlich auch die Daumen.
Dankeschön!

Ich danke Dir für das Gespräch. Möchtest Du abschließend noch ein paar Worte an die Leser richten?
Ja, wir freuen uns alle schon sehr auf die Konzerte in Deutschland in diesem Jahr und warten schon gespannt darauf, dass es losgeht. Zuerst die drei Konzerte im Mai und dann auch auf das Jubiläumskonzert im August in Berlin. Wir hoffen, dass wir dort viele Leute treffen werden und wir dem Publikum schöne Konzerte präsentieren können.


Interview: Christian Reder
Bearbeitung: mb, cr, nr
Fotos: Pressematerial / Torsten Meyer / Matthias Ziegert
 

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