Tino Z.: "Heroes" (Album)

tinoz2024 20240607 1854464572VÖ: 17.05.2024; Label: TZet Records; Katalognummer: 0737925756667; Musiker: Tino Zetzsche (Gesang, Gitarren), Tom Götze (Bass), Koma Kschentz (Schlagzeug); Produzent: Tino Zetzsche; Bemerkung: Dieses Album ist ausschließlich auf CD erhältlich;

Titel:
"Heroes", "Wicked Game", "Our Love Will Never Die", "Pet Sematary", "Rock'n Roll Queen", "Search And Destroy", "Highway To Hell", "Up And Down", "Strychnine", "Number Thirteen"


Rezension:


Ich würde gerne etwas Nettes über den aus Freital in Sachsen stammenden Tino Zetzsche, der sich als Musiker nur TINO Z. nennt, und auch über sein neues Album "Heroes" schreiben. Dann mache ich das doch einfach mal. Der Mann, den man auf den ersten Blick gut mit Uwe Hassbecker von SILLY verwechseln könnte, wenn man sich das Cover seines Albums anschaut, ist ein ausgezeichneter Lead-Gitarrist. Die Ausflüge, die er auf seiner neuen Scheibe mit dem Instrument unternimmt, machen eine Menge Spaß. Immer wieder streut er Soli ein oder lässt die Sechssaitige laut heulen. Was auch positiv herauszustellen ist: Alle Instrumente auf seinem Album sind echt. Hier spielen Menschen, denn neben ihm als Sänger, Lead- und Rhythmus-Gitarristen kann man Tom Götze am Bass und Koma Kschentz am Schlagzeug hören. Keine Schummeleien mittels Computer, sondern handgemachte Musik. Ach ja … noch etwas Nettes ist, dass neben acht ausgewählten Coversongs auch zwei Eigenkompositionen Platz auf seinem neuen Album gefunden haben. Speziell "Up And Down" gefällt sofort auf Anhieb. Der Titel hat eine tolle Hookline, ist super arrangiert und geht auch so schnell nicht aus dem Ohr. Hier passt einfach alles. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten …

Auch wenn Tinos Pressetext vollmundig davon berichtet, dass er "einen Stimmumfang von fast 4 Oktaven" habe, mag ich das so richtig nicht heraushören. Als angenehm wird seine Stimme - mit Ausnahme des eben beschriebenen Songs "Up And Down" - leider auch nicht empfunden. Das geht schon bei "Heroes" - im Original von David Bowie - los, und hört beim von Gerry Roslie für seine Band THE SONICS geschriebenen Song "Strychnine" auf. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, aber Tinos Stimme will hier einfach nicht zünden - wird teilweise sogar als Fremdkörper wahrgenommen. Dazu kommt leider auch sein Schulenglisch, in dem er jeden einzelnen Titel singt, und das so mancher Nummer komplett ihren Reiz raubt. Das wird auch als der größte Schwachpunkt der Platte empfunden, denn gerade ein schlechtes Englisch lässt ein Lied am Ende ziemlich ungelenk wirken. Schwer zu sagen, ob das bei einem Live-Vortrag anders von der Bühne kommt, aber in dieser Studioaufnahme passt es vorn und hinten nicht.

Als eher nervig wird im Verlauf des Hörvorgangs auch die Rhythmus-Gitarre empfunden, die bei Songs wie "Wicked Game" von Chris Isaak und "Highway To Hell" von AC/DC (und auch bei anderen Nummern) gleich klingt und eine eher chloroformierende Wirkung erzielt. Überhaupt sind die beiden hier genannten Stücke auch die am wenigsten gelungenen Covertitel auf der CD und die Frage, ob man in Zukunft lieber diese statt der Original-Versionen hören will, stellt sich erst gar nicht. Überhaupt ist es als waghalsig zu bezeichnen, sich an einer Vorlage wie "Wicked Game" zu versuchen. Um einen Chris Isaak zu covern muss man schon echt was auf der Pfanne haben, denn diese Stimme kopierst Du nicht mal eben einfach so, und diesen Song kann auch nicht jeder singen. Dass man sich da einen Bruch hebt, ist vorprogrammiert. Die Vermutung liegt nahe, dass man das Publikum vor der Bühne mit dieser Nummer oder z.B. auch "Rock & Roll Queen" (im Original von The Subways) - würde man sie auf einem Stadtfest spielen - wohl eher vertreiben statt anlocken wird. Klingt das Original von "Rock'n Roll Queen" noch erdig, satt und kraftvoll, hat Tino daraus vom Gesang her eine Musical-Nummer und vom Sound her eine Fahrstuhlmusik gemacht. Das ist so dermaßen schade, denn daraus ließe sich echt was machen …

Als Gitarrist ist Tino Z. ganz sicher einer der richtig guten Musiker der Region. Das steht völlig außer Frage. Beim Gesang bin ich mir nicht sicher, ob das live bei ´ner Mugge abholend oder verscheuchend wirkt, hier auf der Platte klingt es für meine Ohren nur bei einem Song gut. Tja, und dann stellt sich einem echt die Frage, ob man unbedingt Songs auf Englisch singen muss, wenn einem die Sprache ganz offenkundig nicht liegt. Ich hätte gerne viel mehr Nettes über "Heroes" und Tino Z. geschrieben, als nur die paar Zeilen in der Einleitung. Aber vielleicht sieht manch ein Hörer dieser CD das ganz anders als ich, denn wir erinnern uns: Geschmäcker sind verschieden. Meinen hat er im Großen und Ganzen leider nicht getroffen.
(Christian Reder)









   
   
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