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Ein Bericht mit Fotos von Petra Meißner




Es gab für mich noch kein Konzert, bei dem ich so hin und her gerissen war von: "Das geht gar nicht?" und "Genial!" Meißners sind eine bekennende Rio-Fan-Familie und geprägt von "Wunderbundten" Zeiten. In der Stadthalle Marienberg hatte sich "Irrlichter - Ein Rio Reiser Projekt" angekündigt. Es sollte ein Abend mit Rio Reiser-Liedern werden und hat mit dem Theater am Rand zu tun.

Wie auch bei Gundermann machen Schauspieler gern Musik und es kommen interessante Projekte dabei raus. Die Mimen Dana Golombek (bürgerlich von Senden), Kai Dannowski und Frank Leo Schröder zeigten in der Stadthalle Marienberg so ein Projekt. Nun ist es so: ich gucke keine Filme oder Serien, und kenne daher kaum Schauspieler. Ganz ohne Ehrfurcht und völlig unvoreingenommen fuhren wir nach Marienberg. Rio Reiser kennen und lieben wir, und haben uns in der letzten Zeit oft gefragt, was Rio zu den traurigen Entwicklungen unserer Zeit sagen würde. Vielleicht "Dieses Land ist es nicht"? Die drei Schauspieler haben die Corona Zeit und ein Förderprojekt genutzt, um ein sehr eigenwilliges Rio-Programm auf die Beine zu stellen. Heraus gekommen ist ein verweben von gesprochenen Gedanken mit seinen Liedern. Alle drei Schauspieler spielen ein Instrument: Dana Cello, Kai ist der Keyboarder und der Polizeiruf 110-Schauspieler Frank Leo Schröder spielt Saxophon. Kai ist übrigens auch Musiker und hat eine tolle Stimme.


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Angelegt ist das Konzert als Lesung. Viele Tagebucheinträge, die Autobiographie und Einlassungen von Rios Bruder Gert Möbius wurden in die Songs von Rio gestrickt. Manchmal war es mir zu viel des Guten und ich dachte mir so, "Lasst den Rio doch endlich mal machen." Mir ist aber auch klar: den Anspruch, Rio nur zu covern, hat dieses Projekt nicht, und das ist gut so. Es kam wie es kommen musste, im "Rauchhaus Song" gaben sie den Rio als Rapper. Für mich Gotteslästerung, mein Mann fand es toll. Ich bin eben noch bissel altmodisch. Begeistert war ich von "Der Traum ist aus". Neben ihrer eigenen Interpretation spielten sie Tonpassagen aus der Werner Selenbinder Halle ein. Die Zeile "Dieses Land ist es nicht" ließen sie Rio selbst singen. Das war Gänsehaut pur.

Auch interessante Geschichten aus dem Leben von Rio Reiser gab es zu hören. Neu für uns: "Übers Meer" hatte Rio für die Beerdigung seines Onkels geschrieben. Die Zwischentexte verdeckten manchmal Rio, sorgten aber auch für ein tieferes Verständnis. Besonders toll fand ich das bei "Blinder Passagier". Menschen kommen mit Erwartungen in Konzerte. Meine bezog sich als ostrockaffine Zuschauerin auf "von Senden". Aber die Halbschwester von Manuel hat so gar nichts von der Stimme ihres Bruders und damit musste ich mich im ersten Teil des Konzertes erst mal abfinden. Als ich die Enttäuschung überwunden hatte, konnte ich mich auf die eigenwillige Interpretation der Songs einlassen. Lustig, was Dana so machen würde, wenn sie Königin von Deutschland wär.





Einer meiner Lieblingstitel ist "Wann". Hier konnte ich mit der Interpretation der Drei nix anfangen. Aber das ist, wie alles, Geschmackssache. Da bin ich vielleicht zu sehr auf die nicht mehr existierende Band Wunderbuntd geprägt. Zum Schluss spielten sie Rio pur und das riss das Publikum von den Plätzen.

Die riesige Stadthalle war völlig unpassend für so wenige Zuschauer. Es dauerte doch ein bisschen, bis der Funken übersprang. Das Projekt ist was für kleinere Spielstätten, dann erscheinen die Künstler nicht so unnahbar und weit weg wie am Anfang in Marienberg. Der Zuschauer merkt eher, "Aha, genau du bist gemeint." Das war immer Rios Credo. Wenn Meißners nach Hause fahren, fallen im Auto kaum mehr Sätze wie: "War wieder klasse." Gestern mussten wir echt diskutieren und vielleicht müssen wir auch mal nachsitzen. Guckt es euch an!






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