Chris Kramer & Beatbox'n'Blues:
 
"21st Century Blues" (Album)
 


lp24 20210716 1549510322VÖ: 23.07.2021; Label: Blow 'Till Midnight Records/Fenn Music; Katalognummer: BTM 1026-00; Musiker: Chris Kramer (Gesang, Mundharmonika, Gitarre), Kevin O'Neal (Beatbox, Rap, Gesang), Sean Athens (Gitarre, Gesang); Bemerkung: CD im aufklappbaren Digipak, mit Booklet und Abdruck der Songtexte;

Titel:
The Preacher • Oh Lord • Breakaway • Howlin' Wolf T-Shirt • Midnight in Paris • Can't Bring Me Down • Isil Calad • Everybody • I'll Get Us out of Here • Greatest Day • In the Dead of the Night • On My Way • Together with the Blues/div>


Rezension:
Mit "21st Century Blues" liefert Chris Kramer jetzt sein drittes "Beatbox 'n' Blues"-Album. Nach den erfolgreichen Veröffentlichungen von 2017 und 2018 und gefeierten internationalen Auftritten, unter anderem zur International Blues Challenge in Memphis, Tennessee, und anderen Stationen in den USA, scheint es nur als folgerichtig, dieser speziellen Spielart des Blues ein weiteres Album zu widmen, um die Gemeinde der Liebhaber dieses Genres zu erfreuen - und sicherlich auch aufs Neue zu verblüffen.

Eigenartig im Sinne von eigenständig darf man das Trio, bestehend aus Chris Kramer, Mundharmonika und Gesang, Sean Athens, Gitarre und Gesang, sowie dem zweifachen deutschen Beatbox-Meister und Rapper Kevin O'Neal, getrost nennen. Denn die Position von Drummer und Bassist permanent mit einem Beatboxer zu besetzen, mutet zunächst als Wagnis an, verblüfft dann aber ob der täuschend echten Klangerzeugung und begeistert schließlich vollkommen durch die Virtuosität des Vortrages.

Bereits der Opener "The Preacher" kommt daher wie eine Wolke heißen Sandes, die einem ins Gesicht weht, während man sich durstig, von einer drahtigen Gitarre gepeitscht, durch eine Wüste schleppt. Knackiger, trockener Bluesrock, wie man ihn sich wünscht. Mit einem flotten Gospelchor beginnt hingegen der zweite Song, "Oh Lord", bevor auch dieser in einen waschechten Bluesrocker übergeht. Nach den religiösen Themen kommt mit "Breakaway" noch mehr Tempo auf. Getrieben von einem wahren Beatbox-Feuerwerk - unglaublich, was da abgeht - funkt das Stück fast schon in den Übergangsbereich zum Hardrock hinein, wobei die Grenzen zwischen den Metiers bekanntlich ohnehin nicht klar definiert sind.

Wenn auch das verwendete Instrumentarium dieses Powertrios naturgemäß überschau ist, macht sich keineswegs klangliche Eintönigkeit oder gar Langeweile breit. Vielmehr weckt jedes Stück bereits die Vorfreude auf das nächste. Sean Athens und Chris Kramer treten als gleichberechtigte Sänger auf, und die zur Verfügung stehenden Mittel werden einfallsreich und immer wieder verblüffend eingesetzt, sodass jeder Song eine kleine stilistische Überraschung bereithält. Das ist sehr unterhaltsam, macht Freude und präsentiert den Blues auf eine lockere und lässige, und dadurch äußerst angenehme Weise - nämlich ihn nicht als Dogma zu begreifen, sondern als DNA eines Musik gewordenen Lebensgefühls, aus der sich die unterschiedlichsten Sounds und Stimmungsbilder hervorzaubern lassen.

Dabei erfinden die Kompositionen den Blues freilich nicht neu. Schon beim zweiten Durchlauf der Songs kann man mitsummen, so vertraut wirken die Riffs, die Melodien und die bisweilen von Chören verstärkten Refrains. Und doch klingen die Aufnahmen sehr modern und vor allem sehr klar und direkt - eindringlich, weil frei von prätentiösen Effekten, die auf eine bestimmte Atmosphäre abzielen.

Dass nun ausgerechnet ein Song, der sich einem T-Shirt mit Howlin' Wolf widmet, durch Rap-Gesang und Scratching versetzt wird, zeigt vielleicht am besten, was Chris Kramer und seine Mitstreiter unter dem Blues des 21. Jahrhunderts verstehen. Und sie stehen mit diesem Ansatz nicht allein da, denn von der stilistischen Vielfalt des Werkes her fühlte ich mich sofort erinnert an die beiden ersten Soloalben des ZZ-Top-Gitarristen Billy Gibbons (erschienen 2015 und 2018), der sich gleichfalls nach allen Seiten umschaut und sich nimmt, was passt und Freude bereitet.

Auch dass es auf Chris Kramers Scheibe vertraute Sounds und Spielweisen zu hören gibt, liegt in der Natur der Sache. Die Ballade "Midnight In Paris" etwa kombiniert die Soulstimme von Gastsängerin Cecile Perfetti aus Frankreich mit den Barpianoklängen von Max Paroth und eingestreuten, stark an Gary Moore erinnernden, kunstvollen Gitarrenpassagen, die dann wiederum übergehen in angenehm zurückhaltende Mundharmonika-Melodien.

Generell kann man dem Bandchef Chris Kramer das Kompliment aussprechen, mit seinem Hauptinstrument, der Bluesharp, zwar virtuos, aber stets ausgesprochen songdienlich zu agieren. Alle Instrumente treten gleichberechtigt auf und erzeugen so, Song für Song, und als komplettes Album, ein schlüssiges Hörvergnügen und ein griffiges Gesamtwerk. Im Instrumental "Isil Calad" dominieren die Gitarrensoli - ich höre erneut Gary Moore, auch Carlos Santana - ja, man bedient sich selbstverständlich bei den Besten des Fachs, und man tut es ebenso respektvoll wie auch kunstfertig.

Zum Abschluss ergießt sich "Together With The Blues" aus den Boxen - eine hymnische Slowblues-Nummer in der Art von "Still Got The Blues". Getragen von einer artgerechten Hammond-Orgel, getrieben vom trockenen Box-Beat, gesungen von Chris Kramer und schließlich gipfelnd in einem großartigen Gitarrensolo, fasst dieses Stück noch einmal alles zusammen, was dieses Album ausmacht. Und wenn der letzte Ton verhallt ist, am besten gleich nochmal von vorn … Volle Punktzahl!

Noch unentschlossenen potenziellen Käufern sei empfohlen, sich den ersten und den letzten Song der CD reinzuziehen, denn damit wird das reichhaltige Spektrum dessen, was die Platte zu bieten hat, am besten markiert.
(Thorsten Murr)






   
   
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