Mercy Street: "Live at Kaue 2020" (Album)

mercystreet 20210713 1655894022VÖ: 16.07.2021; Label: Optimistic Records; Katalog-/EAN-Nummer: 4020796486952; Musiker: Ulf Pohlmeier (Gesang), Katja Symannek (Gesang), Patrik Winckler (Gitarre, Gesang), Roman Fuchß (Bass), Thomas Elsenbruch (Keyboards, Gesang), Sven Hansen (Schlagzeug) + Prayday Allstars: Astrid Nowak, Danni Schröder, Ilona Boos, Ina Böhme, Manuel Maag, Margit Grigoleit, Nicole Lemmer-Müller, Petra Hütten, Priya Bowens, Silke Friese, Tobias Schmidt, Vera Tillmanns; Produzent: Tim Jansen; Bemerkung: CD im Digipac ohne Booklet;

Titel:
Come Talk To Me • Red Rain • Family Snapshot • Blood Of Eden • Secret World • Sky Blue (feat. Prayday Allstars) • Digging In The Dirt • Solsbury Hill • Don't Give Up • Sledgehammer • In Your Eyes (feat. Payday Allstars)


Rezension:

Eine meiner absoluten Lieblings-CDs ist das Doppel-Album "Secret World live" von Peter Gabriel. Nicht nur, dass es ein Geburtstagsgeschenk meiner leider schon verstorbenen Oma ist, es beinhaltet auch das für meinen Geschmack perfekte Live-Konzert … musikalisch, technisch, inhaltlich, handwerklich … überhaupt! Ich weiß nicht, wie oft ich die Scheiben (sind ja zwei) schon gehört und die dazu passende Blue Ray angeschaut habe, aber nichts darauf wird langweilig oder fängt an zu nerven. Was sich der britische Musiker dort an Technik und Musikanten auf die Bühne stellte, und was er da aus seinem reichhaltigen Song-Fundus alles live spielte, lässt einen im kuschelig weichen Polstermöbel nur begeistert und mit erhöhtem Speichelfluss in ekstatischer Grundstimmung folgen. Für mich - wie gesagt - das Non-plus-ultra. Danach kommt lange Zeit gar nichts

. Live … also direkt vor Ort … habe ich Gabriel und sein Ensemble allerdings noch nicht erleben können. Seinen Basser Tony Levin vor einiger Zeit schon, der ja allein einen Konzertbesuch wert ist, aber alle zusammen mit dem ehemaligen GENESIS-Frontmann am Mikro noch nicht. Zuletzt hielten mich die abenteuerlichen Ticket-Preise von einem Besuch eines seiner Konzerte in Düsseldorf ab, als er sein "So"-Album nochmals neu und 30 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung wiederaufführte. Soweit ging die Liebe dann doch nicht, dass ich für einen Stehplatz ganz hinten, in direkter Nähe zu den sanitären Anlagen und dem Parkplatz, einen dreistelligen Euro-Betrag raushauen wollte. Umso dankbarer war ich vor drei Jahren, als in der "Lindenbrauerei" zu Unna ein Konzert der Gruppe MERCY STREET angekündigt war. Eine Tribut-Band (KEINE Coverband!), die sich einzig und allein auf den Output des visionären Musikers Peter Gabriel spezialisiert hat. Das ist aber auch logisch, denn wer sich an die Musik von Gabriel heran wagt, darf nebenher auch nix anderes mehr machen, kann nur wenig schlafen und muss die Mahlzeiten zwischen Toilettengang und Band-Probe einnehmen, denn sonst verhebt man sich übelst. Wie schon erwähnt, sind bei Gabriel die Instrumente erstklassig ... da findet sich kein Murks im Fuhrpark … und auch bei den Musikern hat er handverlesen die Creme de la Creme verpflichtet. Mit ihnen spielt er seit Jahrzehnten zusammen - im Studio und auch live auf den Bühnen. Das ist gewachsen, da greift ein Rädchen ins andere, und das Endprodukt ist einzigartig und kaum reproduzierbar.

