Claudia Koreck: "Perlentaucherin" (Album)

koreck2021 20210506 1835579979VÖ: 07.05.2021; Label: We Love Music/Universal; Katalognummer: 060243594507; Musiker: Claudia Koreck (Gesang, Gitarre), Louis Thomaß (Gitarre), Gunnar Graewert (Piano, Wurlitzer, Bass, Drums) Juri Kannheiser (Cello), Marlene Schuen (Violine); Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak inkl. Booklet mit Abdruck der Songtexte;

Titel:
Irgendwie, irgendwo, irgendwann • Ein Kompliment • Ohne dich • Rock Me Amadeus • Mensch • Du trägst keine Liebe in dir • Schrei nach Liebe • Ich will alles • Du erinnerst mich an Liebe • Wieder hier • Immer wieder geht die Sonne auf • Gute Nacht Freunde


Rezension:
Die in Bayern beheimatete Singer/Songwriterin Claudia Koreck hatte im Januar eine Chance, um die sie manch eine Kollegin oder ein Kollege aus der Musik-Branche beneiden dürfte: Sie konnte sich mit einem Song, den sie zum Soundtrack einer TV-Serie beisteuerte, einem Millionenpublikum zeigen und damit auf sich aufmerksam machen. Die Künstlerin nahm dafür eine Cover-Version des Nena-Klassikers "Irgendwie irgendwo irgendwann" auf, die in der am 14. Januar ausgestrahlten Folge der Serie "Der Bergdoktor" zum Einsatz kam. Der Rest dieser Geschichte klingt wie ein Märchen. Ihre Version des 80er Jahre-Hits kam bei den Zuschauern richtig gut an. Die Leute wollten die Nummer gern haben, also erschien das Lied digital und landete prompt auf Platz 1 der Charts.

Aus diesem äußerst erfreulichen Erlebnis entstand die Idee, nach zehn Alben mit eigenen Liedern in bajuwarischer Mundart jetzt eins mit Cover-Versionen auf Hochdeutsch aufzunehmen. Nicht irgendwelche Lieder wurden da mal schnell auf links gedreht, sondern Lieblingslieder der Musikerin sollten hergenommen werden, um diesen die eigene Seele einzuhauchen. Dafür tauchte Claudia tief in das Meer deutschsprachiger Lieder ein, um ihre persönlichen Perlen an die Oberfläche zu holen. Insgesamt 12 Fundstücke dieses Tauchgangs kann man nun auf dem Album "Perlentaucherin" finden und darf - so wie der Rezensent - dabei Ohrenzeuge mit offener Kinnlade werden, was aus (teilweise) echt genialen Vorlagen noch alles herauszuholen ist.

