LAING: "Live" (Album)

lp05 20201214 2008586368VÖ: 10.12.2020; Label: Eigenvertrieb; Katalognummer: 4064832202557; Musiker: Nicola Rost (Gesang), Josefine Werner (Gesang), Johanna Marshall (Gesang), Josette Micheler (Gesang), Axel Schildhauer (Schlagzeug, Programming), Georg Wende (Bass, Keyboard, Percussion); Bemerkung: Ausschließlich auf CD erschienen. CD im aufklappbaren Pappcover inkl. Booklet mit zahlreichen Fotos (keine Texte)

Titel:
Camera • Nein • Hoch ist die richtige Richtung • Safari • Du bist Dir nicht mehr sicher • Aria dei musculi • Zeig Deine Muskeln • Organspende • Nieselregen • Puzzle • Dein, Deine, am Deinsten • Wechselt die Beleuchtung • Maschinell • Nacht für Nacht • Unberechenbar • Pleite • Meine Sprache


Rezension:
Hast Du die Damen von LAING schon einmal live erlebt? Nicht? Dann hast Du bisher etwas echt Großes verpasst. Allein, wenn man ihre Platten/CDs hört, ist man von den Wortspielereien sowie der außergewöhnlichen und einzigartigen Darbietung hingerissen. Das aber potenziert sich noch, wenn man dazu auch was Visuelles gereicht bekommt. Nicht nur, dass man die drei Sängerinnen und die Tänzerin auf einem Konzert bei der Arbeit beobachten kann, man bekommt auch noch frische Zutaten serviert. Es wird bei dem Live-Vortrag nämlich noch fleißig am Arrangement gewerkelt, so dass man als Konzertbesucher mehr auf die Ohren bekommt, als man auf der Platte finden kann. Zumindest vom zuletzt Genannten kann man sich nun auf der ersten Live-Scheibe des Berliner Quartetts überzeugen.

Dass der Ideenreichtum von Sängerin und Bandchefin Nicola Rost seine Grenzen nicht nur beim Komponieren und Texten hat, und dass die beiden Kolleginnen links und rechts von ihr - sowie die tanzende Dame im Hintergrund - nicht nur schmückendes Beiwerk sind, wird gerade live mehr als deutlich. Zwar kann man das im Hinblick auf Marisa Akenys Tanzkünste über eine einfache CD natürlich nicht sehen, aber man kann dem Silberling abhören, was für ein Feuerwerk dort auf der Bühne abgefackelt worden ist. Dafür sorgten bei diesem hier eingefangenen Konzert aus dem Jahre 2019 u.a. auch Axel Schildhauer am Schlagzeug und Georg Wende am Bass und am Keyboard. Die beiden sorgten durch ihr Mitwirken für einen dichten Sound und eine angenehme Tiefe. Vieles klingt auf dieser Scheibe auch durch veränderte Arrangements und dem Hinzufügen weiterer Ideen beim Live-Vortrag anders als das, was man auf den Studio-Platten hören kann. Das sorgt dafür, dass sich einzelne Titel von dem unterscheiden, was man "von zu Hause" aus gewohnt ist und deshalb für eine neue Sicht auf so manches Stück. Dies aber nur am Rande bemerkt für den Fall, dass sich jemand schon bei der Ankündigung, es handele sich um ein Live-Album, gefragt haben sollte, was das bei LAING denn für einen Sinn macht.

Zur instrumentalen Umsetzung kommen natürlich noch die Hauptzutaten der LAING'schen Musik dazu, und das sind nun mal Nicola, Josefine und Johanna, die mit Solo-, Satz-, Chor- und Rudelgesang für Frohsinn und anerkennendes Kopfnicken im Takt sorgen. Bei "Aria dei musculi" und "Zeig Deine Muskeln" werden die drei Sängerinnen zudem von der Opernsängerin Josette Micheler unterstützt, was für einen weiteren Farbtupfer sorgt. Und so zwitschern und trällern sich die Stimm-Akrobatinnen durch eine 17 Lieder umfassende Werkschau und somit einen aussagekräftigen Querschnitt ihrer bisher veröffentlichten drei Alben. Und dabei wird es in keiner Sekunde langweilig. An jeder Ecke und Kante hat das Ensemble Überraschungen fürs Publikum eingebaut, zu denen hauptsächlich die Spielereien und die Rollenverteilung beim Gesang innerhalb einzelner Titel gehören. Das gefällt sehr gut, das macht Laune!

Bei LAING wechselt nachweislich nicht nur die Beleuchtung, sondern auch musikalisch ist man weit weg vom Einerlei. Gerade noch genießt man einen von Kraftwerk beeinflussten Elektrosound ("Maschinell"), da wird man von den Damen im nächsten Moment in die soulige Richtung geschubst ("Nein", "Hoch ist die richtige Richtung") oder in den Club-Raum gezerrt ("Du bist Dir nicht mehr sicher"), um dann ein paar Stücke weiter lauschen zu dürfen, wie stark im Jazz-Revier gewildert wird ("Camera". "Organspende"), und dieser sogar mit klassischen Elementen vermischt wird ("Puzzle", "Dein, Deine, am Deinsten"). Egal, an welcher Stellschraube da gedreht wird, das Publikum geht hörbar ab. Es feiert die Band lautstark, singt mit oder übernimmt einzelne Passagen des Textes gleich komplett. Zwischen den vortragenden Künstlerinnen und den Leuten im Publikum knistert es nicht nur, es zucken die Blitze! Und es ist perfekt gelungen, diese besondere Stimmung auf der CD einzufangen.

Das Album "Live" ist lediglich auf CD erschienen, und das in einer limitierten Auflage. In der Konzert-freien Virus-Auszeit sorgt die Band so dafür, dass man sie nicht vergisst und gibt den Fans eine Überbrückungs-Hilfe in Form von Tönen für daheim. Verpackt ist das Ganze in einem aufklappbaren Pappcover, in dessen beigefügtem Booklet man die Bilder zur Musik finden kann. Ein paar Live-Fotos von der Berliner Mugge, die hier zu hören ist, dienen so als Starthilfe für das Kopfkino, in dem parallel zur Musik bei geschlossenen Augen ein passender Film entstehen kann. Dieses Live-Album ist von vorn bis hinten gelungen und lässt - bis auf den Überhit "Morgens immer müde", der ausgespart wurde - keine Wünsche offen.

"Ich würde am liebsten von vorne anfangen", sagt Nicola Rost am Ende der CD. Das Schöne an so einer Konserve ist ja, dass man dies als Hörer vor dem Endgerät im Gegensatz zum Künstler auf der Bühne auch tun kann. Ich hab's jedenfalls getan! Hast Du jetzt auch Lust auf ein Live-Konzert von LAING? Dann lass Dir die nächste Gelegenheit nicht nehmen. Und bis es soweit ist, kannst Du Dich mit der Scheibe hier schon mal warmlaufen.
(Christian Reder)





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