Was ich letztlich in Unna bei MERCY STREET erlebt habe, kann man in meinem Bericht auf dieser Seite (HIER) nachlesen. Ich war am Ende des Tages begeistert von dem was Ulf Pohlmeier, der regelmäßig in die Rolle des Altmeisters schlüpft, und seine Kollegin und Kollegen von MERCY STREET auf die Bühne gebracht haben. Ganze drei Stunden Programm und handwerklich richtig gut umgesetzt. Das ganze hatte einen ordentlichen Druck und es war schön zu sehen/hören, dass die Detailverliebtheit ihres großen Idols auch auf sie abgefärbt ist. Ist man auf Stadtfesten ja inzwischen schon zufrieden, wenn der Gitarrist der lokalen Cover-Band beim Vortrag von ABBA bis Robin Williams die Gitarre richtig herum hält und der Sänger nach dem zweiten Lied noch genug Puste hat und nicht künstlich beatmet werden muss, spielt diese Band nicht nur in einer anderen Liga, sondern übt scheinbar eine ganz andere Sportart aus. Neben Pohlmeier hatte es mir auch Sängerin Katja Symannek schwerstens angetan. Das war schon das hohe C, was einem da gesanglich geboten wurde, und die Wiedererkennbarkeit war durchaus gegeben. Mehr noch … Die Gänsehaut, die einem Paula Cole oder Kate Bush auf den Pelz zu brennen vermögen, kann auch Frau Symannek auslösen.

Nun also gehen Teile des Live-Programms auf eine CD, die die Band "Live at Kaue 2020" getauft hat. Sie konserviert den konzertanten Vortrag einiger Lieder ihres Konzerts in der Gelsenkirchener "Kaue" aus dem letzten Jahr. Völlig abgesehen davon, dass das Konzert im April 2018 in drei Stunden bei mir und meiner Begleitung für eine Menge Frohsinn sorgte und uns wirklich gut unterhalten hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich das letztlich auch daheim auf CD haben muss. Größtes Manko: Soundtechnisch und handwerklich findet man hier im Vergleich zum Original natürlich Schwächen, die einem als Konzertbesucher im "Eifer des Gefechts" vor der Bühne gar nicht so auffallen, beim "in Ruhe hören" über die Anlage aber förmlich anspringen. Wo Mr. Gabriel keine halben Sachen macht, Geigen, Flöten und andere fürs Detail erforderliche Instrumente einsetzt, setzt das Unternehmen MERCY STREET das mit digitalen Helferlein in Form von Synthis und Keyboards um. Ginge anders auch gar nicht, denn sonst müssten bei MERCY STREET noch fünf bis sechs Musiker mehr in der Besetzung sein. Mir fiel das extrem bei "Blood of Eden" auf. Und an anderer Stelle wurde das Stage-Piano durch die E-Gitarre ersetzt. Darum bin ich auch eher der Freund davon, mir diese wirklich tolle Band live und in Farbe an einem Ort meiner Wahl anzuschauen, daheim aber auf mein absolutes Lieblings-Album vom Meister höchstpersönlich zurückzugreifen. Dies muss aber jeder Leser/Konzertgänger für sich selbst entscheiden.

Ich glaube auch nicht, dass die Musiker der Band den Anspruch haben, das Original mit ihrem Album in den Schatten stellen zu wollen. Hier geht es in erster Linie um den Spaß an der Musik und an die Ehre, die geile Musik von Gabriel selbst live spielen zu können. Es soll ein Erinnerungsstück für die Musiker und ihr Publikum sein. "Live at Kaue 2020" darf man daher wohl als eine nette Ansichtskarte ansehen, die man sich nach einer der Muggen mitnehmen und als Erinnerung an einen feinen Abend in den Schrank stellen kann. Wer aber die Originalen von Peter Gabriel hat, wird im Zweifelsfall immer darauf zurückgreifen. Trotzdem: Gut gemachtes Live-Album mit kleinen Schwächen …
(Christian Reder)





Seh- und Hör-Bar:






Bonus (nicht auf der CD):





   
   
© Deutsche Mugge (2007 - 2021)

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.