Schauen wir zuerst auf den Song, der alles ins Rollen gebracht hat: "Irgendwie irgendwo irgendwann". Im Original gesungen von NENA, die damals von einer genialen Band begleitet wurde. Auf einem von ihren Musikern und den Produzenten (Spliff) erzeugten druckvollen und verspielten Soundteppich konnte NENA damals mit ihrem doch recht dünnen Stimmchen auf sich aufmerksam machen. In der Koreck'schen Version ist es umgekehrt. Hier steht eine tolle Stimme im Vordergrund und die Musik tritt dafür in den Hintergrund. Klavier und Gitarre liefern ein fragiles Klangkleid, in das die unter die Haut gehende Stimme der Sängerin eingehüllt wird. Der laute Rock-Sound des Originals ist einem dezenten Arrangement gewichen, und der Inhalt bekommt durch Claudia Koreck eine andere Wirkung. Kein Wunder, dass die Leute vor dem Fernseher dabei steil gegangen sind.
Gleiches gilt für das folgende Lied "Ein Kompliment", das die SPORTFREUNDE STILLER im Jahre 2002 im Original veröffentlicht haben. Peter S. Brugger heißt deren Sänger, der sich im Original gesanglich mächtig abmüht. Und weil "gut gemeint" nicht auch "gut gemacht" bedeutet, wurde es längst mal Zeit, dass dieser durchaus tollen Song-Idee seitens einer talentierten Stimme der Glanz verliehen wird, der in dem Song eigentlich steckt, der aber von den Sportfreunden nicht einmal in Ansätzen freigelegt werden konnte. Dies ist Claudia Koreck hingegen ausgesprochen gut gelungen. Wieder nur zu Klavier und Gitarre lässt sie ihre Stimme tanzen und bringt die Liebeserklärung, die dem "Kompliment" inne wohnt, dermaßen glaubwürdig rüber, dass sich einem sämtliche Härchen am Körper aufstellen. Den Zuhörer mit seiner Stimme und einer im Gesang spür- und hörbaren Leidenschaft so an der Seele zu berühren ist große Kunst.
Auch abseits von Liebesliedern weiß Frau Koreck einen auf "Perlentaucherin" gut zu unterhalten. FALCOs internationaler Erfolg "Rock Me Amadeus" bekommt hier einen völlig neuen Schliff. Das Original mit seinen Synthie-Sounds und damals zeitgemäßen Beats wurde entkernt und das freiliegende Gerüst mit akustischen Instrumenten neu verkleidet. Akustische Gitarre und Kontrabass liefern die angejazzte Auslegeware, auf der die "Perlentaucherin" stimmlich ein weiteres Mal brillieren kann. Man traut seinen Ohren kaum, was die Künstlerin aus dieser 35 Jahre alten Nummer gemacht hat, die ohne Frage sicher keine leichte Vorlage für eine Neufassung ist.
Ebenso "Mensch" von Herbert Grönemeyer. Auf dem Papier kann man sich nur schwer vorstellen, hier noch was besser machen oder hinzufügen zu können, das der Meister selbst nicht konnte. Das Stück wurde von Claudia entschleunigt und zur Akustikgitarre gesellen sich noch Streicher dazu. Mit zarter Stimme gibt die Sängerin dem Text eine andere Farbe und auch eine andere Wirkung. Der großen Vorlage von Herbert Grönemeyer stellt die Bayerin eine ebenbürtige Alternative zur Seite, die tief in einem wühlt und wie schon das Original mit seiner Hintergrundgeschichte Emotionen aufkommen lässt, denen man sich gern hingibt. Ein unausweichlicher Gänsehautmoment!
Egal ob mit der vom Klavier getragenen Neueinspielung von "Du trägst keine Liebe in Dir" (Im Original von ECHT), der zur Ballade gewordenen Ausführung von "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte) oder auch dem sehr zerbrechlich klingenden "Wieder hier" (Westernhagen) - solche Momente gibt es auf der CD reichlich. Claudia Koreck macht sich jede Vorlage zu Eigen und lässt daraus überraschende Neuinterpretationen werden, die Spaß machen, einen allesamt berühren und zeigen, dass gute Vorlagen manchmal noch besser klingen können.

Man muss den Machern vom "Bergdoktor" dankbar sein, dass sie Claudia Koreck die Möglichkeit gegeben haben, einen Song für die Sendung beizusteuern. Damit hat sie sich in die Herzen von vielen Zuschauern gesungen und auf sich aufmerksam machen können. So entstand schließlich vorliegendes Album und für die Künstlerin die große Wahrscheinlichkeit, dass die neuen Fans ihrer Lieder, die sie auf dem Sofa beim Fernsehen abgeholt hat, auch ihre bisher erschienenen Alben entdecken (falls noch nicht geschehen). Zu wünschen wäre es der sympathischen Sängerin aus Traunstein, die auch vorher schon mit ihrer Stimme und ihren Liedern überzeugen konnte und seit ihrem Debüt ("Fliang", 2007) immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, dass Musik ihr Leben ist und sie diese liebt und lebt. Die "Perlentaucherin" überträgt diese Liebe nun auch auf fremde Kompositionen und Texte, und toppt damit sogar manch ein Original.
(Christian Reder)





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