REFORM: "Anthologie" (Doppel-Album)

lp09 20210507 1318174899VÖ: 30.04.2021; Label: sechzehnzehn/Buschfunk; Katalognummer: BF 08212; Musiker: Stephan Trepte (voc), Jörg Blankenburg (git), Günther "Grete" Fischer (g), Wolfgang "Wolle" Densky (g), Michael Lehrmann (g), Marcus Schloussen (bg), Reinhard Repke (bg), Jörg Dobbersch (bg), Michael Demnitz (bg), Hans Wintoch (vio), Thomas Kolbe (key), Werner Kunze (key), Christian Jähnig (dr), Christian Hofmann (dr), Peter "Beppo" Förster (dr), Peter Piele (dr); Bemerkung: Doppel-CD im Jewel-Case mit 12-seitigem Booklet inkl. Vorwort und Fotos. Leider ohne Abdruck der Songtexte;

Titel:
CD 1: Drachentöter • Ich suche dich • Feuerball • Wie im Film • He, Schwester, küss mich • Dicke Bohnen • Der Tod und das Mädchen • Das hab ich nicht so gern... • Der Löwenzahn • Über uns • Wenn die Blätter fallen • Stadtgesicht • Schöner Traum
CD 2: Wie ein Baum • Uhren ohne Zeiger • Hoppe Reiter • Was ich liebe • Schlaf mein Sohn • Das Tier in mir • Strandgut • Tänzer • Stehaufmännchen • Atemlos • Soldat vom Don • Mein Freund • Hau ab • Tätowierte Herzen • Der Fluss (Demo) • Planetenblues (Live)


Rezension:
Über die Gruppe REFORM gibt es viel zu erzählen. Die Fans von einst erinnern sich gern an die Magdeburger Formation und ihre grandiosen Konzerte. Zeitzeugenberichte aus dem Fan-Lager und von Praktikanten, die den Musikanten vor über 40 Jahren bei Live-Muggen mal ´ne Kiste Bier in die Garderobe stellen durften, lassen die Menschen heute eine Zeit und eine Band nacherleben, die es schon lange nicht mehr gibt. Richtig spannend wird es, wenn die Musiker von REFORM selbst in Erinnerungen schwelgen und vom Erlebten erzählen. Mit Matze Blankenburg und dem kürzlich leider schon verstorbenen Stephan Trepte waren zwei der Protagonisten von einst bereits auf diesem Portal zu Gast und nutzten dabei die Gelegenheit über die Zeit mit der Band und die Musik zu plaudern. Man muss eigentlich keinen Ton von ihnen gehört und nur die blanke Theorie auf Papier gelesen haben, um vor Neugier einen tropfenden Zahn zu bekommen. REFORM war zur aktiven Zeit schon Kult und daran hat sich auch in all den Jahren nach dem letzten gespielten Ton nichts geändert. Umso verwunderlicher ist es, dass deren Output, immerhin drei komplette Studio-Alben mit einer Menge toller Songs, auch über 30 Jahre nach der Wende noch nicht komplett auf CD erschienen waren. Das hat sich am 30. April d.J. geändert, und bei all der spannenden Theorie kann man nun auch mit der Musik in die Praxis gehen. Einmal mehr dafür verantwortlich, dass eine Lücke geschlossen wurde, ist das Label sechzehnzehn … Ihm und seinem Macher Jörg Stempel ist es zu verdanken, dass man endlich das komplette Werk der Band REFORM auf der Doppel-CD "Die Anthologie (Songs 1975 - 1986)" lückenlos anhören kann.

