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Ein Konzertbericht von Plisch mit Fotos von
Dietmar Marquardt und Norbert Milzow



001 20240501 1021869360Und weil wir Besuch aus München hatten
… von wo aus man die Alpen ja schon sehen kann, wenn es föhnt, beginne ich heute mal ganz anders. Hartnäckig halten sich ja immer noch die Gerüchte, dass unser sonntägliches "Après Church" eine Kirchenveranstaltung wäre, was den einen oder die andere Antiklerikale abhält den Sonntag mit uns auf dem besten KunstHof der Welt zu verbringen. Mensch Nachbarn, ehrlich … man muss auch nicht zwingend vorher Ski fahren, um sich beim "Après Ski" hernach einen hinter die Binde zu orgeln, gelle?

Lediglich ist es eben so, dass der KunstHofKöpenick genau gegenüber der Stadtkirche liegt und wir die Schlussglocke des Gottesdienstes als unser sonntägliches Startsignal begreifen. Und uns sind alle Willkommen, egal an was oder wen oder ob sie überhaupt an etwas glauben. Egal, wo sie herkommen und wo sie hinwollen. Artikel 1 des Grundgesetzes ist allerdings nicht verhandelbar. An den sollte man schon glauben, wenn man uns besucht! Amen

Danach
… geht`s auch gleich los mit dem Bericht über die Musike heute, aber, wir wollen ja chronologisch bleiben. An diesem Sonntag starteten wir erst einmal mit einer verspäteten aber angemessenen Ehrung. Daher übergab der Zeremonienmeister Tobias gleich zu Beginn das Mikrofon an unseren Bezirksbürgermeister Oliver Igel, der eine Laudatio auf unseren Randolf Brückner vorbereitet hatte. Wenn "Vereinsmeierei" auch einen guten Anstrich haben sollte, dann wäre Randolf ohne Frage der Leuchtturm der Vereinsmeierei. Er ist in so vielfältigen Vereinen ehrenamtlich aktiv, dass man gar nicht mehr hinterherkommt. Speziell für sein Engagement in der Flüchtlingshilfe in einer Zeit, als die Institutionen nicht hinterherkamen, erhielt Randolf die goldene Ehrennadel des Landes Berlin.

Leider geschah dies in der Zeit der Pandemie und so wurde ihm Nadel, Urkunde und Präsentkorb per Bote vor die Tür gestellt. Und da Randolf auch noch ein sehr bescheidener Mensch ist, erfuhren wir das eher so beiläufig im letzten Winter bei einem unserer Stammtischgespräche. Wir haben nicht lange gefackelt und den Bezirksbürgermeister angefragt, ob man den offiziellen Teil nicht vielleicht im Rahmen einer Après Church-Veranstaltung nachholen könnte, also eben in einem öffentlichen Rahmen und trotzdem für Randolf familiär. Oliver Igel hat das sofort zugesagt. Dafür bedanken wir uns, wie auch für eine würdige und trotzdem lockere Laudatio und wir gratulieren auch noch einmal ganz herzlich "unserem" Randolf. Du hast es verdient!

