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Bericht:
Jens Lorenz

Fotos:
Jens Lorenz (alle Live-Fotos)
Pressematerial (Textillustration)





Es war ein verregneter Freitagabend in Berlin. Eigentlich hätte es mich nicht gewundert, wenn das geplante Konzert der Stern-Combo Meißen in der Biesdorfer Parkbühne komplett abgesagt worden wäre. Es schien so gar nichts zu passen an diesem Tag.a 20130922 1052650984 Thomas Kurzhals lag noch immer im Krankenhaus, auch wenn er sich nach offiziellen Angaben schon wieder auf dem Weg der Besserung befindet. Auf der Bühne aber würde er natürlich nicht stehen. Dazu der für Berlin immer schwierige Termin: Freitag um 19:00 Uhr. Und als ob das nicht schon genug wäre, regnete es wirklich fast den gesamten Abend. Das Konzert fand trotzdem statt. Allerdings für mich (mal wieder) verspätet.

Als ich mich ca. 18:45 Uhr durch die teilweise sehr heftigen Regengüsse und den Schlosspark hin zur Freilichtbühne gekämpft hatte, gab es am Einlass die Ernüchterung. Kamera? Nein! Na Klasse. Zwar war Deutsche Mugge angemeldet, aber von einer Kamera wusste der Einlass nichts. Seufzend kramte ich mein Telefon aus der Tasche und versuchte Detlef Seidel zu erreichen. Dieser versprach dann auch einen Verantwortlichen zum Einlass zu schicken, hatte aber so seine Zweifel, ob dieser sich auch wirklich bei dem Wetter auf den Weg machen würde. Er machte sich auf den Weg. Allerdings zu spät. Denn als ich endlich (mit Kamera) in die Location konnte, war die Vorband fertig mit ihrem Act. Na wenigstens würde ich die Headliner des Abends in voller Länge erleben können. Zum Support allerdings kann ich nichts schreiben.

Nun ist das mit dem Wetter ja so eine Sache. Jeder Veranstalter von Freiluftkonzerten steht ja vor diesem Problem. Fast jeder. Dass sich die Veranstalter von beispielsweise Wacken Open Air ob eventueller Unwetter kaum Gedanken machen müssen, steht außer Frage. Aber das ist auch ein anderes Publikum. Wer in die Parkbühne nach Biesdorf kommt hat dann vielleicht eher so seine Probleme damit, knapp drei Stunden Dauerregen ausgesetzt zu sein. Das Publikum wurde aber genau in jenem stehen gelassen. Einzige Alternative: Regenumhänge am Einlass. 2,50 Euro. Geholfen haben sie aber auch kaum. Da erinnert man sich doch gerne an den überdimensionalen "Magic Sky" vom IMPRO REVIVAL in Magdeburg und fragt sich, ob das in Berlin nicht auch möglich wäre.
b 20130922 1943750166Dass überhaupt Besucher kamen, war die erste positive Überraschung des Abends. Und das noch nicht einmal zu knapp. Natürlich war die Location bei weitem nicht ausverkauft, es liegt aber die Vermutung nahe, dass die Sterne aus Sachsen die Bühne selbst an einem Freitagabend voll bekommen hätte, so der Himmel ein Einsehen mit ihnen gehabt hätte. So hieß es dann auch passend in einem Song "Wir wollen Sonne" statt: "Wir sind die Sonne".

Reini Fißler schlug dem Wetter ebenfalls ein Schnippchen und ließ sich unter einem überdimensionalen (Sonnen-)schirm das Konzert seiner alten Band nicht entgehen. Eine schöne Geste fand ich, dass einige Bandmitglieder nach dem Konzert auch noch zu Reini gingen um ihn zu begrüßen. Dieser hatte dann auch für Manuel Schmid noch einige Tipps parat. Und Lob. Denn Reini gefiel das Konzert, ebenso wie dem Rest der Zuschauer. Überhaupt Manuel Schmid. Er ist wohl der größte Glücksfall der Stern-Combo Meißen in den letzten Jahren. Nicht nur, dass er frisches Blut und jugendlichen Schwung in die Band brachte, als echtes Multitalent ersetzte er auch noch Thomas Kurzhals an den Keyboards. Was sich dem Hörensagen nach in Kamenz auf dem Hutberg noch mehr oder weniger als eine Notlösung darstellte, hatte in Berlin schon einen ganz anderen Charakter. Ganz ersetzen konnte auch er Thomas Kurzhals natürlich nicht (auf "Weißes Gold" musste an diesem Abend verzichtet werden), aber was er an den Keyboards und dem Mikrofon leistete war wirklich aller Ehren wert. Respekt!

