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Ein Bericht mit Fotos von Dajana Prosser-Gehn



Um 20 Uhr öffnete sich der Vorhang und auf einmal waren wir alle wieder kleine Kinder, denn Monika Ehrhardt-Lakomy betrat mit dem Reinhard Lakomy Ensemble die Bühne. An manchen Tagen kommt einem die Kindheit so weit weg vor. Dann hört man einen Satz oder eine Melodie, und es scheint, als wäre sie erst gestern gewesen. Man erinnert sich an alles. Und wer ist nicht mit dem "Traumzauberbaum" groß geworden? Seit über vier Jahrzehnten ist diese Geschichte ein lieb gewonnener Begleiter unserer Kindheit.

Monika Ehrhardt-Lakomy nahm mit einem Buch auf einem gemütlichen Sessel Platz. Rechts auf der Bühne saßen Olivia Winter, Viveca Lindhe sowie Susi Wiemer an einem Tisch vereint und lauschten genau so wie wir den Worten von Monika, liebevoll Moni genannt.


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Momentan laufen sieben Bühnenshows, und 15 Alben sind bisher entstanden. Das aktuellste Hörspiel heißt "Mama Tresore und die Kanalrattenbande". Wie auch bei allen anderen Programmen kamen viele namenhafte Künstler zusammen, um ein ganz besonderes Werk entstehen zu lassen (z.B. Angelika Mann, Franziska Troegner, Walter Plathe, Oliver Kalkofe und und und). Neben Monika Ehrhardt stand eine übergroße hölzerne Kabeltrommel, die mit einem goldenen Tuch verdeckt war. Spannungsvoll wurde es weggezogen und zum Vorschein kam ein aufgewickeltes rotes Seil - der rote Faden, der sich durch ihr Leben zog und weiter ziehen wird. Stück für Stück wurde am Abend am Seil gezogen, um einzelne Stationen ihres Lebens und die Entstehung des "Traumzauberbaums" zu erzählen. Zwischenzeitlich wurde das Publikum mit eingebunden. Mal durfte einer ziehen, mal durfte jemand den Zettel vorlesen, der am Seil befestigt war.

Moni erzählte von ihrer fantasievollen Kindheit, die später zu den "Geschichten vom Traumzauberbaum" wurden. Sie konnte in der Natur viele schöne Dinge entdecken und sich daraus Geschichten ausdenken. Alles auf Zetteln etc. notiert und in einer Schublade verstaut. So fing alles an. Aber es sollte noch viele Jahre dauern bis zur schicksalhaften Begegnung mit einem gewissen Reinhard Lakomy, der damals ein gefeierter Rockstar war. Doch waren Stars in der DDR gar nicht erwünscht. Man war Interpret, und kein Rockstar.

Bereits 1972 hörte Monika Ehrhardt aus ihrem Stern-Koffer-Radio eine raue Stimme, die ein Lied erzählte. Diese Stimme faszinierte sie. Da vernahm sie zum ersten Mal den Namen Reinhard Lakomy. Doch erst vier Jahre später lernten sie sich kennen und ein Jahr später 1977 heirateten sie. Vor ihrer Hochzeit sprachen die beiden bei einer oder vielleicht auch mehr Tassen Tee über alles mögliche, aber dann berichtete Lacky ihr, dass er auf der Suche nach Texten für Kindermusik ist. Da überreichte sie ihm einfach ihre ganzen Aufzeichnungen. Das war genau das, was er schon immer suchte. Verschwand damit und 1978 erschien ihre erste gemeinsame LP "Geschichtenlieder". Nur zwei Jahre später war "Der Traumzauberbaum" geboren. Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf und dieses Programm wurde 13 Jahre im Friedrichstadtpalast aufgeführt.

Nach dem Mauerfall schloss der westliche Kulturbetrieb für sie die Tür. Doch Reinhard Lakomy war kein Mann, der einfach aufgab. Er wusste: Abwarten und Tee trinken. Und er sollte recht behalten. Das Publikum blieb ihnen treu. Lacky und seine Frau begannen nicht wieder von vorne, aber es war erst einmal alles ein wenig kleiner und wurde Schritt für Schritt größer. Letztendlich gründete sich daraus das REINHARD LAKOMY ENSEMBLE, welches bis heute Bestand hat und die Säle füllt.


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Wir hingen Monika Ehrhardt sowie dem Ensemble bei ihren Geschichten förmlich an den Lippen. Zwischenzeitlich erklangen Lieder oder Lacky wurde eingespielt, z.B. mit "Grüner Baum" oder dem Stück "Indianerblick" aus dem Album "Das blaue Ypsilon". "Indianerblick" wurde für uns im Publikum ein Mitmachlied. Egal wie alt wir waren, jeder erhob sich und machte mit. Wir klatschten oder stampften rhythmisch. Niemanden war irgendwas peinlich. Denn wie schon erwähnt, waren wir seit 20 Uhr alle wieder kleine Kinder, und kleine Kinder machen so was gerne und auch alles mit.

Ruhiger und emotionaler wurde es, als Monika Ehrhardt von den letzten Tagen ihres geliebten Mannes erzählte und man auch wehmütig wurde, weil das 15. Album die letzte Produktion mit Lackys Musik war. Aber auch seine Moni ist eine Kämpfernatur. Sie wird weiterhin Bühnenshows zaubern - für ihre Mädels, wie sie Oliva, Viveca und Susi liebevoll nennt, und natürlich auch für uns, die Kinder geblieben sind. Der rote Lebensfaden auf der Kabeltrommel war zwar mittlerweile kürzer, aber es blieb und bleibt noch genug übrig für weitere Geschichten. Die "Geschichten vom Traumzauberbaum", die seit über vier Generationen die Kinder erfreut, sind noch lange nicht auserzählt, darum wird es auch weitergehen.

Die Zeit verrann viel zu schnell. Man hätte so gerne noch viel mehr erfahren. Eigentlich müsste man damit auf Tour gehen und immer wieder andere Künstler dazu einladen, die bei den Produktionen mitwirkten. Es ist und bleibt spannend. Mit dem "Küsschenlied", welches wir selbstverständlich mitsangen, endete ein super interessanter Abend, der auf jeden Fall nach Fortsetzung schreit.






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