Wenn man über die Musik von REFORM spricht, kann man die Leistung und das Schaffen des eben schon erwähnten Stephan Trepte nicht unerwähnt lassen. Nicht nur, dass eine Menge Kompositionen und Texte von ihm zum Gesamtwerk beigesteuert wurden, insbesondere seine Art des Vortrags, und wie er die Lieder mit Stimme und Bühnenpräsenz zum Leben erweckt hat, sind das Markenzeichen dieser Rockgruppe. Wer weiß, ob das alles mit einem anderen Sänger so funktioniert hätte. Sowohl bei den Konzerten auf der Bühne als auch über die im Studio konservierte Kreativität und Arbeit, die sich auf den Langspielplatten "Reform" (1979), "Der Löwenzahn" (1982) und "Uhren ohne Zeiger" (1985) wiederfinden, war (und ist) dies deutlich ablesbar. Ihm zur Seite standen in all den Jahren erstklassige Instrumentalisten, die Songideen auf hohem Niveau in Musik verwandelten und der Band einen unverkennbaren Klang gaben. Trotz klanglicher Weiterentwicklung und personellen Veränderungen ist die Handschrift in all den Jahren deutlich erkennbar gewesen. Der ebenfalls schon erwähnte Gitarrist Jörg "Matze" Blankenburg gehörte ebenso zum Kollegenkreis Treptes, wie die weiteren Gitarristen Günter "Grete" Fischer, Wolfgang "Wolle" Densky und Michael Lehrmann, Tasten-Virtuose Werner Kunze, die Bassisten Jörg Dobersch, Marcus "Basskran" Schloussen, Mike Demnitz und Reinhard Repke, Geiger Hans Wintoch oder die Schlagzeuger Detlef Kessler, Peter Piele und Peter "Beppo" Förster, um nur ein paar der Aktiven zu nennen. Ihnen darf man auf dieser neuen Doppel-CD nun beim Arbeiten zuhören.

Es gibt ein Wiedersehen mit Liedern wie "Drachentöter", dem die Herkunft aus den 70ern deutlich anzuhören ist, dem dunkel eingefärbten "Feuerball" mit seinem Bass- und Keyboard-Intro, den wohl bekanntesten Songs der Band, "He, Schwester, küss mich", "Dicke Bohnen" und "Wenn die Blätter fallen", sowie dem psychodelisch klingenden "Der Tod und das Mädchen", die auf der ersten CD zu finden sind. Oder auf der zweiten CD mit Songs wie "Uhren ohne Zeiger" (nein, es geht hier nicht um Digital-Uhren), mit geslapptem Bass und funkig gespielter Gitarre, "Was ich liebe", mit Stage-Piano-Intro und dem straffen Bogen von Hans die Geige, "Das Tier in mir", mit dem verschärften Bass-Intro und der ungewöhnlichen Gesangsstimme Treptes, dem poppigen und tanzbaren "Tänzer", dem treibenden und ebenfalls tanzbaren "Atemlos" sowie dem in den 70ern von Trepte mit LIFT bereits veröffentlichten und hier mit REFORM in die 80er übertragenen "Soldat vom Don". Am Ende der zweiten CD gibt es als Zugabe insgesamt fünf Raritäten, die es damals nicht auf eines der Alben geschafft haben, u.a. "Mein Freund" (die B-Seite der Single "Ich suche Dich"), die Demo-Version des Songs "Der Fluss" und die Live-Version des Instrumentalstücks "Planetenblues". Inhaltlich spannt REFORM einen weiten Bogen, verpackt die Themen mal poetisch, mal lyrisch und mal direkt auf den Punkt. Musikalisch begibt man sich auf eine spannende Reise voller Abenteuer vom Prog- bzw. Art-Rock der 70er zum New Wave- und Pop-Sound der 80er, denn diese klangliche Entwicklung hat REFORM hörbar genommen und hätte damit auch international mit den Größen des Show-Geschäfts locker mithalten können.

Mit dieser Werkschau bekommt der Musikfreund und Fan von REFORM alles, was diese Band geschaffen hat auf zwei silbernen Scheiben. Einzig die von REFORM gespielte Version von "Mein Herz soll ein Wasser sein" fehlt mir hier. Bis auf das Demo und den "Planetenblues", die soundtechnisch naturgemäß nicht das Gelbe vom Ei sind, ist der Klang der Lieder auf dieser Doppel-CD erstklassig und sorgt - lautstärkenmäßig auf einem nachbarschaftsfreundlichen Level eingestellt - über die heimische Anlage für eine Menge Spaß. Man kann sich von der Musik einfach mitreißen lassen und den Inhalten aufmerksam lauschen. Die "Anthologie" von REFORM gehört ohne Frage in jede gut sortierte Deutschrock-Sammlung und wer sie gehört hat, hat hinterher über die Gruppe REFORM auch eine ganze Menge zu erzählen.
(Christian Reder)





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