Nach einer Umbauphase betrat die Stern-Combo Meißen dann um 19:45 Uhr die Bühne.

Line-Up:
Manuel Schmid (Gesang, Keyboards)
Martin Schreier (Gesang, Percussion)
Sebastian Düwelt (Keyboards)
Frank Schirmer (Schlagzeug)
Axel Schäfer (Bass)
Rene Niederwieser (Special Guest, Gitarre)

Los ging es in den Siebzigern. 1979 um genau zu sein. Mit "Die Sage". Inspiriert - laut Martin Schreier - von den Fahrten durch das Land an den Burgen ihrer Heimat vorbei. Was als Erstes auffiel war das veränderte Bühnenbild.c 20130922 1647259938 Den ursprünglichen Platz von Kurzhals auf der linken Bühnenseite hatte an diesem Abend Sebastian Düwelt inne. Manuel Schmid verbrachte den größten Teil des Konzerts zwischen den Kurzhals-Keyboardständern an einer Unzahl von Tasten zentral auf der Bühne mit gleich drei Mikrofonen ausgestattet. Axel Schäfer wie gewohnt rechts und die Drums natürlich in der Mitte hinten.
Ein anständiger Satzgesang führte uns in die Zeit der Ritter. Den Sound in der Biesdorfer Parkbühne kann man als okay betrachten, auch wenn von dem angekündigten Quadrophonie-Sound so gut wie nichts zu hören war. Dazu hätte man sich schon in die letzte Reihe und nahe den Surround-Lautsprechern stellen müssen. Überhaupt erschien mir der Sound auf den hinteren Plätzen besser zu sein, als direkt vor der Bühne. Mir schien die linke Boxenreihe ein wenig unsauber zu klingen. Aber vielleicht lag das auch nur an den Unmengen Wasser in meinen Ohren.

Martin Schreier führte mit seinen Ansagen durch den Abend und versäumte es natürlich nicht, auf die am 8. April 2013 im Stage-Theater am Potsdamer Platz aufgenommene Live-DVD hinzuweisen, die kurz vor der Fertigstellung steht. Ab November wird sie im Handel sein und ich persönlich kann sie eigentlich jedem Fan guten Gewissens empfehlen, habe ich das Konzert doch seinerzeit live besucht.

Nachdem es kurz vor Konzertbeginn tatsächlich aufgehört hatte zu regnen, setzte schon nach 10 Minuten wieder ein leichter Nieselregen ein, der sich bis zum Ende des Konzertes zu einem ausgewachsenen Dauerregen entwickelte.d 20130922 1756344629 So war es mir leider kaum möglich Fotos von diesem Event zu machen. Zwar sind die heutigen Kameras spritzwasserfest, von einer Unterwasserkamera ist meine Technik dann aber doch noch weit entfernt.
Mit dem zweiten Titel des Abends blieben wir in den Siebzigern. Vom Album "Der weite Weg" gab es eine Ballade, die von Thomas Kurzhals komponiert und von Norbert Jäger getextet wurde. "Was bleibt". Zwei ruhigere Titel zum Anfang, die das unter den Regenschirmen gefangene Publikum nicht ungerührt ließen. Man musste wohl davon ausgehen, dass an diesem Abend nur Hardcore-Fans den Weg in Parkbühne fanden, so dass der Kontakt von Band und Publikum sofort hergestellt wurde und es keine Aufwärmzeit gab. Aber auch hier ging Manuel Schmid noch einen Schritt weiter. Es gab nicht wirklich viele Gelegenheiten, an denen er seine Keyboards verlassen konnte, aber wenn, dann war er sich auch nicht zu schade, das Mikro in die Hand zu nehmen und auf das Publikum zuzugehen. Natürlich war die gesamte Technik im hinteren Teil unter dem Bühnendach aufgebaut. Auch wenn zu Beginn nur ganz wenige der Fans den Weg direkt an die Bühne fanden, so war doch immer noch ein räumlicher Abstand von gut fünf Metern zwischen den Musikern und ihrem Publikum. Manuel Schmid aber war sich nicht zu schade, den vom Regen geschützten Teil zu verlassen, mit dem Ergebnis, am Ende des Konzerts genauso durchnässt wie das Publikum zu sein. Glücklich waren am Ende trotzdem alle.

