westernhagenwunsch 20130107 1598221383 Titel:
Label:
VÖ:

Titel:

"Wunschkonzert"
Starwatch (Warner)
2008

siehe unten


Tracklist:

CD:
1. Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz
2. Laß' uns leben
3. Sexy
4. Taximann
5. Mit 18
6. Johnny W.
7. Ladykiller
8. Der Junge auf dem weißen Pferd
9. Willenlos
10. Weil ich Dich liebe
11. Es geht mir gut
12. Hier in der Kneipe fühl' ich mich frei
13. Schweigen ist feige
14. Wieder hier
15. Freiheit (Live von "Keine Zeit")

DVD:
1. Sexy (Video)
2. Weil ich dich liebe (Video)
3. Fertig (Video)
4. Freiheit (Video)
5. Krieg (Video)
6. Wir werden gleich sein (Video)
7. Charlie (Video)
8. Metropolis Blues (Video)
9. Auf 'ner einsamen Insel (Video)
10. Ich will es wissen (Video)
11. Steh auf (Video)
12. Willenlos (Video)
13. Es geht mir gut (Video)
14. Schweigen ist feige (Video)
15. Tanz mit dem Teufel (Video)
16. Keine Zeit (Video)
17. Jesus (Video)
18. Wieder hier (Video)
19. Supermann (Video)
20. Durch deine Liebe (Video)
21. Rosanna (Video)
22. Nimm mich mit 2000 (Video)
23. Böser Engel (Video)
24. Eins (Video)