Egon
… war zwar nicht da, aber pünktlich um 11.30Uhr erklommen nun Norbert, Julian, Ludwig und Susanne, also "Die Hinter-Hoflieferanten", die Bühne und das in feinster Garderobe und Instrumentierung. Susanne war auch gleich auf Tuchfühlung mit dem Publikum, kein Fremdeln auf beiden Seiten. Einige im Publikum waren jedoch sichtlich erfreut, dass die Kommunikation sehr hochdeutsch von statten ging … als würde man die Bayern so schlecht verstehen. Himmiherrschaftzaggramentzefixalleluja, so schwer isset nu oooch nich! Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben, wurde gleich zuerst mal als Frage und Lied in den Raum gestellt und damit waren wir schon drin in der "alten Zeit",002 20240501 1348798624 die bei Weitem nicht immer "die gute" war, kulturell jedoch ein Fundus an wundervollen Melodien und Texten, einer Kultur, die wenig später von den Nazis zerschlagen wurde. Nicht nur die unsägliche (bis heute herrschende) Teilung der Kunst in Ernst und Unterhaltung haben wir diesem idiotischen tausendjährigem Versuch zu "verdanken", sondern die Vertreibung und sogar Tötung der Besten der Besten. Von diesem Bruch in der Lebenslinie der deutschen Kultur, die eben auch eine jüdische war, hat sich unsere Kultur eigentlich bis heute nie wirklich erholt. Wir sollten das nie vergessen, wenn wir diesen Melodien und Texten von zum Beispiel Tucholsky, Hollaender, Brecht und Weill lauschen. Oder eben auch Rudolf Schanzer mit dessen Text im Lied "Ich hol Dir vom Himmel das Blau" es eigentlich weitergehen sollte, eigentlich … denn unser Freund ZILLE, Berlins Antwort auf die Cosplayer dieser Welt, hatte Wind davon bekommen, dass hier in seinem Revier Münchner Künstler "seine Lieder" spielen. Und da wollte er mal so richtig Bescheid sagen und platze polternd in die Veranstaltung. Da er aber augenscheinlich die Brantl Susi janz knorke fand und sie ihm außerdem versicherte, die Genehmigung für diesen Akt der kulturellen Aneignung von ihrer Freundin Claire Waldoff zu haben, die bekanntlich auch ZILLEs Freundin ist, war das Eis schnell gebrochen. Um den Finger ließ er sich wickeln, der olle ZILLE, und jeschmeichelt war er ooch, weil die Hinter-Hoflieferanten sich ihre Bühnenkleidung nach seinen Zeichnungen anfertigen ließen.

So wurde es kein Battle, sondern ein kurzweiliger Dialog auf dessen Höhepunkt ZILLEs PORTJESCHE, die natürlich auch in feinster Kluft zugegen war, jedem ein Fläschlein "Berliner Luft" überreichte. Siehste … am Ende eint uns alle eben doch mehr als uns trennt, und sei es die Liebe zur Kultur und zum Leben. Danke ZILLE, dit war dufte. Und Du warst ja dann ooch bis zum Ende da, also hat es dir oooch jefallen … Liebe Nachbarn. Besucht doch gerne mal unseren ZILLE in seinem Stubentheater, oder auch im Altstadttheater Köpenick! (www.altstadttheater-koepenick.de)

Groschenlied
… von Friedrich Hollaender soll jetzt mal eine gute Gelegenheit sein, um die Band um Susanne Brantl in höchsten Tönen zu loben!

Ludwig Hahn an der Violine
Julian Schwarz am Akkordeon
Norbert Bürger am Banjo

Es war eine Freude euch zu lauschen, es geht ja eben nicht nur um das Beherrschen des eigenen Instrumentes, das ist lediglich die Grundvoraussetzung. Musike aber ist ein Mannschaftssport und wie ihr euch als Ensemble zusammenfügt, dem jeweils anderen Raum lasst, locker und flockig brilliert und damit das Bett bereitet, auf dem die Geschichten und Lieder gedeih 'n, ist eine wahre Freude. Und denn könnt ihr oooch noch singen. Chapeau!

Stern von Rio
… mit wunderschönem Geigen-Solo von Ludwig zur Tanzeinlage von Susanne samt imaginärem Diamant im Bauchnabel zog dann wirklich alle Register und wer bisher noch trockene Augen hatte, der musste spätestens hier kapitulieren und das Zwerchfell tun lassen, was es eben so gerne tut. Auf und ab tanzen. Und warum sollte man sich auch dagegen wehren herzhaft zu lachen, es sei denn die Nähte der letzten Gesichtsoperation stehen auf dem Spiel?! Ein Thema, was wohl die wenigsten in den 1920er Jahre verorten würden … Aber: "Wegen Emil seine unanständ`ge Lust", ein Lied von Paul Strasser und Julian Arendt, zeigte uns, dass es durchaus schon damals ein Thema war und ist ein auf erfrischende lockere Weise ein von Männern für die Waldoff geschriebenes frühfeministisches Lied. Unbedingte Hörempfehlung!