Mit dem tollen Song "Das kurze Leben des Raimond S", und seinem (leider) immer noch aktuellen Text, begab sich die Stern-Combo Meißen musikalisch in die Neuzeit. Es folgten noch weitere vier Titel vom Album "Lebensuhr". Ganz kann die Band meiner Meinung nach nicht an die alten Zeiten der Konzept-Alben anschließen. Durch die erzwungenen und hausgemachten Neubesetzungen hätten sich sicherlich noch ganz andere musikalische Möglichkeiten ergeben.e 20130922 1076641374 Aber vielleicht ist es dafür auch noch zu früh. Wer weiß, was die Zukunft bringt, wenn sich die Sterne noch einmal auf ihre alten Stärken besinnen. Schlecht ist die Musik deswegen allemal noch nicht, auch wenn die Strophen von "Reiter der Nacht" und "Die Zeder von Jerusalem" doch sehr ähnelten. Bei "Lebensuhr" gab es sogar fast einen Ausflug in die Tanzmusik, den Manuel Schmid diesmal am Schellenkranz begleitete.

Nach dem Schellenkranz kam dann auch noch die Sonnenbrille und mit "Der eine und der andere" gab es wieder eine Komposition von Thomas Kurzhals (Text: Kurt Demmler). Die Lichtshow fand ich an diesem Abend etwas schwach. Gerade zu einem Musikstil, wie ihn die Stern-Combo Meißen zelebriert, könnte etwas mehr Kreativität und ausgefallene Ideen dem Gesamtkonzept noch einem deutlichen Schub nach vorne verleihen. Was es in Biesdorf in Bezug auf Bühnenshow (Licht, Nebel) zu sehen gab war guter Durchschnitt, mehr aber auch nicht (Dazu muss ich aber der Fairness halber gestehen, dass ich keine Ahnung von den technischen Möglichkeiten der Bühne habe).
Im weiteren Verlauf des Abends kam auch Axel Schäfer am Bass nicht zu kurz. Bei den Klassikern "Also was soll aus mir werden" und "Kampf um den Südpol" groovte es ordentlich. Die am Anfang nur vereinzelt vor der Bühne stehenden Fans hatten mittlerweile Gesellschaft bekommen und die, die es nicht auf ihren Sitzplätzen hielt, trotzten dem Wetter letztlich tanzend.

Eine echte Überraschung gab es dann bei "Eine Nacht" und "Wir sind die Sonne" (wie bereits erwähnt schnell umgetextet zu "Wir wollen Sonne") als mit Rene Niederwieser (ehemals PERL) ein Gitarrist das Line-Up verstärkte. Der Art-Pop wurde deutlich rockiger und mitreißender und die "lustigen Achtziger" (Originalton Martin Schreier) lebten noch einmal auf. Für mich persönlich ist die Gitarre bei der Stern-Combo Meißen ja immer noch ein Streitpunkt. Ich finde, dass sie ein Live-Konzert insgesamt lebendiger macht, auch wenn viele Songs ganz sicher ohne auskommen. Aber das ist wohl Geschmackssache.
Langweilig wurde der Abend nie und das einzige, was man an diesem Abend zwei Mal zu hören bekam war: "Also was soll aus mir werden". Wieder ein Text, der aktueller ist denn je und der, weil er "uns besonders am Herzen liegt" (Schreier), als Zugabe noch einmal gespielt wurde.

f 20130922 1463479729Insgesamt ein gelungenes Konzert, in dem man Thomas Kurzhals zwar nicht ganz ersetzen konnte, in dem aber Manuel Schmid bewies, dass er weit mehr als eine bloße Notlösung ist. Die Musiker verzichteten glücklicherweise auf eine Pause und so war nach gut zwei Stunden und einer Zugabe gegen 21:45 Uhr Schluss. Es bleibt die Hoffnung, dass sich der Wettergott das nächste Mal gnädiger zeigt, und dass die Stern-Combo Meißen uns noch viele schöne Abende bescheren wird.

Set-List:
Die Sage
Was bleibt
Das kurze Leben des Raimund S.
Reiter der Nacht
Ein Tag, ein Jahr, ein Leben
Lebensuhr
Die Zeder von Jerusalem
Der Eine und der Andere
Der Alte
Licht in das Dunkel
Mütter gehn fort ohne Laut
Du komm her
Stundenschlag
Also was soll aus mir werden
Schnee und Erde
Der Kampf um den Südpol
Medley
Eine Nacht
Wir sind die Sonne
ZUGABE
Also was soll aus mir werden



Termine:

27.09.2013 - Leipzig - Theaterfabrik
11.10.2013 - Dessau- Marienkirche
12.10.2013 - Zittau - Westpark-Center

Alle Angaben ohne Gewähr. Nähere Infos und weitere Termine auf der Homepage der Combo



Bitte beachtet auch:

- off. Homepage der Stern-Combo Meißen: www.stern-combo-meissen.com
- Portrait über die Stern-Combo Meißen: HIER




Live-Impressionen

 
 
 




   
   
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