Rezension:
Eigentlich wollte MARIUS MÜLLER-WESTERNHAGEN, der sich seit 1987 nur noch kurz und prägnant WESTERNHAGEN nennt, ja nie wieder ‚live' auftreten. Doch zu seinem 60. Geburtstag, den er am Nikolaustag 2008 feierte, entschloß er sich, seinen Hunderttausenden Fans eine ganz spezielle Freude zu bereiten - und kündigte ein (zunächst auf Einmaligkeit ausgerichtetes) Geburtstagskonzert am 18.12.2008 in Köln an. Die Resonanz seiner Anhänger darauf war so überwältigend, daß man sich entschied, noch drei weitere Auftritte zu organisieren. So gibt Marius, zusätzlich zu zwei Kölner Veranstaltungen (18./19.12.08, "Lanxess Arena"), noch konzertären Einstand in Hamburg (22.12.2008, "Color Line Arena") und Berlin (23.12.2008, "Max-Schmeling-Halle").
Für das Hamburger Konzert wurden mein bester Freund und Kollege, Dr. Jan Lindenau, und ich akkreditiert, so daß zum gegebenen Zeitpunkt an dieser Stelle eine ausführliche Würdigung von Westernhagens Aufwartung in ebenjener, unserer Heimatstadt folgt, in der er zu Beginn der 70er Jahre seine monumentale Karriere gestartet hatte.
Das Besondere an Marius' Geburtstagskonzerten ist die Tatsache, daß das aus 15 Titeln bestehende Repertoire auf seiner Homepage www.westernhagen.de von seinen Fans abgestimmt werden konnte. Auch der Verfasser dieser Zeilen beteiligte sich, als langjähriger Westernhagen-Anhänger, an diesem - neudeutsch gesagt - "Voting". Diese 15 Klassiker, wie gleichsam Raritäten, sind nun im Rahmen einer feudal ausstaffierten, zugleich limitierten CD/DVD-Edition namens "Wunschkonzert" bei WARNER MUSIC GROUP erschienen.
Die über einstündige Audio-CD enthält so bekannte, brachial rockende Partyhits und Evergreens der Sorte "Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz" (1978), "Sexy" (1989 - ausgestattet mit der genialischen Textzeile "Sexy - Für Dich haben Gott und Teufel nen Vertrag geschlossen"), "Mit 18" (1978), "Schweigen ist feige" (1994, Textzitat: "Schweigen ist feige - Reden ist Gold" - wow!), wie gleichermaßen eher unspektakuläre, aber stets gefragte Radio-Dauerbrenner, wie z.B. "Weil ich Dich liebe" (1989) oder "Es geht mir gut" (1994) - fraglos keine schlechten Nummern, aber eben "braver" Mainstream, der keinem weh tut. Von den stets phantastischen Balladen des gebürtigen Düsseldorfers fanden die trefflich formulierte Alkoholiker-Hymne "Johnny W.", das klassische und überaus authentische Kleine-Leute-Epos "Wieder hier" (1998), der mutmachende Pianoschleicher "Laß uns leben" (1983) und natürlich - wie kann es anders sein? - Marius' spezieller Beitrag zur Wiedervereinigung, "Freiheit" (hier in der Liveversion aus 1990), Platz auf "Wunschkonzert". Zu den "Fan-Geheimtipps" zählen der "Taximann" aus dem noch sehr Liedermacher-beeinflußten, aber so provokant, wie programmatisch, betitelten 1975erLP-Debüt "Das erste Mal", der abgeklärt-bissige Blues "Der Junge auf dem weißen Pferd" (1980) oder der auf keinem regulären Westernhagen-Album bedachte "Schimanski"-"TATORT"-Soundtrack "Hier in der Kneipe fühl' ich mich frei" (1981).
Bei all diesen Titeln handelt es sich letztlich um teutonisches Kulturgut, welches längst in die hiesige Musikhistorie eingegangen ist. Der frühere, mehrfach ausgezeichnete Schauspieler hat (nicht nur) mit diesen ausnahmslos selbst betexteten und eigenständig komponierten Milieustudien, die inhaltlich ab Ende der 80er immer philosophischer, religiöser und nachdenklicher gerieten, ohne jegliche Zweifel Klassiker deutscher Rockmusik vorgelegt - und ich bin mir sicher, daß sich nicht wenige 80er-Jahre-Kinder immens darüber freuen, daß der mehr als nur bescheiden, fast devot wirkende Vollblutmusiker all diese klanglichen Bestandteile unserer Jugend in Bälde noch ein letztes Mal ‚live' aufführen wird.
Auf der der Erstauflage von "Wunschkonzert" beigefügten, 95(!)minütigen DVD, befinden sich ganze 24 (!) Videoclips aus den 90er und "Nuller"-Jahren. Diese sind durchgehend hochwertig und künstlerisch tiptop ausgefallen. Die Idee des Surrealismus stand bei vielen dieser Clips Pate - Marius operiert mit immer gekonnt eingesetzten Anspielungen auf religiöse Elemente, auf erotische Gedanken - regelmäßig provokativ, aber niemals verletzend oder gar vulgär. Im Video zum 1992er-Gassenhauer "Krieg" etwa, in dessen Text er die biblischen Zehn Gebote eingebaut hatte, konterkariert er dieselben mit nur wenigen Sekunden lang andauernden, kontroversen Bildern, etwa die eines heuchelnden Bischofs, gewissenloser Soldaten oder gar des "Gröfaz" Adolf, in perfekter, kreativ phänomenal austarierter Manier.
Wir hören und sehen auf der DVD-Zugabe von "Wunschkonzert" - im besten Sinne der Wortes - visuell "diabolisch" umgesetzte Deutschrock-Meilensteine, a la "Fertig" (1989), "Ich will es wissen" (1992), "Steh auf" (dto.), "Schweigen ist feige" (1994), die sehr gediegen, sanft ertönende 2000er-Neuaufnahme von Marius' 1987er-Hymnus "Nimm mich mit" oder - schlicht und einfach grandios - die rockig/folkige Ode auf den "Bösen Engel"; eine nicht unbedingt bürgerlich-anständig lebende Frau, die aber den eher konservativen Protagonisten vollkommen in ihren Bann gezogen hat, und der sie - gerade, wegen ihres chaotischen Verhaltens bzw. Vorlebens - niemals mehr missen möchte.
"Wunschkonzert" ist eine Klasse CD/DVD geworden, die Appetit macht auf die vier anstehenden Geburtstagskonzerte. Es sei allen Freunden guter, erdiger, deutschgesungener Rockmusik angeraten, sich zum einen "Wunschkonzert" zuzulegen und zum anderen das entsprechende "Wunschkonzert" vor Ort zu besuchen. Es ist davon auszugehen, daß Marius danach womöglich nie wieder auftreten wird - er ist ein Künstler, der immer auf dem Boden geblieben ist, ein m.E. sehr schüchterner, zurückhaltender Mensch - der aber Zeit seiner über 30jährigen Karriere auf der Bühne alles gegeben hat, was nur zu geben war. Wir gratulieren ihm zu seinem 60. Geburtstag (was man ihm übrigens gar nicht ansieht!) und freuen uns auf die vier Konzerte (und hoffen selbstverständlich, daß der "Konservative Anarchist" sich vielleicht ja doch noch dazu entschließt, zu seinem 65. oder 70. uns erneut per Livedarbeitung zu beglücken!) Gesamtnote - "Wunschkonzert": Bestwertung!
(Holger Stürenburg)

 


   
   
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