"Wenn ick mal tot bin
… denn mach ick wat ick will", auch wieder so ein großartiges Lied vom "kleinen großen" Friedrich Hollaender war auch im Programm. Wie auch "Nannas Lied", das "Zigeunerlied", "Gigolo", "Nachtgebet" usw. … ihr merkt schon, es ging eben nicht ausschließlich lustig zu, aber immer unterhaltsam und mit teils auch privaten Geschichten wunderbar von Susanne Brantl verwoben. So endete der Vormittag vorläufig mit …

003 20240501 1556549893hijo de la luna
… einem Lied, was eigentlich total aus Raum und Zeit fiel, sich dann eben aber in dieser großartigen Interpretation (und ich kenne einige) wunderbar ins Oeuvre fügte. Vor diesem Lied jedoch gab der "Onkel mit der Laterne" wieder sein Bestes, um sich bei den Gästen, dem Publikum und den Künstlern zu bedanken, das Prozedere des KunstHofKöpenicks zu erklären und mit unserem Geldsammel"kind" Anna den Geldabholblick zu üben.

Ach so, aus Gründen …
Wir erinnern uns an den obigen Absatz zur dunklen Zeit. Im Juni sind Europawahlen. Folgende kleine Anekdote. Heute besuchte uns ja auch Ana-Maria Tr?snea. Eine von den zwei (Treptow)Köpenicker Abgeordneten, die wir im Bundestag hatten. Und das "hatten" bezieht sich darauf, dass bei der Wiederholungswahl in den betroffenen Wahlbezirken in Berlin die Wahlbeteiligung zu gering war. Dadurch ging ihr Mandat und damit unsere Köpenicker Stimme im Bundestag innerhalb derselben Partei nach Niedersachsen. Ja, Demokratie ist manchmal schwierig und nicht alles ist in Ordnung in der doch wunderbaren Idee Europa, aber: Wenn mir das Essen in einem Restaurant nicht schmeckt, dann renne ich auch nicht raus und zünde den Laden an. An solchen "Kleinigkeiten" merkt man also, wirklich jede Stimme zählt und hat Auswirkungen. Geht bitte wählen, vor oder nach dem Konzert von Tom Baetzel zum Après Church am 9. Juni, oder macht es per Briefwahl. Kann man ganz easy beantragen, für Köpenicker z.B. Einfach per mail an . Was da drinstehen muss, findet ihr HIER.

"Irgendwo auf der Welt
… gibt`s ein kleines bisschen Glück". Das war die Zugabe und wir wissen wo dieses irgendwo ist. Jeden Sonntag bei uns auf dem KunstHofKöpenick! Ein wunderbarer, sehr sonniger und launiger Vormittag ging leider zu Ende. Danke Hinter-Hoflieferanten, danke Petrus, danke tolles Publikum, danke dem ganzen KunstHof-Team, danke Zille und Portjesche, Danke dem Leben und der Liebe.

KunstHof traf Hinter-Hof. Weder wir noch unsere Gäste aus Minga wollten von diesem Tag Abschied nehmen und so aßen, tranken und redeten wir noch bis in den Sonnenuntergang hinein. Zwischendurch hüpfte auch noch relativ surreal ein kleiner Junge an uns vorbei und sang "Ach Egon, Egon, Egon" … na, da haben die Hinter-Hoflieferanten ja generationsübergreifend gute Arbeit geleistet! Danach … Nachtgebet und ab ins Bett.

Die nächsten Termine:
• 05.05.2024 - Barbara Cuesta
• 12.05.2024 - Red Chucks
• 18.05.2024 - Toni Krahl (mit b.deutung) - im ABC Hirschgarten
• 19.05.2024 - DEAH (Dirk Lorenz von Modern Soul)

Alle Angaben ohne Gewähr! Weitere Veranstaltungen folgen ....









   
   
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